Marktforscher Zwei Millionen iPads in zwei Jahren?

In Deutschland ist das iPad deutlich teurer als in den USA und trifft auf einen traditionell skeptischeren Kundenkreis: Kann Apple die iPad-Erfolgsstory auch hier wiederholen? Ja, meint das Marktforschungsunternehmen EARSandEYES: Das Ding spricht zwar elitäre, aber spendierfreudige Zirkel an.

Doppelkäufer Karim in Hamburg: Apple-Produkte werden gefeiert wie Popstars
dpa

Doppelkäufer Karim in Hamburg: Apple-Produkte werden gefeiert wie Popstars


Wenn es nach so manchem Vertreter der gebeutelten Verlagsbranche geht, ist Apples iPad ein wahrer Heilsbringer: Dem multimediafähigen Tablet-PC wird zugetraut, auch in Deutschland endlich einen Markt für elektronisch vertriebene kostenpflichtige Inhalte zu schaffen. Das sieht auch das Hamburger Markt- und Trendforschungsinstitut EARSandEYES so, das am Donnerstag eine Prognose darüber veröffentlichte, wie das iPad in Deutschland ankommen wird.

Die Marktforscher trauen Apple zu, bis 2012 zwei Millionen Stück in Deutschland zu verkaufen. Für die Prognose wurden 1000 Internetnutzer ab 16 Jahre befragt - realistisch, denn ein iPad (Verkaufspreis ab 499 Euro aufwärts) kauft man nicht mal so nebenbei vom Taschengeld. Zwei Millionen verkaufte Exemplare wären allerdings bemerkenswert, denn wir Deutschen gelten nicht umsonst als ziemlich konservatives Völkchen, wenn es um neue Techniken geht.

Zumal das Gerät nichts ist, was man unbedingt haben müsste - es fällt in die Kategorie der Dinge, die man aber vielleicht gern hätte. Und das gilt offenbar für einen gehörigen Teil der Surferschaft: 88 Prozent gaben an, den Namen des Produkts zu kennen. Bei insgesamt 30 Prozent weckte das Gerät dann ein "besonderes Interesse": Am höchsten ausgeprägt ist dies bei den 16- bis 19-Jährigen (43 Prozent). Die Marktforschungskonkurrenz von Fittkau & Maaß (W3B-Studien) entdeckte kürzlich sogar bei satten 8 Prozent der Surfer konkrete Kaufinteressen.

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Marktprognose: Neue Geräteklasse, neuer Markt?
Was noch lange nicht heißt, dass diese Wünsche auch in Käufen münden: Statista erwartet im ersten Jahr nicht mehr als 500.000 abgesetzte iPads in Deutschland. Als relevanteste Funktionen sehen die Befragten E-Books-Lesen, Surfen, E-Paper lesen, Musik hören und Videos gucken - in dieser Reihenfolge und mit nur gradueller Abstufung der Wichtigkeit einzelner Funktionen. Zu deutsch: Ein potentieller iPad-Käufer ist jemand, der alles will, was digitale Medien heute bieten.

Zunächst ein kleines, aber vielversprechendes Geschäft

Und dafür - Verlagsmanager aufgehorcht! - sind diese auch bereit, in die Tasche zu greifen. Allerdings nur in Maßen und nicht für alles, was angeboten wird: Zwar soll der Markt für Bezahlinhalte auf dem iPad bis 2012 auf ein Volumen von 207 Millionen Euro im Jahr wachsen, das meiste davon fließe dann aber Software-Entwicklern zu, prognostizieren die Forscher. Vielleicht ein Zehntel davon werde aktuellen Nachrichten- und Magazinangeboten zukommen, ein Drittel den E-Book-Verlegern.

Und das alles wohl auch nur dann, wenn die Inhalteanbieter bereit sein sollten, ihre Waren günstig genug anzubieten. So sei die Zahlungsbereitschaft für E-Books etwa an deutliche Rabatterwartungen geknüpft: Die iPad-Kernzielgruppe mit dem deutlichsten Interesse am Gerätekauf - laut Studie rund vier Millionen Menschen - erwarte bei elektronischen Büchern Preisabschläge von satten 48 Prozent gegenüber gedruckten Ausgaben. Bisher haben deutsche Verlage hier aber keinerlei Bereitschaft zu wirklich attraktiven Angeboten gezeigt - wohl der Hauptgrund, warum ein erwähnenswerter Markt für E-Books hier bisher nicht entstanden ist.

Überdurchschnittliche Kauffreude

Dass die iPad-Käufer aber überdurchschnittlich viel Geld in die Hand nehmen werden, gilt den Marktforschern als ausgemachte Sache. Rabatterwartungen hin oder her, knüpfen sich darum hohe Hoffnungen der Medienbranchen an die neue Geräteklasse.

Gefallen wird Verlegern dann noch eine andere Korrelation: Während der durchschnittliche Onliner rund 12 Euro im Monat für gedruckte Magazine ausgebe, seien die iPad-Interessierten mit 19 Euro monatlicher Ausgaben für Print-Produkte auch überdurchschnittlich leseinteressiert. Im Schnitt sechs Euro pro Monat sollen diese Nutzer in den nächsten Jahren für iPad-Lesestoff ausgeben.

Da die Zahlungsbereitschaft online sonst kaum vorhanden ist und immer mehr Verlegern hier finanziell die Puste ausgeht, wagt die Studie noch eine für Online-Nutzer weniger erfreuliche Prognose: Für Verlage ergäbe sich aus all dem die Frage, ob sie hochwertige Inhalte auf ihren Webseiten zugunsten von kostenpflichtigen Angeboten einschränken wollen.

pat



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Pinguin63 28.05.2010
1. Foxconn
Zitat von sysopIn Deutschland ist das iPad deutlich teurer als in den USA und trifft auf einen traditionell skeptischeren Kundenkreis: Kann Apple die iPad-Erfolgsstory auch hier wiederholen? Ja, meint das Marktforschungsunternehmen EARSandEYES: Das Ding spricht zwar elitäre, aber spendierfreudige Zirkel an. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,697242,00.html
Wenn sie elitäre Leute ansprechen wollen, dann sollten sie sich auch um die schlimmen Verhältnisse bei Foxconn in China kümmern (siehe hierzu u. a. TAZ vom 28.5., Seit 1, "Der wahre Preis des iPads"). Apple ist aber nicht die einzige Firma, die das betrifft! Ihrer sozialen Verantwortung sollte sie aber gerecht werden.
Lebkuchenkiller 28.05.2010
2. gähn
Zitat von sysopIn Deutschland ist das iPad deutlich teurer als in den USA und trifft auf einen traditionell skeptischeren Kundenkreis: Kann Apple die iPad-Erfolgsstory auch hier wiederholen? Ja, meint das Marktforschungsunternehmen EARSandEYES: Das Ding spricht zwar elitäre, aber spendierfreudige Zirkel an. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,697242,00.html
Man weiss es nicht, aber wen interessiert das eigentlich ?
stevieray 28.05.2010
3. deutlich teuerer? Bitte mal nachrechnen!
Ständig diese Klagen, dass die Apple-Geräte (und anderes) in USA viel preiswerter sind - hat jemand mal nachgerechnet? Die in USA angegebenen Preise sind immer netto: Es kommen immer (auf jeden Hamburger auch!) Steuern dazu (bis auf 1 oder 2 Bundesstaaten). Ich habe mir ein iPad aus NewYork mitgebracht: 499$ + ca. 40$ Steuer = ca. 539$ = ca. 437€ Das US-Gerät kann zwar ZOLLFREI eingeführt (mitgebracht) werden, jedoch fallen 19% Mehrwertsteuer = ca. 95$ oder ca. 77€ Das sind dann insges. ca. 514€ - also sogar mehr, als wenn ich dasselbe Teil in D für 499€ kaufe Any comments?
flr2 28.05.2010
4. .
Zitat von sysopIn Deutschland ist das iPad deutlich teurer als in den USA und trifft auf einen traditionell skeptischeren Kundenkreis: Kann Apple die iPad-Erfolgsstory auch hier wiederholen? Ja, meint das Marktforschungsunternehmen EARSandEYES: Das Ding spricht zwar elitäre, aber spendierfreudige Zirkel an. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,697242,00.html
Ist das eigentlich schon Stalking? *LOL*
inmado 28.05.2010
5. Falsche Rechnung!
Zitat von stevierayStändig diese Klagen, dass die Apple-Geräte (und anderes) in USA viel preiswerter sind - hat jemand mal nachgerechnet? Die in USA angegebenen Preise sind immer netto: Es kommen immer (auf jeden Hamburger auch!) Steuern dazu (bis auf 1 oder 2 Bundesstaaten). Ich habe mir ein iPad aus NewYork mitgebracht: 499$ + ca. 40$ Steuer = ca. 539$ = ca. 437€ Das US-Gerät kann zwar ZOLLFREI eingeführt (mitgebracht) werden, jedoch fallen 19% Mehrwertsteuer = ca. 95$ oder ca. 77€ Das sind dann insges. ca. 514€ - also sogar mehr, als wenn ich dasselbe Teil in D für 499€ kaufe Any comments?
Dieser Kalkulation kann ich nur entnehmen, daß das Ding in den USA rund 437€ kostet, in Europa aber 499€. Offensichtlich ist es also in Europa 52€ teurer als in den USA! Es geht hier um einen Preisvergleich USA zu Europa, nicht darum, ob es sich für einen Europäer lohnt, ein iPad aus den USA zu importieren.
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