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Vorinstallierte Malware: Lenovo veröffentlicht Superfish-Löschprogramm

Kunden vor einem Lenovo-Shop in Peking: Sicherheitsproblem Superfish Zur Großansicht
DPA

Kunden vor einem Lenovo-Shop in Peking: Sicherheitsproblem Superfish

Die auf einigen Computer vorinstallierte Software Superfish ist ein Sicherheitsproblem. Das hat jetzt auch Hersteller Lenovo eingestanden und ein entsprechendes Löschprogramm veröffentlicht. Ausgestanden ist das Problem deshalb noch nicht.

Lenovo hat auf Vorwürfe reagiert, die gefährliche Software Superfish auf einigen Computermodellen vorinstalliert zu haben. Auf seiner Website bietet der Konzern nun ein Programm und eine Anleitung an, die Betroffenen helfen sollen, das problematische Programmpaket mit der Bezeichnung "Superfish Visual Discovery" von ihren Rechnern zu entfernen.

Vor wenigen Tagen hatte der chinesische Computerhersteller die Software noch als vorteilhaft für seine Kunden angepriesen. Nachdem bekannt wurde, dass Superfish Suchanfragen manipuliert und Sicherheitslücken ins Windows-System reißt, bezeichnet Lenovo das Programm nun auch selbst als Sicherheitslücke. Mit ihr könne ein schwerwiegender Angriff gegen einen Computer durchgeführt werden. Auch eine Liste der betroffenen Computermodelle gibt es nun.

Superfish von einem System zu entfernen, ist nicht trivial. Dafür müssen nicht nur die Programmbestandteile, sondern auch sogenannte Sicherheitszertifikate entfernt werden. Vielleicht deswegen hat Lenovo das "Automatic Removal Tool" zusammen mit seinen Quelldateien und einer kopierfreundlichen Lizenz veröffentlicht. Nachdem das Unternehmen das Vertrauen seiner Kunden gebrochen hat, soll das vielleicht Transparenz signalisieren.

Seit Januar wird die Software nicht mehr installiert

Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Auch Softwarehersteller Microsoft hat Maßnahmen gegen die Superfish-Software ergriffen. Die hauseigene Anti-Viren-Software Defender erkennt Superfish nun als Schadprogramm, entfernt die Software und macht die Superfish-Eingriffe in die Zertifikate-Datenbank rückgängig. Microsoft bezeichnet Superfish fortan als Trojaner-Software "Trojan:Win32/Superfish.A".

Lenovo erklärte, die Software werde seit Januar 2015 nicht mehr auf den Rechnern des Unternehmens vorinstalliert. Zudem habe der Hersteller von Superfish seit diesem Zeitpunkt verhindert, dass die Software auf bereits verkauften Computern aktiviert werden könne. Überdies würde Lenovo alle Bedenken bezüglich Superfish untersuchen.

Superfish wird seit Jahren kritisiert

Dass von den Superfish-Herstellern Gefahr ausgeht, hatten viele Anti-Virus- und Anti-Adware-Unternehmen bereit vor Jahren gemerkt, als sie vor anderen Superfish-Programmen warnten. So erklärte Microsoft schon 2011, wie man das "Superfish Window Shopper"-Addon entfernen könne, das den Internet Explorer 9 zum Absturz bringen konnte. Andere Unternehmen nahmen Superfish-Programme in Listen von Schadprogrammen auf, da sie sich tief im Betriebssystem einnisteten und problematische Änderungen am System vornahmen.

Lenovo muss von diesen Vorwürfen gewusst haben. Warum sich Lenovo aber mit einer Firma einließ, die bekanntermaßen so respektlos mit Computerbesitzern umgeht, bleibt eine offene Frage.

Unterdessen zeigt sich, dass das grundlegende Problem manipulierbarer Sicherheitszertifikate wohl nicht auf Lenovo-Computer beschränkt ist. Wie "The Register" meldet, hat ein Sicherheitsexperte von Facebook zehn weitere Unternehmen gefunden, die dieselbe Technologie benutzen wie Superfish.

fko

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1. Wo bleibt Lenovos Rückrufaktion für die infizierten Geräte?
darkmattenergy 23.02.2015
Es jetzt dem Kunden - darunter vielen Laien - zu überlassen, die Schadsoftware sicher und rückstandsfrei zu entfernen kann man nur als eine eiskalte Frechheit seitens des Herstellers verstehen. Und auch wenn der Hersteller die Schadsoftware seit kurzem nicht mehr installiert: Wie lange werden noch wie viele immer noch damit infizierte Geräte aus dem Lager verkauft werden? Alleine schon der Transport aus Asien kann vier bis sechs Wochen dauern - d.h. bis vor kurzem sind wohl noch infizierte Geräte in Europa "aufgeschlagen". Oder ist der Handel angewiesen, Lagerware vor dem Verkauf zu reinigen oder an Lenovo zurückzuschicken?
2. Ich würde die Stammzertifikate überprüfen ...
etguenni 23.02.2015
und mich nicht auf Tools verlassen. Für den Windows Defender, der nach einem Update den Superfish samt Root-Zertifikat löscht, habe ich nachgewiesen, dass genau dieser Mechanismus in bestimmten Szenarien nicht funktioniert. Details finden sich unter: goo.gl/lIhw68
3. Ce ?
quark@mailinator.com 23.02.2015
Jedes in der EU verkaufte Gerät braucht ein CE-Zeichen, d.h. eine Erklärung des Herstellers/InVerkehrBringers, daß das Gerät den Normen entspricht. Es sollte also einfach eine Ergänzung dieser Normen geben, welche fordert, daß das Gerät keinerlei unsichtbare Funktionalität enthält, welche irgendwelche Nutzerdaten dach draußen gibt oder einen Fernzugriff erlaubt. Es sollte klar erklärt werden, welchen Preis Hersteller zu zahlen haben, falls sich später herausstellt, daß er vorsätzlich oder grob fahrlässig dennoch solche "Funktionen" zugelassen oder installiert hat. Diese Strafen sollten drakonisch ausfallen. Das würde in kurzer Zeit dazu führen, daß wirklich sichere Infrastruktur entsteht. Sicherlich zunächst mit weniger Bling Bling, aber dafür klar strukturiert und abgesichert. Also los !
4. Ce ?
quark@mailinator.com 23.02.2015
Jedes in der EU verkaufte Gerät braucht ein CE-Zeichen, d.h. eine Erklärung des Herstellers/InVerkehrBringers, daß das Gerät den Normen entspricht. Es sollte also einfach eine Ergänzung dieser Normen geben, welche fordert, daß das Gerät keinerlei unsichtbare Funktionalität enthält, welche irgendwelche Nutzerdaten dach draußen gibt oder einen Fernzugriff erlaubt. Es sollte klar erklärt werden, welchen Preis Hersteller zu zahlen haben, falls sich später herausstellt, daß er vorsätzlich oder grob fahrlässig dennoch solche "Funktionen" zugelassen oder installiert hat. Diese Strafen sollten drakonisch ausfallen. Das würde in kurzer Zeit dazu führen, daß wirklich sichere Infrastruktur entsteht. Sicherlich zunächst mit weniger Bling Bling, aber dafür klar strukturiert und abgesichert. Also los !
5. Verantwortung
TheBear 23.02.2015
Zitat von darkmattenergyEs jetzt dem Kunden - darunter vielen Laien - zu überlassen, die Schadsoftware sicher und rückstandsfrei zu entfernen kann man nur als eine eiskalte Frechheit seitens des Herstellers verstehen. Und auch wenn der Hersteller die Schadsoftware seit kurzem nicht mehr installiert: Wie lange werden noch wie viele immer noch damit infizierte Geräte aus dem Lager verkauft werden? Alleine schon der Transport aus Asien kann vier bis sechs Wochen dauern - d.h. bis vor kurzem sind wohl noch infizierte Geräte in Europa "aufgeschlagen". Oder ist der Handel angewiesen, Lagerware vor dem Verkauf zu reinigen oder an Lenovo zurückzuschicken?
Es ist nicht nur eineUnverschämtheit seitens des Herstellers, sondern auch ein Versagen a) der Verkäufer, die den Kunden vor solch grobem Unfung schützen sollten und b) dem Gesetzgeber, der aus Inkompetenz oder Bestechlichkeit sich aus der Verantwortung stiehlt. Ob mir jemand mein Fahrrad klaut oder mit Zeit stiehlt kommt doch auf das Gleiche heraus: Ich bin bestohlen worden, und der Dieb sollte haftbar gemacht werden.
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Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.
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