Klingelton-Blamage: Smartphone stoppt New Yorks Philharmoniker

Marimbaklänge statt Mahler: Ein New Yorker Konzertbesucher hat sich dank seines iPhones vor Hunderten Musikfreunden unsterblich blamiert. Sein iPhone hörte nicht auf zu klingeln, der Dirigent unterbrach die Aufführung. Das Publikum "verlangte nach Blut", wie die "New York Times" berichtet.

Alan Gilbert, New Yorker Philharmoniker: Marimba-Klingelton stoppt Mahler-Aufführung Zur Großansicht
Getty Images

Alan Gilbert, New Yorker Philharmoniker: Marimba-Klingelton stoppt Mahler-Aufführung

New York - Am Anfang war der Klingelton cool. Er klang ein bisschen wie die Musik am Anfang von "American Beauty", und er wies den Angerufenen als Besitzer eines dieser tollen neuen Apple-Telefone aus. Inzwischen ist der Marimba-Klingelton des iPhones so etwas wie die absteigenden Triolen, die Nokia seinen Handys bis heute standardmäßig mitgibt: peinlich.

Ausgerechnet mit dem Marimba-Sound seines iPhones brachte nun ein New Yorker das berühmte Sinfonieorchester seiner Stadt zum Schweigen. Gegen Ende einer Aufführung von Gustav Mahlers neunter Sinfonie schallte der Klingelton durch den Saal der Avery Fisher Hall in New Yorks Lincoln Center - und hörte nicht mehr auf. Dirigent Alan Gilbert bedeutete seinem Orchester schließlich, die Aufführung zu unterbrechen, drehte sich um und bat das Publikum, doch bitte das Handy auszuschalten. Doch der Marimbaton, der aus der ersten Reihe kam, wiederholte sich weiterhin wieder und wieder. Die Zuhörer wurden "Digital Trends" zunehmend wütend, riefen "werft ihn hinaus", "genug!" und "1000 Dollar Strafe!", während der eigentlich Schuldige sich, eigenen Angaben zufolge, nach wie vor keiner Schuld bewusst war. "Sie verlangten nach Blut", notierte für die "New York Times" deren Klassik-Spezialist Daniel Wakin.

Nachdem Alan Gilbert seine Bitte mehrmals wiederholt hatte, wurde das Telefon schließlich zum Schweigen gebracht - mittlerweile drückten diverse Zuhörer sicherheitshalber auf ihren Telefonen herum. Der Übeltäter wurde jedoch identifiziert und bekam am nächsten Tag einen Anruf der Philharmonie. Er entschuldigte sich vielmals, auf eigenen Wunsch auch beim Dirigenten selbst. Der "New York Times" erklärte der Mann, der namentlich nicht genannt werden wollte, das Ganze sei "schrecklich, schrecklich", er habe seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen. Er sei seit 20 Jahren Abonnent der Konzerte des Orchesters und kenne mehrere der Musiker persönlich. Auch beim Publikum wolle er sich von ganzem Herzen entschuldigen.

Für sein Missgeschick hatte er eine plausible Erklärung: Er habe das Telefon erst tags zuvor von seinem Arbeitgeber bekommen und sich noch nicht damit ausgekannt. Er habe auch keinen Anruf erhalten, das Klingeln sei ein versehentlich ins Telefon einprogrammiertes Wecksignal gewesen. Das Wecksignal aber wird auch dann nicht stummgeschaltet, wenn man den entsprechenden Schalter in Schweigestellung gebracht hat.

Spott im Netz hat dem Mann die Sache in jedem Fall eingebracht. Der zeitgenössische Komponist Daniel Dorff etwa twitterte: "Habe meinen Klingelton vorsichtshalber auf die Neunte von Mahler geändert."

cis

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insgesamt 62 Beiträge
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1. (°_°)
Just4fun 13.01.2012
Zitat von sysopMarimbaklänge statt Mahler: Ein New Yorker Konzertbesucher hat sich dank seines iPhones vor Hunderten Musikfreunden unsterblich blamiert. Sein iPhone hörte nicht auf zu klingeln, der Dirigent unterbrach die Aufführung. Das Publikum "verlangte nach Blut", wie die "New York Times" berichtet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,808910,00.html
Schade um die vergeudeten Ressourcen, hier hätte man doch besser etwas über unseren Bundespräsidenten schreiben können ...
2. sind sie profinörgler...
fordp 13.01.2012
Zitat von Just4funSchade um die vergeudeten Ressourcen, hier hätte man doch besser etwas über unseren Bundespräsidenten schreiben können ...
...oder haben sie den hinweis vergessen, dass ihr beitrag ironisch gemeint ist?
3.
wolltsnursagen 13.01.2012
Unklar ist mir der Sinn und Zweck dieses Beitrags. Dies passiert täglich weltweit bei mittelmäßigen Konzert Orchester und ehrlich mehr sind die New Yorker Philharmoniker nie gewesen.
4.
barlog 13.01.2012
Zitat von wolltsnursagenUnklar ist mir der Sinn und Zweck dieses Beitrags. Dies passiert täglich weltweit bei mittelmäßigen Konzert Orchester und ehrlich mehr sind die New Yorker Philharmoniker nie gewesen.
Das erinnert mich an eine Situation, als ich in der Berliner Philharmonie während eines Klavierkonzertes ca. eine halbe Stunde nach Beginn bemerkte, daß mein Mobiltelefon noch angeschaltet war - mir brach kalter Schweiss aus . ... PS.: Soll ihr Nick eine Begründung dafür sein, daß sie solche Gehässigkeiten absondern ?
5. Habe leider keinen...
ympertrymon 13.01.2012
Zitat von fordp...oder haben sie den hinweis vergessen, dass ihr beitrag ironisch gemeint ist?
Immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit viele Leute im Spon-Forum haben, diese Beiträge zu lesen (die sie ja gar nicht interessieren), um sich dann zu beschweren, dass es sie gibt (die Beiträge, nicht die Leute). Ich würde sie allesamt zu den notorischen Nörglern und Querulanten zählen, die sich einen Thriller nach dem anderen kaufen (die sie gar nicht mögen), um sich dann beim Verlag zu beschweren, dass in diesen Büchern so viel Blut fließt. Insgesamt doch ein netter und recht interessanter Artikel. Zeigt er doch auf unterhaltsame Art und Weise, dass solche Vorfälle längst nicht mehr auf Kinobesuche rücksichtsloser Jugendlicher beschränkt sind. Und wem das Thema nicht passt - einfach mal vorher die Überschrift lesen.
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