Smartphone LG G5 Der Alleskönner

Es bietet Weitwinkelfotos und einen "Magic Slot" für Erweiterungen: Das neue LG-Smartphone G5 ist eine Art Wunderhandy. Sogar Drohnen kann es fernsteuern.

Aus Barcelona berichtet

LG

Ein paar Gerüchte und unscharfe Fotos waren schon vor der Handymesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona durchgesickert. Als LG Sonntag sein neues Top-Smartphone offiziell vorstellte, waren viele Technikfans trotzdem überrascht: Das neue LG G5 sieht elegant aus und bietet technische Finessen wie eine Doppelkamera. Vor allem aber ist das Handy modular erweiterbar - der sogenannte Magic Slot macht es möglich.

Schon einige Firmen haben sich an solchen Geräten versucht. Google etwa arbeitet unter dem Projektnamen Ara an einem modular zusammensteckbaren Smartphone, und das Fairphone 2 ist zumindest so modular, dass man es leicht reparieren kann. Bisher erinnern solche Versuche meistens eher an Lego-Bausätze als an schicke Handys.

Beim G5 ist das anders. Mit seinem Metallkorpus sieht das 5,3-Zoll-Smartphone wertig aus. Es fühlt sich stabil und erstaunlich leicht an, obwohl es in der Grundkonfiguration 159 Gramm wiegt. Ein Wert, der sich mit den optionalen Zusatzmodulen freilich ändern kann.

Neue Fähigkeiten über den Steckplatz

Um ein Modul mit dem Gerät zu verbinden, drückt man einen kleinen Knopf, der die Verriegelung des Erweiterungsschachts löst. Danach lässt sich die untere Abdeckung samt Akku aus dem Gerät ziehen. Positiver Nebeneffekt: Der Akku ist schnell und einfach auswechselbar. Aber darum geht es nur am Rande.

LG G5: Mit Modulen erweiterbar
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LG G5: Mit Modulen erweiterbar

In erster Linie dient der Steckplatz dazu, das G5 um neue Fähigkeiten und Funktionen zu erweitern. Dazu werden Zusatzmodule einfach in den Steckplatz eingeschoben. Eine Konfiguration oder zusätzliche Einstellungen sind nicht nötig.

In Barcelona hat LG zunächst zwei Zusatzmodule angekündigt:

  • LG Cam Plus: Anders als der Name vermuten lässt, ist dies keine Kamera, sondern ein Aufsatz, der mechanische Knöpfe für Kamerafunktionen wie Auslöser und Zoom hat. Außerdem ist ein Zusatzakku eingebaut.
  • Hi-Fi Plus mit B&O Play: Dieses Modul ist im Grunde ein eigenständiger Musik-Player, der Highend-Klangqualität bieten soll. Die Firma Bang und Olufsen hat einen speziellen Digital-Analog-Wandler eingebaut, der besonders hochauflösende Musikdaten abspielen kann.

Noch ist der Nutzen des Erweiterungsschachts also eingeschränkt. LG hat aber bereits angekündigt, dass es bald weitere Steckmodule geben wird. Konkrete Angaben dazu, was für Module das sein werden und wann sie verfügbar sind, gibt es nicht.

G5-Käufer können gleich noch mehr Geld ausgeben

Dafür will LG G5-Käufern gern noch mehr Extras verkaufen. Das Unternehmen hat eine ganze Reihe weiterer Ergänzungsprodukte vorgestellt. Eine Auswahl:

  • 360 Cam: Dieses Kameramodul enthält zwei 13-Megapixel-Kameras mit 200-Grad-Weitwinkelobjektiven. Die Idee dahinter gleicht der von Samsungs Gear 360: Mit der Kamera lassen sich Rundumfotos und -videos machen, die dann beispielsweise mit einer VR-Brille räumlich betrachtet werden können.
  • 360 VR: Die für Aufnahmen der 360 Cam nötige Virtual-Reality-Brille will LG unter dem Namen 360 VR liefern. Sie wird per USB-Kabel ans Handy angeschlossen und zeichnet sich durch ihr geringes Gewicht aus. Beim kurzen Ausprobieren fühlte sich die VR-Brille angenehmer an als manches Konkurrenzprodukt, sie hat aber einen Nachteil: Die Brille schirmt das Licht von außen nicht komplett ab, ein bisschen schimmert immer störend hinein.
  • Rolling Bot: Der Rolling Bot ist ein kugelrunder Roboter, der, gesteuert vom G5, mit einer 8-Megapixel-Kamera Aufnahmen macht und dabei wie ein Ball durch den Raum rollen kann. So soll man zu Beispiel aus der Ferne sein Zuhause überwachen können.
  • Smart Controller: Dieses Steuerungsmodul soll als Fernsteuerung für Drohnen auf das Handy aufgesteckt werden. Der vom französischen Drohnenhersteller Parrot entwickelte Aufsatz soll es möglich machen, dass man Drohnen einhändig vom Handy aus befehligt. Der in Barcelona gezeigte Prototyp machte aber noch einen unfertigen Eindruck.

Auch für sich schon vollständig

Tatsächlich sollte man die Zusatzmodule des G5 wohl als Optionen betrachten. Denn auch ohne irgendwelche Extras ist das G5 ein Highend-Handy mit bemerkenswerten Fähigkeiten. Eine davon ist das Doppelkamerasystem. Für normale Aufnahmen verwendet man eine herkömmliche 16-Megapixel-Kamera mit einem Blickwinkel von 78 Grad. Alternativ kann man die zweite Kamera mit Weitwinkelobjektiv auswählen. Sie hat einen Blickwinkel von 135 Grad, zeichnet aber nur acht Megapixel auf.

Dass das G5 außerdem - wie Samsungs neues Galaxy S7 - ein Always-On-Display hat, ist zumindest noch eine Randnotiz wert. Im Ruhezustand werden im oberen Bildschirmdrittel Infos wie die Uhrzeit und ein Kalender eingeblendet. Der Energiebedarf dafür soll 0,8 Prozent der Akkukapazität pro Stunde betragen.

Unterm Strich hat LG mit dem G5 ein Smartphone vorgestellt, das tatsächlich anders ist als andere. Die Möglichkeit, Erweiterungsmodule einzustecken, ist bisher jedoch vor allem ein Versprechen. Die zwei Module, die es zunächst gibt, sind nett - richtig spannend dürfte es aber erst werden, wenn weitere Module hinzukommen. Wann und zu welchem Preis das G5 in den Handel kommt, hat LG bislang nicht verraten.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Matthias Kremp ist Redakteur im Ressort Netzwelt, Autor der Technik-Test-Kolumne "Angefasst" und oberster Gadget-Experte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Matthias_Kremp@spiegel.de

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
panzertom 22.02.2016
1. Dämliche Zeitangabe
Ich hoffe, das Telefon kann die dämliche Zeitangabe, die auf dem Display zu erkennen ist, auch als 24-Stunden-Zeit angeben! Ich habe mich in den USA oft über Parkverbote nach dem Muster "2.00 PM bis 8.00 AM" geärgert. Bis ich das umgerechnet hatte, war der Parkplatz meist weg.
soldokat 22.02.2016
2. Dämlich ist relativ
Umstellbar wird die Zeitanzeige mit Sicherheit sein, wie bei jedem Android Smartphone auf dieser Erde. Allerdings erschließt sich mir nicht ganz, warum ein erwachsener Mensch ein Zeitformat welches einem im 21. Jhd. Ständig begegnet und in weiten Teilen der Erde normal ist als "dämlich" bezeichnet. Man sollte meinen dass ein Mensch der ein Smartphone bedienen kann und Auto fahren darf sich die Bedeutung 2er Buchstaben merken kann ;)
SeHerb 22.02.2016
3. Wechselakku
Und wieder ein Akku zum wechseln. DAS Topkaufargument für LG.
laubblaeser 22.02.2016
4. Der Alleskönner?
Kann alles... nur das Wichtigste nicht: iOS
beethovensneunte 22.02.2016
5. endlich kapiert
Zuerst kam der Blödsinn der nicht wechselbaren Akkus, das passierte gleichzeitig mit den unsäglichen Touch-Displays. Nun die Kehrtwende zum Wechselakku - und bald gibt's auch wieder die Hardwaretastatur, nicht nur beim Blackberry... Der Markt ist träge, scheint aber noch zu funktionieren.
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