DVD-Filmbeileger: Vier Brüder und ein Kunstherz

Von Johannes Sträter

Museumswärter als Kunstfälscher, rachsüchtige Thaiboxer und ein philosophierender Polizist im Nebel: Zu den Ostertagen bieten die Beileger-DVDs von Zeitschriften ein sattes Filmprogramm.

Computer Bild

"The Marksman", USA 2005. Regie: Marcus Adams. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Als tschetschenische Terroristen ein stillgelegtes, russisches Atomkraftwerk kapern, schicken die Vereinigten Staaten ein Sonderkommando, um ihre dort gefangenen Wissenschaftler zu befreien. Anschließend soll der Komplex gesprengt werden. Doch Lieutenant Painter (Wesley Snipes) läuft mit seinen Navy Seals in eine Falle, denn das Kraftwerk ist noch aktiv und es droht der atomare Supergau - ausgelöst von US-Elitesoldaten. Der in Rumänien gedrehte Low-Budget-Film sparte sich vor allem die Produktion aufwendiger Tricks. Stattdessen erwarb man günstig Schnittmaterial, so genanntes Stock Footage, aus Militär-Abenteuern wie "Top Gun" (1986) oder "Navy Seals" (1990). Ein schießfreudiger, oft klischeeüberladener Actionfilm, der mit einigen spannenden Momenten überrascht.

Bis 6. April im Handel

SFT Magazin

"Ong-Bak 2", Thailand 2008. Regie: Tony Jaa / Panna Rittikrai. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 90 Min. FSK: 16 Jahre (gekürzt) und "Bruchreif", USA 2009. Regie: Peter Hewitt. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 88 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 4,99 Euro.

Thailand 1431: Während grausamer Machtkämpfe fällt Tien, der kleine Sohn eines ermordeten Generals, in Hände einflussreicher Banditen. Ihr Anführer Chernung (Sarapong Chatree) hofft, in dem Jungen seinen zukünftigen Nachfolger gefunden zu haben und bringt ihm zahlreiche Kampftechniken bei. Doch am Ende seiner Ausbildung hat der mittlerweile erwachsene Tien (Tony Jaa) nur eins im Sinn: Er will den Mord an seinen Eltern rächen. Nach seinen Erfolgen als Darsteller in "Ong Bak" (2003) und "Revenge of the Warrior" (2005) versuchte sich Tony Jaa bei diesem Werk als Regisseur - und war völlig überfordert. So verschwand er monatelang im Dschungel, brach auf Pressekonferenzen in Tränen aus oder fühlte sich von Vertretern der Filmstudios verfolgt. Erst mit Hilfe seines Ziehvaters, dem Martial-Arts-Choreographen Panna Rittikrai, wurden die bis dahin teuersten Dreharbeiten Thailands schließlich erfolgreich beendet. Heraus kam ein teils prächtiger, aber unfertiger Film. Denn das eigentlich über drei Stunden lange Epos wurde von den Geldgebern vor seiner Fertigstellung geteilt. Der Teil, den wir hier zu sehen bekommen, endet deshalb mehr oder weniger mitten in der Geschichte. Spektakuläre Kämpfe bieten trotzdem tolle Schauwerte, von denen auch in der entschärften Jugendfassung noch einiges übrig bleibt.

Dagegen zeigt sich die Gaunerkomödie "Bruchreif", der zweite Film auf der DVD, vergleichsweise harmlos. Sie erzählt die Geschichte von drei Wächtern eines Kunstmuseums, die entsetzt feststellen müssen, dass ihre Lieblingsexponate dauerhaft ins Ausland verliehen werden sollen. Kurzerhand beschließen sie, Fälschungen anzufertigen, um sie an Stelle der Originale auf die Reise zu schicken. Ein kleine, charmante Sonntagskomödie, deren Potential trotz Christopher Walken ("Deer Hunter"), Morgan Freeman ("Sieben") und William H. Macy ("Fargo") in den Hauptrollen leider etwas verplätschert.

Bis 24. April im Handel

Super Illu

"Unternehmen Geigenkasten", DDR 1985. Regie: Gunter Friedrich. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 82 Min. FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 2,99 Euro.

Dem zehnjährige Ole (Alexander Heidenreich) und seinem Freund Andreas (Dirk Bartsch) ist keine Idee zu verrückt. Als sie aus Spaß in die Rollen von Sherlock Holmes und Dr. Watson schlüpfen, beobachten sie einen verdächtigen Lastwagenfahrer mit angeklebtem Bart. Bald haben sie all ihre Schulkameraden eingespannt, um hinter das Geheimnis des Fremden zu kommen, denn die Polizei ist tatsächlich auf der Suche nach einem gestohlenen Transporter. Humorvoller und lebensnaher Kinderkrimi, der in seiner Machart an Erich Kästners "Emil und die Detektive" (1929) erinnert.

Vom 5. bis 11. April im Handel

TV Direkt

"Vier Brüder", USA 2005. Regie: John Singleton. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 104 Min. Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch, Kommentar. Untertitel und Extras. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro.

Bereits 1965 prügelten sich Hollywoodlegenden wie John Wayne und Dean Martin erfolgreich durch den Western "Die vier Söhne der Katie Elder". Mit seinem Remake von 2005 versetzt John Singleton ("Boyz n the Hood") die Geschichte in das moderne, von Armut und Verfall gezeichnete Detroit: Vier Adoptivbrüder, die über Jahre voneinander getrennt ihre recht unterschiedlichen Leben geführt haben, treffen bei der Beerdigung der erschossenen Pflegemutter wieder aufeinander. Trauer, Wut und pure Lust an Gewalt geben ihnen ein gemeinsames Ziel: Rache für den Mord an ihrer Mutter. Und die fällt ziemlich brutal aus. In diesem harten Rachethriller gehen feinere Zwischentöne unter. Wen holzschnittartige Charaktere nicht stören, der erlebt ein zunehmend temporeiches, nur selten von kitschigem Störfeuer unterbrochenes Drama. Überraschend: Der TV Direkt liegt diesmal die mehrsprachige Kauf-DVD bei - inklusive diverser Extras sowie dem Audiokommentar des Regisseurs.

Bis 12. April im Handel

TV Movie

"Crank 2: High Voltage", USA 2009. Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor. Länge: 83 Min. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre (stark gekürzt). und "In the Electric Mist", F/USA 2009. Regie: Bertrand Tavernier. Länge: 112 Min. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Jason Statham hat bereits im ersten Teil von "Crank" (2006) den Killer Chev Chelios gespielt. In der Fortsetzung knüpfen die Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor nahtlos an den erfolgreichen Vorgänger an: Ihr Held hat den finalen Sturz aus dem Hubschrauber überlebt, gerät aber nun an Organräuber, die sein Herz gegen ein mechanisches tauschen, das nur auf Batteriestrom läuft. Chelios flieht, um sein eigenes Herz zurückzuholen, muss jedoch immer wieder die nötige Energie finden, damit das Kunstherz weiterläuft. Um der gewalthaltigen Kinoversion eine Jugendfreigabe zu bescheren, waren 54 Schnitte, sechs Tondubs und drei Überblendungen nötig. Einigen Kritikern bereitete diese zerstückelte, aber immer noch alles andere als zaghafte Version sogar mehr Vergnügen, da sie deutlich selbstironischer wirkt. Mit dem exzessiven Stil der Vollversion hat dieser Filmtorso aber nur noch wenig zu tun. Er macht als DVD-Beileger wohl eher Werbung für das Original.

Solche Probleme hat man mit dem zweiten Film nicht. Das ruhige Krimidrama "In the Electric Mist" führt die Zuschauer tief in den Süden der USA, wo Detective Dave Robicheaux (Tommi Lee Jones) eigentlich einen mehrfachen Frauenmörder jagt. Doch da taucht plötzlich die 35 Jahre alte Leiche eines Schwarzen im Sumpf wieder auf. Verwirrt von seltsamen Visionen und aufgewühlt von seinen Erinnerungen kommt Robicheaux dabei einem Feind auf die Spur, mit dem er bereits seit Jungendtagen eine Rechnung offen hat. Bertrand Tavernier, ein Schulkollege Volker Schlöndorffs, hat sich seit den siebziger Jahren mit Qualitätsfilmen wie "Der Uhrmacher von Saint-Paul", "Round Midnight" oder "Der Lockvogel" einen Namen gemacht. In seiner bislang vorletzten Produktion bringt er die dichte Atmosphäre des Romans "Im Schatten der Mangroven" aus der Dave-Robicheaux-Krimireihe des Autors James Lee Burke auf die Leinwand. Wie üblich bei Tavernier stehen auch hier die Personen im Fokus, weniger der Kriminalfall, der sogar zunehmend vernebelt erscheint. Mit Unterstützung des Schriftstellers Burke, aber auch der Einwohner des Drehortes New Iberia entstand dabei ein lyrisches Stimmungsbild Louisianas, das nur noch entfernt etwas mit einem Krimi zu tun hat.

Bis 29. März im Handel

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