LTE im Praxistest: Highspeed-Netz mit Riesenlöchern

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Neue Datennetze, neue Tarife, neue Handys: Um den superschnellen Datenfunk LTE nutzen zu können, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Lohnt sich die Investition? Das haben wir mit den Top-Modellen von Samsung und Apple in den Netzen von Vodafone und Telekom getestet.

iPhone 5 gegen Samsung Galaxy S III LTE: So schnell ist LTE Fotos
SPIEGEL ONLINE

Seit es ein iPhone mit LTE-Technik gibt, ist der Turbo-Datenfunk (Long Term Evolution) vom Nischenthema zum Popularbegriff aufgestiegen. Kaum war das iPhone 5 im Handel, legte Apple-Konkurrent Samsung eine LTE-Variante seines Erfolgsmodells Galaxy S III vor. HTC und LG haben schon länger LTE-Modelle im Angebot, die bisher kaum beachtet wurden. Erst mit Apples Handy wurde ein breites Interesse an der neuen Technik geweckt.

Doch was ist dran an LTE, dem Datenfunk, der Handys Surfgeschwindigkeiten weit jenseits der Möglichkeiten von UMTS, sogar jenseits von DSL verspricht? Wir haben den Praxistest gemacht und Apples iPhone 5 sowie Samsungs Galaxy S III LTE in den Netzen von Telekom und Vodafone gegeneinander antreten lassen.

Dabei ist zu beachten: LTE hat seinen Preis. Wer ein iPhone 5 oder das Galaxy S III LTE kauft und mit seinem bestehenden Mobilfunkvertrag benutzt, wird beim mobilen Surfen keinen Unterschied zu anderen Handys bemerken. Um LTE nutzen zu können, müssen bei allen Netzbetreibern spezielle Verträge oder aufpreispflichtige Optionen gebucht werden.

Highspeed gegen Aufpreis

Bei der Telekom etwa bekommt man für 9,95 Euro pro Monat die "Speed Option LTE". Die schaltet LTE mit bis zu 100 Mbit/s frei und verdoppelt gleichzeitig das mit dem jeweiligen Vertrag gekaufte monatliche Datenvolumen. Allerdings bietet die Telekom diese Option nur in den Complete-Mobil-Tarifen an. Vodafone hingegen offeriert LTE nur im Komplettpaket. 105 Euro monatlich kostet die Superflat LTE Allnet mit bis zu 50 Mbit/s. Für 65 Euro bekommt man die Superflat LTE Plus, die allerdings schon bei 21,6 Mbit/s gedeckelt ist. Noch bis zum 14. Oktober wird Neukunden für 55 Euro pro Monat die Superflat Internet Plus angeboten, die bis zu 100 Mbit/s ermöglichen soll.

Was von den versprochenen Durchsatzraten beim Kunden ankommt, ist eine andere Frage. Während der zweiwöchigen Testphase, die mich durch verschiedene Hamburger Stadtteile und große Teile Schleswig-Holsteins führte, konnte ich nicht mal ansatzweise die angepriesenen Durchsatzraten messen. Im Netz der Telekom waren 42 Mbit/s der Top-Wert, bei Vodafone kam ich einmal auf 49 Mbit/s. In der Regel lagen die Messwerte von speedtest.net aber deutlich darunter.

Rasend schnell und quälend langsam

Doch damit lässt sich leben. Denn mehr als die Durchsatzrate macht sich die Antwortgeschwindigkeit des LTE-Netzes bemerkbar. Auch mit 17 Mbit/s erscheinen Websites fast augenblicklich auf dem Display, werden die Inhalte von E-Mails sekundenschnell geladen.

Oder quälend langsam, so wie bei mir zu Hause. Obwohl meine Wohnung in den Netzabdeckungskarten von Vodafone und Telekom in einem LTE-Gebiet liegt, kommt davon bei mir nichts an. Weder drinnen noch draußen ist LTE-Empfang möglich. Stattdessen liefert das Telekom-Netz Daten nur per EDGE, Vodafone gar nur per GPRS. Daran änderte auch eine neue Vodafone-Basisstation nichts. Sie sorgte eines Abends für phantastische Downloadraten, stellte sich wenig später aber wieder tot.

Ohnehin war die mangelhafte Abdeckung der LTE-Netze eine Enttäuschung. Innerhalb der Stadtgrenzen konnte sich das iPhone 5 fast immer ins LTE-Netz der Telekom einbuchen. Wo das nicht klappte, war meist das ebenfalls schnelle HSDPA+ verfügbar. Wie erwartet war der LTE-Chip in Apples Handy auf dem Lande aber nur nutzloser Ballast.

Highspeed erst nach Neustart

Genau das Gegenteil war bei meinen Ausflügen mit dem Galaxy S III LTE der Fall. In der Stadt stolperte es immer wieder in LTE-Funklöcher, rettete sich häufig ins HSDPA-Netz. Auf dem schleswig-holsteinischen Flachland hingegen zeigte das Samsung-Handy fast immer LTE an. Mit Highspeed hatte das allerdings nichts zu tun. Etwa 7 bis 9 Mbit/s erreichte das Funknetz im Durchschnitt. Das ist auf einer Landpartie nicht übel, aber weit von den versprochenen "bis zu 100 Mbit/s" entfernt.

Viel nerviger war aber, dass das Galaxy immer wieder den Kontakt zum Datennetz verlor oder sich nur in langsame Netze einbuchte. Manches Mal konnte es nur durch einen Neustart bewogen werden, sich korrekt im Datennetz anzumelden. Ein Problem, das offenbar auch andere User plagt und nichts damit zu tun hat, dass LTE-Handys sich zum Telefonieren aus dem LTE-Netz ausbuchen und ins UMTS/GSM-Netz einbuchen müssen. Dieser leidige Vorgang ist systembedingt, weil es noch keinen Standard für Telefonie via LTE gibt.

Bis nächstes Jahr!

Nach zwei Wochen mit zwei LTE-Handys ist für mich deshalb klar: Der neue Datenfunk ist noch nicht reif für mich. Er ist weder so großflächig verfügbar, wie ich es mir wünsche, noch so turboschnell wie versprochen. Natürlich macht es sich bemerkbar, dass der Funkchip in Samsungs Galaxy nicht auf die LTE-Netze in den Städten beschränkt ist, wie der im iPhone 5. Unterm Strich aber hat sich der LTE-Datendurchsatz außerhalb der Städte im Test nicht von dem der UMTS- und HSDPA-Netze in denselben Regionen unterschieden.

Die zehn Euro, die ich derzeit für die LTE-Option der Telekom zahle, werde ich deshalb nach Ablauf der dreimonatigen Mindestlaufzeit wieder einsparen. Auch ohne dieses Extra bucht sich das neue iPhone in das LTE-Netz der Telekom ein, nur mit einer Begrenzung auf 21,6 Mbit/s. Dem Abenteuer LTE gebe ich im kommenden Jahr eine neue Chance, in der Hoffnung, dass die Netze dann engmaschiger und so schnell sind, dass sich der Aufpreis lohnt.

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1. egal
ehf 09.10.2012
Hauptsache, vorne prangt der Apfel drauf.
2.
chewie1337 09.10.2012
Nein Herr Kremp, nur weil Sie als bekennender apple-jünger nichts anderes kennen als deren Produkte, bedeutet das nicht, dass es uns allen so geht;) einem nicht unwesentlichen Teil der teilweise nur mäßig technikinteressierten Spon-Leserschaft ist und war LTE schon vor dem iPhone5 ein Begriff. Davon abgesehen berichtet sogar schon das sog. "Unterschichtenfernsehen" aka Rtl u Rtl2 über LTE u dessen kinderkrankheiten... Insofern nix neues im Westen :-P
3. Warum...
red_q 09.10.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINENeue Datennetze, neue Tarife, neue Handys: Um den superschnellen Datenfunk LTE nutzen zu können, muss man tief ins Portemonnaie greifen. Lohnt sich die Investition? Das haben wir mit den Topmodellen von Samsung und Apple in den Netzen von Vodafone und Telekom getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/lte-vergleichstest-iphone-5-gegen-samsung-galaxy-s-iii-lte-a-860107.html
wird nachdem das Iphone 5 auf dem Markt ist ein 2 jahre alter Netzstandard "getestet"? LTE-Netz fähige Endgeräte gibt es nun schon lange genug... Also doch nur (mal) wieder ein Werbeartikelchen fürs Iphone von Hr. Kremp. Natürlich kann man nicht Millionen Nutzer mit einer Bandbreite von 100 Mbit in einem kleinen Gebiet drahtlos anbinden. Das elektromagnetische Spektrum besitz nunmal physikalische Grenzen. Man kann über die Modulationsverfahren und Kompression noch ein wenig tricksen aber "mehr" Funkfrequenzen gibt es dadurch nicht. Es wird also immer slow-downs geben.
4. Gähn...
red_q 09.10.2012
Er wanderte hin, er wanderte her. Bergauf wanderte es sich besonders schwer...
5. SGS III schon früher mit LTE
dieselbaer 09.10.2012
Wieder mal unordentlich recherchiert! Samsung hat schon früher LTE verbaut als Apple! Nur waren diese Versionen nicht in diesem Land verfügbar. Und dies aus guten Gründen, denn offensichtlich ist das Netz in Deutschland noch nicht bereit dafür! Das SGS 2 mit LTE gibt es schon seit fast einem halben Jahr und das SGS 3 hat LTE von Anfang an dabei gehabt. Dies zwar u.a. nur in Korea und USA aber die Behauptung Apple habe das populär gemacht zeigt nur mal wieder wie blind Apple-Jünger auf den Obst-Laden hören. Fazit: LTE wurde nicht erst durch Apple populär. Ich würde mir vernünftig recherchierte Beiträge wünschen! Schönen Gruß
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