Mehrzimmer-Musikanlagen Streaming-Lösungen auf dem Weg zum High-End-Hi-Fi

Eine Anlage, die gleich mehrere Räume beschallt - wenn man will mit unterschiedlicher Musik: So etwas interessiert auch Hi-Fi-Freaks. Der Musikserver, der Boxen per Funk mit Inhalten beschickt, wird zunehmend erschwinglicher - und qualitativ besser.

Stream-Client: Auch für Hi-Fi-Fans zunehmend interessant
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Stream-Client: Auch für Hi-Fi-Fans zunehmend interessant


Berlin - Besitzer von hochwertigen Hi-Fii-Anlagen haben um digitale Musik bislang einen großen Bogen gemacht. MP3-Player, Internetradios und Netzwerk-Player galten in den "High-End"-Kreisen als Rückschritt im Vergleich zur herkömmlichen Stereoanlage mit Plattenspieler oder CD-Player. Eine neue Generation von vernetzten Musikanlagen, mit denen man mehrere Räume beschallen kann, weckt nun aber auch das Interesse der audiophilen Gemeinde.

Pionier der sogenannten Multiroom-Player ist Sonos, der im Jahr 2005 die ersten ZonePlayer auf den Markt brachte. "Sonos hat die Mehrraum-Musikanlagen salonfähig gemacht", sagt Carsten Barnbeck, Redakteur der Fachzeitschrift "Stereo". Der amerikanisch-niederländische Hersteller bietet ein Komplettsystem aus Funkverteilern, die mit dem heimischen PC vernetzt und an herkömmliche Stereoanlagen angeschlossen werden. Andere Komponenten sind bereits mit Endstufe oder einem Aktiv-Lautsprecher ausgestattet und kommen ohne Stereoanlage aus.

In der Vergangenheit hatte Sonos vor allem den betuchten Musikliebhaber adressiert. So kostet ein Baustein für eine Zone ("ZonePlayer 90") alleine 350 Euro, mit eingebautem Verstärker ("ZonePlayer 120") sogar 500 Euro. Die Fernbedienung mit einem Farbdisplay schlägt noch einmal mit 350 Euro zu Buche. So summiert sich ein Komplettsystem für mehrere Räume auf einen Betrag von deutlich mehr als 1000 Euro.

Für das Publikum mit kleinerem Portemonnaie brachte Sonos nun den Zoneplayer S5 auf den Markt, der 400 Euro kostet und schon mit einem Aktiv-Lautsprecher ausgestattet ist. "In Verbindung mit der kostenlosen Fernbedienungs-App für das iPhone, Android-Smartphone oder iPad visiert Sonos mit dem S5 nun eine ganz neue Käuferschicht an", sagt Sven Hansen, Redakteur der Zeitschrift "c't".

Nicht billig, aber zunehmend erschwinglicher

Ein ähnliches Konzept wie Sonos verfolgt ein neuer Wettbewerber aus Berlin: Die Firma Raumfeld bietet eine Gruppe von Netzwerkspielen an, die sich drahtlos miteinander verbinden und hierfür die bestehende Netzinfrastruktur nutzen. Im Zentrum des heimischen Musiknetzwerks kann man bei Raumfeld einen Musikserver platzieren, der Base genannt wird. In dem schwarzen Kasten steckt eine 160 Gigabyte große Festplatte, auf der Musik in allen denkbaren Formaten wie MP3, M4a, WMA und AAC gespeichert werden kann - aber auch verlustfreie Dateitypen wie das in der Hi-Fi-Szene besonders beliebte Format FLAC 96kHz/24Bit. Die 280 Euro teure Base dient außerdem auch als Funkverteil-Station (W-Lan) oder Netzknoten (Lan).

Dazu kommen die sogenannten Raumfeld Speaker. Das sind Funklautsprecher mit einem integrierten Vollverstärker und dem Streaming-Client für den drahtlosen Datentransfer, die 400 Euro beziehungsweise 750 Euro pro Paar kosten. Raumfeld verwendet für die größeren Geräte (Raumfeld Speaker M) Lautsprecher des Audiospezialisten Adam, der sich in der Studioszene einen Namen gemacht hat. Wer das System an der eigenen Stereoanlage anschließen möchte, kann statt der Raumfeld Speaker einen 250 Euro teuren Connector einsetzen, quasi das Pendant zum ZonePlayer 90 von Sonos. Und wer seine Wohnung auf einen Schlag ausrüsten möchte, kann unter verschiedenen Paketen auswählen, in denen die Komponenten zusammen etwas günstiger sind.

"Sonos ist im Vergleich zu Raumfeld das geschlossenere System", urteilt "c't"-Redakteur Hansen. So könne man bei selten auftauchenden Schwierigkeiten bei der Netzwerk-Einrichtung bei Sonos keine üblichen Analyse-Werkzeuge einsetzen. Das offenere Konzept von Raumfeld ermöglicht außerdem, Geräte von anderen Herstellern in das Netzwerk einzubinden - beispielsweise die momentan recht beliebten Internetradios mit UPnP-AV-Unterstützung. UPnP-VP steht für Universal Plug and Play Audio/Video und ermöglicht, Geräte über die Grenzen von herstellerspezifischen Standards hinweg in einem Netzwerk anzusteuern.

Günstiger als die Systeme von Sonos und Raumfeld sind die Geräte von Logitech. Nach der Übernahme der Produktfamilie Squeezebox von Slim Devices entwickelt sich der Schweizer Hersteller immer stärker zu einem Komplettanbieter von Streaming-Lösungen. Der aktuelle Bestseller Logitech Touch unterstützt neben gängigen Audioformaten wie MP3 und WMA auch die verlustfreien Standards wie FLAC und Apple Lossless. "Außerdem kann der 'Logitech Touch' bereits das vom Fraunhofer Institut entwickelte Audioformat High Definition AAC abspielen, das eine Musikqualität weit über der einer CD bietet", erläutert Hansen.

Beim Vergleich der Klangqualität der Systeme hat das Sonos-System ganz knapp die Nase vorn. Während das Sonos-System etwas dunkler und cremiger klinge, habe Raumfeld den helleren und offeneren Klang. "Der Klang unterscheidet sich aber nur in Nuancen", urteilt Carsten Barnbeck.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, der Audiospezialist Adams sei ein britisches Unternehmen. Tatsächlich ist das Unternehmen mit dem namen Adam Audio in Berlin zu Hause. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Christoph Dernbach, dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Faust007 23.10.2010
1. HTPC mit DVB-S2
Warum nur Musik innerhalb des Netzwerkes streamen, wenn auch mehr möglich ist und dies alles recht günstig mit den bereits vorhandenen PCs? LinuxMCE oder Mythbuntu für ambitionierte Nutzer. Unter Windows MediaPortal.
ceterum_censeo 23.10.2010
2. Apple airport
Wie ist dass Airport-System von Apple einzuordnen? Hat jemand Erfahrungen?
Faust007 23.10.2010
3. Airport
Funktioniert tadellos. http://www.apple.com/de/wifi/
Volker_41 23.10.2010
4. WLAN, Bluetooth für Audiophile? Was für ein Unsinn!
"Eine neue Generation von vernetzten Musikanlagen, mit denen man mehrere Räume beschallen kann, weckt nun aber auch das Interesse der audiophilen Gemeinde." Und diese "Gemeinde" soll Sonos beglücken? Entschuldigen Sie bitte Herr Dernbach aber ich habe die überteuerten Systeme dieser Firma bereits auf mehreren IFA in Berlin und bei einem Bekannten austesten dürfen. Das Problem: Die System basieren auf WLAN - und WLAN ist nicht für hochqualitative Audioübertragung geschaffen! Genau wie Apples Airport haben die WLAN System folgende Nachteile: - Zeitliche Verzögerung (knapp 1 Sekunde - damit kann man keinen Film schauen bzw. ernsthaft Musik auflegen/steuern) - Starke Komprimierung - Abhängigkeit von einem geschlossenen System (die Apple-Jünger wird es nicht stören ;) Wer aber ein offenes System will und die Sonos Blechbüchsen nicht als hochqualitative Lautsprecher versteht, der sollte abseits der Pfade suchen - sprich, abseits der durch teures Marketing angepriesenen Systeme. Es gibt wenige aber sehr gute Anbieter, die (vergleichbar im Handymarkt mit HTC) das Geld bevorzugt in echte Qualität und Forschung investieren als in teure Werbung. So zum Beispiel AUDIOFLY ( http://www.audiofly.de ) Wer wirklich auf hochwertigen Klang wert legt, wird sich sicherlich niemals mit WLAN Lösungen zufrieden geben - dafür wurde diese Technologie nicht geschaffen, genau so wenig wie Bluetooth! MfG
Volker_41 23.10.2010
5. ...und ein wesentlicher Nachteil der WLAN Streaming Systeme
...sei noch genannt: Die Störungsanfälligkeit! Eine Mikrowelle neben Sender oder Empfänger oder ein par Handys auf einer Fete und das Signal ist weg! Bei Tausend Euro erwarte ich da absolute Stabilität! Aber das können die MainStreamLösungen eben nicht!
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