Lytro Cinema Diese Kamera soll das Kino revolutionieren

755 Megapixel, 300 Bilder pro Sekunde: Lytros neue Videokamera soll das Drehen von Spezialeffekten, VR- und 3D-Filmen leichter machen. Kaufen kann man sie nicht, nur mieten - zu sechsstelligen Preisen.

Lytro Cinema
Lytro/ Vimeo

Lytro Cinema


Nach etlichen Jahren der Entwicklung hat die US-Firma Lytro den Versuch aufgegeben, mit Herstellern herkömmlicher Fotokameras zu konkurrieren.

Stattdessen hat das Unternehmen sich jetzt ein neues Ziel gesetzt: Jetzt gilt es, das Kino zu revolutionieren.

Lytros sogenannte Lichtfeldtechnik könnte dabei helfen, VR- und 3D-Filme leichter zu drehen und realistischer aussehen zu lassen.

Lichtfeldfotografie funktioniert grundsätzlich anders als das Fotografieren mit normalen Fotoapparaten. Eine sehr spezielle Linsenkonstruktion ermöglicht Aufnahmen, die neben den Licht- und Farbwerten der Pixel auch Informationen darüber enthalten, wo in Relation zur Kamera sich ein Objekt befindet. Per Software können solche Fotos dann nachträglich auf beliebige Bildebenen scharfgestellt oder mit einem 3D-Effekt versehen werden (siehe Fotostrecke).

So reizvoll das klingt, bei den Kunden hat sich die Technik nicht durchsetzen können. Zudem versuchten App-Entwickler und Kamerahersteller die Lytro-Technik des nachträglichen Scharfstellens mit weniger aufwendigen Ansätze nachzuahmen. Der anfängliche Hype um die Lichtfeldfotografie verebbte.

Anfang April schließlich zog Lytro-Chef Jason Rosenthal die Reißleine, kündigte per Blogpost den Ausstieg aus dem Endkundengeschäft und den Einstieg ins professionelle Film-Business an. Keine Sekunde zu spät, kann man jetzt sagen, denn nun wird klar, dass die Ingenieure des Unternehmens schon lange an einem Plan B gearbeitet haben, der Lytro Cinema.

Deren technische Daten klingen erst mal beeindruckend. Die Auflösung betrage 755 Megapixel, die Bildwiederholrate bis zu 300 Bilder pro Sekunde, gleichzeitig würden die Aufnahmen mit bis zu 16 Blendenstufen aufgezeichnet, heißt es von Lytro. Zusätzlich sei ein hochauflösender Scanner eingebaut. Insgesamt sollen dadurch bis zu 400 Gigabyte Daten pro Sekunde erzeugt werden.

Die Kamera zeichnet bis zu 400 GB pro Sekunde auf
Lytro/ Vimeo

Die Kamera zeichnet bis zu 400 GB pro Sekunde auf

Was wie ein Technik-Overkill klingt, soll Filmemachern vollkommen neue Möglichkeiten geben. Mit der Lytro Cinema gedreht Szenen können am Computer nachträglich fast so umfangreich manipuliert und verändert werden wie 3D-Computeranimationen, erklärt ein Werbefilm zur Kamera. Möglich wird das, weil für jeden Pixel neben Farb- und Helligkeitsinformationen auch deren Tiefendaten gespeichert werden.

Die Lytro zeichnet Farb- und Helligkeits- und Tiefendaten auf
Lytro/ Vimeo

Die Lytro zeichnet Farb- und Helligkeits- und Tiefendaten auf

Filmemacher könnten mit diesen Daten nicht nur die Schärfe nachträglich nachziehen, sondern beispielsweise bisher undenkbare Kamerafahrten per Software berechnen lassen. Oder die Protagonisten scheinbar in eine andere Umgebung versetzen, so als wäre die Szene vor einem sogenannten Green Screen gedreht. Lytro Cinema würde die Grenzen der Physik außer Kraft setzen und "Aufnahmen ermöglichen, die bisher unmöglich waren", sagt Lytro-Manager Jon Karafin.

Das gilt allerdings nicht für jeden, der einen Film drehen will, denn kaufen kann man die Lytro nicht, nur mieten. Und das wird kein billiges Unterfangen. Inklusive der notwendigen Server und Software liegt die Miete bei mindestens 125.000 Dollar (109.000 Euro), vermutlich pro Tag, doch dazu macht Lytro keine Angaben.

Szene aus Lytro-Film: Die Billardkugeln sind computeranimiert
Lytro/ Vimeo

Szene aus Lytro-Film: Die Billardkugeln sind computeranimiert

Filmstudios testen das System derzeit, der erste mit der neuen Kamera gedrehte Kurzfilm soll auf der Fachmesse NAB vom 16. bis 21. April in Las Vegas gezeigt werden.

Fans der Lichtfeldtechnik können unterdessen schneller und billiger als bisher zu einer Lytro-Kamera kommen. Das 2013 eingeführte erste Modell, das anfangs 480 Euro kostete, bekommt man jetzt schon für unter 150 Euro. Möglicherweise werden das ja irgendwann einmal Sammlerstücke.

mak



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