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Betriebssystem Mint: So funktioniert das Einsteiger-Linux

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Microsoft und Apple profitierten lange von der Trägheit der Kunden, ein alternatives Betriebssystem war vielen zu mühselig. Das ist nun vorbei: Moderne und kostenlose Linux-Varianten können alles, was sie müssen. Und zurecht findet man sich auch.

Guided Tour: Das ist Linux Mint Fotos

Lange Zeit war die Computerwelt einfach gestrickt: Es konkurrierten hauptsächlich die Plattformen Windows und Apple, die Bedienung der Systeme hatte man verinnerlicht, Nutzer wurden zu treuen Gewohnheitstieren. Linux - eine Plattform, die Betriebssysteme in zig Varianten anbietet - hat das Image des Expertensystems für IT-Cracks dagegen nie ganz ablegen können.

Zu Unrecht, denn einige der sogenannten Distributionen sind nicht nur sehr nutzerfreundlich und einfach zu bedienen. Sie scheinen uns mitunter sogar vertrauter als die neuen Versionen altbekannter Betriebssysteme, an die wir so lange gewöhnt waren. Das gilt vor allem für die Linux-Variante Mint, die Ende des Jahres schon in ihrer 16. Generation veröffentlicht wurde.

Über Mint heißt es, die Bedienung des Systems erinnere wie kein anderes an Windows 7 oder Vista. Wie fremd oder vertraut das System wirkt, haben wir in unserer Bilder-Tour durchs System dokumentiert. Was man sonst noch wissen sollte, haben wir im Folgenden zusammengetragen:

Was ist Mint?
Mint ist eine Distribution (Version) des Open-Source-Betriebssystems Linux. Es basiert auf dem populären Einsteiger-Linux Ubuntu, verfügt aber über zusätzliche Programme, eine etwas andere Benutzerführung und Bedienung. Vor allem ist Mint für eine leichtere Nutzung multimedialer Programme und Dateien optimiert. Salopp könnte man sagen, Mint ist eine Art getuntes, verbessertes Ubuntu.

Was spricht für Mint?
Es ist legal, kostenlos, komfortabel und wird mit einem Softwarepaket ausgeliefert, das fast alles enthält, wofür der Privatnutzer einen PC gemeinhin nutzt. Die Benutzerführung ist der von Windows sehr ähnlich - so mancher wird da kaum Unterschiede entdecken. Man braucht eine kleine Eingewöhnungszeit, wirklich umlernen muss man nicht.

Was muss man können, um mit Mint zu arbeiten?
Wem die Software-Ausstattung des Betriebssystems sowie seines App-Stores reicht (hier heißt er "Softwareverwaltung": zurzeit ca. 64.000 Programme und Apps), braucht keinerlei Spezialkenntnisse (siehe Bildergalerie). Komplizierter wird es dann, wenn man nicht offiziell unterstützte Programme einsetzen will (sogenannte "fremde Paketquellen") oder Windows-Programme (siehe "Schwächen" unten).

Welche Probleme kann es geben?
Die häufigsten Probleme entstehen durch nicht kompatible Hardware. Nicht alle Hersteller bieten Linux-Support und -Treiber für ihre Produkte an. Man sollte sich vorher informieren, ob alles harmoniert: Mint bietet hier einen Überblick, der bei Ubuntu ist überschaubarer, aber weniger detailliert. Ein einfacher Test, ob Rechner und Nutzer mit Mint zurechtkommen, ist eine sogenannte Live-DVD, bei der man Mint von der DVD starten und ohne Installation ausprobieren kann. Jede Mint-Installations-DVD lässt sich so nutzen.

Wie arbeitet man mit Mint?
Man klickt Programme oder Dateien an. Die findet man über eine Navigation, die sich genau da befindet, wo Windows-Nutzer sie vermuten würden. Unterschiede gibt es aber auch: Das System ordnet alles in Kategorien ein und bietet sie dem Nutzer auch so an. Es gibt sozusagen Schubladen, in denen sich nur Büro-Software befindet, nur Grafik, in denen nur Textdokumente oder Musikstücke sind. Ordnung ist die größte Stärke von Mint. Völlig unabhängig davon, wo Sie beispielsweise ein Musikstück auf Ihrem Rechner ablegen, werden Sie dieses Stück in Ihrem Ordner "Musik" wiederfinden. Mit Mint arbeitet man also ähnlich wie mit Windows, nur ein wenig strukturierter.

Welche Schwächen gibt es?
Ihr Nachbar hat keine Ahnung von Linux und kann Ihnen nicht mehr helfen. Im Ernst: Das ist das größte Manko. Hilfe bekommt man vornehmlich online, zum Beispiel in der Mint-Community. Außerdem bleibt die Linux-typische "Spielschwäche" (wenig kommerzielle Spiele) und die Tatsache, dass sehr viele Windows-Programme nicht laufen. Bleibt nur der Weg über Windows-Emulation: Mit Programmen wie "Wine" lassen sich viele Windows-Programme nutzen, aber viele eben auch nicht. Trostpflaster: Meist gibt es Ersatz aus dem Linux-Pool.

Wie bekomme ich Mint?
Per Download, in vier Versionen und die noch in 32- oder 64-Bit-Varianten. Die Download-Datei ist ein sogenanntes ISO-Image, das von Ihrem DVD-Brennprogramm erkannt und zu einer startfähigen Live-DVD verarbeitet wird. Mit der können Sie das Betriebssystem vor der Installation ausprobieren und erkunden (ist natürlich langsamer als die Installationsversion). Die Installation selbst ist unproblematisch (vorher Kompatibilität prüfen!) und kann auch neben Windows erfolgen - dann wird man beim Start gefragt, welches Betriebssystem man jeweils nutzen will.

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    Seite 1    
1. Schublade
EvilGenius 30.01.2014
---Zitat--- Es gibt sozusagen Schubladen, in denen sich nur Büro-Software befindet, nur Grafik, in denen nur Textdokumente oder Musikstücke sind. Ordnung ist die größte Stärke von Mint. Völlig unabhängig davon, wo Sie beispielsweise ein Musikstück auf Ihrem Rechner ablegen, werden Sie dieses Stück in Ihrem Ordner "Musik" wiederfinden.] ---Zitatende--- Nennt man sowas landläufig nicht auch Bibliotheken?
2. lol
Hipster 30.01.2014
Zitat von sysopMicrosoft und Apple profitierten lange von der Trägheit der Kunden, ein alternatives Betriebssystem war vielen zu mühselig. Das ist nun vorbei: Moderne und kostenlose Linux-Varianten können alles, was sie müssen. Und zurecht findet man sich auch. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/linux-betriebssystem-mint-ist-aehnlich-wie-windows-a-944894.html
Genau. Und eine Mofa bringt mich irgendwie auch von A nach B. Im Zweifel würde ich dafür aber ein Auto bevorzugen ...
3. Unerwünschte Aenderungen?
TheBear 30.01.2014
Das, was mich am meisten bei MS nervt sind die dauernden Updates, die unerwünschte Aenderungen mit sich bringen. Was passiert wenn ich mir die Mühe mache auf Linux umzusteigen? Wird es dann nicht noch chaotischer? Steht ja keine Firma dahinter. Ich hätte gut mit Windows XP leben können, musste (beim Kauf neuer PCs) auf Windows 7 umsteigen und jetzt, da wir (kleine Firma mit 4-5 PCs) wieder einen neuen PC kaufen müssen, werde ich in Windows 8.1 gezwungen. Da wir auf den PCs *arbeiten wollen und nicht rumspielen*, muss ich darauf achten, dass wir alle genau das gleiche OS und die gleichen Versionen für Spreadsheets und Text haben. (und unsere Kunden haben alle Windows) Irgendeine Hoffnung, dass der Aufwand für so eine "stabile Umwelt" bei Linux erträglich wäre?
4.
moev 30.01.2014
Zitat von sysopMicrosoft und Apple profitierten lange von der Trägheit der Kunden, ein alternatives Betriebssystem war vielen zu mühselig. Das ist nun vorbei: Moderne und kostenlose Linux-Varianten können alles, was sie müssen. Und zurecht findet man sich auch. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/linux-betriebssystem-mint-ist-aehnlich-wie-windows-a-944894.html
Außer Direct X Spielen und darum bleibt ihnen der Siegeszug auf den meisten Privat-PCs verwehrt. Clever gemacht von MS.
5. Ubuntu
winki 30.01.2014
habe ich mir probeweise auf einen 2.Rechner istalliert. Inzwischen ist da Mint daraus gewurden. Mein eigentlicher Hauptrechner mit Windows 7 64bit steht nur noch herum. Sicher es gibt einiges an Software, dass unter Mint nicht läuft, auch nicht emuliert. Dafür gibt es aber jede Menge Software die für Linux gemacht ist und zum Teil besser ist als des Gegenstück unter Windows. Dazu kommt noch, dass es so weit mir bekannt ist keine Probleme (noch) mit Viren und der gleichen gibt. Linux ist schneller als Windows und verändert sein Laufzeitverhalten auch über Jahre nicht. Wer sich einmal in eine der Lunix-Distributionen wie Mint eingefuchst hat, was nicht schwer ist, wird wohl nicht mehr wechseln.
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