Hochgeschwindigkeitsbilder: So gelingt Kurzzeitfotografie mit Lichtschranke

Von Cyrill Harnischmacher

Manche Dinge sind für das menschliche Auge nicht sichtbar, weil sie zu schnell geschehen: der Flügelschlag eines Insekts, ein ins Wasser fallender Tropfen, ein platzender Luftballon. Hier beginnt der Bereich der Kurzzeitfotografie. Das Magazin "c't Digitale Fotografie" gibt Tipps für den Einstieg.

Das Equipment

Wie in fast allen fotografischen Spezialgebieten kann man auch hier mit teurem Zubehör viel erreichen, aber eben auch mit relativ einfachen Mitteln einen Einstieg schaffen - und wie in diesem Beitrag trotzdem spektakuläre Aufnahmen machen.

Außer der Kamera benötigen Sie ein oder mehrere Blitzgeräte und eine Lichtschranke. Für die Beispiele hier haben wir eine kleine Reflexlichtschranke mit gepulstem Infrarotlicht namens Jokie der Firma Eltima Elektronic verwendet. Diese Lichtschranke läuft mit einfachen AA-Akkus oder Batterien, ist relativ klein, leicht und auch für den Fotoamateur erschwinglich (rund 140 Euro). Es gibt sie mit Anschlüssen für die meisten gängigen Spiegelreflexkameras.

Es fehlen noch die Systemblitzgeräte. Studiofotografen werden einwenden, dass sie ihre schon vorhandene Studioblitzanlage einsetzen können. Die Abbrennzeit der meisten Blitzanlagen ist aber leider zu lang, denn sie liegt zwischen 1/500 Sekunde und 1/1500 Sekunde, je nach Modell und eingestellter Blitzleistung. Dadurch sind sie für die Kurzzeitfotografie kaum passend. Systemblitzgeräte sind zwar nicht so leistungsstark, dafür aber deutlich schneller. Die Abbrennzeiten können zum Teil weit unter 1/10.000 Sekunde liegen.

Die Einzelteile der Lichtschranke (v.l.): Verbindungskabel Lichtschranke zu Auslöser, Reflektor, Lichtschranke, Auslöser mit passendem Kameraanschluss, Stromversorgung Zur Großansicht
Cyrill Harnischmacher

Die Einzelteile der Lichtschranke (v.l.): Verbindungskabel Lichtschranke zu Auslöser, Reflektor, Lichtschranke, Auslöser mit passendem Kameraanschluss, Stromversorgung

Außerdem kann man Systemblitzgeräte zusätzlich auch mit einer Softbox oder anderen Lichtformern ausstatten, um eine schönere Lichtsituation zu erreichen. Man sollte jedoch kein Blitzgerät mit Stand-by-Betrieb verwenden oder zumindest die Geräte kurz vor der Aufnahme kontrollieren und gegebenenfalls aufwecken.

Das Prinzip

Das fertige Bild: Kleine Abweichungen im Aufschlagpunkt muss man meist akzeptieren Zur Großansicht
Cyrill Harnischmacher

Das fertige Bild: Kleine Abweichungen im Aufschlagpunkt muss man meist akzeptieren

Als Reflexlichtschranke besteht die Jokie aus einem Sender mit integriertem Empfänger und einem Reflektor. Diese beiden Teile stehen sich gegenüber, so dass die Lichtstrahlen, die der Sender ausstrahlt, vom Reflektor an den Empfänger zurückgeworfen werden. Das erkennt man daran, dass die Kontrollleuchte erlischt, wenn die Lichtschranke optischen Kontakt hat. Nachdem Sie die Lichtschranke mit der Kamera über ein spezielles Auslösekabel verbunden haben, ist sie einsatzbereit: Sobald etwas den Lichtstrahl unterbricht, wird ein Signal übertragen und Kamera und angeschlossene Blitzgeräte lösen aus.

Da die Jokie eine Reaktionszeit von circa 0,013s hat und eine moderne digitale Spiegelreflexkamera eine Auslöseverzögerung zwischen 0,04s und 0,01s, muss diese summierte Verzögerung in die Aufnahmeplanung mit einbezogen werden. Konkret bedeutet das: Passiert ein Gegenstand die Lichtschranke, legt er, je nachdem wie groß seine Geschwindigkeit ist, noch eine gewisse Strecke zurück, bis Kamera und Blitzgerät tatsächlich auslösen. Die Länge dieser Strecke könnte man zwar theoretisch berechnen, dafür muss man aber alle Parameter, zum Beispiel auch die Geschwindigkeit des Objekts kennen.

In der Praxis ist es wesentlich einfacher, die Lichtschranke in einer entsprechenden Entfernung vom Motiv aufzubauen und mit einigen Probeaufnahmen den idealen Abwurfpunkt zu ermitteln. Dabei kann man sich langsam vorarbeiten und ein Lineal, das man neben dem Aufbau anbringt, als Messlatte verwenden. Auf einer dünnen Holzleiste als Querstange kann man jetzt die genaue Abwurfposition markieren.

Motivwahl und Planung

Das Einsatzgebiet einer einfachen Lichtschranke reicht von Aufnahmen fallender Gegenstände über die Fotografie scheuer Tiere in freier Wildbahn bis hin zu fliegenden Insekten. In der Natur spielt immer das Glück eine Rolle und verlangt vom Fotografen oft ein großes Maß an Ausdauer und Geduld.

Aber was auch immer Sie fotografieren möchten, wichtig für den Erfolg ist eine gründliche Planung. Je exakter die Bewegung des zu fotografierenden Objekts vorhersehbar ist, umso größer ist die Chance auf eine einmalige Aufnahme. Logischerweise ergibt sich daraus, dass man im Studio unter kontrollierbaren und reproduzierbaren Bedingungen die größten Erfolgsaussichten hat.

Der gesamte Lichtaufbau muss vor der Aufnahme durch Probeaufnahmen getestet werden. Dabei sollte man auch unbedingt auf die richtige Ausleuchtung des Hintergrundes achten. Je mehr Mühe man sich mit dem Aufbau gibt, umso attraktiver wird das spätere Ergebnis. Wenn Sie in Flüssigkeiten fallende Gegenstände fotografieren möchten, sollten Sie das Umfeld, vor allem feuchtigkeitsempfindliche Teile wie Kamera, Lichtschranke und Blitzgeräte, unbedingt gegen Spritzer schützen. Das geht zum Beispiel mit einer Glasplatte vor der Kamera, die Sie möglichst direkt vor dem Objektiv platzieren, so dass sie außerhalb des Schärfebereichs liegt. Wenn das nicht möglich ist, sollten Sie zumindest einen Klarglasfilter vor dem Objektiv einsetzen. Wassertropfen oder gar Milch lassen sich nur mühsam von der Frontlinse des Objektivs entfernen. Nach den ersten Aufnahmen werden Sie erstaunt sein, wo Sie überall Spuren Ihres Tuns wiederfinden.

Ins Wasser fallende Tropfen können Sie mit einer Pipette, die Sie an einem Stativ befestigen, genau dosieren. Als Auffanggefäß eignen sich größere Suppenteller, Kunststoffschüsseln und Ähnliches. Aber auch in Kaffee oder Tee fallende Zuckerwürfel, Eiswürfel oder Oliven auf dem Weg ins Cocktailglas, sogar Erdbeeren in Joghurt können interessante Motive sein. Im Prinzip kann man jeden Gegenstand in jede nur erdenkliche Flüssigkeit fallen lassen - mit immer neuen faszinierenden Ergebnissen.

Für Aufnahmen größerer, ins Wasser fallender Gegenstände kann man sich ein kleines Aquarium aus einer Zoohandlung besorgen. Hierbei ist ein Stück eines Autoscheibenwischers ein sehr empfehlenswertes Hilfsmittel, um die Luftbläschen, die sich unweigerlich bei jedem Eintauchen an der Innenseite der Gläser absetzen, wieder zu entfernen. Den Boden können Sie schützen, indem Sie vor dem Einfüllen des Wassers ein Stück Schaumstoff in das Aquarium legen und mit etwas Klebeband oder ein paar Tropfen Heißkleber fixieren.

Das durchschossene Ei

Treffer: Ei erwischt Zur Großansicht
Cyrill Harnischmacher

Treffer: Ei erwischt

Etwas aufwendiger als bei den fallenden Gegenständen ist das Bild des durchschossenen Eis. Basis ist eine stabile Holzkonstruktion, auf der eine improvisierte Armbrust und die Lichtschranke befestigt werden. Der Aufnahmestandort sollte sich auf dieser Konstruktion nach rechts oder links verschieben lassen. Einen Hintergrund in Form von weißem oder schwarzem Karton kann man frei hinter dem Motiv platzieren, sehr gut geeignet sind auch großformatige Drucke von Wolken, Sonnenuntergängen, Landschaftsaufnahmen und ähnlichen Motiven.

Die Abschussvorrichtung besteht aus einem U-Profil aus Aluminium, einem Streifen Federstahl und einem passenden Stück Schnur als Bogensehne. Sie funktioniert im Prinzip wie eine mittelalterliche Armbrust und erzielt eine Durchschlagskraft, die für das Ei problemlos ausreicht. Um Äpfel, Erdbeeren, Tomaten oder Ähnliches zu durchschießen, ist sie jedoch zu schwach, hierfür ist deutlich mehr kinetische Energie notwendig. Befestigen Sie die Lichtschranke nun so, dass sie das Geschoss erfasst, sobald es das U-Profil verlässt. Das Motiv platzieren Sie so, dass es in einer Flucht mit dem U-Profil liegt. Vergessen Sie nicht, am Ende der Schussbahn ein weiches Kissen oder Ähnliches aufzustellen, um das Geschoss wieder aufzufangen, damit es keine weiteren Schäden anrichtet. Um Verletzungen zu vermeiden, sollten Sie außerdem eine geeignete Schutzbrille tragen. Stellen Sie jetzt die Kamera auf und achten Sie auch hier auf ausreichenden Schutz in Form eines Klarglasfilters vor dem Objektiv und einer Abdeckplane über dem Kameragehäuse. Als "Munition" können Sie kleine Kieselsteine, Schrauben oder auch einen angespitzten Bleistift verwenden.

Für die ersten Probeaufnahmen verwenden Sie am besten einen mit Sand gefüllten kleinen Luftballon, den Sie an Stelle des Eis aufstellen. Zeichnen Sie mit einem Bleistift die genaue Position ein, an der Sie den Ballon aufstellen. Spannen Sie die Armbrust und markieren Sie dabei die Stelle auf dem U-Profil, bis zu der Sie die Schnur gespannt haben. Das ist wichtig, um für die eigentliche Aufnahme eine reproduzierbare Einstellung zu erhalten. Haben Sie den Dummy getroffen und sind Motiv und Hintergrund gut ausgeleuchtet, können Sie mit der richtigen Aufnahme fortfahren. Ist der Ballon noch nicht getroffen, müssen Sie die Spannung der Armbrust verändern, um so die Aufprallstelle mehr nach rechts oder links zu verschieben und weitere Probeaufnahmen zu machen. Es kann zwar einige Zeit dauern, bis die richtigen Einstellungen gefunden sind, aber der Aufwand lohnt sich.

Jetzt können Sie das Ei mit etwas Heißkleber an der markierten Stelle befestigen und zur Tat schreiten. Das Befestigen des Eis ist nicht nur wichtig, damit es nicht umfällt, sondern auch um zu verhindern, dass es durch den Aufprall aus dem Aufnahmebereich geschleudert wird. In der Regel sollte jetzt fast jede Aufnahme ein Treffer sein. Es ist faszinierend, welch unterschiedliche Aufnahmen je nach Konsistenz des Eis und der Form der Geschosse entstehen können. Weitere Varianten können Sie erstellen, indem Sie die Aufprallstelle so legen, dass das Geschoss gerade in das Ei eindringt oder aber schon komplett das Ei durchquert hat. Auch der gesamte Bildaufbau und die Beleuchtung lassen Raum für weitere Variationen. Nehmen Sie statt eines einfarbigen Hintergrundes beispielsweise einen komplett gedeckten Frühstückstisch.

Wer sich näher mit dem Thema Kurzzeitfotografie beschäftigen will, dem seien noch zwei Bücher ans Herz gelegt: "Stopping Time" von Harold Edgerton und "Im Flug gestoppt" von Stephen Dalton. (jr).

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insgesamt 19 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ggf. mal zum Augenarzt
chaosdoc 01.12.2012
Der Fotograf hat einen Rechtsdrall. Beide Bilder verschoben. Ggf. sollte man mit den Basics anfangen, bevor man zu den schwereren Techniken übergeht...
2. chaosdoc
apollon29 01.12.2012
Das nennt man goldener Schnitt und ist ein absoluter Basic in der Gestaltung. Bleiben Sie lieber bei Ihren Basics, denn von Fotografie haben Sie offensichtlich keine Ahnung.
3. Chaosdoc
didiqwertz 01.12.2012
Jawoll Apollon hat ja so recht. Chaosdoc: Bitte vorher selbst Basics zur Kenntnis nehmen und dann Kommentar schreiben. Einstieg: Stichwort "Drittel-Regel" in Wikipedia Foto-Kurs für Anfänger!
4. Es gibt...
Thomas Mainka 01.12.2012
...wirklich keinen Artikel, bei dem nicht irgendein Spacken was zu meckern hat. natürlich noch in einer unverschämten Art und Weise und keinesfalls konstruktiv. Habt ihr sonst keine Sorgen? Parkt da nicht jemand vorm Haus in 2. Reihe? Mir gefallen die Bilder und bei der Ct arbeiten sicher keine Dilletanten. Schönes WE
5. Autsch...
wildthin9 01.12.2012
Zitat von chaosdocDer Fotograf hat einen Rechtsdrall. Beide Bilder verschoben. Ggf. sollte man mit den Basics anfangen, bevor man zu den schwereren Techniken übergeht...
Auch wenn's am Bildaufbau einige Mängel und Potential für Verbesserungen gibt, das gehört nicht Dazu, lieber Forentroll ;)
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