Klangqualität überprüfen So testen Sie Kopfhörer einfach daheim

Mit Messmikrofonen lässt sich der subjektiv empfundene Klang eines Kopfhörers nicht beurteilen. Besser klappt das mit den eigenen Ohren, kostenloser Software und speziellen Testsignalen.

Frau mit Kopfhörern
imago/ Westend61

Frau mit Kopfhörern

Von "c't"-Redakteur Hartmut Gieselmann


Es existieren derzeit keine Messmethoden, um die Klangcharakteristik eines Kopfhörers objektiv zu bestimmen. Deshalb beschreibt auch die DIN EN 60268-7 von 2011 zur Messung von Kopfhörern subjektive Verfahren mit Testpersonen. In ähnlicher Form nutzen dies auch Hersteller bei der Entwicklung neuer Kopfhörer. Die Zeitschrift "c't" hat das Prozedere etwas abgewandelt, damit Sie selbst prüfen können, wie sich die Frequenzverläufe zweier Kopfhörer unterscheiden.

Schritt eins: Gehörtraining

Da Sie für diese Vergleiche Ihre Ohren einsetzen, sollten Sie zunächst testen, wie gut Sie klangliche Unterschiede erkennen. Dazu hat die Firma Harman eine kostenlose Software namens "How to Listen" für Windows und macOS veröffentlicht.

Die Software bringt vier Musikbeispiele mit, lässt sich aber auch mit eigenen Stücken füttern. Ein Doppelklick in der "Session List" startet 13 Tests, in denen man das originale Musiksignal mit einem veränderten vergleicht. Beispielsweise wird dort per EQ ein zufälliges Frequenzband um 6 Dezibel angehoben oder abgesenkt oder die Musik mit leisem Rauschen oder Hall unterlegt.

Der Zuhörer muss tippen, wo die Veränderung vorgenommen wurde oder die Stücke je nach Stärke der Änderung sortieren. Das fängt ganz einfach mit nur zwei Filtern an und wird mit steigender Zahl der Filter immer schwieriger. Harman verwendet diese Software in wissenschaftlichen Studien. Trainierte Zuhörer erreichen bei allen Tests mindestens die Stufe 8.

Dazu sind hochwertige Kopfhörer notwendig, denn mit schlechten Modellen kann auch ein trainierter Zuhörer nur wenige Details unterscheiden. Aber keine Angst, wenn Sie hier zunächst nur eine niedrige Stufe erreichen: Mit der Software können Sie Ihr Gehör prima trainieren.

Schritt zwei: Terzbandrauschen vergleichen

Zum Vergleich zweier Kopfhörer laden Sie unsere Testdateien. Sie enthalten sogenanntes Terzbandrauschen, das Frequenzbänder von 25 Hertz bis 20 Kilohertz abdeckt. Damit können Sie vergleichen, ob ein bestimmter Frequenzbereich bei einem Kopfhörer stärker betont wird als auf einem Vergleichsmodell. Sie benötigen dafür ein Audio-Interface mit zwei getrennt regelbaren Kopfhörerausgängen.

Wenn sich diese nur analog und nicht digital einstellen lassen, können Sie die Lautstärke beider Ausgänge auch mit einer kostenlosen Software wie Tracktion T6 kontrollieren. Laden Sie dieselbe Rauschdatei in zwei Spuren und schicken diese jeweils auf einen der Kopfhörerausgänge. Zunächst gleichen Sie die Lautstärke der beiden Kopfhörer mit dem Sinuston bei 500 Hertz aneinander an. Der Ton sollte laut zu hören sein, ohne zu schmerzen. Anschließend starten Sie mit dem Rauschen bei einem Kilohertz und gehen von dort aus nach oben bis 20 Kilohertz. Danach arbeiten Sie sich von einem Kilohertz abwärts bis 25 Hertz und noch einmal wieder hoch bis ein Kilohertz.

Bei jedem Terzband regeln Sie die Lautstärke des Testkopfhörers in Schritten von 0,5 bis 1,0 Dezibel nach, bis das Rauschen auf beiden Kopfhörern gleich laut klingt. Mit etwas Übung können Sie die Pegel auf ein bis zwei Dezibel genau bestimmen. Schwierig wird dies lediglich in den unteren und oberen Grenzbereichen. Da das Gehör leicht ermüdet, sollten Sie nach spätestens 45 Minuten eine Pause machen.

Die kostenlose Software Harman "How to Listen" trainiert und testet das Gehör, welche Frequenzunterschiede es wahrnimmt
Harman

Die kostenlose Software Harman "How to Listen" trainiert und testet das Gehör, welche Frequenzunterschiede es wahrnimmt

Notieren Sie sich für jedes Terzband die Änderungen gegenüber dem zuvor eingestellten 500-Hertz-Pegel. Mit diesen Werten lässt sich dann ein Frequenzverlauf zeichnen, der die Unterschiede beider Kopfhörer zeigt.

Schritt drei: Neutrale Referenz

Idealerweise vergleichen Sie Ihr Testmodell mit einem möglichst neutralen Kopfhörer, beispielsweise einem HD 600 von Sennheiser. Sie können aber auch die Software Sonarworks Reference 4 nutzen, um den Frequenzgang eines anderen Kopfhörermodells zu nivellieren. Allerdings hat Sonarworks seine als "neutral" bezeichneten Frequenzverläufe nicht weiter spezifiziert.

Mit dieser Vergleichsmethode können Musikproduzenten, Audio-Profis und HiFi-Liebhaber auch ohne teuren Kunstkopf und Abhörraum relativ differenziert untersuchen, welche Frequenzbereiche ein Kopfhörer stärker betont oder abschwächt als ein anderes Modell und dadurch den Klang beeinflusst.

insgesamt 12 Beiträge
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mal_nachdenken! 21.07.2018
1.
"So testen sie Kopfhörer einfach daheim"??? Das geschilderte Vorgehen, der Aufwand (auch zeitlich!), Einsatz und Beschaffung verschiedener einzurichtender Komponenten, zu beschaffende Referenzobjekte, zum Verständnis sowie für die Einordnung und für die Interpretation der Ergebnisse notwendiges Grundwissen, etc.. Dies erscheint mir alles andere als einfach. Habe nur ich diesen Eindruck?
thousandguitars 21.07.2018
2. Oha..
Ich bin aus der Branche. Das ganze Gedönz mit Testtönen usw. ist Quatsch. Das Hörempfinden eines Menschen ist in etwa so speziell, wie der Fingeabdruck. Also gilt: Anhören! Wenn es gefällt, dann kaufen. Wenn es nicht gefällt, nicht kaufen. So einfach ist das.
ichliebeeuchdochalle 21.07.2018
3.
Hier auch ... erinnert mich mal wieder an den Werbespot mit den beiden Boxern im Ring. In einer Pause redet der eine Trainer wie ein Wasserfall auf seinen Schützling ein, der andere sagt zu seinem Boxer: "Hau ihn um!" Hinweis: In dem was jetzt kommt ist auch Humor mit drin. Ich sitze gerade vor meinem Test-Equipment. Ich teste seit ein paar Wochen In-Ears in größerem Stil. Da sind ein paar Schepper-Dinger dabei ... au weia. Amazon-Kunden dazu: Für den Preis top ... 5 Sterne. Andere schreiben seitenlang alles ... nur (fast) nichts zum Klang. In einer Zeitschrift nur für Kopfhörer (!) wird ein Modell mit "Spitzenklasse" bewertet, das weit unter 100 Euro kostet. Ich höre mir das mal an ... und kann aus dem Stand 5 andere nennen, die 20 Euro kosten und den Testsieger aus der Zeitschrift ganz alt aussehen lassen. Übrigens: 99% der Kopfhörer, die die Zeitschrift mit einem Test beglückt hat, liegen im Benotungsbereich zwischen 1,0 und 1,7. Ja sicher, und Omma Anneliese rennt die 100m schneller als Usain Bolt. Natürlich. Warentest gab 2015 in einem Test einem 25-Euro-In-Ear eine genau so gute Testnote wie einem über 100 Euro teuren Modell. Habe ich mir angehört. Schepper, Klirr, Boing, Peng bei der 25-Euro-Gurke. Wie ich teste? Schritt 1. Ohrenarzt aufsuchen, die Löffel durchspülen lassen, Hörtest. Ich höre wie ein 14-jähriger. 2. FLACs aus dem PC digital rein in einen 450 Euro DAC. Habe ich aus etwa 20 DACs (bis 1500 Euro) als meinen Testsieger ermittelt. Alternativ: Original-CDs vom CD-Player per Digitalkabel in den DAC. 3. Referenz-CDs raussuchen, Musikauswahl treffen. 4. Hören ... hören ... hören ... und Essen fassen ... und hören ... hören ... und hören ... 5. Zwischendurch immer mit Referenz-Kopfhörer (Over-Ear) abgleichen. Und Toilettengang einlegen ... und trinken ... und hören ... hören ... hören. Dann ist der Samstag rum und Sonntag das ganze noch mal. Und wenn ich mal ganz verrückt bin, latsche ich eine Straße weiter zu einem Freund, der den Sennheiser Orpheus Kopfhörer HE90 zweimal hat zusammen mit dem Röhrenverstärker HEV90 (45.000 Mark in 1989), bringe ein paar In-Ears mit und wir vergleichen. Dann wechseln wir auf seine Stax-Combo. Oder rüber zu Grado. Und noch ein paar mehr. Und zwischendurch wieder mal ein In-Ear. Bitte? Ja, solche Dateien wie die aus dem Artikel habe ich auch seit 18 Jahren. Dafür habe ich keine Voodoo-Kabel und auch keinen "Strom-Reiniger". Aber die Ohren eines 14-jährigen ... laut Messprotokoll von Frau Doktor. Kleiner Tipp zum Abschluß: Wer klare Stimmen hören will, ruft beim Strom-Versorger an und bestellt für zum Beispiel Atom-Strom. Wer bassbetonte Musik hört, fragt nach Strom aus erdigem Torf.
sale2 21.07.2018
4. Prima !
Zitat von ichliebeeuchdochalleHier auch ... erinnert mich mal wieder an den Werbespot mit den beiden Boxern im Ring. In einer Pause redet der eine Trainer wie ein Wasserfall auf seinen Schützling ein, der andere sagt zu seinem Boxer: "Hau ihn um!" Hinweis: In dem was jetzt kommt ist auch Humor mit drin. Ich sitze gerade vor meinem Test-Equipment. Ich teste seit ein paar Wochen In-Ears in größerem Stil. Da sind ein paar Schepper-Dinger dabei ... au weia. Amazon-Kunden dazu: Für den Preis top ... 5 Sterne. Andere schreiben seitenlang alles ... nur (fast) nichts zum Klang. In einer Zeitschrift nur für Kopfhörer (!) wird ein Modell mit "Spitzenklasse" bewertet, das weit unter 100 Euro kostet. Ich höre mir das mal an ... und kann aus dem Stand 5 andere nennen, die 20 Euro kosten und den Testsieger aus der Zeitschrift ganz alt aussehen lassen. Übrigens: 99% der Kopfhörer, die die Zeitschrift mit einem Test beglückt hat, liegen im Benotungsbereich zwischen 1,0 und 1,7. Ja sicher, und Omma Anneliese rennt die 100m schneller als Usain Bolt. Natürlich. Warentest gab 2015 in einem Test einem 25-Euro-In-Ear eine genau so gute Testnote wie einem über 100 Euro teuren Modell. Habe ich mir angehört. Schepper, Klirr, Boing, Peng bei der 25-Euro-Gurke. Wie ich teste? Schritt 1. Ohrenarzt aufsuchen, die Löffel durchspülen lassen, Hörtest. Ich höre wie ein 14-jähriger. 2. FLACs aus dem PC digital rein in einen 450 Euro DAC. Habe ich aus etwa 20 DACs (bis 1500 Euro) als meinen Testsieger ermittelt. Alternativ: Original-CDs vom CD-Player per Digitalkabel in den DAC. 3. Referenz-CDs raussuchen, Musikauswahl treffen. 4. Hören ... hören ... hören ... und Essen fassen ... und hören ... hören ... und hören ... 5. Zwischendurch immer mit Referenz-Kopfhörer (Over-Ear) abgleichen. Und Toilettengang einlegen ... und trinken ... und hören ... hören ... hören. Dann ist der Samstag rum und Sonntag das ganze noch mal. Und wenn ich mal ganz verrückt bin, latsche ich eine Straße weiter zu einem Freund, der den Sennheiser Orpheus Kopfhörer HE90 zweimal hat zusammen mit dem Röhrenverstärker HEV90 (45.000 Mark in 1989), bringe ein paar In-Ears mit und wir vergleichen. Dann wechseln wir auf seine Stax-Combo. Oder rüber zu Grado. Und noch ein paar mehr. Und zwischendurch wieder mal ein In-Ear. Bitte? Ja, solche Dateien wie die aus dem Artikel habe ich auch seit 18 Jahren. Dafür habe ich keine Voodoo-Kabel und auch keinen "Strom-Reiniger". Aber die Ohren eines 14-jährigen ... laut Messprotokoll von Frau Doktor. Kleiner Tipp zum Abschluß: Wer klare Stimmen hören will, ruft beim Strom-Versorger an und bestellt für zum Beispiel Atom-Strom. Wer bassbetonte Musik hört, fragt nach Strom aus erdigem Torf.
Guter Test,oder aber wie es ein Forist vor Ihnen schon geschrieben hat: Aufsetzen,hören für gut befinden und kaufen.Man spart eine Menge Zeit und Geld. Das trifft natürlich nur für nicht Profis und Gelegenheitshöhrer zu.;) Ich z.b. kann einen schlechten aussortieren ,aber einen guten nicht von einem sehr guten unterscheiden,vielleicht müsste ich mehr trainieren.(Mach aber lieber auf dem Rad) mfg
Gerdd 21.07.2018
5. Also, ich weiß nicht ...
Ich höre mit Kopfhörern fast nur noch beim Fliegen - aber dann mit Noise Cancelling. Wenn ich da jetzt noch anfange, Vergleichstests mit einem knappen Dutzend verschiedenen Teilen zu machen (Over Ear, alles andere iss nix) dann schauen mich die Stewardessen demnächst noch zweifelnder an als sowieso schon (und ich bin nicht der Kapitän ...)
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