Lenovo-Spielkonsole eBox Chinas Playstation-Konkurrent kommt

China will mitspielen, jetzt auch am Fernseher: Mit einer eigenen Spielkonsole will der PC-Hersteller Lenovo zuerst den heimischen Markt erobern und dann die Welt - allerdings auf ganz besonders friedliche Weise.

Lenovo-Ladengeschäft in Shanghai: Bald gibt es hier auch Spielkonsolen zu kaufen
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Lenovo-Ladengeschäft in Shanghai: Bald gibt es hier auch Spielkonsolen zu kaufen

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Peking - Der Markt für Spielkonsolen steht vor einem möglichen Umbruch. Teilten sich bisher Sony, Microsoft und Nintendo das mehr oder minder einträgliche Geschäft mit den Spielcomputern fürs Wohnzimmer, hat jetzt ein schlagkräftiger Konkurrent angekündigt, künftig auch ins Konsolengeschäft einsteigen zu wollen: Lenovo. Am Montag teilte das Unternehmen mit, es wolle noch in diesem Jahr eine eigene Spielkonsole auf den Markt bringen, die eBox. Einen Prototypen gebe es schon, erklärte das Unternehmen, öffentlich gezeigt wurde er bisher nicht.

Die Ankündigung macht stutzig. Bisher ist Lenovo vor allem für seine Büro-Computer bekannt. Mit der Übernahme der Computersparte von IBM vereinnahmte der Konzern auch die erfolgreich eingeführten Business-Marken ThinkPad und ThinkCentre. Vor allem die Notebooks der Marke erfreuen sich eines ungebrochen guten Rufs, leben von dem Image robuste Arbeitsmittel zu sein.

In letzter Zeit allerdings baute der Konzern seine Produktpalette deutlich aus. So brachte Lenovo Anfang des Jahres sein erstes Mobiltelefon auf den Markt. Zudem stellte das Unternehmen einen Hybridcomputer vor, bei dem sich der Bildschirm abnehmen lässt. Auf diese Weise wird aus einem Laptop ein sogenannter Tablet-PC, der über den Bildschirm direkt zu bedienen ist. Touchcsreen-PC und Netbooks runden Lenovos Produktpalette ab. Das Unternehmen versucht mit aller Kraft sein staubiges Büro-Oeuvre abzulegen. Im weltweiten vergleich ist Lenovo mittlerweile der viertgrößte Computerhersteller, in China ist das Unternehmen die Nummer 1.

Gesten statt Gamecontroller

Die Konkurrenz zu Lenovos eBox ist allerdings nicht zu unterschätzen. Gerade erst haben Sony und Microsoft neue Bewegungssteuerungen für ihre nicht ganz taufrischen Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 angekündigt. Die Move beziehungsweise Kinect genannten Systeme ermöglichen es, durch Körperbewegungen mit Spielen zu interagieren. Durch eben dieses Spielprinzip, das die Gamer in Bewegung bringt, statt sie mit dem Joystick vor der Konsole verharren zu lassen, ist Nintendos Wii zu einem Millionenseller geworden.

Wohl auch deshalb soll auch die eBox mit Gesten anstatt mit einer Fernsteuerung bedient werden. Ähnlich wie bei Microsofts Kinect sollen die Bewegungen des Spielers von einer Digitalkamera verfolgt und in Bewegungen der Spielfiguren umgesetzt werden.

Unklar ist noch, wie umfangreich das Angebot an Spielen für die eBox zur geplanten Markteinführung im November sein wird. Die großen Spielehersteller haben sich längst auf die drei den Markt beherrschenden Konsolen eingestellt. Es dürfte schwierig werden sie davon zu überzeugen, Geld in ein vollkommen neues Produkt zu stecken, von dem noch völlig unklar ist, wie gut es bei den Konsumenten ankommen wird.

Eine friedliche Botschaft

Lenovo allerdings glaubt gute Chancen zu haben, sich mit der eBox im chinesischen Markt gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können. Und das scheint auch der Plan zu sein, denn vorerst soll die neue Konsole nur in China eingeführt werden. Laut Lenovo soll die Konsole "die Unterhaltungswünsche von 120 Millionen städtischen Haushalten in China" erfüllen. Im Anschluss können schrittweise auch in der Asien-Pazifik-Region und anschließend weltweit auf den Markt kommen.

Und dort soll sie eine friedliche Botschaft mit sich bringen erklärt Firmenchef Jack Luo indem er sagt: "die eBox mag keine herausragenden Grafikfähigkeiten haben und es fehlen ihr auch gewalttätige Spiele, aber dafür wird sie die ganze Familie aus dem Sofa herauslocken und ihr ein wenig Bewegung verschaffen."

mit Material von AFP



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