Microsoft-Konferenz Build Irgendwas mit künstlicher Intelligenz

Microsoft steckt seine Themen für das Jahr ab: Auf der Build-Konferenz ist viel von Cloud Computing und künstlicher Intelligenz zu hören. Und sogar Amazons Alexa kommt zu Wort.

Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Build 2018
AP

Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Build 2018

Aus Seattle berichtet


Die für Otto-Normal-PC-Nutzer wohl spannendste Nachricht wurde auf der riesigen Bühne nicht erwähnt: Seit Montag wird das halbjährliche große Update für Windows 10 verteilt. Über die wichtigsten neuen Funktionen hatten wir schon vergangene Woche berichtet. Jetzt soll die Software nach und nach automatisch auf Windows-10-PC weltweit verteilt werden. Wer nicht warten will, kann das Update auch manuell herunterladen.

Aber die Microsoft Build im 6000 Personen fassenden Washington State Convention Center heißt nicht nur Entwicklerkonferenz, sie ist auch eine. Bei einer Vorabveranstaltung für die Presse wurde Microsoft-Manager Frank X. Shaw nicht müde zu betonen, dass auf der Bühne programmiert werden würde. Und ja, er behielt recht, es wurde programmiert. Den teils von weit her angereisten Entwicklern gefiel das, wie man am manchmal brausenden Applaus feststellen konnte. Alle anderen bekamen durch die eingeschobenen Programmier-Sessions Gelegenheit mal durchzuatmen. Immerhin galt es, zwei Stunden straffes Programm durchzustehen.

Das wiederum - auch da behielt Kommunikationsmanager Shaw recht - richtete sich überwiegend an Programmierer. Aber indem hier gezeigt wurde, welche neuen Möglichkeiten der Windows-Konzern eben diesen Programmierern künftig anbieten will, bekam man auch einen Ausblick darauf, wie sich die Welt der Elektronik um uns herum in den nächsten Jahren verändern könnte.

Längst geht es bei Microsoft nicht mehr darum, "einen Computer für jeden Schreibtisch und in jedes Haus" zu bringen, wie es Bill Gates 1975 postulierte. Diese Mission ist zumindest in den Industrieländern längst erfüllt. Mittlerweile haben es Computer in Form von Smartphones schon in Milliarden Hosen- und Handtaschen geschafft. Jetzt geht es darum, auch noch den Rest zu vernetzen und jedes nur denkbare elektronische Gerät mit künstlicher Intelligenz (KI) auszustatten.

Bisher ist dafür allerdings in der Regel eine Internetverbindung nötig, denn die eigentliche KI steckt in Supercomputern in großen Rechenzentren. Die Geräte, die sie nutzen, sind mithin gar nicht wirklich smart, sondern brauchen oft nicht mehr Intelligenz als die Computerterminals der Sechziger- und Siebzigerjahre: Sie leiten die Eingaben der Nutzer an einen Großrechner weiter, der sie verarbeitet und sein Ergebnis zurück an das Terminal sendet.

Genau das geschieht jedes Mal, wenn Sie eine Frage an Siri, Cortana oder den Google Assistant richten. Wenn Sie dabei den Netzstecker ziehen, das WLAN abschalten oder die Sim-Karte entfernen, ist mit den großen KIs nichts mehr anzufangen.

KI ohne Cloud

Eine neue Technik, die Microsoft Windows Machine Learning nennt, soll das ändern, zumindest manchmal. Sie nämlich soll es Programmierern ermöglichen, ihre Algorithmen auf Microsofts Cloud-Computern zur intelligenten Lösung bestimmter Aufgaben zu trainieren. Ist das erledigt, kann die so verfeinerte Software heruntergeladen und auf Computer geladen werden. Die antrainierte Intelligenz funktioniert dann auch offline, die Algorithmen sind sozusagen intelligent geworden.

Als Beispiel wurden in Seattle Drohnen des chinesischen Herstellers DJI gezeigt, die Rohrleitungen vollkommen autark auf Schäden hin untersuchen können. Die Vorführung war beeindruckend, zeigte aber auch die Grenzen der KI auf, die ohne Internetverbindung zwar eine bestimmte Aufgabe hervorragend erledigen kann, aber eben nur diese eine. Trotzdem ist das Konzept sinnvoll.

In Zukunft werden immer mehr Geräte mit solchen Minimal-KIs ausgestattet werden. Und eben weil sie nur auf wenige Funktionen trainiert sein werden, werden sie uns intelligent erscheinen. Möglicherweise sogar so intelligent, dass wir gar nicht bemerken werden, dass es sich um KI handelt.

AI for Accessibility

Auf der Keynote wurde freilich auch einem anderen Thema viel Raum gelassen: AI for Accessibility. So bezeichnet Microsoft ein neues Programm, mit dem die Entwicklung KI-gestützter Technologien gefördert werden soll, die Behinderten zugutekommen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren will Microsoft 25 Millionen Dollar an Entwickler solcher Technologien verteilen, sie mit eigenem Know-how unterstützen.

Als ein Beispiel für Produkte, die so etwas schon jetzt schaffen, wurde der Microsoft Translator genannt, der Hörbehinderten helfen kann, indem er Gespräche in Echtzeit in Text übersetzt. Ein weiteres Beispiel war die App Helpicto, die Kindern mit Autismus helfen soll, Situationen besser einzuschätzen und mit anderen zu kommunizieren, indem sie Sprachbefehle in Bilder umwandelt.

Eine spürbare Delle in Microsofts Finanzplan wird dieses lobenswerte Projekt freilich nicht hinterlassen. Angesichts von einem Erlös von fast 27 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal kann das Unternehmen sich so solche Investitionen sicher leisten.

"Alexa, was hältst du von Cortana?"

Was den meisten Microsoft-Kunden sicher näher liegen wird, ist, wie weit die bereits angekündigte Zusammenarbeit mit Amazon gekommen ist. Vollkommen unerwartet nämlich wurde gezeigt, wie man Microsofts KI-Assistentin Cortana künftig auf Amazons Echo-Lautsprechern wird nutzen können und wie Amazons KI Alexa mit Cortana zusammenarbeiten kann. Beobachter scherzten, dies sei das erste Mal gewesen, dass eine Cortana sie habe überzeugen können.

Aber Amazon-Manager Tom Taylor scherzte selbst, indem er Alexa die Frage stellte, was sie von Cortana halte. Alexas Antwort war auf mehreren Ebenen komisch:

So beeindruckend diese Demos waren, so unklar ist vorläufig noch, wann man die Kombination der beiden künstlichen Intelligenzen wirklich wird ausprobieren können. Ein Datum für die Veröffentlichung nannte Microsoft nicht. Wer an dem Projekt interessiert sei, könne sich auf Microsofts Infoseite registrieren.



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
quark2@mailinator.com 08.05.2018
1.
Alles egal, Hautsache, sie bauen endlich mal wieder ein Betriebssystem, das einen nicht überwacht. Ist mir doch egal, was der Laden sonst noch treibt. Solange deren ethisch/moralische Kompassnadel nicht eingenordet ist, sollten sie lieber die Finger von KI lassen, sonst geht noch was schief.
andysamak70 08.05.2018
2. Wuerde nicht kaufen und auch keine neue Version
auf meinen PC lassen (habe W7 und lange gebraucht bis das mit den anderen Programmen zusammen passte). Warum? Windows ist kein Monolith da haengen zahllose Packages dran und ein grossteil funkt dann nicht mehr das interessiert MS aber nicht und ich habe den Aerger. > njet!
merlin 2 08.05.2018
3. Das letzte W10-Update ist Murks ...
und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Jetzt wo das letzte W10-Update das Arbeiten erschwert, freue ich mich wieder einmal über meinen W7-Rechner (zum Spielen) und meinen Ubuntu-Rechner zum Arbeiten zuhause. MS hat es einfach nicht kapiert. An jeder Ecke versuchen sie Daten abzugreifen, Profile zu erstellen etc. Dabei boykottieren die Profis das OS bereits seit längerem - warum nur? ;-)
ptb29 08.05.2018
4. Das letzte W10-Update ist Murks?
Sie konnten es nicht erwarten, es schnell mal runterzuladen und zu installieren? Und gearbeitet haben Sie auch schon damit?
Nonvaio01 08.05.2018
5. ich hab win 10
Zitat von merlin 2und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Jetzt wo das letzte W10-Update das Arbeiten erschwert, freue ich mich wieder einmal über meinen W7-Rechner (zum Spielen) und meinen Ubuntu-Rechner zum Arbeiten zuhause. MS hat es einfach nicht kapiert. An jeder Ecke versuchen sie Daten abzugreifen, Profile zu erstellen etc. Dabei boykottieren die Profis das OS bereits seit längerem - warum nur? ;-)
und spiele ueber 15 jahre alte games darauf. Auch spiele die fuer XP ausgerichtet waren, alles kein problem, zum glueck kann man in Win10 und 7 einstellen fuer welche WIN version es configuriert wurde. Sogar das alte Sid Meiers Railroad laeuft ohne probleme. Ich hab keine probleme mit WIn10, auch nach updates nicht. Das gute an WIn10 ist das mein 15 jahre alter PC Tower damit wieder zum leben erwekt wurde, darueber freut mein Sohn sich nun.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.