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Lumia 950 im Test: Dieses Handy will ein PC sein

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Lumia 950 im Test: So wird das Microsoft-Handy zum Windows-PC Fotos
Matthias Kremp

Microsofts Lumia 950 soll Smartphone und Windows-10-Rechner zugleich sein - wird es an einen Fernseher angedockt, erscheint auf dem TV-Bildschirm ein PC-Desktop. Wir haben ausprobiert, ob dieser Spagat gelingt.

"Näher heranrücken." Mit dieser Aufforderung erzeugt das Lumia 950 bei mir ständig ungewollte Nähe. Das ist offenbar der Preis dafür, dass ich bei Microsofts neuem Windows-10-Smartphone weder eine Pin noch ein Passwort eingeben muss, um mich anzumelden. Stattdessen reicht es, in die Kamera zu gucken, zumindest theoretisch.

Hello nennt Microsoft diese neue Technologie, die biometrische Merkmale - Gesicht, Fingerabdruck, Iris - nutzen kann, um Passwörter zu ersetzen. Beim Lumia erfassen zwei Kameras mein Gesicht, eine mit sichtbarem Licht, die andere per Infrarot. So soll ich auch bei Dunkelheit und mit Sonnenbrille erkannt werden.

Oft funktioniert das auch prima, aber regelmäßig werde ich eben aufgefordert, das Telefon dabei näher ans Gesicht zu halten. Weiter als 20 Zentimeter können die Kameras anscheinend nicht gucken.

Dabei erlauben sich die Kameras des Lumia 950 sonst eigentlich keine Schwächen. Selbst die zum Nutzer gerichtete Selfie-Kamera macht mit ihren fünf Megapixeln hervorragende Aufnahmen und ermöglicht dank Weitwinkelobjektiv auch Gruppen-Selfies.

Super-Kamera

Noch viel besser ist die rückseitig eingebaute 20-Megapixel-Hauptkamera. Die Kameras waren schon das Highlight vieler Lumia-Handys, als diese noch zu Nokia gehörten. Daran hat sich durch den Verkauf an Microsoft glücklicherweise nichts geändert: Der Autofokus ist sehr schnell, die Aufnahmen selbst bei schlechter Beleuchtung scharf und detailreich. Erst wenn man sehr weit ins Bild hineinzoomt, werden Pixel erkennbar.

Damit ist das Lumia 950 eines der derzeit besten Kamerahandys. Sogar eine Live-Funktion gibt es, so wie bei Apples Live Photos in den iPhones 6s und 6s Plus. Die Lumias können das zwar schon länger als die iPhones, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Nur in der Bildbearbeitungs-App Creative Studio kann man sich die kurzen Animationen der Fotos anzeigen lassen.

Windows, überall Windows

Das eigentlich besondere am Lumia 950 ist aber sein Betriebssystem, Windows 10. Es ist im Grunde dieselbe Software wie sie auch auf PC, Notebooks und Tablets läuft, nur eben an das kleine Display, die Prozessoren und Sensoren eines Smartphones angepasst. Microsoft hat sich damit davon verabschiedet, Mobil-Betriebssystem und Desktop-Betriebssystem getrennt voneinander zu entwickeln.

Das Start-Menü
Mit der großen Kacheloptik von Windows 8 hat sich Microsoft nur wenige Freunde gemacht. Mit Windows 10 wurde nun ein neues Startmenü eingeführt, das Elemente des alten Desktop-Prinzips mit dem Metro genannten Kacheldesign verbindet. So hat man beide Welten im Griff und kann beispielsweise flink den Windows-Explorer aufrufen.
Vor allem aber lässt sich das Startmenü in den Einstellungen unter Personalisierung/Start anpassen. Wer mag, kann es sogar so umschalten, dass es wie unter Windows 8 den ganzen Bildschirm einnimmt. Zudem lassen sich die Kacheln in der Größe ändern und verschieben, so wie man es mag. Ein nützliches Extra: Klickt man mit der rechten Maustaste auf das Windows-Symbol im Startmenü, klappt ein neues Menü auf, von dem aus man direkten Zugriff auf viele Systemeinstellungen, den Task-Manager und die Suchfunktion hat.

Der Tablet-Modus
Zum Startmenü passt auch, dass sich Windows 10 besser als seine Vorgänger an sogenannte Convertibles anpasst, also an Notebooks, die sich durch Umklappen des Bildschirms in Tablets verwandeln lassen. Auf solchen Geräten schaltet Windows 10 auf Wunsch automatisch in einen Tablet-Modus um, der an Windows 8 erinnert und wegen der großen Symbole bequem mit Fingergesten bedient werden kann.

PC und Smartphone arbeiten zusammen
Noch ist sie nicht fertig, aber vermutlich im Herbst wird Microsoft eine Windows-10-Version für Smartphones veröffentlichen. Die neue Handy-Software wird dafür sorgen, dass PC und Handy enger zusammenrücken. Zum einen kann man damit Einstellungen zwischen den beiden Gerätewelten synchronisieren, sodass Mobilgerät und PC beispielsweise dieselben Desktopfarben und Hintergrundbilder verwenden. Zudem können Entwickler ihre Apps so anpassen, dass sie sowohl auf PC als auch auf Smartphones laufen. Kauft oder lädt man eine solche App, kann man sie auf beiden Systemen benutzen. Und schließlich arbeitet Microsoft an einer Continuum genannten Technik. Sie soll es ermöglichen, Windows-10-Apps vom Handy aus auf großen Bildschirmen zu benutzen. Das wird allerdings nur mit Smartphones der nächsten Generation klappen.

Virtuelle Desktops und die Taskansicht
Mit schönen Worten hatte es Microsoft noch nie, aber hinter dem sperrigen Begriff Taskansicht verbirgt sich eine nützliche Funktion: Klickt man auf das entsprechende Symbol neben dem Suchfeld am unteren Bildschirmrand, wird eine Übersicht aller geöffneten Apps angezeigt. Etwas Ähnliches gab es zwar auch vorher schon, doch die neue Version nutzt den Bildschirm besser aus und ermöglicht es, bequem per Fingertipp oder Mausklick eine App auszuwählen, zu der man wechseln will. Probieren Sie mal die Tastenkombination Windows-TAB aus.
Ähnlich funktionieren die virtuellen Desktops, die man erzeugt, indem man in der Taskansicht rechts unten auf Neuer Desktop klickt. So kann man beispielsweise für unterschiedliche Aufgaben eigene Umgebungen basteln. Beispielsweise eine, in der nur das E-Mail-Programm läuft, eine andere, in der Office-Programme bereitstehen, und eine weitere für alles andere. Jeder dieser Desktops verhält sich dann fast wie ein eigener Computer.

Cortana
Auch wenn man dafür einige seiner Daten an Microsoft weitergeben muss: Die sprachgesteuerte Assistenzfunktion Cortana ist einfach praktisch. Allwissend ist sie zwar nicht und oft genug spuckt sie einfach ein Bing-Suchergebnis aus, aber manche Dinge klappen schon ganz prima. Beispielsweise bekommt man, wenn man nach einer Flugnummer fragt, detaillierte Auskünfte zu zur Abflugs- und zur erwarteten Ankunftszeit. Die Bitte “Zeig meine Fotos an” fördert alle auf dem Rechner und im Online-Speicher Onedrive gespeicherten Bilder zutage.

Eine bessere Kommandozeile
Zugegeben, das ist nur etwas für Nerds und Leute, die noch MS-DOS kennen: Aber sogar die sogenannte Kommandozeile, in der man Befehle als Text eingeben kann, hat eine kleine, aber wichtige Neuerung bekommen. Man kann dort jetzt die Tastaturkürzel STRG-C und STRG-V fürs Kopieren und Einsetzen verwenden. Allerdings erst, nachdem man diese Funktion aktiviert hat. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf die Titelzeile des Kommandozeilenfensters, klickt auf Eigenschaften, deaktiviert dann das Häkchen vor Legacykonsole verwenden, beendet das Programm und startet es neu.

Das Info-Center
Über ein Sprechblasensymbol unten rechts am Bildschirm ruft man das neue Info-Center auf. Hier laufen Systemmeldungen ein, etwa über anstehende Updates, aber auch Nachrichten aus sozialen Netzwerken. Richtig nützlich wird das Info-Center aber, weil man dort auch einige Einstellungen per Mausklick erledigen, also beispielsweise schnell den Flugmodus einschalten kann.

In PDF-Dateien drucken
Endlich muss man keine Zusatzsoftware mehr installieren, um Dokumente ins PDF-Format zu drucken. Stattdessen bietet Windows 10 in seinem Druckdialog die Auswahlmöglichkeit Microsoft Print to PDF. So kann man Dokumente bestellen, die bequem per E-Mail verschickt und auf vielen elektronischen Geräten gelesen werden können.

Integrierter Wolkenspeicher
Mit Windows 10 hat Microsoft es leichter gemacht, Speicherplatz in der Cloud zu verwenden - zumindest, solange man Microsofts eigenes Angebot OneDrive benutzt. Denn das ist jetzt direkt in den Windows-Explorer integriert. Abgesehen davon, dass das Speichern je nach Internetanbindung etwas länger dauert, merkt man kaum, dass es sich hier nicht um eine echte Festplatte handelt. Der Vorteil eines solchen Wolkenspeichers: Dateien, die man dort ablegt, kann man von verschiedenen Geräten aus verwenden.

Es ist kostenlos
Das sollte man nicht vergessen: Bisher musste man als PC-User jedes Mal die Geldbörse zücken, wenn es ein neues Windows gab. Windows 10 hingegen gibt Microsoft kostenlos heraus und verspricht auch noch, dass die Sache keinen Haken hat, sprich: es keine versteckten Gebühren gibt. Selbstlos ist dieses Angebot natürlich nicht, soll es doch dafür sorgen, dass möglichst schnell, möglichst viele die Software installieren. So soll Windows 10 für Software-Entwickler attraktiv werden. Der Konzern hofft darauf, auf diese Weise schnell viele neue Apps anbieten zu können. Für die Anwender ist am Ende beides gut: Sie zahlen nichts und bekommen in Zukunft - wahrscheinlich - mehr Auswahl geboten.

Stattdessen gibt es nun eine gemeinsame Plattform, auf der man sich nach einmaliger Einarbeitung zurechtfinden soll, egal an welchem Gerät man gerade arbeitet. Grundsätzlich und mit wenigen Anpassungen sollen dann auch Apps auf allen Geräten laufen, sofern sie als sogenannte Universal-Apps für Windows 10 entwickelt wurden.

Das Handy-PC-Continuum

Grundsätzlich gibt es etwas ähnliches schon lange. Microsoft selbst beispielsweise bietet Varianten seiner Office-Programme nicht nur für Windows, sondern auch für Mac, Android und iOS an. Neue Windows-Smartphones wie das Lumia 950 beherrschen nun aber einen weiteren Trick: Schließt man sie mithilfe des 109 Euro teuren Display Dock oder pr Miracast-Drahtlostechnik an einen PC-Monitor oder einen Fernseher an, kann man sie fast wie einen normalen Computer benutzen, inklusive Maus, Tastatur und gewohnter Windows-Oberfläche.

Continuum nennt Microsoft diese Funktion, die das Handy zum Mini-PC macht. Im Test funktionierte das auch vollkommen problemlos: Das Display-Dock wird per HDMI an den TV angeschlossen, das Handy per USB an das Dock. Ein Netzteil versorgt das ganze mit Strom (siehe Bilderstrecke). Sobald man das Handy derart an den Fernseher anschließt, erscheint auf dem TV-Bildschirm ein Windows-Desktop.

Fast ein PC, aber nur fast

Im einfachsten Fall nutzt man dann das Handydisplay als Touchpad, um den Cursor zu bewegen. Einfacher geht es mit Tastatur und Maus, die sich per USB oder Bluetooth einbinden lassen. Mit solchen Zusatzgeräten lässt sich dann auch problemlos in Office-Programmen wie Word und Excel arbeiten, ganz wie am Rechner. PC-Spiele allerdings verbieten sich, dafür reicht die Leistung dann doch nicht aus.

Windows 1: Am 20 November 1986 landeten die ersten Kartons der Windows-Urfassung in den Regalen der Händler.

Die Anfänge: Für knapp hundert Dollar konnte man sich einen DOS-Aufsatz kaufen, der ein wenig Multitasking ermöglichte, indem er laufende Prozesse in Fenster auslagerte.

Grundlagen: Mit dem System wurden Programme ausgeliefert, die man bis heute kennt. So zum Beispiel das Minimal-Malprogramm Paint.

Windows 3.0: Schon viel weiter als seine Vorgänger war diese Version, die von vielen PC-Nutzern als erste wirklich brauchbare Fassung angesehene Version.

Fortschritt: Die Software verbesserte das Multitasking und war viel besser per Maus steuerbar als die Vorgänger. Zwar wurde es noch auf Diskette ausgeliefert, benötigte zum Betrieb aber erstmals eine Festplatte.

Windows 3.1: Das große Update für die Version 3.0 war nicht nur bunter, sondern enthielt zum ersten Mal auch einige Netzwerkfunktionen.

Windows in bunt: Das Betriebssystem löste sich langsam von seinem angestaubten Büro-Charme. Allein durch den Einsatz von Farbe wurde vieles besser.

Komplizierte Fenster: Ein wirklich einfach zu bedienendes Betriebssystem war Windows aber auch in dieser Version nicht.

Windows 95: Mit dieser Fassung sollte alles besser werde. Von MS-DOS, das im Hintergrund immer noch werkelte, war nichts mehr zu sehen.

Ein System für alle: Mit massiven Marketing-Maßnahmen bemühte sich der Konzern, seine Software Heimanwendern anzudienen. Windows sollte jetzt zum Spielen einladen, so einfach sein, dass einfach jeder damit klarkommen konnte.

Zukunftsweisend: Eine spätere Variante von Windows 95 unterstützte erstmals den damals neuen Verbindungsstandard USB. Etliche der damals entwickelten Metaphern haben bis heute Bestand.

Windows 98: Zaghaft modifizierte Microsoft sein Betriebssytem für das dräuende Internetzeitalter. Für Multimedia sorgt seither der Windows Media Player, zum Websurfen ist der Internet Explorer installiert. Beides brachte Microsoft Ärger mit der EU ein, die das Unternehmen Jahre später dazu verdonnerte, seinen Kunden bei der Systeminstallation die Wahl des Bowsers selbst zu überlassen.

Etwas farblos: Die Optik wurde gegenüber Windows 95 moderat aufgepeppt, ein wenig räumlicher, aber immer noch reichlich grau gestaltet.

Windows ME: Die Millennium-Edition war ein Zwischenschritt. Microsoft hätte das Update auch als Windows 98, dritte Version, verkaufen können, meinten seinerzeit viele Kritiker. Doch der neue Titel passte so schön zur Jahrtausendwechsel-Stimmung.

Fast wie gehabt: Die Gestaltung wurde wieder nur mäßig überarbeitet. Als Dreingabe wurde neben Paint und anderen altbekannten Kostenlos-Programmen auch die Videoschnitt-Software Movie Maker beigelegt.

Movie Maker: Wer wollte und seine Filme digital in den Rechner bekam, konnte also ohne Zusatzkosten Videos zusammenbasteln.

Windows 2000: Zum letzten Mal erschien mit dieser Variante ein Microsoft-Windows speziell für den professionellen Einsatz.

Verbinden mit dem Internet: Windows 2000 war bereits bestens für den Netzwerkbetrieb ausgelegt, kannte schon etliche der Internettechniken, die heute verwendet werden.

Windows XP: Mit diesem Windows sollte alles anders werden. Als Unterbau diente die Profi-Software Windows NT, der ein freundliches Interface übergestülpt wurde. Statt unterschiedlicher Windows-Varianten gibt es seither nur noch unterschiedliche Editionen desselben Windows.

Eins für mehrere: Mit XP wurde es einfach und normal, dass sich mehrere Anwender einen Computer teilen und darauf doch ganz eigene Benutzerumgebungen einrichten konnten.

Hügel auf dem Desktop: Weltweit bekannt dürfte auch der Bliss genannte Standard-Bildschirmhintergrund sein. So wie hier zu sehen, existiert diese Landschaft allerdings nicht. Den Hügel im kalifornischen Sonoma Valley gibt es zwar wirklich, doch wurde er intensiv am Computer bearbeitet, bevor er so schön und und sanft umwölkt erschien.

Schicke Fenster: Angepasst an die Grafikfähigkeiten der damaligen Computer wurden auch die Windows-Fenster deutlich aufgehübscht. Windows wurde modern.

Windows Vista: Der mit großem Aufwand entwickelte XP-Nachfolger war zwar kein Totalverlust, kann aber doch als Flop bezeichnet werden.

Neues System für neue Rechner: Aufgrund zu hoher Hardware-Anforderungen schreckten viele Anwender davor zurück, ihr liebgewonnenes Windows XP gegen dessen Nachfolger einzutauschen.

Dokumente bei Windows Vista: Die Optik wurde zeitgemäß dreidimensional verschönert.

Windows 7: Vom Start weg war der Vista-Nachfolger ein Erfolg. Auch, weil lange vor der Veröffentlichung kostenlose Betaversionen verteilt wurden.

Vorabversionen: Schon vor dem Start wurde den Anwendern der Mund für das wässrig gemacht, was da noch kommen sollte. Weil Windows 7 mühelos auch auf etwas betagter Hardware läuft, ließen sich viele, die noch bei Windows XP ausharrten, jetzt zum Umstieg bewegen.

Windows 7: Das nächste machte vieles einfacher und einiges besser als seine Vorgänger. So zeigen die Miniaturen in der Taskleiste Vorschauen des jeweiligen Fensterinhalts an.

Windows 7: Außerdem sind Mini-Programme hinzugekommen, mit denen man sich nach Belieben den Bildschirm zukleistern und beispielsweise aktuelle Nachrichten anzeigen lassen kann.

Bunte Kacheln: Mit Windows 8 wollte Microsoft sein Betriebssystem grundlegend reformieren, verabschiedete sich weitgehend vom gewohnten Desktop.

Keine Berührungsängste: Das neue System eignet sich auch für den Touchscreen - wie hier auf dem Surface-Tablet. Damit startete Microsoft seine Aufholjagd und versuchte Apple und Android Konkurrenz zu machen.

Der nächste Versuch: Mit Windows 10 erklärt Microsoft den Desktop wieder zum Modell für die Zukunft. Die Kacheloptik von Windows 8 erscheint nur noch im Start-Menü.

Eins für alle: Windows 10 soll universell einsetzbar sein. Egal ob Desktop-PC, Tablet, Smartphone oder intelligente Heizungssteuerung, es soll überall laufen.

Seit dem 29. Juli 2015 ist Windows 10 offiziell verfügbar, das Update für Nutzer älterer Windows-Versionen kostenlos. Am 29 Juli 2016 will der Konzern ein Jubiläums-Update mit vielen neuen Funktionen veröffentlichen.

Ohnehin muss man sich ein wenig umgewöhnen: Es gibt keine Festplatte, nur 32 GB eingebauten Speicher und das, was eine eventuell eingesteckte Speicherkarte bietet. Online-Festplatten wie Microsofts OneDrive machen beim Arbeiten mit dem Handy als PC noch mehr Sinn als sonst schon.

Fast alle Apps, die ich ausprobiert habe, liefen über das Display Dock auch auf dem großen Bildschirm. Nur wenige, beispielsweise Netflix, mochten das nicht. Ein nettes Extra: Das Handy kann man auch im Continuum-Modus ganz normal weiterbenutzen, also beispielsweise Telefonate führen. Am Fernseher ist das wegen des relativ kurzen USB-Kabels freilich unpraktisch, an Schreibtisch und Monitor mag das besser gehen.

Fazit

Am Design könnte man noch feilen, edel sieht das 599 Euro teure Lumia 950 nicht aus. Technisch aber gibt es nichts zu meckern: Die Leistung reicht sogar für den Parallelbetrieb von Desktop- und Smartphone-Modus aus, die Kameras gehören zum Besten in diesem Bereich.

Die Möglichkeit, das Lumia sogar als Ersatz-PC zu nutzen, ist einzigartig. Einen vollwertigen Desktop-Computer ersetzt man damit nicht. Aber auf Reisen, wenn man im Hotel einen Fernseher hat, lässt sich damit prima arbeiten. Und wer sowieso nur gelegentlich einen Text schreiben, ein paar E-Mails verfassen und im Web surfen will, kann sich mit dem Lumia den PC womöglich ganz sparen.

Anmerkung der Redaktion: Wie uns einige Leser berichten, funktioniert Continuum an TV-Geräten mit Miracast-Funktion auch drahtlos. Wir haben den Text entsprechend geändert. An unserem schon etwas älteren Test-TV klappte das leider nicht. Auch im Drahtlos-Betrieb am Fernseher ist ein Netzteil fürs Handy zu empfehlen, da Continuum viel Rechenleistung benötigt und deshalb den Akku stark beansprucht.

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Kameras

Heller, sehr scharfer Bildschirm

Einfache Bedienung

Mit Continuum als Ersatz-PC nutzbar

Sehr leistungsfähig

Dedizierte Kamerataste

Display Dock recht teuer

Billig wirkendes Gehäuse

Technische Daten
Hersteller Microsoft
Modell Lumia 950
Maße (Millimeter) 145 x 73 x 8
Gewicht 150 Gramm
Sprechzeit bis zu 23 Std.
Standby bis zu 12 Tage
Display-Diagonale 5,2 Zoll
Display-Auflösung 2560 x 1440
Prozessor 1,8 GHz Hexacore
Arbeitsspeicher 3 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung microSD
Kamera (hinten/vorne) 20 MPx / 5 MPx
Mobilfunktechnik LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.1
Betriebssystem Windows 10
Besonderheiten Continuum-Funktion
Preis (Euro) 599
Alle Daten sind Herstellerangaben

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Streaming
Liberalitärer 26.01.2016
Nett und MS spart Entwicklungskosten. Aber mittels Chromecast etc. geht das alles eigentlich eh, da man auch Desktopinhalte streamen kann. Das ist praktischer, da man nur das Empfängergerät an ein HDMI-Gerät anschliessen muss. Was besser sein dürfte ist die wohl (noch) vergleichsweise lahme Geschwindigkeit beim Streamen.
2. Sehr wohl unverkabelt als PC nutzbar
schadensbegrenzer 26.01.2016
"Nur mit Dock und nur verkabelt als PC nutzbar" Diese Aussage ist nicht korrekt. Ich habe das 950 und verwende es über den Miracast Adapter als PC. Eine Verkabelung ist nur dann notwendig, wenn man keinen Miracast Adapter besitzt. Aber allein aus Kostengründen empfehle ich den Miracast Adapter als Option zu erwägen.
3.
Peter Gabriel 26.01.2016
Tolle Idee, und mit Dock ist die XL Version nicht teurer als ein angebissener Apfel. Und Innovativer ist MS auch, schade das mein 640XL LTE nicht nachgerüstet wird/werden kann. Aber die Preview von Win10 läuft da schon sehr gut!
4. Tolles Gerät
Thomas Mank 26.01.2016
ich arbeite mit dem Lumia 950 seit 2 Monaten und finde es klasse. Hier sei zu ergänzen, dass die eingangs erwähnte "Hello"-Funktion vorerst nur eine Beta-Fassung ist; in der Tat nutze ich sie nicht, weil die Aufforderung, das Gerät in die Nähe zu rücken doch zu häufig kommt. Aber ansonsten ist es prima. Die Kamera schlägt alles, was ich bislang in dem Bereich kenne, die Qualität übertrifft sogar manchen Mittelkasse-Fotoapparat. Ganz toll ist die Möglichkeit, nicht nur JPGs, sondern auch im DNG-Format zu speichern! Das bietet eigentlich keine andere Handy-Kamera. Der Akku hält sehr lang und man kann ihn problemlos auswechseln, ebenso wie eine zusätzliche Speicherkarte. Das erklärt auch das sooft zu Unrecht, wie ich finde, gescholtene Design: Man kann das Gerät eben problemlos öffnen. Der Bildschirm ist super in der Darstellung und Windows 10 arbeitet tadellos auf dem Gerät. Gut, Outlook-Mail beispielsweise ist eher einfach gehalten, aber tut, was es soll. Und nach wie vor bietet der App-Store recht wenig Auswahl; aber das ändert sich ja vielleicht bald. Mein Fazit: Das Lumia 950 ist ein tolles und effizientes Arbeitsgerät; mein iPhone vermisse ich nicht mehr.
5.
chk23 26.01.2016
Zitat von LiberalitärerNett und MS spart Entwicklungskosten. Aber mittels Chromecast etc. geht das alles eigentlich eh, da man auch Desktopinhalte streamen kann. Das ist praktischer, da man nur das Empfängergerät an ein HDMI-Gerät anschliessen muss. Was besser sein dürfte ist die wohl (noch) vergleichsweise lahme Geschwindigkeit beim Streamen.
Also Entwicklungskosten spart MS damit ganz sicher nicht; Windows 10 musste ja schließlich auf die (nicht Intel-) Smartphones angepasst werden. Und mit chromecast ist Continuum auch nicht vergleichbar, denn chromecast verwandelt Ihr Smartphone nicht in einen Desktop-PC mit Mouse- und Tastaturbedienung - es wird dabei lediglich der Bildschirminhalt an einen Fernseher weitergereicht.
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