Macbook Air 2011 Schneller Verzicht auf Gewicht

Dieses Update hat es in sich: Äußerlich unverändert bietet Apple seine superflachen Macbook-Air-Notebooks jetzt mit schnelleren Prozessoren, mehr Speicher und einem Killer-Feature an, das im Dunkeln leuchtet. Wir haben ausprobiert, ob die neuen Modelle halten, was der Hersteller verspricht.

Matthias Kremp

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Optisch hat sich nichts geändert. Das neue Macbook steckt in demselben Aluminiumkleid wie sein Vorgänger. Doch unter der Metallhaube hat Hersteller Apple kräftig entrümpelt, Altlasten über Bord geworfen. Das betrifft vor allem den Prozessor. Im Vorgängermodell werkelten noch betagte Core-2-Duo-CPUs von Intel. Fast die gleichen Chips verwendet Apple schon seit 2007. Im neuen Flunder-Laptop sollen jetzt zeitgemäße Core-i-Chips für deutlich mehr Vortrieb sorgen. Apple verspricht bis zu zweieinhalbmal mehr Leistung.

Im ersten Anlauf ist davon herzlich wenig zu spüren. Zum Test haben wir den kompletten Inhalt eines Macbook Air der Vorgängergeneration auf die Festplatte unseres Testgeräts überspielt. Das Ergebnis: Das Betriebssystem und Programme starten auf dem neuen Modell nur unmerklich schneller. E-Mail, Textverarbeitung in Word, Websurfen mit Safari, alles geht auf neuem und altem Modell gleich schnell von der Hand. Kein Wunder, denn solche Programme brauchen nur moderate Rechenleistung, profitieren bei der gefühlten Leistung vor allem von der hohen Geschwindigkeit der SSD-Festplatten in beiden Modellen.

Also haben wir Benchmark-Programme benutzt, die die Leistung von Grafikkarte und Prozessor testen, um vergleichbare Daten zu bekommen. Zum Einsatz kamen das 3-D-Testprogramm Cinebech und die Prüf-Software Geekbench. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die reine Prozessorleistung ist tatsächlich knapp doppelt so hoch wie beim Vorgänger, nur die Grafikkarte dümpelt weiterhin auf Einsteigerniveau dahin.

Das neue Macbook Air im Leistungsvergleich

Cinebench Grafik Cinebench CPU Geekbench
Macbook 2007, Core 2 Duo, 2,16 GHz nicht möglich 1,12 2945
Macbook Air 2010, Core 2 Duo, 1,86 GHz 12,77 1,08 2703
Macbook Air 2011, Core i5, 1,7 GHz 11,11 2,17 5363
Macbook Pro, Core i7, 2,7 GHz 12,58 3,06 6850

Anmerkung: Höhere Werte sind besser

Für Spiele ist das Macbook Air deshalb weiterhin nur eingeschränkt geeignet. Dafür kann die neue Version bei Multimedia-Software glänzen. Wer gerne Videos schneidet, hochauflösende Fotos bearbeitet oder mit Musiksoftware umgeht, wird den Unterschied deutlich spüren. Leider gilt das auch für die Geräuschkulisse. Während der Lüfter beim alten Macbook Air selbst unter Volllast nur leise hauchte, pustet er im neuen Modell - mit Vehemenz und entsprechend laut - heiße Luft aus dem Gehäuse. Glücklicherweise verstummt er schnell wieder, wenn man zu weniger anspruchsvollen Tätigkeiten übergeht.

Luxus-Turbo sucht Anschluss: Thunderbolt

Abgesehen von diesen Verbesserungen am Antrieb, hat sich das Macbook Air kaum verändert. Nur bei den Anschlüssen an der Seite fällt ein Unterschied zum Vorgänger auf: Wo bisher der MiniDisplay Port auf ein Kabel zum Monitor wartete, findet sich jetzt ein Thunderbolt-Anschluss. Apple hofft mit dieser neuen Technik etliche aktuelle Anschlusstechniken ersetzen zu können. Vorerst aber wird die neue Buchse bei den meisten Anwendern mangels passender Peripherie ungenutzt bleiben.

Einzig in Kombination mit Apples neuem Thunderbolt-Display könnte die Buchse ihre Stärke ausspielen. Das nämlich stellt über die Thunderbolt-Verbindung drei zusätzliche USB-Anschlüsse bereit, einen Firewire-800-Port, eine Gigabit-Netzwerkbuchse und einen weiteren Thunderbolt-Anschluss. Sicher eine tolle Kombination, mit einem Preis von 999 Euro aber auch ein ziemlicher Luxus.

Ein anderer Luxus, auf den man beim letzten Macbook Air bedauerlicherweise verzichten musste, war die beleuchtete Tastatur. Wer schon einmal in abgedunkelter Umgebung mit einer solchen Tastatur gearbeitet hat, weiß, wie schwer man darauf verzichten kann, hat man sich erst an die Leucht-Tasten gewöhnt. Im neuen Modell hat Apple diesem Verzicht glücklicherweise wieder abgeschworen.

Speicherfragen

Dasselbe gilt für die Ausstattung mit Arbeitsspeicher. Musste man sich bisher mit 2 GB Ram begnügen und eine Verdoppelung mit 100 Euro Aufpreis bezahlen, gilt das jetzt nur noch für das Einstiegsmodell im 11-Zoll-Format. Alle anderen Airs liefert Apple jetzt mit 4 GB aus, was meist reichen dürfte. Eine weitere Aufrüstung, etwa auf 8 GB, ist leider nicht vorgesehen. Ähnliches gilt für die Flash-Fesplatte. Je nach Modell ist die 64, 128 oder 256 GB groß. Unser Testgerät war bereits mit dem 256-GB-Top-Modell ausgerüstet, mehr bietet Apple nicht an.

Weiter aufrüsten lässt sich der Massenspeicher nur in Eigenarbeit. Wer über den nötigen Spezial-Schraubenzieher verfügt, kann den integrierten Flash-Festspeicher auch gegen ein größeres Modell austauschen. Standard-SSD-Festplatten passen allerdings nicht in das enge Gehäuse, weshalb man auf Speziallösungen angewiesen ist. Und die sind nicht billig.

Eine 240 GB SSD kostet beispielsweise bei der US-Firma OWC inklusive Versand rund 550 Dollar. Inklusive Zoll und Einfuhrumsatzsteuer kommt man auf Gesamtkosten von 450 bis 500 Euro. Für eine 480 GB SSD muss man mit rund 1200 Euro rechnen. Für 50 Euro mehr bekommt man schon ein Macbook Air mit 13-Zoll-Display. Für weniger als ein Zehntel davon bekommt man schon eine 1-Terabyte-Festplatte im Format einer halben Zigarettenschachtel oder eine entsprechend große Netzwerkfestplatte. Zur Unterbringung großer Musik- oder Videosammlungen sind solche Lösungen den teuren SSD-Speichern allemal vorzuziehen.

Ablösungserscheinungen

Keine Frage, billig ist das neue Macbook nicht, aber wenigstens billiger als sein Vorgänger. Die Einstiegspreise für die Varianten mit 11,6- und 13,3-Zoll-Bildschirm sind um 50 Euro gesenkt worden, wobei der Arbeitsspeicher nun doppelt so groß ist. Das getestete Top-Modell mit 4 GB RAM und 256 GB SSD hätte beim Vorgänger noch 200 Euro mehr gekostet. Für den Preis eines solchen Macbooks könnte man auch drei billige Windows-Laptops mit 2,8 GHz Intel-Prozessor und 15-Zoll-Display kaufen. Aber die wären eben auch jeweils mehr als doppelt so schwer, deutlich dicker und würden sich mangels SSD-Festplatte auch nicht so flott anfühlen.

Fotostrecke

7  Bilder
Samsung 900X3A: Koreas Antwort auf das MacBook Air
Selbst Samsungs Flach-Laptop 900X3A, bisher dem Macbook Air klar überlegen, muss sich dem neuen Apple-Rechner geschlagen geben. Bei gleichem Preis wird das Samsung mit einer halb so großen SSD und einem langsameren Prozessor ausgeliefert. Doch das kann der koreanische Konkurrent schnell ändern.

Wichtiger ist, dass Apple sich mit dem neuen Macbook Air selbst Konkurrenz macht. Die bisherigen Einsteigermodelle der Macbook-Serie hat der Konzern schon ohne weitere Ankündigung aus dem Programm genommen. Doch leistungsmäßig schließen die neuen Mac-Flundern nun auch zu den kleinen Macbook-Pro-Modellen auf. Zumindest, wer auf einen DVD-Brenner verzichten kann, hat kaum noch einen Grund, sich für das schwere 13-Zoll-Modell zu entscheiden. Sollten sich dann auch noch Gerüchte bestätigen, das Apple demnächst auch seine 15-Zoll-Laptops auf Air-Niveau abflachen wird, dürften die Tage der Standard-Laptops bei dem US-Konzern gezählt sein.



insgesamt 269 Beiträge
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Seite 1
totalmayhem 27.07.2011
1. Toll!
Integrierte Intel Grafik, keine Ethernetanschluss*, dafuer eine Schnittstelle fuer die es keine Peripheriegeraete gibt. Und das alles fuer bloss 1.500 Euro. Apple uebertrifft sich mal wieder selbst. Fuer die Haelfte gibt's anderswo einen gescheiten Core i7 Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und High-End Grafik... * Wer schonmal versucht hat grosse Datenmengen via WLAN zu verschieben, weiss dass das eine tagesfuellende Angelegenheit sein kann.
tkwm 27.07.2011
2. Mac-Book Air
Nur wann wird Apple endlich mal seine Nutzer erhören und Mac-Book-Air, die kleineren Mac-Book-Pros und den iMac auch mit mattem und nicht-spiegelnden Displays anbieten, die es ja für die 15 und 17" Mac-Book-Pros auch gibt? Als langjähriger Apple-Nutzer fühlt man sich diesbezüglich geradezu veräppelt.
Tjelfe, 27.07.2011
3. Ne, passt schon
Zitat von totalmayhemIntegrierte Intel Grafik, keine Ethernetanschluss*, dafuer eine Schnittstelle fuer die es keine Peripheriegeraete gibt. Und das alles fuer bloss 1.500 Euro. Apple uebertrifft sich mal wieder selbst. Fuer die Haelfte gibt's anderswo einen gescheiten Core i7 Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und High-End Grafik... * Wer schonmal versucht hat grosse Datenmengen via WLAN zu verschieben, weiss dass das eine tagesfuellende Angelegenheit sein kann.
Jetzt haben Sie sich mal nicht so. Dafür ist schließlich die Tastatur beleuchtet - ein echtes Kill-Feature eben. SPON bleibt seiner Linie treu: Auf der einen Seite wird das hohe Lied auf Unternehmensberater und Headhunter gesungen und auf der anderen Seite werden die passenden Manager-Gameboys aus der "irgendwas mit Obst"-Schmiede angepriesen. Wenn's nicht so traurig wäre...
kamillentee 27.07.2011
4. Pentaloben...
... Also, diese Schrauben wofür es im Baumarkt keine Schraubendreher geben soll... War der Schreiber schon mal im Baumarkt, um PC Zubehör zu kaufen? Wenn ich beim "großen Fluss" nach "pentalobe Schraubendreher" suche, finde ich genug Ergebnisse. Immerhin: Apple schützt mit solchen Maßnahmen Anfänger davor, eigenmächtig Hardware auszutauschen (das soll gefälligst lieber entsprechend kostenintensiv Apple selbst machen). Zu erwähnen wäre auch noch, das interne SATA Anschlüsse vom Standard weg entwickelt und so verändert werden, das man nicht mal eben eine eigene SATA Festplatte/SSD verbauen kann. Wer weiß, wo Apple noch Stolpersteine versteckt hat. Nun ja, der besser Betuchte will ja was funktionierendes haben und nicht selber basteln ;) Das kann er hiermit gerne haben :)
bakero, 27.07.2011
5. .
Zitat von totalmayhemIntegrierte Intel Grafik, keine Ethernetanschluss*, dafuer eine Schnittstelle fuer die es keine Peripheriegeraete gibt. Und das alles fuer bloss 1.500 Euro. Apple uebertrifft sich mal wieder selbst. Fuer die Haelfte gibt's anderswo einen gescheiten Core i7 Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und High-End Grafik... * Wer schonmal versucht hat grosse Datenmengen via WLAN zu verschieben, weiss dass das eine tagesfuellende Angelegenheit sein kann.
Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Wortwörtlich.
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