Mac-OS-X-Hacks: Der steinige Weg vom PC zum Hackintosh

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Mac OS X auf einem PC? Geht, kostet aber Geld. Ein Anbieter verlangt für eine entsprechende Software 50 Dollar, ein anderer will gar 240 Euro für eine Hack-Hardware haben. Aber es geht auch anders - und zwar kostenlos.

Mac OS X auf Standard PC: Ein Hackintosh im Eigenbau Fotos
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Mac OS X auf einem PC installieren, einfach, schnell und billig, davon träumen viele Windows-Anwender. Ist ja auch klar: Apples Betriebssystem lockt mit seiner oft gelobten einfachen Benutzerführung und schöner Optik - auch wenn Microsofts Windows 7 dem kaum noch nachsteht. Aber ganz so leicht, wie sich das manch Anwender wünscht, ist es nicht, einen PC zum Mac zu machen.

Das liegt schon daran, dass Apple solche Umtriebe generell verbietet. In den Lizenzbedingungen zu Mac OS X heißt es ausdrücklich, die Software dürfe nur "auf jeweils einem Apple-Computer" verwendet werden. Außerdem verpflichte man sich, "es zu unterlassen, die Apple Software auf einem Computer, der nicht von Apple stammt, zu installieren, zu verwenden oder auszuführen". Klare Worte, sollte man meinen. Diese Bedingungen würden dem Anwender jedoch nicht rechtzeitig mitgeteilt, argumentieren Hacker und Kloner wie die US-Firma Psystar. Schließlich erfahre man von Apples Einschränkungen erst, nachdem man die Software gekauft hat, wenn man die Lizenzbedingungen entweder im beigelegten Heftchen oder auf dem Bildschirm liest. Die Einschränkungen seien mithin nichtig.

Aber selbst wenn man sich diese Sichtweise zu eigen macht: Einfach und schnell kann man einen PC zum Mac machen, das ist dann aber nicht mehr billig. Seit anderthalb Jahren wird das EFI-X-Modul angeboten. Auf einen internen USB-Anschluss im PC aufgesteckt ermöglicht es, Mac OS X auf den PC aufzuspielen und zu benutzen, fast wie an einem echten Mac. Allerdings mit der Einschränkung, dass nur ganz bestimmte Hardwarekombinationen von dem Modul unterstützt werden.

Hat man die falsche Grafikkarte, bleibt der Bildschirm schwarz, steckt die falsche Audiohardware im Rechner, schweigen die Lautsprecher, verwendet man das falsche Mainboard, geht gar nichts. Auch billig ist der Hardware-Hack nicht, obwohl man Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Verkauft wird das Modul nur via Internet. Das kostet inklusive Versand, Einfuhrumsatzsteuer und Zoll in Deutschland knapp 240 Euro. Außerdem benötigt man Apples Mac OS X 10.6 (Snow Leopard), das als Upgrade 29 Euro kostet, als Vollversion, inklusive der Programmpakete iLife und iWork, aber 169 Euro. Billig ist das nicht.

Startschwierigkeiten beim Rebel EFI

Zumindest etwas billiger geht der Trick, so verspricht es zumindest der Mac-Klon-Hersteller Psystar, verwendet man eine Software namens Rebel EFI. Die kostet vergleichsweise günstige 50 Dollar. Darüber, ob und wie gut sie tatsächlich funktioniert, gibt es bisher nur wenige verlässliche Berichte. Die auf der Web-Seite des Herstellers verfügbare Testversion funktioniert immerhin so gut, dass sie die Installation eines Mac OS X auf einem PC ermöglichte. Viel ist mit einem derart modifizierten Rechner aber nicht anzufangen. Die Bildschirmauflösung ist auf 1024 x 768 Bildpunkte begrenzt, die Lautsprecher schweigen.

Der Hersteller verspricht, diese Begrenzungen würden aufgehoben, wenn man sich registriert, die Software kauft. Das aber gestaltet sich schwierig. Wie entnervte Anwender in Foren berichten, gibt es offenbar noch Probleme bei der Kaufabwicklung und Freischaltung der Software. Die amerikanische " Computerworld" hat es trotzdem geschafft, die Software gekauft und ausprobiert. Das Fazit dieses Tests ist allerdings wenig ermutigend. Trotz Freischaltung ließ sich die Auflösung nicht höher als zuvor einstellen, und auch das Soundsystem des Testers schwieg weiter. Das Fazit des Tests: Psystar muss seine Hausaufgaben erst noch machen, Treiber nachliefern, die Software verbessern. Vor allem aber müsse das Unternehmen Informationen dazu liefern, mit welcher Hardware Rebel EFI funktioniert.

Muss man so was bezahlen?

Kritiker sowohl der Psystar-Software als auch des EFI-X-Moduls beklagen ohnehin, dass diese Firmen Geld für etwas nehmen, was man auch kostenlos haben kann. Denn PC, auf denen Mac OS X läuft, sogenannte Hackintosh-Computer, gibt es schon seit Jahren. Rund um das Thema "Mac OS X auf PC-Hardware" hat sich eine Gemeinde eifrig ausprobierender, programmierender und einander helfender Hacker und Bastler zusammengefunden, die nach Wegen suchen, Apples Betriebssystem auf Computern zum Laufen zu bringen, für die es gar nicht vorgesehen ist.

Einer davon, der Blogger Aserebln, hat es auch mit dem EFI-X-Modul versucht, ist daran aber offenbar gescheitert. Was genau ihm den Spaß an der teuren Hardware verdorben hat, ist in seinem Blog nicht mehr klar nachzuvollziehen. Aber er muss seinem Unmut wohl relativ deutlich Luft gemacht haben, denn per Abmahnung verpflichtete ihn der Hersteller des EFI-X-Moduls, alle Beiträge, in denen er sich negativ über das Modul äußerte, von der Seite zu nehmen.

Sportlicher Ehrgeiz

Ein Besuch des von Aserebln als " EFI-X Opensource Alternative" betitelten Blogs kann sich für Hobby-Hacker dennoch lohnen. Denn dort erklärt der Berliner detailliert, wie man sich selbst einen USB-Stick mit Spezialsoftware zusammenstellt, der eine ganz ähnliche Funktionalität aufweist wie das EFI-X-Modul oder die Psystar-Software. Der Unterschied zu den Kauf-Lösungen: Die Selbstmach-Methode ist weder einfach noch schnell, nur billig. Ein verregneter Sonntagnachmittag reicht, um die aufgelisteten Arbeitsschritte nachzuvollziehen. Ein wenig Mut und Umsichtigkeit sollte man allerdings mitbringen.

Schließlich verlangt die Methode von Aserebln die Eingabe etlicher für Laien vollkommen undurchschaubarer Befehlsketten in Apples Terminalprogramm. Womit wir bei der grundlegenden Einschränkung der Kostenlos-Methode sind: Ohne einen echten Mac kommt man bei ihr nicht zum Ziel. Aber das dürfte vielen Hakintosh-Bastlern egal sein. Für sie zählt der sportliche Aspekt. Der Weg ist das Ziel.

Genau das dürfte sie vom typischen Mac-Anwender unterscheiden. Der nämlich freut sich, dass sein Computer einfach so funktioniert, er will gar nicht basteln. Und wenn er doch mal das Verlangen verspürt, Windows auf seinem Mac zu installieren, hilft ihm Apple mit seiner Boot-Camp-Software sogar dabei, und auch Microsoft hat nichts dagegen - solange man sein Windows legal gekauft hat.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. RuMac als Variante
Hardegg 28.10.2009
Ich überlege, einen RuMac der Firma bizon aus Russland zu kaufen. Hat jemand Erfahrungen, wie die das Problem "Hacintosh" lösen - per Hard- oder per Software?
2. Deutsche Mac-Alternative: PearC aus Wolfsburg
Temet Nosce 28.10.2009
Ohne einen BS-Krieg vom Zaun brechen zu wollen, kann ich oft den Hype um Apple-PCs nicht nachvollziehen. Keines der beiden Betriebssysteme ist "absolut besser". Ich besitze sowohl einen "Hackintosh" (PearC) als auch einen Vista-Rechner (selbst zusammengestellt); den PearC-Rechner nutze ich u.a. für ein Programm, das es halt nur auf dem Mac gibt. Dieser Rechner läuft ebenso stabil wie ein original Mac. Das verwundert auch nicht, denn Apple verbaut auch nur Standard-Hardware, wie sie für jeden Windows-PC zu haben ist. Die Lizenzeinschränkungen seitens Apple wollen mir nicht einleuchten. Man sollte doch meinen, dass ein Unternehmen eine möglichst große Verbreitung seiner Produkte anstrebt, aber Apple betreibt hier eine merkwürdige Philosophie. "Stabilität, ein Produkt aus einem Guss" - das alles ist hinfällig angesichts der prinzipiellen Möglichkeit, Apple-Betriebssysteme auf Standard-PCs stabil laufen zu lassen. Letztendlich zahlt man also für's Design bei Apple. Darüber lässt sich dann allerdings nicht mehr streiten, denn über Geschmack kann man sich bekanntlich nicht streiten, nur ärgern. Wer das Apple-Design über die Maßen gut findet, kalkuliert sowieso einen höheren Preis ein. Und selbst da gibt es ansprechende Alternativen auf dem PC-Sektor. Apple sollte endlich seine restriktiven Einschränkungen einstellen und zwar im Sinne von Vielfalt und Wettbewerb. Man könnte meinen, die hätten vor irgendetwas Angst. Aber wovor? Die Qualität ihrer Produkte kann es nicht sein...
3. Es geht noch einfacher.
Electricdawn, 28.10.2009
Einfach mal auf: http://lifehacker.com/348653/install-os-x-on-your-hackintosh-pc-no-hacking-required gehen... Da braucht man noch nicht mal irgendwas mehr zu hacken. Es ist also mittlerweile auch fuer Laien kein Problem mehr sich einen Hackintosh zu bauen. Ich bleibe trotzdem lieber bei meinem 24" iMac. ;)
4. alles geklaut !
die8lacht 28.10.2009
RebelEFI ist von der OSX86 Community geklaut ... dreister geht es nicht ... wer Hilfe benötigt, bzw. sich für dieses Thema interessiert: root86.org - kostenlos !!!
5. Achtung, bitte Link in meinem ersten Post ignorieren!
Electricdawn, 28.10.2009
Bitte den obigen Link ignorieren/loeschen und diesen hier nehmen: http://lifehacker.com/5360150/install-snow-leopard-on-your-hackintosh-pc-no-hacking-required Die in meinem vorherigen Post angegebene Seite raet dazu ein gecracktes OS-X herunterzuladen. Das ist natuerlich illegal! Die Seite in diesem Post benutzt nur legal erhaeltliche Soft- und Hardware.
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