DVD-Filmbeileger: Lügen, Verschwörungen und ein Todesengel

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Serbische Mafiosi in Kopenhagen, eine Verschwörung in Hollywood und ein gefallener Boxer: Im März liegen Magazinen einige Filmperlen auf DVD bei - hier die Übersicht der besten Beileger.

AudioVideoFoto Bild

"The Champ", USA 2007. Regie: Rod Lurie. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 109 Min. FSK: 12 Jahre.

und

"The Glass House", USA 2001. Regie: Daniel Sackheim. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 101 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Zum Heftjubiläum (100 Ausgaben) legt das Multimedia-Magazin diesmal zwei Kinofilme auf DVD bei. Highlight ist das Drama "The Champ", in dem Sportreporter Erik Kernan (Josh Harnett) glaubt, dass sich hinter einem Obdachlosen der ehemalige Box-Champion Bob Satterfield (Samuel L. Jackson) verbirgt. Der Journalist wittert die Chance seines Lebens, doch kurz nach Veröffentlichung der Story tauchen Zweifel auf. Die Suche nach der Wahrheit wird für Erik eine Bewährungsprobe für seine Arbeit und sein Familienleben.

Rod Lurie ("Die letzte Festung") drehte keinen Boxerfilm à la "Rocky", sondern eine vielschichtige Charakterstudie über Freundschaft, Ehrgeiz und Selbstbetrug. Seine Plot basiert auf einer Geschichte von J. R. Moehringer im Los Angeles Times Magazine von 1997 über die angebliche Wiederentdeckung des bereits 1977 verstorbenen Boxers Bob Satterfield, der nach seinem fünfzigsten Sieg im Jahr 1957 in den Ruhestand gegangen war. Moehringer zeigte sich über die journalistische Naivität seines Film-Alter-Egos Erik sichtlich irritiert. Der wird allerdings von Josh Harnett ("Black Hawk Down") facettenreich gespielt, wenn auch nicht ganz so beeindruckend wie der Boxer von Hollywood-Routinier Samuel L. Jackson ("Pulp Fiction"). Berührendes Drama mit arg moralisierendem Ende.

Der zweite Film ist, wie fast immer bei der AudioVideoFoto Bild, eine Wiederverwertung von Heftbeilegern der Computer Bild. In "The Glass House" ziehen Ruby (Leelee Sobieski) und ihr kleiner Bruder nach dem Unfalltod der Eltern in die Luxusvilla der wohlhabenden Familienfreunde Erin (Diane Ladd) und Terry (Stellan Skarsgård). Alles scheint den Umständen entsprechend perfekt, doch hinter der schönen Fassade verbergen die Pflegeeltern Probleme, die auch die beiden Kinder betreffen. Als Ruby Verdacht schöpft, begibt sie sich in tödliche Gefahr. Ein klassischer Teenie-Schocker nach bewährtem Muster, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Viele Zuschauer werden den Film allerdings bereits aus dem Fernsehen kennen, wo er seit Jahren regelmäßig zu sehen ist.

Bis 3. April im Handel

Computer Bild

"Ich weiß noch immer, was Du letzten Sommer getan hast", USA 1998. Regie: Danny Cannon. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 96 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Ebenfalls ein Fernseh-Dauerbrenner ist diese Fortsetzung eines fast gleichnamigen Teenie-Slashers von 1997. Er stellte uns eine Clique Jugendlicher vor, die nach ihrem Versuch, einen vermeintlich tödlichen Autounfall zu vertuschen, reihenweise getötet wurden. Die Überlebenden des ersten Teils dürfen nun erneut gegen den Rächer antreten, mit den allseits bekannten, schaurigen Folgen. Die Reihe (es gibt noch eine dritte Fortsetzung) ist ein Klassiker des Genres - trotz unterdurchschnittlicher Darstellerleistung.

Bis 23. März im Handel

Screen DVD Magazin

"Pusher 3: I'm the Angel of Death", DK 2005. Regie: Nicolas Winding Refn. Länge: 100 Min. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (gekürzt). Heftpreis: 3,99 Euro.

Im dritten Teil der "Pusher"-Trilogie, mit der Nicola Winding Refn seit 1996 die Hinterhöfe des dänischen Königreichs ausleuchtet, dreht sich alles um Milo (Zlatko Buric), den Boss der serbischen Mafia in Kopenhagen. Ausgerechnet während der Vorbereitungen auf den 25. Geburtstag seiner Tochter läuft bei einer Drogenlieferung etwas schief. Als ihn dann auch noch ein Dealer betrügt und die Konkurrenz sich breit macht, kann nur noch Radovan (Slavko Labovic) helfen.

Mit diesem düsteren, hoffnungslosen dritten Teil knüpft Refn ("Drive") an seine preisgekrönte Reihe an, für die er die meisten Darsteller direkt von der Straße weg engagierte. Obwohl der Film weit weniger Gewalt zeigt als seine Vorgänger, sorgte ein extrem grausiger Schluss dafür, dass ihm diesmal die Jugendfreigabe versagt blieb. Erst nach Entfernen dieser fast drei Minuten langen Ausweidungszene konnte das Label FilmConfect im Februar 2012 eine FSK-16-Fassung produzieren, die jetzt als Filmbeileger ihre Premiere erlebt. Ärgerliches Detail: Es fehlen die deutschen Untertitel für etwa 30 Minuten fremdsprachige O-Töne, die über den gesamten Film verteilt sind. Zuschauern, die weder serbisch noch polnisch beherrschen, bleibt diese Filmfassung unverständlich. Hier hätte das DVD-Magazin besser aufpassen müssen, denn so wird vielen Stammlesern die Komplettierung der klasse gemachten "Pusher"-Trilogie als Filmbeileger versalzen.

Bis 18. April im Handel

TV Direkt

"Wahre Lügen", CDN/GB 2005. Regie: Atom Egoyan. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 102 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro.

Nach einem einschneidenden Kindheitserlebnis mit dem Comedy-Duo Lanny (Kevin Bacon) und Vince (Colin Firth) ist die Journalistin Karen O'Conner (Alison Lohman) davon fasziniert, als Erwachsene ein Porträt über die alt geworden Stars aus den fünfziger Jahren schreiben zu dürfen. Besonders interessiert sie, ob der Tod eines jungen Mädchens etwas mit dem Ende der gemeinsamen beruflichen Karriere des Duos zu tun haben könnte. Ausgestattet mit einer Millionen Dollar Bestechungsgeld macht sie sich an die Arbeit, manövriert sich dabei jedoch selbst in eine gefährliche Klemme.

Das stilvoll ausgestattete Kinomärchen entführt seine Zuschauer in eine mysteriöse, doppelbödige Traumwelt. Mit Zeitsprüngen, verschachtelten Rätseln und faszinierenden Bildern erschuf Regisseur Atom Egoyan ("Exotica") einen wirkungsvollen Neo-Noir-Krimi. Sein Budget von 25 Millionen Dollar spielte er jedoch nicht ein, da einige Sexszenen die kommerzielle Auswertung auf dem US-Markt stark einschränkten. Die vergleichsweise harmlosen Szenen rechtfertigen die dortige Alterfreigabe kaum.

Bis 29. März im Handel

TV Movie

"Die Hollywood-Verschwörung", USA 2006. Regie: Allen Coulter. Länge: 121 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Als der gefeierte, aber frustrierte "Superman"-Darsteller George Reeves (Ben Affleck) im Sommer 1959 tot aufgefunden wird, glauben alle an Selbstmord - nur seine Mutter nicht. Privatdetektiv Louis Simon (Adrien Brody) soll die Wahrheit herausfinden und gerät hinter der Glamour-Kulisse der Hollywood-Filmindustrie bald in eine Strudel aus Intrigen, Verdächtigungen und falschen Fährten.

Der Selbstmord des Schauspielers George Reeves, dessen Filmkarriere nach Ende der Superman-Serie im Jahr 1958 faktisch endete, gilt bis heute als umstritten. TV-Regisseur Allen Coulter ("Sex and the City", "Die Sopranos") bewies bei seiner bislang einzigen Kinoproduktion mit der Verfilmung dieser Geschichte ein glückliches Händchen. Engagierte Darsteller, schicke, stilechte Kulissen und ein Plot, die viel Raum für Spekulationen lässt - eine elegante Krimitragödie, für die Ben Affleck 2006 beim Filmfestival in Venedig den Darstellerpreis "Coppa Volpi" erhielt.

Bis 29. März im Handel

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1. TV Movie
Medienkritiker 22.03.2012
Die TV-Movie gibt es für 91 € pro Jahr. Wer die Prämie mitnimmt, bekommt das Paket effektiv für 1,00€...super Schnäppchen;)
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