Von Konrad Lischka
Einige leuchten, andere passen in die Jackentasche, bei den meisten ist der Touchscreen Standard - die Vielfalt bei E-Readern war noch nie so groß wie heute. Doch keines der Lesegeräte ist perfekt: Einige sind hervorragend für Anmerkungen und Markierungen in E-Books geeignet, dafür kann man nur bei einem Anbieter E-Books kaufen.
Die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen gibt es bei diesen Punkten: Kann man E-Books aus anderen Webshops ohne mühsame (und bei Kopierschutz womöglich illegale) Konvertierung lesen? Wie schwierig ist es, Textstellen zu markieren und Anmerkungen einzutippen? Sind die Notizen dann nur auf dem E-Reader zu lesen? Oder werden sie synchronisiert, so dass man markierte Passagen zum Beispiel bequem gesammelt im Webbrowser sieht? Ist es möglich, E-Books auch auf Tablets und Smartphones zu lesen - und zwar an der Textstelle, an der man eben auf dem E-Reader aufgehört hat?
Es gibt also viele Kriterien, auf die Käufer achten müssen. Unser Marktüberblick zeigt die Vorteile und Nachteile der besten aktuellen Geräte aus drei Preissegmenten.
Premiumklasse für unter 130 Euro - leuchtende Geräte mit Top-Auflösung
E-Reader mit digitaler Tinte und beleuchtetem Bildschirm haben einen ganz offensichtlichen Vorteil: Man kann auch in Dunkelheit (im Bett, im Flugzeug) ohne zusätzliche Lichtquelle lesen.
Das seitlich auf den Bildschirm fallende Licht verbessert die Lesbarkeit auch bei Tag, weil der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund höher ist. Drei dieser leuchtenden Lesegeräte sind in Deutschland derzeit für jeweils 129 Euro im Handel. Die Darstellung ist bei allen gleich gut, Kontrast und Auflösung sind höher als bei allen anderen derzeit erhältlichen E-Readern.
Mit dem Kindle Paperwhite (hier geht es zum Test) lassen sich Textstellen einfacher und schneller markieren und Anmerkungen leichter tippen als auf Konkurrenz-Produkten. Die Kindle-Software synchronisiert alle Notizen und Unterstreichungen über alle Amazon-Lesegeräte und Kindle-Apps auf Tablets und Smartphones hinweg. Dieser Synchronisierungsdienst ist bislang einzigartig - eine große Hilfe für alle, die mit Büchern arbeiten. Wer den Kindle Paperwhite wegen dieser Vorteile zu Weihnachten verschenken will, hat Pech: Ausgeliefert wird frühestens wieder Ende des Jahres. Eine Alternative zum Tippen und Markieren ist der Kindle Touch (109 Euro) - allerdings ohne Licht und mit geringerer Auflösung. Den Aufpreis für die Version mit Mobilfunkmodul kann man sich sparen, wenn man ein Smartphone hat, auf das der E-Reader per W-Lan-Direktverbindung zugreifen kann.
Vorteile und Nachteile des Kindle Paperwhite im Schnellcheck:
sehr gute Notiz- und Markierungsfunktion mit Synchronisierung und Webabruf
Lese-Apps für iOS, Android, Browser mit automatischer Synchronisierung
großes und günstiges Angebot englischsprachiger E-Books
Notiz- und Markierungsfunktion nur für bei Amazon gekaufte E-Books
zeigt nicht die kopiergeschützten E-Books aus anderen Webshops an
bei Amazon gekaufte E-Books standardmäßig nur mit Kindle nutzbar
kein Zugriff auf Online-Leihangebot der Stadtbüchereien
derzeit ausverkauft, Auslieferung erst Ende Dezember 2012
Vorteile und Nachteile des Kobo Glo im Schnellcheck:
komfortable Bedienung, nahtlose Integration von Hard- und Software
offen für kopiergeschützte E-Books anderer Webshops und Stadtbüchereien
große Auswahl an englischsprachigen E-Books
Lese-Apps für Android und iOS, Leseposition wird synchronisiert
Speichererweiterung per Micro-SD-Karte
in Lese-Apps integrierte Diskussionsforen zu E-Books
Auswahl deutschsprachiger E-Books kleiner als bei der Konkurrenz
Notiz- und Markierungsfunktion ohne Web-Oberfläche unpraktisch
Vorteile und Nachteile des Odyssey HD Frontlight im Schnellcheck:
offen für E-Books aus anderen Webshops und Stadtbüchereien
Speichererweiterung per Micro-SD-Karte
Lese-App nur für Android, ohne Synchronisierung der Leseposition
kein Abgleich von Notizen oder Textmarkierungen
mühsame Bedienung
integrierter Thalia-Webshop bietet kaum englischsprachige E-Books
| E-Reader für 130 Euro: Bookeen, Kindle, Kobo | |||
| Gerät | Bookeen Cybook Odyssey HD FrontLight | Kobo Glo | Kindle Paperwhite |
| Maße (cm) | 16,6 x 12 x 0,94 | 15,7 x 11,4 x 1 | 17 x 11,68 x 0,91 |
| Gewicht (Gramm) | 187,248 | 185 | 212 / 221 (mit 3G) |
| Auflösung (Pixel) | 1024 x 758 | 1024 x 768 | 1024 x 768 |
| Bildschirm (Diagonale) | 15 cm | 15 cm | 15 cm |
| Anzeige | 16 Graustufen, 213 dpi | 16 Graustufen, 216 dpi | 16 Graustufen, 212 dpi |
| Speicher (Gb) | 2 (erweiterbar per MicroSD-Karte auf bis zu 34) | 2 (erweiterbar per MicroSD-Karte auf bis zu 34) | 2 |
| Schnitt- stellen |
W-Lan, Micro USB | W-Lan, Micro USB | W-Lan, Micro-B USB, optional: 3G |
| Besonder- heiten |
beleuchtetes Display, Touchscreen, Micro-SD-Slot | beleuchtetes Display, Touchscreen, Micro-SD-Slot | beleuchtetes Display, optional: kostenloser Mobilfunk-Zugriff auf Amazon |
| Unterstützte Formate | ePub, ePub mit Adobe Digital Editions DRM, FB2 | ePub, ePub mit Adobe DRM, PDF, PDF mit Adobe DRM, Mobi | AZW, TXT, PDF, Mobi ohne DRM |
| Integrierter E-Book-Shop | Thalia | Kobo | Amazon |
| Lese-Apps | Android (Thalia) (alternative Apps wie Readmill, Bluefire Reader für iOS) | iOS, Android, PC, Mac | Browser, iOS, Android, Windows 8, Windows Phone, Blackberry, Mac, Windows |
| Online-Synchronisierung | - | Leseposition, markierte Textstellen, Notizen | Leseposition, markierte Textstellen, Notizen |
| Preis * | 129 Euro | 130 Euro | 129 Euro (W-Lan) / 189 Euro (3G) |
| lieferbar * | Ende November | Ende November / Anfang Dezember | Ende Dezember |
| * laut geizhals.at /Amazon.de, Stand: 14.11.2012 | |||
Die E-Reader im mittleren Preissegment haben eine Auflösung von 800 x 600 Pixeln. Das ist weniger als bei den 130-Euro-Readern (1024 x 768). Je nach Größe des Bildschirms und der gewählten Schriftart wirkt Text auf den 80-Euro-Readern manchmal etwas pixelig - aber nur, wenn man ganz genau hinschaut.
Der Kobo Mini (hier geht es zum Test) gehört zu den derzeit preiswertesten E-Readern. Für 80 Euro erhält man ein Lesegerät mit guter Software und sehr schnell reagierendem Touchscreen.
Vorteile und Nachteile des Kobo Mini im Schnellcheck:
handliches Format (in etwa so groß wie zwei iPhones)
Touchscreen reagiert schnell
offen für E-Books aus anderen Webshops und Stadtbüchereien
komfortable Bedienung, nahtlose Integration von Hard- und Software
große Auswahl an englischsprachigen E-Books
Lese-Apps für Android und iOS, Leseposition wird synchronisiert
mit 80 Euro der billigste Touchscreen-E-Reader (Kindle Touch: 109 Euro)
in Lese-Apps integrierte Diskussionsforen zu E-Books
Auswahl deutschsprachiger E-Books kleiner als bei der Konkurrenz
Notiz- und Markierungsfunktion unpraktisch, da eine Web-Oberfläche fehlt
Vorteile und Nachteile des Kindle im Schnellcheck:
sehr gute Notiz- und Markierungsfunktion
Lese-Apps für iOS, Kindle, Browser mit automatischer Synchronisierung
großes und günstiges Angebot englischsprachiger E-Books
selbst die Eingabe kurzer Texte ist mühsam
zeigt nicht die kopiergeschützten E-Books aus anderen Webshops an
bei Amazon gekaufte E-Books standardmäßig nur mit Kindle nutzbar
kein Zugriff auf Online-Leihangebot der Stadtbüchereien
| E-Reader für 80 Euro: Kobo Mini und Kindle | ||
| Gerät | Kindle | Kobo Mini |
| Maße (cm) | 16,6 x 11,4 x 0,87 | 10,2 x 13,3 x 1 |
| Gewicht (Gramm) | 170 | 134 |
| Auflösung (Pixel) | 800 x 600 | 800 x 600 |
| Bildschirm (Diagonale) | 15 cm | 13 cm |
| Anzeige | 16 Graustufen, 167 dpi | 16 Graustufen |
| Speicher (Gb) | 2 | 2 |
| Schnitt- stellen |
W-Lan, Micro-B USB | W-Lan, Micro-USB |
| Besonder- heiten |
- | Touchschreen |
| Unterstützte Formate | AZW, TXT, PDF, Mobi ohne DRM | ePub, ePub mit Adobe DRM, PDF, PDF mit Adobe DRM, Mobi |
| Integrierter E-Book-Shop | Amazon | Kobo |
| Lese-Apps | Browser, iOS, Android, Windows 8, Windows Phone, Blackberry, Mac, Windows | iOS, Android, PC, Mac |
| Online-Synchronisierung | Leseposition, markierte Textstellen, Notizen | Leseposition, markierte Textstellen, Notizen |
| Preis | 79 Euro | 79 Euro |
| lieferbar * | ja | ja |
| * laut geizhals.at, Stand: 14.11.2012 | ||
Bei der Textdarstellung ist der Unterschied zwischen den 80 und den 60-Euro-Lesegeräten nicht auffällig. Die Auflösung ist dieselbe, der Kontrast dank digitaler Tinte ähnlich hoch. Allerdings muss man auf ein W-Lan-Modul verzichten - und somit auf eine komfortable Synchronisierung.
Die Buchhandelsketten Weltbild und Thalia verkaufen einen Trekstor E-Reader mit E-Ink-Display für gerade mal 60 Euro. Der Trekstor eBook Reader 4Ink liegt gut in der Hand, der samtige Kunststoff fühlt sich angenehm an, die Darstellung ist gut. Für ein Einsteiger-Gerät ist die Bedienung allerdings zu kompliziert: Man muss den Reader an einen Computer anschließen und jedes gekaufte E-Book mit einer speziellen Software auf den Reader übertragen. Bei den anderen Geräten funktioniert das drahtlos. Ein Billig-Reader für Computerkundige, die nur mit einem Gerät lesen wollen und nichts vom Markieren wichtiger Passagen halten.
Vorteile und Nachteile des Trekstor eBook Reader im Schnellcheck:
für 60 Euro erstaunlich guter E-Ink-Bildschirm
offen für E-Books aus anderen Webshops und Stadtbüchereien
keine Notiz- und Markierungsfunktion
mangels W-Lan kein integrierter Webshop
Der E-Reader hat den kleinsten Bildschirm aller Lesegeräte. Die Darstellung ist ordentlich, der Bildaufbau ähnlich schnell wie beim Trekstor E-Reader. Langes Lesen mit dem Txtr Beagle ist erheblich angenehmer als auf einem Tablet oder Smartphone. Der Beagle soll laut Hersteller "im Frühjahr 2013" in Deutschland verkauft werden. Txtr sucht noch Partner (beispielsweise Mobilfunkfirmen), die den Beagle subventioniert im Paket mit anderen Produkten verkaufen. So will Txtr den Preis auf 10 Euro drücken. Wer jetzt ein günstiges Lesegerät haben will, muss nicht auf den Beagle warten. Wie teuer der E-Reader sein wird, ist derzeit unklar. Würde der Txtr Beagle ohne Subvention beispielsweise 50 Euro kosten, wäre der 80 Euro teure Kobo Mini womöglich doch das preiswertere Gerät .
Vorteile und Nachteile des Txtr Beagle im Schnellcheck:
sehr handliches Format, gut in einer Hand zu halten
einfaches Blättern mit Tasten
offen für E-Books aus anderen Webshops
Transfer von E-Books per Smartphone einfacher als bei anderen Billig-Readern
niedriger Preis - wie günstig, ist derzeit allerdings unklar
trotz angeblich 4 Gigabyte Speicher nur Platz für 15 E-Books
keine Notiz- und Markierungsfunktion
keine Synchronisierung der Leseposition mit Apps
erst 2013 verfügbar
| E-Reader unter 60 Euro: Trekstor und Txtr | ||
| Gerät | Trekstor E-Book Reader 4 | Txtr Beagle |
| Maße (cm) | 16,7 x 12,3 x 0,9 | 14 x 10,5 x 0,48 |
| Gewicht (Gramm) | 216 | 128 |
| Auflösung (Pixel) | 800 x 600 | 800 x 600 |
| Bildschirm (Diagonale) | 15,2 cm | 12,7 cm |
| Anzeige | 16 Graustufen | 8 Graustufen |
| Speicher (Gb) | 4 (als Modell 4Ink bei Thalia und Weltbild nur 2) | 4 |
| Schnitt- stellen |
USB | Bluetooth |
| Besonder- heiten |
Micro-SD-Slot, E-Book-Kauf nur über PC | E-Book-Kauf nur über Smartphone mit Txtr-App |
| Unterstützte Formate | ePub, ePub mit Adobe DRM, PDF, HTML, RTF, TXT, FB2, PDB, | ePub, ePub mit Adobe DRM, PDF |
| Integrierter E-Book-Shop | nein | Txtr |
| Lese-Apps | nein | Android, iOS, PC/Mac OS (Adobe Digital Editions) |
| Online-Synchronisierung | nein | nein |
| Preis * | 67,55 (Trekstor Modell) / 59,99 (Thalia / Weltbild) | angeblich 10 Euro mit Mobilfunkvertrag |
| lieferbar * | ja | Frühjahr 2013 |
| * laut Hersteller / geizhals.at / thalia.de / weltbild.de | ||
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