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App-Offensive: Android und iOS sollen Windows 10 den Erfolg bringen

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Microsoft-Chef Satya Nadella: "Eine neue Generation von Windows" Zur Großansicht
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Microsoft-Chef Satya Nadella: "Eine neue Generation von Windows"

Microsoft hat ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von zwei bis drei Jahren soll Windows 10 auf einer Milliarde Geräten laufen. Damit das klappt, braucht das Unternehmen Apps von iOS und Android.

Man muss sich auch mal Ziele setzen. So wie Microsofts Manager, die beim neuen Windows 10 alle Fehler vermeiden wollen, die Windows 8 bis heute bremsen. Zu Beginn der alljährlichen Entwicklerkonferenz Build in San Francisco verkündete Windows-Chef Terry Myerson, das neue Betriebssystem sollen innerhalb von zwei bis drei Jahren nach seiner Einführung auf einer Milliarde Geräten laufen.

Damit hat Myerson die Latte, an der der Erfolg der neuen Software gemessen werden wird, selbst hoch gelegt. Und er hat klargemacht, dass man die Fehler nicht wiederholen will, die bei Windows 8 dazu geführt haben, dass das System von vielen Nutzern und Firmen bis heute gemieden wird.

Zwar ist Windows bis heute Marktführer, doch laut Netmarketshare dümpelt das aktuelle Windows 8 bei rund 14 Prozent Marktanteil. Selbst das vollkommen veraltete Windows XP hat mehr Anwender.

Aber damit soll es nun vorbei sein. "Windows 10 ist eine neue Generation von Windows. Es wurde für eine neue Ära von Computern entwickelt. Es wurde für eine Vielzahl von Geräten entwickelt", sagte Microsoft-Chef Satya Nadella. Was er damit meinte, wurde im Laufe der dreistündigen Keynote deutlich: Von vielen neuen Funktionen und einigen beeindruckenden technischen Fähigkeiten abgesehen, sollen Apps Nutzer zum nächsten Windows locken.

So sieht Windows 10 aus

Bereits mit der Version 10049 wurde der neue Webbrowser Spartan eingeführt. Mit dem Update vom 23. April bekommt er Detailverbesserungen und Fehlerkorrekturen.

Neue Vorabversionen von Windows 10 kann man in den Systemeinstellungen, unter Update und Wiederherstellung herunterladen. Ende April stehen dort neben der Vorabversion 10061 diverse Sicherheits-Updates bereit.

Das neue Startmenü: In ähnlicher Form wie hier in der zweiten Windows-10-Vorabversion gab es das auch schon in der ersten Preview-Version. Im Grunde ist es eine Mischung aus altem Startmenü und der Kacheloptik von Windows 8.

Darf es auch ein bisschen mehr sein? Neu ist, dass man das Startmenü per Mausklick jetzt bildschirmfüllend vergrößern kann. Das ähnelt sehr dem Erscheinungsbild von Windows 8 und ist vor allem auf Tablets nützlich. Vom Desktop aus lässt sich die vollflächige Darstellung auch über die Windows-Taste aktivieren.

Settings: In erster Linie heben sich die Systemeinstellungen von Windows 10 optisch durch eine feinere Grafik von denselben Funktionen in Vorversionen ab.

Wo soll es hin? Nutzer von Windows-Smartphones kennen diese Funktion bereits: Per Storage Sense kann man Dateien je nach Dateityp an unterschiedlichen Orten speichern lassen.

Alles auf Anfang! Oder lieber doch nicht? Windows 10 bietet verschiedene Möglichkeiten, das Betriebssystem aufzufrischen oder zu einer vorherigen Version zurückzukehren, ohne dass dabei Daten verloren gehen.

Mehr Privatsphäre: In den Privatsphäre-Einstellungen lässt sich sehr kleinteilig festlegen, welche Apps beispielsweise Mikrofon und Webcam nutzen dürfen und welche die Standortinformationen.

Individualisierung: Für viele Anwendungen lässt sich einstellen, welche App das System als Standard verwenden soll. Ist keine alternative App vorhanden, kann man sich passende Apps im Windows Store anzeigen lassen.

Windows-Explorer: Eine etwas aufgefrischte Optik sorgt für ein moderneres Erscheinungsbild. Zwischen unterschiedlichen Darstellungsgrößen kann man mit der Tastenkombination STRG-SHIFT-Zahl umschalten.

Mittendrin: Microsofts Online-Speicher OneDrive ist in Windows 10 so tief integriert, dass er sich fast wie eine lokale Festplatte nutzen lässt.

Benachrichtigungszentrum: Das sogenannte Notification Center informiert über aktuelle Systemmeldungen, neue Nachrichten und anstehende Termine. Auch Drittanbieter-Apps können diesen Platz nutzen.

Neuer Windows Store: Parallel zu Microsofts etablierten Onlineshop wird in der neuen Windows-10-Version die Betaversion einer überarbeiteten Variante angeboten.

Spielkram: Beim ersten Aufruf der neuen Xbox-App wird man unmissverständlich darauf hingewiesen, dass diese Software noch nicht fertig ist. Updates sollen aber regelmäßig eingespielt werden.

Der Beweis: Schon beim kurzen Ausprobieren der Xbox-App zeigt sich, welche großen Lücken darin noch klaffen. Beim Aufruf vieler Funktionen erscheint nur der Hinweis, diese würden "bald kommen".

Gut synchronisiert: Die Photos-App von Windows 10 erinnert an ihr Pendant auf Windows-Smartphones, mit dem die Bildbestände via Cloud abgeglichen werden. Auch hier klaffen noch viele Funktionslücken.

Da geht schon was: Grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen lassen sich mit der Photos-App schon ausprobieren.

Wissen, was geht: Die Karten-App von Windows 10 basiert auf Nokias Here-Maps und zeigt deshalb dieselben Kartendaten und Verkehrsinformationen an, die man auch in den Here-Apps für Smartphones zu sehen bekommt.

Schiefes Bild: Auch eine perspektivische Ansicht bietet die Karten-App. Leider scheinen die Kartendaten nicht überall aktuell zu sein. Die hier eingezeichnete Tankstelle beispielsweise gibt es schon seit Jahren nicht mehr.

Ein bisschen spartanisch: Grundsätzlich wird Windows 10 noch mit dem Internet Explorer ausgeliefert. Indem man in dessen Adresszeile about:flags eintippt und dann die "Experimental Web Platform Features" auf "Enabled" stellt, kann man aber immerhin schon die dem künftigen Microsoft-Browser zugrundeliegende Trident-Engine aktivieren - auf eigene Gefahr.

Zum Plappern: In die US-Variante von Windows 10 ist bereits eine Vorabversion der sprachgesteuerten Assistenzfunktion Cortana integriert.

Verkehrte Wahrnehmung: Bei manchen Fragen, die man an Cortana richtet, merkt man eindeutig, dass die Software sich auf einem Smartphone wähnt. Hier haben wir gefragt: "What's up?" Cortana gab es bisher nur auf Windows-Smartphones.

Basiswissen: Grundsätzlich lässt sich Cortana mit fast beliebigen Fragen testen. Nicht immer aber erhält man so konkrete Antworten wie hier auf die Frage, wie viele Liter eine US-Gallone sind.

Weiterführende Antwort: Bei manchen komplexen Fragen verweist Cortana nur auf eine Websuche per Bing. Das System steckt eben noch in der Entwicklungsphase.

Ein wenig Humor: Auch auf die Frage, wer denn wohl Siri - Apples Gegenstück zu Cortana - ist, hat das System eine Antwort. Wenn auch eine nur teilweise ernst gemeinte.

Apps, Apps, Apps

Denn an Apps hat es bisher vor allem beim Smartphone-Windows gehapert. Zwar gibt es mittlerweile viele Programme für Windows Phone, doch das Angebot kommt immer noch nicht an die Fülle der App Stores für iPhones und Android-Handys heran. Mit vier Maßnahmen will der Konzern das nun ändern:

  • Unter dem Codenamen Project Astoria wird ein System entwickelt, das es Entwicklern ermöglicht, für Android geschriebene Apps mit wenig Aufwand so umzubauen, dass sie in einer Art Android-Subsystem auf Windows-Handys laufen.
  • Als Project Islandwood wird ein System bezeichnet, mit dem Entwickler den Quellcode von iOS-Apps in Microsofts Entwicklersoftware Visual Studio umkopieren und dort für Windows-Smartphones anpassen können.
  • Sogar Webangebote sollen unter Windows 10 zu Apps werden. Es heißt, beim Project Westminister müsse man nur die Internetadresse einer Seite angeben und auf Veröffentlichen klicken, um aus einem Webangebot eine App zu machen.
  • Unter dem Projektnamen Centennial soll ein System angeboten werden, mit dem sich herkömmliche Windows-Programme in Apps für Windows 10 umwandeln lassen.

Eine App für alle Geräte

Dieses Maßnahmenpaket zeigt, dass Microsoft erkannt hat, wie wichtig ein umfangreiches Angebot attraktiver Apps sein wird, um Windows 10 populär zu machen. Aber es geht um noch mehr. Denn Apps für Windows 10 sollen universell nutzbar sein.

Man kauft also keine Smartphone-App oder eine PC-App. Stattdessen sollen Windows-10-Apps in der Lage sein, auf allen Geräten zu laufen, auf denen Microsofts neues System installiert ist. Das kann ein Raspberry-Pi-Minicomputer sein, ein Tablet, ein Smartphone oder ein PC.

Augmented-Reality-Brille HoloLens: Apps funktionieren ohne Umbau Zur Großansicht
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Augmented-Reality-Brille HoloLens: Apps funktionieren ohne Umbau

Sogar auf der Augmented-Reality-Brille HoloLens sollen die Apps ohne weitere Anpassungen funktionieren. Microsofts Continuum genannte Technik, mit der sich eine App an die Hardware des jeweiligen Geräts anpasst, also etwa zwischen PC- und Tablet-Modus wechselt, wird es nun auch für Smartphones geben.

So könnte man eine App auf dem Handy öffnen, das Handy mit einem Fernseher verbinden und dann per Bluetooth-Tastatur auf einer an den Fernseher angepassten Version der App weiterarbeiten.

Die Kunden umgarnen

Diese Vereinheitlichung ist äußerst geschickt. Nicht nur aus Sicht der Anwender, für die es damit leichter werden dürfte, mit Apps umzugehen. Sondern vor allem aus Microsofts Sicht: Wenn der Plan aufgeht, wird Windows 10 seine Nutzer ebenso umgarnen und ebenso vielfältig an sich binden, wie es Apple heute schon mit seinem engverwobenen Ökosystem aus Mac OS X und iOS macht.

So wie ein iPhone-Nutzer am liebsten einen Mac haben möchte, weil die beiden Geräte und deren Software so nahtlos zusammenarbeiten, werden Windows-Nutzer künftig dazu neigen, sich ein Windows-Smartphone anzuschaffen. Eben weil man dann dieselben Apps, dieselbe Musik, dieselben Filme auf PC, Tablet und Smartphone wird nutzen können und sich schnell auf neuen Geräten zurechtfindet, wenn man sich erst einmal an das neue Windows gewöhnt hat.

Ob diese Strategie funktioniert, wird man spätestens 2018 nachprüfen können. Dann sind die zweieinhalb Jahre abgelaufen, in denen Terry Myerson eine Milliarde Geräte mit Windows 10 bestückt haben will. An dieser Prognose wird sich der Konzern messen lassen müssen.

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insgesamt 102 Beiträge
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1. Klingt alles sehr gut
zeichenkette 30.04.2015
Microsoft meint es inzwischen Ernst, keine Frage. Aber es wird sich natürlich erst zeigen müssen, wie gut das alles klappen wird und wie die Benutzer, Entwickler und Anbieter darauf anspringen. Windows 10 sieht aber immer interessanter aus, das muss man dem Laden lassen.
2. Interessant wie sich MS entwickelt
olaf_olafson 30.04.2015
Nadella scheint MS gutzutun. Die HoloLens könnte wirklich was werden und Windows entwickelt sich zur Zeit wieder in eine gute Richtung. Aber erstmal müssen viele Fehler aus der Ballmer-Ära ausgebügelt werden. Was die App-Portierung betrifft habe ich da Zweifel am Erfolg. MS steht hier sehr unter Druck. Ohne Apps will niemand die Plattform (mobil) nutzen. Aber das einfache Portieren von iOS- und Android-Apps und selbst Web-Apps zu W10-Apps könnte nach hinten losgehen, da Portierungen generell nicht an native Apps heranreichen. Performance-Einbußen kann man oft verkraften, aber es gibt zusätzlich Design-Brüche und stark abweichende Bedienkonzepte. Außerdem werden völlig andere APIs genutzt. Man merkt einer App sofort an, dass sie nicht nativ ist sondern ohne viel Aufwand portiert wurde. Gute native Apps machen eine Plattform attraktiv. Die Zeit wird zeigen, ob es gelingt die Entwickler zu nativen Apps zu bewegen oder ob sich die Nutzer mit solch portierten Apps zufrieden geben.
3. Wenn man giftig wäre
michaelXXLF 30.04.2015
könnte man sagen, iOS und Android müssens jetzt für Windows rausreißen. Wie sieht das eigentlich rechtlich aus? Darf man das einfach so, irgendwelche Apps auf einem anderen OS laufen lassen?
4. Nichts verstanden
Harry143 30.04.2015
Eventuell bin ich ja in der Minderheit aber ich will auf meinem PC ein OS nutzen das für PCs entwickelt wurde und keins für mobile Systeme. Gleichzeitig will ich auf meinem Handy ein OS haben das für mobile Systeme optimiert wurde und nicht für PCs. Das heißt automatisch, dass ein System das für beide Plattformen entwickelt wurde stets schlechter ist. Das ist quasi zwangsläufig der Fall. Ist mir doch vollkommen egal, ob die beiden Systeme ähnlich sind, sie müssen schließlich auch unterschiedliche Dinge tun. Nur wenn Microsoft das versteht werde ich wieder ein neues Windows kaufen. Solange bleib ich bei Win 7 und wenn es keine passende Alternative gibt sobald Win 7 zu alt wird dann wechsle ich halt komplett den Anbieter.
5. Wenn man giftig wäre.....
caracho! 30.04.2015
....könnte man sagen, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Die Angebote richten sich an die Entwickler der Apps, und die dürfen natürlich ihre eigenen Apps für andere Plattformen anbieten.
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