Surface-Tablet von Microsoft Edel-Flunder gegen Apple

Microsoft startet zur Aufholjagd. Mit dem Surface - einer Mischung aus Laptop und Tablet - will der Software-Gigant Apples iPad angreifen. Was kann das Gerät? Ein Test.

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In Microsofts Werbefilmchen zum neuen Surface klackern kleine, blank polierte Kügelchen auf hartes Metall. Ein Meißel zerstößt einen Klumpen Magnesium. Harte Industriegeräusche sollen vermutlich Langlebigkeit und Qualität suggerieren.

Das Surface-Tablet, so lautet wohl die Botschaft, ist vom Feinsten, eine Art Audi A8 der noch jungen Tablet-Welt. Wer das Surface dann in die Hand nimmt, ist allerdings erstmal enttäuscht vom vermeintlichen Edel-Tablet aus Redmond.

Das Gerät macht einen soliden Eindruck, doch es wirkt nicht so elegant wie erwartet. Sein Ständer klappt nicht mit einem satten Klack heraus, wie es Microsoft in seiner Fernsehwerbung suggeriert. Die Rückseite schimmert weniger metallisch als erwartet. Allerlei Ecken, Kanten und Anschlussbuchsen erinnern doch wieder an ein Thinkpad. Immerhin klebt kein Windows-Etikett auf dem Gerät.

Tastatur mit Symbolwert

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Surface: Microsofts Flunder gegen das iPad
Nach der ersten Enttäuschung allerdings entpuppt sich das bereits im Juni mit viel Brimborium angekündigte Gerät als spannende Mischung aus Laptop und Tablet-Computer. Das Surface ist in etwa so groß wie ein iPad, hat aber einen etwas breiteren Bildschirm im Format 16:9, so dass sich HD-Filme ohne schwarze Balken anschauen lassen. Die auffälligsten Besonderheiten sind der eingebaute Ständer und die superdünne, Touch Cover genannte Abdeckung, in die eine komplette Tastatur inklusive Touchpad integriert ist. Blitzschnell lässt sich der magnetisch gehaltene Tastenschutzumschlag an- und abmontieren. Alternativ gibt es eine echte Tastatur mit beweglichen Druckpunkttasten zu kaufen, die allerdings etwas dicker ist.

Die Tastatur hat Symbolwert für Microsoft. Mit ihr nämlich wollen die Ingenieure deutlich machen, dass es sich beim Surface nicht etwa einfach nur um ein weiteres Windows-Tablet handelt, sondern um das erste Gerät einer ganz neue Produktkategorie.

Microsoft will, dass der Laptop mit dem Tablet zu einem Gerät verschmilzt. Das Surface ist der Versuch, diese Vision in die Tat umzusetzen. Der chinesische Lenovo-Konzern verfolgt mit dem Yoga einen ähnlichen Plan. Der Vorteil für den Verbraucher wäre enorm. Laptop und Tablet, die sich im Rollkoffer regelmäßig gegenseitig den Platz streitig machen, könnten auf die Elektronikschrotthalde. Ein Gerät würde endlich ausreichen.

Ist Surface dieses Gerät? Auf dem Touch Cover lässt es sich tatsächlich besser tippen, als zum Beispiel auf der Bildschirmtastatur eines iPad. Dennoch kann es eine vollwertige Tastatur noch nicht ersetzen. Erfreulich ist, dass die Windows-Software auf dem Gerät im Wesentlichen jener gleicht, die auf dem heimischen Desktop läuft. Bekommt Microsoft seine Cloud-Technik in den Griff, sollte das Synchronisieren ein Kinderspiel sein. Ob Windows 8 mit seiner Kacheloptik viele Freunde findet, muss sich allerdings noch zeigen.

Für Microsoft steht viel auf dem Spiel

Zudem ist am Surface vieles von dem dran, was Apple dem Verbraucher bislang penetrant verweigert. USB-Anschluss, MicroSD-Steckplatz, HD-Video-Ausgang. An Software liefert Microsoft ein Preview von Windows Office mit, das bald kostenlos auf die Vollversion upgedatet werden kann. Das ab Freitag in Deutschland erhältliche Modell wird mit Windows RT laufen, einer etwas abgespeckten Version von Windows 8. Eine leistungsfähigere Variante des Surface mit der regulären Windows 8-Software soll später auf den Markt kommen.

Ist das Surface mit dieser Ausstattung ein iPad-Killer? Für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Die Firma preist das Gerät als ein High-End-Tablet an, das zeigen soll, was mit Microsoft-Technologie alles möglich ist. Doch damit düpiert das Unternehmen seine Partner gleich doppelt. Das Surface konkurriert direkt mit den Windows-Tablets anderer Hersteller. Und wer sein eigenes Produkt so herausstellt, wie Microsoft es nun tut, stempelt die Tablets der Anderen automatisch als minderwertig ab.

579 Euro wird das Surface mit 32 Gigabyte Speicherplatz und Touch Cover kosten. Ein vergleichbares iPad, allerdings ohne externe Tastatur und Cover, kostet genauso viel. Sollte das Surface ein Flop werden wie einst der iPod-Konkurrent Zune, wird die IT-Industrie spotten wie selten zuvor.



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insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
disi123 24.10.2012
1. Justin Bieber
Das einzige Wichtige an neuen Produkten ist die Vermarktung und nicht die Leistung. Wenn Microsoft z.B. Justin Bieber (oder wie der heisst) dazu bringt es zu nutzen und zu vermarkten? Zumindest bei uns in der Firma wird derzeit an einer Loesung via Mobile Iron gearbeitet, das soll den Mitarbeitern erlauben ihre persoenlichen Tablets fuer die Arbeit zu nutzen. Der Druck wurde am Ende einfach zu gross, gerade in der Chefetage muss man wohl hip sein :)
stanislaus2 24.10.2012
2. Das wird ein Flop
Die abnehmbare Tastatur hatte bereits schon vor 20 Jahren der Osborn, das Chemikalien-Klo. So sah dieser transportable Computer aus. Google bringt nun einen Internet-Laptop für 250 USD raus, auf schneller schmaler Android Basis mit Zugriff auf hunderttausende Apps der SmartPhone-Welt. Nur Babies können den nicht bedienen: "da,da,da,". Aber die kaufen ja keine Computer.
OneTwoThree 24.10.2012
3. Informationen
Zitat von sysopDPAMicrosoft startet zur Aufholjagd. Mit dem Surface - einer Mischung aus Laptop und Tablet - will der Softwaregigant Apples iPad angreifen. Was kann das Gerät? Ein Test. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/microsoft-surface-tablet-im-test-a-862832.html
Informationen dürften auch gerne im Bericht enthalten sein: So wäre beispielsweise interessant gewesen, welche technischen Spezifikationen das Gerät denn hat. Und dazu ein Vergleich zum direkten Konkurrenten Apple. btw: Zu kritisieren, dass ein Hersteller bei der Vorstellung eines Produkts betont, dass man besser ist als die Konkurrenz ist schon wirklich selten dämlich. DAS ist der Sinn einer Produktvorstellung.
jcs333 24.10.2012
4. Test?
Mit Verlaub, Herr Bethge, wo ist ihr Artikel ein Test? Sollte es nicht eher heißen "Hands on mit Meinung"? Denn viel Meinung und wenig Substanz konnte ich da entdecken. Ich möchte mal einzelne Passagen aufgreifen: "Das Gerät macht einen soliden Eindruck, doch es wirkt nicht so elegant wie erwartet. Sein Ständer klappt nicht mit einem satten Klack heraus, wie es Microsoft in seiner Fernsehwerbung suggeriert. Die Rückseite schimmert weniger metallisch als erwartet." 1. Wenn man hinsieht, kommt das klicken immer dann, wenn man diesen Kick-Stand mit Schwung ZU macht. So wie bei einer Autotür - die klingt auch recht wenig beim öffnen. 2. Das Gerät sollte laut Ankündigung ein Handling und Look haben wie ein Buch. Auch ist Magnesium kein Edelstahl und Bücher ebenfalls recht selten metallisch eingebunden. Erwartungshaltung verfehlt? Nächster Punkt: "Auf dem Touch Cover lässt es sich tatsächlich besser tippen, als zum Beispiel auf der Bildschirmtastatur eines iPad. Dennoch kann es eine vollwertige Tastatur noch nicht ersetzen." Auch hier - in der Ankündigung, wenn man diese denn verfolgt hat, war zu bemerken, dass immer von "twice as fast as typing on Glass" die Rede war. Wer eine richtige Tastatur wolle, sollte zu der greifen, die ebenfalls verfügbar ist. Und wieder - verfehlte Erwartungshaltung? Nächster Punkt: "Bekommt Microsoft seine Cloud-Technik in den Griff, sollte das Synchronisieren ein Kinderspiel sein." Diese Aussage suggeriert, dass die "Cloud-Technik" nicht funktioniert. Bitte erhellen Sie dann doch auch, was Sie meinen und was genau nicht funktioniert. Ich für meinen Teil kann behaupten, dass meine drei Windows 8 Testgeräte perfekt über die Cloud synchronisieren. By the way: Auch die Cloud-Dienste meiner Apple und Android Geräte funktionieren Tadellos. Dann noch eine Gegenüberstellung: "Allerlei Ecken, Kanten und Anschlussbuchsen erinnern doch wieder an ein ThinkPad" "Zudem ist am Surface vieles von dem dran, was Apple dem Verbraucher bislang penetrant verweigert. USB-Anschluss, MicroSD-Steckplatz, HD-Video-Ausgang." Klassischer Fall von: Einen Tod muss man sterben. Sie wollen beide - Respekt. Zum Abschluss möchte ich noch ausführen, worüber ich in dem Artikel nichts erfahren habe: Akkulaufzeit Displayqualität Handling der Anschlüsse Testen der Anschlüsse mit z.B. einem Drucker mit Windows RT Treibern Test an einem externen Bildschirm Erhalten habe ich eine kurze, wenig differenzierte Meinung.
Otoshi 24.10.2012
5. optional
Und haette MS einen usb mini Port verwendet waere das Geraet vielleicht noch duenner geworden. Vielleicht naechste Version.
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