So sieht Nokia seine Smartphone-Zukunft: Zusammen mit Microsoft präsentierte der finnische Konzern am Mittwoch in New York zunächst das neue Flaggschiff, das Lumia 920, später das schlichtere 820. Die Unternehmen hoffen, Apples iOS und Googles Android eine eigene Plattform entgegensetzen zu können. Mit dem Vorgänger-Windows für Smartphones hat Nokia mit zwei Lumia-Modellen bereits erste Erfahrungen gesammelt.
Das neue Lumia 920, das Nokias Smartphone-Chefin Jo Harlow präsentierte, sieht auf den ersten Blick dann auch so aus wie die Vorgänger-Modelle 800 und 900. Das Telefon hat einen 4,5 Zoll großen Bildschirm, als Antrieb dient ein Qualcomm Snapdragon S4 Dualcore-Prozessor. Besonders hervorgehoben wurde die sogenannte Pureview-Kamera, die deutlich mehr Licht einfangen können soll als die Smartphone-Konkurrenz. Als PureMotion HD+ bezeichnet Nokia eine Technik, die Farben und Helligkeit so anpasst, dass man den Bildschirm auch bei heller Sonne gut ablesen können soll.
Viel Arbeit wurde in die Navigationssoftware gesteckt, die beispielsweise erinnern kann, wann man losfahren sollte, um zu einer bestimmten Zeit anzukommen. Als City Lens bezeichnet Nokia die Integration von "Augmented Reality" in seine Karten. Die Funktion blendet ortsbezogene Informationen in das Kamerabild ein.
Eine Technik, auf die Smartphone-Nutzer schon lange warten, ist die drahtlose Aufladefunktion der neuen Lumias. Bisher hatte es lediglich Drittanbieter-Lösungen zum Aufstecken gegeben. Die waren teuer und machten das Handy klobig. Lediglich Palm, die mittlerweile vom Markt verschwunden sind, haben vor einigen Jahren Handys angeboten, die man ab Werk mit drahtlosen Netzteilen ausrüsten konnte.
Keine Angst vor Apples Anwälten
Für beide Konzerne sind der Erfolg des neuen Lumia-Smartphones und des neuen Handy-Windows essentiell. Nokia, jahrelang Weltmarktführer, verliert seit Jahren kontinuierlich Marktanteile, liegt mit seinen Smartphones weit abgeschlagen hinter Googles Android-System und Apples iPhones. Der Neubeginn im vergangenen Jahr mit den Lumia-Handys auf Windows-Basis war bei weitem nicht so erfolgreich, wie von dem Unternehmen erhofft.
Für Microsoft ist es der Beginn einer kompletten Umstrukturierung: Auf Windows Phone 8 wird im Oktober Windows 8 folgen. Etwa zeitgleich dürften die Surface-Tablets Microsofts Einstieg in den Verkauf von PC-Hardware markieren. Anfang 2013 schließlich wird das Unternehmen mit einer neuen Office-Version damit beginnen, seinen Softwarevertrieb von Kauf- auf Leihsoftware umzubauen. Der Konzern ist also in Bewegung, will sich in jeder nur möglichen Richtung modernisieren. Und das muss er auch, will er seine marktbeherrschende Stellung nicht verlieren.
Zumindest vor einem Unternehmen, das anderen als Angstgegner gilt, müssen sich Nokia und Microsoft nicht fürchten: Apple. Schon vor Jahren hat Microsoft ein weitreichendes Patentaustauschabkommen mit Apple geschlossen. Zudem besteht wohl keine Gefahr, Nokia-Handys mit iPhones zu verwechseln.
Wo bleibt der Korpsgeist?
Dass es der Window-Phone-8-Allianz an Korpsgeist mangelt, konnte man vergangene Woche in Berlin erleben, als Samsung auf einer Ifa-Pressekonferenz vollkommen unerwartet ein Smartphone für Microsofts neues Betriebssystem zeigte. Eine Aktion, mit der der koreanische Konzern Nokia die Chance nahm, der Erste zu sein, der ein solches Handy zeigt und gleichzeitig Microsoft brüskierte.
Der Veranstaltung in New York wurde damit ein wenig der Punch genommen. Microsoft dürfte das umso mehr ärgern, da der Konzern ein großes Geheimnis aus seiner neuen Handysoftware macht und Informationen über Windows Phone 8 nur spärlich herausgibt.
mak
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gadgets | RSS |
| alles zum Thema Windows Phone 8 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH