Smartphone LG G6 im Test Fast ein Sieger

Mit seinem neuen Vorzeige-Smartphone G6 will LG alles besser machen, was beim Vorgängermodell schiefgelaufen ist. Fast hätte das geklappt.

SPIEGEL ONLINE

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Es hätte besser laufen können für LG. Vergangenes Jahr begeisterte der koreanische Konzern mit der Ankündigung eines modular erweiterbaren Smartphones, dem G5. Leider überzeugte weder dessen Qualität, noch konnten die erst Monate später verfügbaren Module halten, was der Hersteller im Frühjahr 2016 versprochen hatte. Mit dem G6 wollten die Koreaner diese Schmach wiedergutmachen - und fast hätten sie es auch geschafft. Nur kam ihnen Erzfeind Samsung mit dem Galaxy S8 knapp zuvor.

Beide Modelle zielen auf dieselbe Kundschaft: Anwender, die immer das aktuelle Top-Smartphone haben wollen, mit der besten Technik, dem coolsten Design. Und beide Modelle haben ähnliche Eigenschaften: Neben einem schnellen Prozessor und hochauflösenden Kameras zeichnet sie vor allem das neue Displayformat von 18:9 aus. Mit 2880 x 1440 Pixeln bringen die gestreckten Displays mehr Bildschirmfläche in den Gehäusen unter als die sonst üblichen 16:9-Bildschirme.

Samsung hat es verstanden, diese Neuheit beim Galaxy S8 durch ein aufsehenerregendes Design mit stark gerundeten Kanten hervorzuheben. Das S8 ist ein Handschmeichler, es wirkt von vorne fast, als würde es nur aus Bildschirm bestehen.

Das LG-Design betont mit seinem umlaufenden Metallrahmen dagegen eher die Robustheit des Geräts. Dass der Bildschirm ein anderes Format hat, dass es größer ist als bei anderen Handys gleicher Gehäusegröße, fällt kaum auf. Das G6 liegt schwerer in der Hand und dürfte beispielsweise Stürze deutlich besser wegstecken als das Galaxy S8, dessen Bauart die Stiftung Warentest wegen der Splitteranfälligkeit heftig kritisiert hat.

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Galaxy S8 und Galaxy S8+: So gut sind Samsungs neue Smartphones

Großes Display, gut geschützt

Beim G6 ist der Bildschirm durch den Metallrahmen besser geschützt, und das ist gut so. Denn qualitativ kann er dem Luxus-Display des S8 die Stirn bieten. Er bietet genau so viele feine Details, kann sich gut gegen helles Licht durchsetzen und stellt Farben realistisch dar, wenn auch vielleicht einen Hauch weniger intensiv als das Samsung-Display. Mit einer etwas wärmeren Farbeinstellung als dem Standardwert gefällt er mir besonders gut.

Besser gelungen als beim Samsung-Gerät ist die Positionierung des Fingerabdruckscanners. Zwar liegt er auch hier auf der Rückseite, doch er ist klar von den Kameras getrennt und dank einer ringförmigen Einfassung auch leicht zu erfühlen. Nebenbei dient er, das ist ungewohnt, als Einschalttaste.

Eines der wichtigsten Merkmale aktueller Smartphones ist die Kamera, LG geht hier einen eigenen Weg. Zwar verfügt das G6 genau wie das iPhone 7 Plus, das Huawei P10 und das Honor 8 Pro über zwei Kameras, doch es geht damit anders um als die Konkurrenz. Während Huawei mit der monochromen Zweitkamera zusätzliche Details ins Bild bringt und Apple einen echten Zoom realisiert, hat sich LG auf das Thema Weitwinkel verlegt.

Somit kommt die zweite Kamera vor allem bei Landschaftsaufnahmen und Gruppenfotos zur Geltung, indem sie einfach mehr zeigen kann als die herkömmliche Kamera. Ganz besonders gut sehen solche Weitwinkelbilder auf dem G6 aus, wenn man sie im extrabreiten 18:9-Format des Bildschirms knipst.

Ihre volle Wirkung entfalten sie allerdings auch nur dort. Auf einem Fernseher etwa müssen sie gestaucht werden, um auf den Bildschirm zu passen, sie werden also mit Trauerbalken oben und unten angezeigt. An die Kameras der Konkurrenzmodelle von Samsung, Apple und Huawei reicht die Knipse des G6 nicht ganz heran.

Vorteile und Nachteile

Sehr guter Bildschirm

Gute Kamera

Robust und gut verarbeitet

Sehr umfangreiche technische Ausstattung

Zu hoher Listenpreis

Fazit

Wäre LG etwas schneller gewesen, wäre dem G6 enorme Aufmerksamkeit sicher gewesen. So hat es nur für den zweiten Platz gereicht, aber der ist angesichts gewaltiger Konkurrenz auch nicht zu verachten. Wer ein Top-Smartphone mit herausragendem Bildschirm und sehr guter Kamera sucht, macht keinen Fehler, wenn er sich das G6 anschaut.

Dabei sollte man aber nach Sonderangeboten suchen. Der Listenpreis des G6 liegt mit 750 Euro nur 50 Euro unter dem Galaxy S8, das doppelt so viel Speicher hat. So viel ist es nicht wert. Doch der Preisverfall hat bereits eingesetzt. In Preissuchmaschinen findet man bereits Angebote, die unter 600 Euro liegen.

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Seite 1
bedui 16.05.2017
1. 18:9 Format?
Warum nicht 36:18? Oder ganz simpel 2:1?
quark2@mailinator.com 16.05.2017
2.
OK, nun wissen wir, daß das Display toll ist, einen Metallrahmen hat und das das Gerät zu spät kam. Aber wie lange hält der Akku, kann man den wechseln, wie groß ist das Gerät, welche Android-Version hat es und werden da vom Hersteller zusätzliche Apps oder eine geänderte Oberfläche installiert, kann das Gerät sonst irgendwas Tolles, so daß es dieses Preisniveau wirklich wert ist, usw. ? Warum bietet der Artikel so wenige Infos ??? Klar kann ich das alles im Web suchen, aber dann brauch ich den Artikel nicht. Er sagt ja nichtmal, wie lang die Displaydiagonale ist - 5,2" ... 5,4" ???
schmidtchen123 16.05.2017
3. Deshalb
Zitat von beduiWarum nicht 36:18? Oder ganz simpel 2:1?
Weil a) klingt es besser (Marketing) Und b) hat sich 16:9 eingebürgert, damit kann also eigentlich jeder was anfangen, und wenn man dann 18:9 hört/sagt weiß man es einzuschätzen (dass das Display breiter bzw länger oder höher ist)
bermany 16.05.2017
4. @bedui #1
Weil es eine einfachere Vergleichsmöglixhkeit zu 16:9 herstellt. Bruchrechnung ist eben nicht jedermanns Sache. Apropos: Schon mal etwas vom "Gemeinsamen Nenner" gehört?
flupso 16.05.2017
5. 18:9
@bedui: DANKE!! Ich habe noch nie darüber nachgedacht, dass die Formate sich oftmals kürzen lassen, ab sofort mache ich das immer :)) 16:10 = 8:5, 18:9 = 2:1 (ein in der Tat besonders krasser Fall, da 2:1 ein übliches Format ist).
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