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Kunstprojekt: Lego-Roboter umgeht Kindle-Kopierschutz

Fließbandarbeit: Der Roboter muss Tasten drücken, bis das Buch kopiert ist Zur Großansicht
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Fließbandarbeit: Der Roboter muss Tasten drücken, bis das Buch kopiert ist

Spielzeug versus Kopierschutz: Ein Wiener Wissenschaftler hat einen Lego-Mindstorms-Roboter so programmiert, dass er E-Books von Kindle-Readern kopieren kann. Der Vorgang ist nett anzusehen, aber alles andere als effizient.

Trotz Kopierschutz gibt es Möglichkeiten, für den Kindle gekaufte E-Books zu vervielfältigen. Doch kaum eine dürfte gleichzeitig so hübsch anzusehen und banal sein wie die von Peter Purgathofer. Der Professor der TU Wien hat einen Selbstbau-Roboter so programmiert, dass dieser hilft, auf dem E-Reader angezeigte kopiergeschützte Texte in eine kopierbare Textdatei auf einem Computer zu übertragen. Ein Web-Video dokumentiert die Arbeit des "DIY Kindle Scanners", der mit der Lego-Mindstorms-Technologie realisiert wurde.

Die Funktion von Purgathofers Roboter beschränkt sich darauf, zwei Tasten zu drücken: im Wechsel die "Nächste Seite"-Taste des Kindle und die Leertaste eines Notebooks. Letzterer Tastendruck sorgt dafür, dass die MacBook-Kamera ein Foto der auf dem Kindle angezeigten Seite macht. Mit Hilfe eines Online-Texterkennungsprogramms wird der fotografierte Buchinhalt anschließend in reinen Text umgewandelt.

Erfinder Purgathofer ging es bei seiner Konstruktion mehr um Eleganz als um Effizienz. "Kein vernünftiger Mensch würde diesen Weg nutzen, um E-Books zu kopieren", kommentiert der Professor ein Video, das den Vorgang dokumentiert. Er habe sich für den aufwendigen Weg entschieden, weil die Entwicklung spaßig war und die Konstruktion nett aussehe. Die Apparatur habe "einen angenehmen Rhythmus".

Nur ein Buch

Laut Video-Beschreibung sieht Purgathofer seinen Roboter aber auch als Kunstprojekt, das "das Verhältnis von Buch-Scannen, Urheberrecht und dem Digitalen Rechtemanagement reflektiert". Das Ganze solle eher als provokantes Gedankenexperiment verstanden werden, nicht als Anleitung oder Einladung. Der Tech-Seite "All Things D" schrieb Purgathofer per E-Mail, der "DIY Kindle Scanner" sei ein privates Projekt. Er habe bislang testweise ein E-Book gescannt, dieses aber an niemanden weitergegeben.

Der Wiener Professor ist längst nicht der erste Tüftler, der mit Lego-Technik einen kuriosen Roboter entwickelt hat. Weltweit gibt es zahlreiche Hobby-Erfinder, die sich über das Netz und in Video-Form austauschen. Eine Auswahl ungewöhnlicher Ideen von Lego-Bastlern hat SPIEGEL ONLINE schon vor mehreren Jahren vorgestellt.

mbö

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
hjm 09.09.2013
Nette Idee. Also nicht die Kopiertechnik, sondern das ganze als „Kunstwerk“ zu präsentieren, um die Absurdität dieser DRM-Systeme vorzuführen. Auf die gleiche Weise hätte man übrigens auch jeden Kopierschutz von Musikdateien von Anfang an umgehen können. Einfach das Ausgangssignal der Soundkarte mit einer zweiten Soundkarte wieder digitalisieren. Ich habe daher diese ganze DRM-Debatte nie wirklich verstanden.
2. Bah
Sherlock70 09.09.2013
Kreativer wäre es, wenn der Bot, das eBook abtippen würde.
3. Calibre
ironbutt 09.09.2013
heisst die beliebte und legale Software, mit der man eBooks auf PCs verwalten kann, und wer Calibre plus den Namen seines eBook-Readers googelt, bekommt auch schnell raus, wo es ein entsprechendes Software Update gibt (und wie man es installiert), mit dem man auf den Kindle direkt zugreifen und seine Inhalte frei lesbar machen kann. Natürlich nur zu persönlichen Archivzwecken; Alles andere wäre ja ... also ... quasi undenkbar,
4. Inwiefern
ellereller 09.09.2013
ist denn dieses Verfahren ineffizient? Dazu hätte man gerne einen Hauch einer Begründung statt der Wiederholung der Behauptung gelesen.
5. Mit mir nicht
realist4 09.09.2013
Ich habe nicht vor irgendwelche Raubkopien zu verbreiten, aber ich bin altmodisch, wenn ich etwas kaufe gehört es mir und wenn ich will verschenke ich es weiter. Jedwedes Gerät oder jedwede Software, welche mir das streitig macht, kommt bei mir nicht ins Haus. Das bedeutet: Amazon wird mir nie einen Kindle verkaufen können.
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    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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