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Kindle-Fire-Tablet: Amazon nimmt Apple unter Feuer

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Jetzt kommt das Amazon-Tablet "Kindle Fire": Am Mittwochabend wird der Online-Konzern seinen Flachrechner vorstellen, daran gibt es kaum mehr Zweifel. Apples iPad steht damit ernstzunehmende Konkurrenz ins Haus - weil Amazon mehr bieten kann als bloß Internet und Apps.

Amazon-Karton: Wird der Onlinehändler bald zum Tablet-Anbieter? Zur Großansicht
REUTERS

Amazon-Karton: Wird der Onlinehändler bald zum Tablet-Anbieter?

Amazons Tablet ist kein Kindle, so viel ist klar. Und es ist kein Android-Tablet wie die vielen anderen Flachrechner mit Google-Betriebssystem. Wenn Amazon am Mittwochabend deutscher Zeit seinen Touch-Computer vorstellt, wird er nicht bloß Sofa-Surfern die Internetnutzung erleichtern oder als Plattform für Android-Apps dienen. Das Tablet wird Amazons Internetangebote auf den mobilen Flachbildschirm bringen - und könnte deshalb eine echte Alternative zum iPad werden.

Dass Amazon an einem eigenen Tablet-PC arbeitet, ist längst ein offenes Geheimnis. Gerätselt wird seit Monaten nur noch um wie, wann und von wem. Vor allem letzteres hat Amazon offenbar Probleme bereitet. Im Mai war bekannt geworden, dass der Konzern sein Kindle-Entwicklerteam im sogenannten Lab 126 kräftig aufstockte. Die logische Schlussfolgerung: Das Team, das schon die erfolgreichen Kindle-E-Book-Reader entwickelt hatte, sollte nun weitere Amazon-Hardware erfinden. Tablets ganz sicher, Handys vielleicht.

Doch für eine eigenständige Entwicklung war es zu diesem Zeitpunkt offenbar schon zu spät. Selbst Firmen mit großen eigenen Entwicklungsabteilungen, wie Apple und HP, brauchten Jahre, um ihre Tablet-Rechner von der Idee zum Massenprodukt zu verfeinern. So lange wollte Amazon nicht warten. Also, berichtet Ryan Block von gdgt.com, habe der Konzern sich an Quanta Computer gewandt. Dieses Unternehmen übernimmt für viele Hightech-Unternehmen Entwicklungs- und vor allem Produktionsaufgaben - auch für Apple.

Viel billiger als das iPad

Bei Quanta wiederum holte man Ryan Block zufolge flugs die Pläne des Playbook vor, das das taiwanische Unternehmen bereits für den Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) produziert haben soll. Einen Techcrunch-Redakteur, der das Amazon-Tablet schon kurz ausprobieren durfte, erinnerte es an das Blackberry-Tablet. Eine Kopie des Playbook wird Amazons Tablet trotzdem nicht, zu viele Modifikationen seien nötig gewesen, um den angepeilten Preispunkt von 300 Dollar zu erreichen. Zur Erinnerung: RIMs Playbook kostete zum Start je nach Ausstattung zwischen 500 und 700 Dollar.

Aus dem Playbook ergeben sich dann auch die Eckdaten des vermutlich Kindle Fire genannten Amazon-Tablets. Bisher vermuten die Gerüchteköche folgende Konfiguration:

  • 7-Zoll-Display
  • 1,2 GHz OMAP-Prozessor von Texas Instruments
  • Android-2.1-Betriebssystem

Das Android-Betriebssystem soll von Amazons Entwicklern derart modifiziert und angepasst worden sein, dass es nur noch wenig Ähnlichkeit mit einem Android von der Stange haben wird, wie man es in vielen Tablets asiatischer Herkunft sieht. Die Modifikationen werden allerdings nicht nur dazu dienen, dem Fire ein eigenes Gesicht zu geben. Sie werden vor allem den Zweck haben, Anwendern die Nutzung von Amazon-Diensten leichtzumachen.

Und an Diensten hat der US-Konzern seinen künftigen Tablet-Kunden einiges zu bieten:

  • Einen eigenen App Store, der anstelle von Googles Marketplace integriert sein dürfte.
  • Einen Kindle Store, aus dem man sich mit Büchern und Magazinen versorgen kann.
  • Einen MP3-Store, aus dem man sich mit Musik versorgen kann.
  • Einen Cloud-Dienst, über den man seine Musik hören kann, ohne sie lokal speichern zu müssen.
  • Eine digitale Videothek, die Filme jederzeit und überall abrufbar macht.
  • Und natürlich ein gigantisches Online-Kaufhaus, in dem man fast alles, nicht nur für den täglichen Bedarf, bestellen kann.

Diese Auflistung macht klar: Die bisher aufgeführten Hardware-Spezifikationen sind unvollständig. Amazons Tablet muss online sein - möglichst immer und überall. Denkbar ist, dass es eine Version mit W-Lan und eine zweite mit W-Lan und 3G geben wird.

Wenn Amazon es richtig macht, dürfte das Tablet die Wertschöpfungskette des Konzerns komplettieren. Amazon verfügt über ein buntes Bouquet digitaler Dienste, kann Musik, Literatur, Apps und Filme übers Netz ausliefern. Bisher ist der Online-Händler dabei auf die Initiative der Kunden angewiesen, die entsprechende Software auf Endgeräten zu installieren oder spezielle Websites anzusteuern.

Das Ende der Wertschöpfungskette

Mit einem eigenen Tablet aber würde der Konzern den umgekehrten Weg gehen, den Apple genommen hat. Apple hatte zuerst die Hardware in Form von iPods, iPhones und iPads und musste sich mit dem iTunes Store langsam eine Content-Infrastruktur aufbauen. Amazon dagegen strotzt vor Inhalten, die es zu verteilen gilt. Ein Tablet, das genau das leicht macht, wäre die ideale Vermarktungsplattform.

Da wäre es sogar denkbar, dass Amazon den Preis für Endkunden subventioniert, um möglichst viele Geräte abzusetzen und sich so eine breite Kundenbasis nach iTunes-Vorbild zu schaffen.

Ob das Amazon-Tablet so zur Bedrohung für Apples iPad wird, bleibt abzuwarten. Mit einem Marktanteil von derzeit rund 95 Prozent dürfte es schwer werden, den iPad-Konzern vom Weg abzubringen. Schlüssiger scheint da eine Annahme, die TechCrunch formuliert hat: Gefährlich könnte Amazons Vorstoß vor allem den sowieso schon glücklosen Android-Tablets werden. Denn warum sollte man noch zu einem Standard-Android-Gerät greifen, wenn man die Vorzüge dieses Betriebssystems (Apps und Google-Integration) bei Amazon zusätzlich mit diversen Online-Angeboten garniert bekäme?

Ob Amazon diese Vorhersage erfüllen wird, dürfte sich am Mittwochabend deutscher Zeit herausstellen, wenn der Fire-Schleier gelüftet wird. SPIEGEL ONLINE wird berichten.

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insgesamt 111 Beiträge
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1. Die spannende Frage..
Kabe 28.09.2011
...wird sein, ob das Tablett die vom Redakteur empfundenen Vorzüge „Apps und Google-Integration“ überhaupt haben wird. Die Basis Android 2.x spricht nicht gerade dafür. Das wird ein Amazon-Tablett, und genauso wie das Apple-Gerät ein relativ geschlossenes System. Trotzdem oder gerade deswegen wird es erfolgreicher werden als die ganze Android-Clone-Armee.
2. Murks?
McKracken 28.09.2011
Den Optimismus des Autoren kann ich nicht ganz teilen: Android 2.1 ist massiv veraltet, aktuell ist 2.3.6 für Smartphones, 3.1 für Tablets und 4.0 steht in den Startlöchern. Mit der veralteten Version handelt man sich neben fehlender Funktionalität eine Menge Sicherheitsprobleme ein. Anwendungen für Amazon Store, Kindle, Netzlaufwerke, Streaming Dienste gibt es längst, da braucht man vor allem Apple Nutzern nichts vorzuschwärmen. Und sollte was fehlen - neue Apps entstehen im Minutentakt. Die Beschränkung auf einen Content Anbieter, vor allem was den App-Store betrifft ist ein absolutes Geht-Nicht: Viele Android Nutzer haben Anwendungen gekauft, die sie weiterverwenden möchten oder möchten vielleicht später solche, die es im Amazon Store nicht gibt. Die Idee von Android ist es (oder war es jedenfalls) einigermaßen offen zu sein, auch wenn die Abhängigkeit zu Google (eMail, Maps, ...) natürlich tiefgreifend ist. Was attraktiv ist, ist der Preis. Es gibt aber auch in Deutschland Tablet Geräte unter 200 €, denen zwar auch einiges fehlt, die aber oft ausreichend gut sind. Naja, warten wir mal ab, was bei der Präsentation rum kommt.
3. Mich überzeugt das nicht
meine_ansicht 28.09.2011
Zitat von sysopJetzt kommt das Amazon-Tablet: Am Mittwochabend wird der Online-Konzern seinen Flachrechner vorstellen, daran gibt es kaum mehr Zweifel. Apples iPad steht damit ernstzunehmende Konkurrenz ins Haus - weil Amazon mehr bieten kann als bloß Internet und Apps. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,788599,00.html
Erst einmal sind die 95% Marktanteil von Apple schlicht weg falsch (z.B. http://www.heise.de/mobil/meldung/Whitebox-Tablets-druecken-Apples-Marktanteil-auf-54-Prozent-1257088.html). Warum ein 7 Zoll kleines Tablet mit einem veralteten Betriebssystem ohne tausende verfügbare Apps jetzt eher ein iPad "Killer" sein soll als die in Vielzahl verfügbaren spitzen Tablets mit Android 3.2 ist mir auch ein Rätsel. Zu den im Artikel so hoch angepriesenen Softwarelösungen auf dem Kindle fehlt der Hinweis, dass es alle diese Dienste schon lange gibt. Datenspeicher mit entsprechenden Multimedia Erweiterungen gibt es genug in der Cloud, wer etwas mehr will muss zahlen, ansonsten gibt es auch kostenlose Angebote. Zugegeben, man bekommt es mit dem Kindle wahrscheinlich einfacher gemacht, muss sich aber dafür wieder an einen Hersteller binden und zahlt somit später wieder drauf. Die Masche kennen wir ja schon von Apple, könnte also leider wieder funktionieren, eine Gefahr für Android-Tablets ist das dann aber nicht ...
4. Abgespecktes Android-Billig-Tablet für den Amazon-Einkauf - GÄHN
plastikjute 28.09.2011
Ein abgespecktes Android-Billig-Tablet mit dem man vor allem bei Amazon einkaufen kann ... und darüber gerät der Autor völlig aus dem Häuschen? ROFL Wenn man nicht wüsste, dass es als Werbung gedacht ist, wäre der Artikel schlicht für den Papierkorb.
5. dead on arrival
shechinah 28.09.2011
Mit 2.1 unter einer selbstgebastelten Oberfläche wird Amazons elektonischer Katalog eher ein Flop werden. Bestenfalls wird das Teil als billig Hardware hergehen, um dann sofort nach dem Auspacken ein alternatives ROM draufzuspielen. Was glauben die eigentlich...?
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