Lautsprecher Libratone Beat: Diese flauschige Kaffeekanne spielt Musik

Verchromter Henkel, dazu ein Überzug aus Wolle oder Kaschmir: Die Lautsprecherbox Libratone Beat ist gut getarnt. Sie empfängt Musik drahtlos von Smartphone oder Laptop und soll fetten Stereoklang erzeugen - Matthias Kremp hat die wollige Box ausprobiert.

Die klingende Kaschmir-Kaffeekanne: Libratone Beat Fotos
SPIEGEL ONLINE

Beim Test der Lautsprecherbox Libratone Beat zu Hause gab es von Besuchern zwei typische Reaktionen: "Kann ich einen Kaffee haben?", und: "Was ist das denn?" Verständlich. Das dänische Designstück sieht auf den ersten Blick nach allem Möglichen aus, nur nicht nach einer Drahtlos-Lautsprecherbox: Dreieckiger Querschnitt, turmartige Form, ein Filzpelz als Überzug und dazu ein verchromter Handgriff - das erinnert an eine Thermo-Kaffeekanne.

So verwirrend er auf den ersten Blick wirkt, so einfach lässt sich die Beat in Betrieb nehmen. Das einzige, unbedingt nötige Kabel dient der Stromversorgung. Direkt über dem Kabel findet man den Ein/Ausschalter. Das einzige weitere Bedienelement ist ein mit dem Firmenlogo bedruckter Verbindungstaster an der Vorderseite. Klangregelung oder Lautstärkeregler sucht man vergebens.

Die braucht man auch nicht, denn Klang und Lautstärke steuert der Besitzer über das Gerät, das der Beat die Musik zuspielt (zum Beispiel PC, iPhone, iPod) - vorzugsweise per Funk. Eine Miniklinkenbuchse zum Anschluss per Kabel hat der Libratone-Lautsprecher zwar auch, aber die sollte man nur als Notnagel sehen. Seine eigentliche Bestimmung ist die drahtlose Musikübertragung, die sich auch im Firmennamen wiederfindet: Libratone will den Klang befreien - zumindest von den Anschlusskabeln.

Ein Tastendruck genügt

Die Dänen bieten dafür verschiedene Übertragungswege und Techniken an. Zur Ifa neu vorgestellt wurde der Libratone Live mit integrierter Apple-AirPlay-Technologie. Damit funktionieren iPhones, iPods und iPads ohne weiteres Zubehör. Ich habe die Libratone Beat getestet, die ohne AirPlay daherkommt und trotzdem mit Apple-Geräten funktioniert.

Libratone legt dafür einen kleinen Funkadapter bei, den man in den Dock-Anschluss der Apple-Geräte stecken kann. Zusätzlich liegt ein Ladeadapter bei, so dass man etwa den iPod aufladen kann, während er via Funk Musik abspielt. Für PC und Mac steckt ein USB-Adapter im Karton, der denselben Job erledigt. Spezielle Software muss man dafür nicht installieren: Es genügt, den Adapter einzustecken und ihn als Tonausgabe auszuwählen. Am Lautsprecher selbst muss man nur den Verbindungstaster drücken, um die Verbindung herzustellen.

Ein Popper, kein Rocker

Der Klang der Libratone Beat ist beeindruckend. Mein Wohnzimmer beschallt der Solo-Lautsprecher mühelos, füllt ihn mit einem Sound an, der viel fetter ist, als ich es dem vergleichsweise kleinen Apparat zutrauen würde. Die 50 Watt, mit denen der einzelne Basslautsprecher befeuert wird, sind jedenfalls gut zu hören. Die doppelt vorhandenen Mittel- und Hochtonlautsprecher der Beat müssen sich dagegen mit zweimal 25 Watt begnügen.

Die Klangcharakteristik der Beat erinnert an den Effekt, den eine Loundness-Taste am Verstärker erzeugt: Bässe und Höhen werden betont, der Mittenbereich abgesenkt. Pop klingt klasse, Lounge sowieso, gitarrenlastiger Rock wirkt weniger überzeugend. Manchmal fehlt es der Box an Klarheit.

Schönes Schwergewicht

Vor allem mangelt es der Libratone Beat an einem überzeugenden Stereoeffekt. Ähnlich wie bei Stereoliths M 232 hängen der Klang und die Breite des Stereofelds enorm davon ab, wie man die Beat-Box positioniert. Ideal ist sie etwa 20 bis 30 Zentimeter vor einer glatten Wand aufgehoben. Dann werden die Tonsignale der nach hinten abstrahlenden Mittel- und Hochtöner seitlich nach vorne reflektiert und dadurch künstlich aufgefächert. Stellt man die Box in eine Ecke, hebt sich dieser Effekt auf, linker und rechter Kanal arbeiten quasi gegeneinander. Mitten im Zimmer positioniert, wird eine klare Stereoortung fast unmöglich.

Mit Hifi hat Libratones Beat also nicht viel zu tun, aber er klingt trotzdem gut, wenn man gelernte Hörgewohnheiten über Bord wirft. Die klingende Kaffeekanne ist eher etwas zum Nebenbei-Hören. Dafür funktioniert sie überall, wo es eine Steckdose gibt. Dank des Chrom-Handgriffs kann man die Box überall hin tragen - allerdings erinnert die 6,5 Kilogramm Gewicht daran, dass guter Klang meist mit Gewicht erkauft wird.

Preise von 550 bis 986 Euro

Die Woll-Box ist teuer: In der mit grauer Wolle bezogenen Standardvariante kostet das Modell Beat 550 Euro, für andersfarbige Versionen mit Kaschmirbezug verlangen Online-Händler 100 bis 150 Euro mehr (laut guenstiger.de, abgerufen am 30.9.2011). Ein noch höherer Aufschlag wird für die AirPlay-fähige Libratone Live fällig. Je nach Bezugsstoff und Farbe wird man mit 864 bis 986 Euro zur Kasse gebeten, will man auf den Steckadapter am Apple-Endgerät verzichten.

Damit werden die Libratone-Lautsprecher zu Luxus-Klangkörpern. Vergleichbar guten - oder sogar besseren - Sound kann man sich auch mit anderen Lösungen ins Wohnzimmer holen. Bowers & Wilkins etwa bietet seinen AirPlay-tauglichen Zeppelin Air für knapp 600 Euro an. Investiert man etwas mehr, kann man sich aus zwei Play-3-Boxen von Sonos sogar ein richtiges drahtloses Stereosystem bauen. Diesen Boxen fehlt nur die Einfachheit, die Tragbarkeit und vor allen das einzigartige Design von Libratone.

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1. Sparen
leeberato 01.10.2011
Dann spare ich doch lieber noch ein bisschen und hole mir lieber die Elac MicroMagic II.
2. Viel mehr Lautsprecher hilft.
wakaba 01.10.2011
Mehr Fläche hilft. Bass ist direktional - da er im Musikgeschehen immer mit höheren Frequenzen einhergeht und damit klar ortbar ist. Praktischerweise kommt er beim hifihören immer von vorne. Ein Sinussignal mit 20hz aus dem Lautsprecher ist ortbar da ein Lautsprecherchassis eben keinen reinen Sinus generieren kann. Bassreflexboxen machen sich die Resonanz der Holzkiste zunutzen um eine Bassüberhöhung (mehr Lautstärke) erreichen. Man hört also nicht guten Bass sondern eine Resonanzspitze. Diese Spitze kommt aber mit 30 Millisekunden Verspätung und nach dem direkten Lautsprecherbasston beim Hörer an. Resonanz und Verzögerung - Folge ist matschiger Sound der keine Relevanz zum Tonmaterial mehr hat. Das ist extrem gut hörbar - es disqualifiziert jede Bassreflexkiste ob 200 Euro oder 20000 Euro. Der Trend zu immer kleineren Basstreibern mit sehr flexibler Aufhängung und grosser Auslenkung haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Normal hören bedeutet bereits grosse Verzerrungen, lauthören bedeutet sehr grosse Verzerrungen. Loudness als Vereinfachung der Fletcher-Munson Kurve ist bei solchen Produkten ok. Um annähernd die FM-Kurve in einem Lautsprecher zu realisieren braucht es enorm viel grössere Lautsprechertreiber und eine völlig andere Konstruktionsform. Die Libratone ist also schuldig keine Musikreproduktion zu erlauben sondern Musik "zu machen". iTunes kann eh kein 16bit, Quicktime auf PC und Mac verzerrt bei Nicht-Vollaussteuerung gewaltig. Es spielt also keine Rolle...Schlecht, schlechter am schlechtesten.
3. Bassreflex oder..
leierbündchen 01.10.2011
Zitat von wakabaMehr Fläche hilft. Bass ist direktional - da er im Musikgeschehen immer mit höheren Frequenzen einhergeht und damit klar ortbar ist. Praktischerweise kommt er beim hifihören immer von vorne. Ein Sinussignal mit 20hz aus dem Lautsprecher ist ortbar da ein Lautsprecherchassis eben keinen reinen Sinus generieren kann. Bassreflexboxen machen sich die Resonanz der Holzkiste zunutzen um eine Bassüberhöhung (mehr Lautstärke) erreichen. Man hört also nicht guten Bass sondern eine Resonanzspitze. Diese Spitze kommt aber mit 30 Millisekunden Verspätung und nach dem direkten Lautsprecherbasston beim Hörer an. Resonanz und Verzögerung - Folge ist matschiger Sound der keine Relevanz zum Tonmaterial mehr hat. Das ist extrem gut hörbar - es disqualifiziert jede Bassreflexkiste ob 200 Euro oder 20000 Euro. Der Trend zu immer kleineren Basstreibern mit sehr flexibler Aufhängung und grosser Auslenkung haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Normal hören bedeutet bereits grosse Verzerrungen, lauthören bedeutet sehr grosse Verzerrungen. Loudness als Vereinfachung der Fletcher-Munson Kurve ist bei solchen Produkten ok. Um annähernd die FM-Kurve in einem Lautsprecher zu realisieren braucht es enorm viel grössere Lautsprechertreiber und eine völlig andere Konstruktionsform.
Viele nicht ganz falsche Gedanken. Bassreflex, richtig gemacht, hat jedoch nichts mit Resonanz einer Holzkiste zu tun. Es geht vielmehr um die Erweiterung des Fequenzbreichs eines "Treibers", auch "Lautsprecherchassis" genannt, durch ein genau abgestimmtes Gehäuse. Das Gehäuse wird so steif wie nötig ausgeführt, sodass letztlich nur noch dessen Volumen und die Abmessungen der Reflexöffnung zusammen mit den intrinsischen Eigenschaften des vewendeten Lautsprecherchassis über den Frequenzgang und das Impulsverhalten entscheiden. Ich habe hier sowohl extrem kontrollierte (knackige) BR-Boxen wie auch tiefreichende geschlossene boxen. Der Klang ist unterschiedlich, aber jeweils sinnlich erfahrbar.
4. Titel
P.Delalande 01.10.2011
Zitat von wakabaBassreflexboxen machen sich die Resonanz der Holzkiste zunutzen um eine Bassüberhöhung (mehr Lautstärke) erreichen. Man hört also nicht guten Bass sondern eine Resonanzspitze. Diese Spitze kommt aber mit 30 Millisekunden Verspätung und nach dem direkten Lautsprecherbasston beim Hörer an.
30 Millisekunden? Das scheint mir aber ein wenig zu hoch gegriffen. Da müsste der Weg der Resonanz, also der Weg bis das Signal die Box verlässt, ja nahezu 10 Meter betragen.
5. Richtige Gedanken
wakaba 01.10.2011
Zitat von leierbündchenViele nicht ganz falsche Gedanken. Bassreflex, richtig gemacht, hat jedoch nichts mit Resonanz einer Holzkiste zu tun. Es geht vielmehr um die Erweiterung des Fequenzbreichs eines "Treibers", auch "Lautsprecherchassis" genannt, durch ein genau abgestimmtes Gehäuse. Das Gehäuse wird so steif wie nötig ausgeführt, sodass letztlich nur noch dessen Volumen und die Abmessungen der Reflexöffnung zusammen mit den intrinsischen Eigenschaften des vewendeten Lautsprecherchassis über den Frequenzgang und das Impulsverhalten entscheiden. Ich habe hier sowohl extrem kontrollierte (knackige) BR-Boxen wie auch tiefreichende geschlossene boxen. Der Klang ist unterschiedlich, aber jeweils sinnlich erfahrbar.
Gibt kein genau abgestimmtes Gehäuse - im einfachen Passivboxenbau ist alles variabel - Toleranzen sind einfach zu hoch. Ist halt so. Es ist eben keine Erweiterung des Frequenzbereichs sondern eine Ueberbetonung eines schmalen Bereichs - klar das durch den Hügel auf beiden Seiten etwas db angehoben wird. Die "Erweiterung" des Frequenzbereichs um x ist eben genau das "Reiten" auf der Resonanz. Die versucht man sonst zu vermeiden oder wegzufiltern. Bei BR nimmt mans halt in Kauf weil sich so billig und ohne grossen Denkaufwand Passiv-Boxen bauen lassen die im Testheft gepunktet werden können. Das machts verlgleichbar aber nicht richtiger. Sinnlich lass ich nicht gelten - entweder stimmt das Eingangsignal fast mit dem am Lautsprecher gemessenen - oder eben nicht. Ist das der Fall - dann können wir über den Musikinhalt diskutieren. BR und geschlossene Box könnens jedenfalls nicht annähernd so gut wie ein riesiger Dipol. @p. Bis zu 30ms - da BR oft auch eine Transmissionsbox ist und entsprechend verschachtelt. Dazu kommt der Zeitunterschied im Impulsverhalten der verschiedenen Treiber. Macht auch mal 2ms zusätzlich aus. Dazu kommt noch der langsamere Schall im Tiefbassbereich der auch schon mal 20cm hinterherhinkt. BR ist halt eine Bastelei und auch mit einer digitalen FW nicht sauber zum Spielen zu bewegen. Aber eigentlich gings ja um die Libratone...
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