MacBook und Surface Warum Apple und Microsoft auf die neuesten Chips verzichten

Ein wichtiges Detail der jüngsten Notebooks von Apple und Microsoft verwirrt: Beide Unternehmen bauen nicht die neuesten Prozessoren ein, die Intel liefern könnte. Das scheint absurd, hat aber gute Gründe.

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Aus San José berichtet


Was im Nachgang von Apples Präsentation am Donnerstagabend für viel Verwirrung und falsche Interpretationen sorgt ist, dass in den neuen MacBook Pro nicht Intels neueste Prozessorgeneration eingebaut ist. Statt der aktuellen siebten Generation, Codename Kaby Lake, steckt in Apples neuen Top-Notebooks deren Vorgängergeneration, Skylake.

Damit ist der kalifornische Konzern nicht allein. Auch die Konkurrenz macht das so. Microsoft jedenfalls baut in die am Mittwoch präsentierte neue Version seines Surface Book auch Skylake-Chips ein. Sogar Microsofts erster Desktop-PC, der elegante Surface Studio, wird von "der sechsten Generation von Intels Core Prozessoren" angetrieben, schreibt der Windows-Konzern.

Woran liegt es also, dass die beiden Unternehmen so an einer scheinbar veralteten Technologie hängen?

Zum einen dürfte es der ersten Tests zufolge überschaubare Leistungszuwachs der Kaby-Lake-Chips sein. Verschiedene PC-Magazine attestieren den aktuellen Intel-Chips ein Leistungsplus von etwas mehr als zehn Prozent. Eine solche Verbesserung ist messbar, aber für Anwender nicht spürbar.

Video: Apple stellt neue MacBook Pro vor

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Zu wenige Kerne

Für einen wirklich erfahrbaren Mehrwert muss ein neuer Prozessor deutlich mehr zusätzliche Leistung bieten. Die aber ist meist nur erreichbar, wenn der Herstellungsprozess der Chips verändert wird, die Bauteile kleiner werden, sodass mehr Komponenten auf dem Chip Platz finden. Genau das ist bei Kaby Lake nicht der Fall. Die siebte Generation der Core-i-Chips wird von Intel auf Basis derselben Produktionstechnik hergestellt wie die sechste.

Noch wichtiger dürfte aber sein, dass Intel die Mobilvarianten der Kaby-Lake-Prozessoren bisher nur mit zwei Rechenkernen ausliefert, Highend-Laptops aber erst mit vier Kernen richtig in Schwung kommen. Vor allem beim Multitasking hilft viel viel. Kaby-Lake-Chips für Desktop-PC sind bei Intel noch gar nicht im Angebot. Sie sollen, wie die Vierkern-Mobilchips, erst nächstes Jahre kommen.

Darin zeigt sich das eigentliche Dilemma: Sicher gibt es PC-Hersteller, die jetzt schon Mobilrechner auf Basis der aktuellen Intel-Technik bauen, doch Highend sind die nicht. Top-of-the-Line-Computer mit Kaby Lake wird es erst 2017 geben.

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Apple-Neuheiten: Was ist neu beim MacBook?

Abwarten?

Ob es sich lohnt, auf die zu warten, sei dahingestellt. Denn Experten von PC-Fachmagazinen bezeichnen Kaby Lake bereits als Zwischenschritt. Die "PC Welt" etwa schreibt, "Kaby Lake ist eigentlich Skylake 2.0", so gering seien die Unterschiede. Deshalb seien Intels neue Chips auch kein Grund, etwa von einem Skylake-System auf eines mit Kaby Lake umzusteigen.

Ein solcher Schritt dürfte sich tatsächlich erst 2017 lohnen, aber so lange wollten offenbar weder Microsoft noch Apple mit ihren neuen Produkten warten. Gegenüber dem US-Technologieportal "Cnet" etwa erklärten Apples Top-Manager, sie hätten mehr als vier Jahre Entwicklungszeit in die neuen MacBook Pro gesteckt. Da scheint es nur logisch, diese auch auf den Markt zu bringen, wenn sie endlich fertig sind.

Gute Geschäfte locken

Dafür gibt es mindestens zwei gewichtige Argumente: Zum einen lässt das Interesse an neuen Notebooks immer stärker nach. Mit neuer Technologie, wie dem Touch Bar, könnte man diesen Trend aufhalten oder zumindest bremsen. Zum anderen steht das Weihnachtsgeschäft bevor. Für IT-Unternehmen beginnt damit die einträglichste Zeit des Jahres. Deren Ergebnisse sind ausschlaggebend für die nächste Jahresbilanz, an der der Erfolg eines Unternehmens und seiner Manager gemessen wird.

Dass sowohl Microsoft als auch Apple im kommenden Frühjahr Updates ihrer jetzt neuen Notebooks mit den dann neuen Versionen der Kaby-Lake-Chips bringen werden, ist wahrscheinlich. Aber das ist der Lauf der Dinge in der Hightechbranche: Egal, was man sich kauft, es wird schon bald durch ein besseres Modell abgelöst. Damit muss man sich abfinden, so tickt die Welt.



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duiveldoder 28.10.2016
1. Ich teile nicht die Meinung des Journalisten
"Für einen wirklich erfahrbaren Mehrwert muss ein neuer Prozessor deutlich mehr zusätzliche Leistung bieten. " Beim Desktop PC von Microsoft gilt das unter Vorbehalt aber fuer einen Macbook Pro ueberhaupt nicht! Ein MBP gehoert zu der Kategorie Laptops. Aus eigener Erfahrung mit ueber 100 Laptopmodelle mit denen ich bisher gearbeitet habe inkl. Apple Modelle, kann ich sagen gerade beim Laptop zaehlt da viel mehr als nur die Leistung: Waermeentwicklung, hardwaremaessig eingebaute Befehlsaetze, CPU-Leistung/Watt, Lebensdauer der Componenten, usw. Letztendlich haengt vieles miteinander verflochten zusammen! Aber im Grunde ist Waerme bei Laptops das Kriterium worum es geht. Bei vielen Laptops geht unter Vollast nach 30Sekunden schon die erste Drossel ein! Stetig wird ein CPU weiter runtergedrosselt bei zu viel Waerme. Viele Laptops, vorallem von Acer und Apple, kommen unter Dauerlast nicht mal auf 50% der Leistung weil die staendig gedrosselt werden muessen. Ist mein Chip nur 10% schneller, bei 6% weniger Stromaufnahme: Kaby vs. Skylake, dann spare ich mir insgesamt schon 18% Waermeentwicklung fuer diesselbe Rechenleistung und meine Batterien halten wiederum zwischen 6 und 8% laenger bei gleicher Leistung. Ob 120 Minuten oder 140Minuten kann schon sehr viel ausmachen, gerade in Deutschland wo Strom und WLAN an Flughaefen praktisch nicht vorhanden ist, bzw. nur zu Kosten die 10.000 bis 100.000 so hoch sind als international Norm ist. Aber auch einfach zuhause auf dem Sofa, wenn ich fuer diesselbe Leistung beim Kaby nur 60% brauche fuer meine Prozesse halte ich die volle Geschwindigkeit ohne Drossel. Mit Kaby muesste ich nun 75% der Leistung anwenden aber auf dauer geht das nicht und wird irgendwann auf 50% runtergedrosselt damit der CPU nicht zu heiss wird. So oder so, sind die Kabys den Skys einfach ueberlegen!
Ein_denkender_Querulant 28.10.2016
2. Kein Windows 7 Support
Kaby Lake läuft nicht unter Windows 7 und ist damit für die überwiegende Mehrzahl der Firmen nicht tauglich, die zurecht einen großen Bogen um Windows 10 machen. 10% Mehrleistung gegenüber der letzten Generation und neue Befehlssätze sind eine gute Veränderung und es entspricht dem normalen Zuwachs seit Sandy Bridge (i7-2600). Da ist natürlich nicht der Grund, warum die CPUs gemieden werden.
Ringmodulation 28.10.2016
3. 10 Prozent mehr Leistung nicht spürbar
Möge Herr Kremp dies doch mal in gewonnene Akkulaufzeit umrechnen und schauen, ob seine Leser ihm dann immer noch abnehmen, sie würden davon nichts spüren.
gutmichl 28.10.2016
4. Laptop macht nur Spass mit Win7
Ein Laptop wird meist mit OS gekauft. Win7 war eine feine Sache. Win8.1 ist eine Katastrophe in der Bedienung und hat viele Leute vom Laptop zum Tablet getrieben. Win10 ist leicht besser, kommt jedoch mit seinen unübersichtlichen Menus und der kaum deinstallierbaren Bloatware nicht an 7 ran. Da aus diesem Grund der Laptop-Markt schwächelt, werden kaum CPUs primär daraus ausgerichtet. Heute dominieren tablets und server-cpus.
Doktor Weisenheimer 28.10.2016
5. Das eigentlich Problem sind die Preise der neuen MacBook Pros!
Apples Gier kennt leider keine Grenzen. Ich bin seit 1989 auf Macs unterwegs, habe hunderte Macs & iPhones gekauft, besessen und verkauft, aber was Apple glaubt sich preispolitisch leisten zu können, ist nicht mehr tragbar. Mit dieser Meinung bin ich nicht alleine. Viele Kollegen aus dem Apple-Sektor schütteln ebenso ungläubig den Kopf ob der neuen Preise. Zum Vergleich: ein MacBook Pro Retina 13" 2.6 GHz i5, 16 GB RAM, 512 GB SSD hat Anfang 2014 EUR 1.479,– gekostet, was auch schon leicht überzogen war. Die gleiche Konfiguration kostet ohne Touch Bar/ID nun EUR 2.179,–, also schlappe 32% mehr. Will man Touch Bar/ID haben, landet man bei sagenhaften EUR 2.439,– (beim Entry-Level-Modell mit Touch Bar/ID wird ein Upgrade der SSD arroganterweise erst gar nicht angeboten, da gibt es nur 256 GB). Ich bin Apple User, Apple Lizenznehmer und Apple Aktionär, aber ich kann nur hoffen, daß Tim Cook & seinen Jungs diese Arroganz, diese Gier über kurz oder lang um die Ohren fliegt.
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