Outdoor-Handy im Test Fetter Brocken, spitze Zielgruppe

Das Land Rover Explore ist hart im Nehmen und fast so dick wie ein Ziegelstein: Wir haben das erste Smartphone, das den Namen der britischen Geländewagen trägt, auf einen längeren Ausflug mitgenommen. Leicht war das nicht.

Matthias Kremp

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Outdoor-Handys zu testen, ist für einen Redakteur so eine Sache. Schließlich verbringt man seine Arbeitstage in diesem Beruf nicht auf dem Berg, sondern im Büro, meistens jedenfalls. Outdoor-Handys testet man im Garten, auf einer Baustelle, in einem Wassergraben oder gar an einem simulierten Strand in der Plastikschale. Beim Land Rover Explore wollte ich das anders machen - und schleppte das Smartphone mit dem bekannten Namen auf eine Campingtour durch Nordschweden.

Wobei schleppen wörtlich gemeint ist. Wenn man das komplette mitgelieferte Zubehör nutzt, ist das Ding ein schwerer, fetter Brocken. Mit 14 Millimetern ist es fast doppelt so dick wie ein iPhone X und mit 232 Gramm auch deutlich schwerer.

Richtig übel wird es, wenn man das magnetisch gehaltene Akkupack samt der dicken Gummihülle, die alles zusammenhält und gegen Stürze schützt, aufsteckt. Inklusive des Karabinerhakens, mit dem man dieses Paket am Rucksack oder der Hose befestigen kann, bringt diese Kombination mehr als 420 Gramm auf die Waage und liegt in der Hand wie ein Ziegelstein.

Im Alltag würde ich mich mit einer solchen Konstruktion nicht abplagen wollen. Aber für einen Campingurlaub in Nordschweden, wo man auch mal ein paar Tage ohne Elektrizität auskommen muss und gelegentlich in unwegsamem Gelände unterwegs ist, schien es mir genau richtig.

Leistung wie 2016

Dabei ist die technische Ausstattung eher mittelmäßig. Die Prozessorleistung etwa liegt auf dem Niveau eines Google Pixel - das 2016 aktuell war. Vor allem die Grafikleistung ist mager, ein Gamer-Handy ist das nicht. Und auch keines für große Musik- oder Fotosammlungen. Ohne Speicherkarte werden mir die eingebauten 64 Gigabyte schnell zu eng.

Dazu passt immerhin, dass das Explore mit Android 7.1. ausgeliefert wird, während Google und ein paar andere Hersteller schon Android 9 liefern. Ein Update auf Android 8 (Oreo) ist angekündigt, wann es kommen wird, ist unklar. Der Bildschirm liefert zwar ein knackig scharfes Bild, ist im prallen Sonnenschein aber nicht hell genug. Die 16-Megapixel-Kamera ermöglicht ziemlich gute Aufnahmen, kann aber nicht in der Oberliga mitspielen.

Ab in die Ostsee

Man muss also auf Höchstleistung verzichten, aber das kennt man ja vom Land Rover Defender. Wer so ein Auto fährt, weiß, dass man damit auf der Autobahn lieber die rechte Spur benutzen sollte. Dafür kann man bei Bedarf einfach rechts von der Autobahn abfahren, auch wenn gerade keine Ausfahrt in der Nähe ist, der Wagen macht das mit.

Genau so geht es auch mit dem Land Rover Explore, das besser zu Wanderstiefeln passt als zu Lackschuhen. In Schweden nahm es mir mein Testgerät jedenfalls nicht übel, wenn es unterwegs mal gegen einen Baum knallte oder in einen Fluss fiel. Sogar ein längeres Bad im zumindest etwas salzigen Wasser der Ostsee nahm es stoisch hin. Andere gegen Wasser abgedichtete Handys mögen das gar nicht.

Land Rover Explore in der Ostsee
Matthias Kremp

Land Rover Explore in der Ostsee

Zudem würde das Explore auch dann noch laufen, wenn es anderen Smartphones längst zu warm oder zu kalt wäre. Von frostigen -22 Grad bis heißen 65 Grad Celsius soll es funktionieren.

Dicker Akku, dünne Ausdauer

Abseits ausgetretener Wege ist die Ausdauer des Smartphones aber wichtiger als seine Robustheit. Was nützt es einem, wenn das Ding jeden Schlag wegsteckt, sich aber wegen Strommangels abschaltet.

Mir ist das glücklicherweise nicht passiert, aber ohne das zusätzliche Akkupack wäre es eng geworden. Dabei hat der interne Akku dieselbe Kapazität wie der des viel dünneren, aber großen Samsung Galaxy Note 9: 4000 Milliamperestunden (mAh). Beim Samsung reicht das für 8:44 Stunden im prozessorintensiven Geekbench-4-Test. Das Land Rover hingegen schaltet sich schon nach 5:26 Stunden ab.

In der Praxis reicht es, um einen Tag lang durchzukommen, sofern man nicht ständig am Handy herumfummelt. Nutzt man bei einer Wanderung aber beispielsweise intensiv eine GPS-unterstützte Karten-App, ist schon lange früher Schluss und man braucht das Akkupack, das die Laufzeit ungefähr verdoppelt.

Viele Arten von Karten

Deshalb musste ich unterwegs immer das komplette dicke Paket herumschleppen. Denn eine der Besonderheiten des Explore ist die vorinstallierte Karten-App Viewranger. Über die nämlich lassen sich sehr detaillierte professionelle Karten zur Offlinenutzung auf das Gerät laden.

Die sind allerdings auch sehr teuer. Eine komplette Karte von Deutschland im Maßstab 1:25.000 etwa kostet 150 Euro. Dem Land Rover Explore liegt ein Gutschein bei, mit dem man beispielsweise eine Deutschlandkarte im Maßstab 1:50.000 oder mehrere kleinere Karten kaufen kann. Im Gelände und ohne Mobilfunkverbindung ist so etwas Gold wert.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr robust

Gegen Salzwasser und extreme Temperaturen geschützt

Eigenständiger Look

Akkupack mitgeliefert

Gutschein für Viewranger-Karten

Veraltetes Android-System

Nur mittelmäßige Leistung

Nur mittelmäßige Ausdauer

Ein Handy für jedermann ist das Land Rover Explore nicht. Rund 650 Euro kostet das Gerät. In diesem Preisbereich bekommt man problemlos elegantere und schnellere Smartphones, wie etwa das iPhone 8 oder das OnePlus 6. Aber solche Geräte vertragen es eben auch nicht, in felsigem Gelände fallen gelassen zu werden.

Genau wie manche Menschen sich ein SUV zulegen, obwohl sie nur in der Stadt fahren, mögen manche den soliden Look eines Outdoor-Handys lieber als den eines iPhones. Man tauscht Leistungsfähigkeit eben gegen Robustheit und umgibt sich mit dem Image eines Outdoor-Abenteurers - auch wenn man bloß zum Supermarkt fährt.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
ziehenimbein 17.08.2018
1. Eigentlich nur ein teures Navi!?
Abseits von Mobilfunk ist das eigentlich doch nur ein Navi. Bei dem Stromverbrauch eher ein sehr schlechtes Gerät. Also nur etwas für den Biergarten, was zum herzeigen und bewundert oder belächelt werden.
mschafer 17.08.2018
2. Nana...
Warum nicht einfach ein lifeproof case ( oder ähnliches) kaufen and die App einfach runterladen. GEW ihr gespart, Man kan ein aktuelles OS betreibendes Handy benutzen das auch in der Größe und Funktion zeitgemäß ist. Das passt dann auch viel besser zum Range Rover falls man dann nach dem Wanderabenteur in der Oper vorbeischaut.
km_spon 17.08.2018
3. hmm, und Details?
Wenn ein Outdoorphone getestet wird, würden mich auch konkrete Details interessieren ( und im Vergleich zu anderen Geräten); "nicht hell genug im Sonnenlicht" sind alle die ich kenne, aber gibt es welche die hell genug sind? Und das ein Outdoor kein Gamer ist - Überraschung! Wenn man Tage(e) im Gelände festhängt, z.B. wegen schlechten Wetters sin ein paar Spiele sicherlich nett, aber doch kein Kriterium! Aber die Akkuleistung schon; da fehlen auch wieder genauere Daten (nur "Telefon", Telefon + GPS). Also wenig verwertbarer Inahlt im Artikel :-(
Oberleerer 17.08.2018
4.
Im Outdoor-Bereich wäre ein Display-Konzept wie das Yota-Phone ideal. auf eine Seite ein Farbdisplay und auf der anderen Seite ein eInk-Display, schwarz/weiß wie beim eBookReader. Die aktuelle Wanderkarte kann so ohne Stromverbrauch dargestellt werden und bei Lichteinfall um so besser. Es liegt wohl an der heutigen Zeit, daß alle Dinger nur noch unvollständig sind, damit man ein Feature für die nächste Generation offenhalten kann.
argony 17.08.2018
5. Kartenmaterial
...gibt es für alles und wesentlich besser und kostenfrei für ervorragende Programme wie etwa Orux Maps. Ansonsten ist solch ein "Outdoor" - Handy doch so ziemlich an sinnvoller Praxis vorbei. Ein normales Handy in ein bisschen Hülle und Westentasche kommt genausogut um die Welt und funktioniert noch besser. Wenn ich allein daran denke, was mein olles Samsung S3 so alles mitmachen und hinnehmen musste. Es läuft heute noch fehlerfrei! Und das Salzwasser der Ostsee hat mein S8 klaglos überstanden (und gute Bilder dabei gemacht).
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