Lofelt Basslet im Test Fetter Bass am Arm

Ein Subwoofer am Arm? Wie soll das gehen? Ein Berliner Start-up hat eine Lösung gefunden, die viel dezenter ist als ein bulliger Basslautsprecher. Wir haben getestet, ob sie auch funktioniert.

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Was ist das bloß für ein komisches Ding? Diesen Gedanken mögen Anfang Januar Besucher der Hightech-Messe CES gehabt haben, als sie am Messestand des Berliner Start-ups Lofelt vorbeischlenderten. Das Ding, das die jungen Berliner da ausstellten, trägt man offensichtlich wie eine Uhr am Handgelenk, aber mangels Display kann es keine Smartwatch sein und ohne Pulsmesser wohl auch kein Fitnesstracker.

Der Name birgt die Auflösung des Rätsels: Basslet heißt das kleine Ding, und ein Subwoofer für das Handgelenk soll es sein. Aber wie funktioniert das? Subwoofer sind große, schwere Dinger, die nur mit großen schweren Verstärkern funktionieren. Aber ein solcher Subwoofer ist das Basslet eben doch nicht. Es macht Bässe nicht hörbar, sondern fühlbar.

Und das funktioniert so: Das Basslet besteht aus zwei Teilen, einem Sender und dem Empfänger. Der Sender wird per Kabel zwischen Handy und Kopfhörer gesteckt, den Empfänger trägt man wie eine Uhr am Arm.

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Lofelt Basslet im Test: So kommt der Subwoofer ans Handgelenk

Die Verbindung zwischen den beiden Teilen wird per Bluetooth hergestellt. Konfigurieren oder einstellen muss man aber nichts. Sender und Empfänger sind bereits bei der Lieferung miteinander gekoppelt. Weil das System einfach zwischen Kopfhörerbuchse und Kopfhörer steckt, muss auch keine Software installiert werden. Deshalb funktioniert das Basslet auch mit jedem Smartphone und MP3-Player, kann an die Stereoanlage und Spielkonsolen angeschlossen werden.

Unbewusst wirkt es besser

Sobald man dann Musik abspielt, beginnt das Basslet zu vibrieren. Allerdings nicht wie der Vibrationsalarm eines Handys, sondern in Intensität, Frequenz und Takt passend zu den Basstönen in der Musik. Laut Lofelt arbeitet es in einem Frequenzbereich von 10 bis 250 Hertz, also nur bei den wirklich tiefen Tönen.

Das Ergebnis ist erstaunlich. Anfangs fühlte es sich für mich noch sehr befremdlich an, dass da etwas am Arm vibrierte. Mancher Nutzer könnte das als unangenehm empfinden. Erst als ich mich nicht mehr darauf konzentrierte, die Vibrationen eher unbewusst wahrnahm, fing das Basslet an, Spaß zu machen. Ein paar Stunden hat es gedauert, bis es soweit war.

Fetter Bass in der U-Bahn

Die Vibrationen wirken dann wie eine Art Empfindungsverstärker: Man nimmt die Bässe intensiver wahr, obwohl man sie nicht lauter hören kann als zuvor. Die sogenannte Lofelt Engine, der Vibrationsmechanismus im Basslet, hat daran großen Anteil.

Aufbau des Basslet
Lofelt

Aufbau des Basslet

Sie brummt nicht einfach, wenn ein tiefer Ton kommt, sondern vibriert analog zu Frequenz und Lautstärke des Tons. Ein langsam ausklingender Bass ist auch als solcher am Handgelenk spürbar. Der Schlag einer Bassdrum macht sich nur kurz, dafür aber umso deutlicher bemerkbar.

Es hat nicht lange gedauert, bis ich darauf nicht mehr verzichten wollte. In der U-Bahn zu sitzen, Kopfhörer auf den Ohren und beinahe das Gefühl zu haben, eine große Bassbox vor sich zu haben, ist wunderbar. Wären da nicht die Macken, die das Basslet leider auch hat.

Kann ich das bitte kabellos bekommen?

Da ist zum einen das Armband. Damit der Effekt gut funktioniert, muss der Empfänger eng anliegen. Doch das Kunststoffarmband wirklich hauteng anzulegen, ist mit nervigem Gefriemel verbunden. Zudem schwitzt man unter dem schwarzen Material, das sich nicht sonderlich angenehm anfühlt. Lofelt hat bereits angekündigt, das künftig zu verbessern.

Verbesserungsfähig ist sicher auch das Design. Sender und Empfänger sind schlichte, rechteckige Kästen, die mit ihrem Plastikkorpus einen recht billigen Eindruck machen. Nervig ist zudem, dass der Sender mit seinem fingerlangen Kabel vom Handy herabhängt, das Durcheinander der Kopfhörerkabel noch verstärkt.

Aber ohnehin - das ist Kritikpunkt Nummer 4 - würde ich mir eine Bluetooth-Version das Basslet wünschen, ganz ohne Kabel. Die Technik des Senders könnte man wahrscheinlich auch als App realisieren oder den Sender zumindest zum Aufstecken auf die Kopfhörerbuchse bauen - ohne Kabel. Wenn man schon länger moderne Smartphones und Bluetooth-Kopfhörer benutzt hat, fühlt es sich jedenfalls wie ein deutlicher Rückschritt an, wenn man plötzlich wieder mit Kabeln hantieren muss.

Fazit

Klein, stark, schwarz, das Basslet ist eine ganz wunderbare Idee. Die Bassfrequenzen von Musik ohne große Lautsprecher unterwegs und überall intensiver wahrnehmen zu können, ist einfach großartig. Mit einem schönen Design und komplett kabellos wäre der kleine Subwoofer für mich bald unverzichtbar. Leider ist er aber mit einem Preis von 199 Euro auch ein Luxusprodukt. Auf Kickstarter kann man es mit Rabatt vorbestellen.

Vorteile und Nachteile

Intensive Basswahrnehmung

Einfach zu bedienen

Hoher Preis

Billig wirkende Materialien

Nur kabelgebunden nutzbar

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
rainer_unfug 22.01.2017
1. Technisch begrenzt aufgrund der Bluetooth eigenen Zeitverzögerung?
Und gerade bei Schlagzeuggebrauch, kommt es darauf an, dass es exakt kommt? Es hat schon seinen Grund, dass kein Videogamer ein Bluetooth-Headset nutzt. Man könnte evtl. bei einer bestimmten Kombination von ebenfalls "langsamen" Bluetooth-Kopfhörern Glück haben, dass die Zeitverzögerung sich sozusagen aufhebt.
black-mamba 22.01.2017
2. Bitte nicht!
Reicht es denn nicht, dass man vom Bassgedröhne aus dwm Auto neben/hinter/vor einem an der Ampel genervt wird? Wird man diese Spinner zukünftig dann auch noch in Parks, Fußgängrzonen, Bahnhöfen usw. ertrageo müssen? Schreckliche Vorstellung!
Rubyconacer 22.01.2017
3. Aufbau des Basslets
Der Aufbau des Basslets ist leicht nachzuvollziehen. Eine BT-Kopplung ist sicher noch leicht zu realisieren. Coole Umsetzung des alten Body- oder Car-Shakers. Mir könnte ich es nicht leisten.
flytogether 22.01.2017
4. Warum nicht gleich mittig auf die Stirn kleben
dann wäre das Klangerlebnis noch intensiver, vor allem wäre ein symmetrische Klangerlebnis gewährleistet. Und die Umstehenden würden noch schneller den "Trendsetter" erkennen.
Bärthold 22.01.2017
5.
Und was kriegen die Mitmenschen mit? Diese für mich essentielle Frage wird nicht beantwortet.
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