Microsofts neues Betriebssystem Das soll Windows 8 können

Bald ist es soweit: Microsoft will einen Ausblick auf das nächste Windows geben. Was kann die neue Software? Schnellstart, Tablet-Unterstützung und eine Art App Store - SPIEGEL ONLINE hat zusammengetragen, was jetzt schon bekannt ist.

Windows 8 (Symbolbild): Ein erster Einblick am Dienstagabend
DPA

Windows 8 (Symbolbild): Ein erster Einblick am Dienstagabend

Von


Kaum war Windows 7 fertig, haben sich Microsofts Entwickler an das nächste Werk gemacht. Unter strenger Geheimhaltung entwickeln sie seither das nächste Windows, über das Microsoft nicht einmal verraten will, ob es wirklich Windows 8 heißen wird, wie man allgemein annimmt. An diesem Dienstagabend nun soll es soweit sein: Auf der Entwicklerkonferenz Build will der Konzern Software-Entwicklern zeigen, wie das nächste Windows aussieht und was es kann.

Vor allem bei der Geschwindigkeit soll das neue Windows zulegen. Schon im März kursierten Berichte, wonach sich die Software binnen acht Minuten auf einem PC installieren lässt. Das wäre geradezu sensationell. Nicht nur, weil ein aktuelles Windows 7 locker dreimal so lange braucht, sondern auch, weil die Highspeed-Installation sogar schon mit einer frühen Beta-Version möglich gewesen sein soll. Normalerweise sind solche frühen Versionen noch vergleichsweise langsam.

Allerdings bekam Windows 8 bei diesem Versuch auch kräftigen Rückenwind: Die Tester probierten die Schnellinstallation auf einem Achtkern-PC mit 24 Gigabyte Arbeitsspeicher aus.

Fotostrecke

5  Bilder
Samsung Slate PC: Ist das das Windows-8-Tablet?
Aber selbst wenn man nicht ganz so leistungsstarke Hardware benutzt, soll sich das neue System bei jedem Einschalten des PC positiv bemerkbar machen. Im "Building Windows 8"-Blog erklärt Entwicklungschef Steven Sinofsky, dass der Systemstart mit der neuen Software um bis zu 70 Prozent schneller erfolgen soll. In Tests an verschiedenen PC habe man Startzeiten von 15 bis 30 Sekunden gemessen.

Auf welcher Hardware die Testrechner basierten, gab Sinofsky nicht preis, wohl aber, dass der Trick darin besteht, Teile der Daten im Arbeitspeicher beim Ausschalten auf die Festplatte zu schreiben. Dadurch können beispielsweise Treiberprogramme, die etwa die Grafikkarte oder den Drucker steuern, schnell geladen und aktiviert werden.

Apple-Ähnlichkeiten

In mancher Hinsicht werden sich Mac-Anwender beim neuen Windows an Apples aktuelles Mac OS X 10.7 Lion erinnert fühlen. Beispielsweise wenn Programme im Vollbildmodus laufen, die Benutzeroberfläche des Betriebssystems also komplett ausblenden. Wie viele Mac-Nutzer diese Möglichkeit tatsächlich nutzen, lässt sich derzeit allerdings noch nicht beurteilen.

Einen App Store (so etwas bietet Apple für Macs schon länger an), wird es auch für Windows 8 geben. Den Software-Downloadshop bestätigte Sinofsky per Blogpost im August. Aus dem wird man sich dann vermutlich neben normalen Programmen auch jene Software laden können, die Microsoft Apps nennen will. Hier gibt es nun etwas Begriffsverwirrung: Apple nennt alle Programme Apps, bei Microsoft sind Apps nur bestimmte Helfer, nämlich die Nachfolger der Windows-Widgets. Es geht also um kleine Programme, die man auf dem Desktop verankern kann, um beispielsweise eine Weltzeituhr oder einen Taschenrechner stets parat zu haben. Apple nennt solche Mini-Programme übrigens Widgets.

Extras für Touchscreens

Windows 8 wird sich ein gutes Stück weit vom PC lösen. Zwar wird das Betriebssystem auch weiterhin auf gewöhnlichen Desktop-Rechnern und Notebooks laufen - aber eben nicht nur. Vor allem Geräte mit Touchscreen werden von der neuen Benutzeroberfläche profitieren, die Microsoft-Entwickler jener des Handy-Betriebssystems Windows Phone 7 angeglichen haben. Der neue Windows-Desktop kann mit Kacheln überzogen sein, die unterschiedliche Nutzungsbereiche repräsentieren, zum Beispiel den Kalender, den Posteingang, das Adressbuch. Ein Klick auf eine solche Kachel öffnet die dahinter liegende Anwendung.

Allerdings ist zu vermuten, dass diese Oberfläche nur auf Tablet- und Touchscreen-Rechnern automatisch aktiviert wird, und dass es auf gewöhnlichen PC weiterhin einen herkömmlichen Desktop geben wird - schon aus Kompatibilitätsgründen.

Die Einführung dieser Live Tiles genannten Kacheln ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Zum einen bedient Microsoft damit nicht nur die ausgesprochen kleine Zielgruppe jener Anwender, die Touchscreens am Desktop-PC benutzen. Vor allem aber dürften die Nutzer von Tablet-PC davon profitieren. Ausgerechnet in diesem boomenden Markt führt Windows 7 derzeit ein Nischendasein - es ist für diese Nutzung nicht entwickelt worden. Es gibt Hinweise darauf, dass Microsoft Windows auf Tablets ausrichtet: So stellt zum Beispiel der Hersteller Samsung ein Slate PC genanntes Tablet vor - vielleicht bereitet sich der koreanische Konzern bereits auf die Produktion von Windows-8-Tablets vor.

Nicht nur Intel-Chips

Mit Windows-Tablets will Microsoft wohl verlorenes Land gutmachen. Das nächste Windows wird nicht mehr exklusiv auf Intel und kompatiblen Prozessoren laufen. Das neue Windows wird auch an die Strom sparende Arm-Architektur angepasst, auf der die meisten Tablet-Prozessoren basieren. Dieser Schritt ermöglicht es, leichte, billige und stromsparende Windows-Tablets zu bauen.

Auf diesen Windows-Tablets mit Arm-Prozessoren werden allerdings nur Programme laufen, die für diese Chips umgeschrieben wurden. Alte Windows-Software wird nicht funktionieren, weil sie Funktionen der Intel-Chips benötigt. Wie schwierig es für Entwickler wird, ihre Software für die Spar-Prozessoren anzupassen, ist derzeit nicht öffentlich bekannt. Microsoft arbeitet angeblich schon an eigener Arm-Software - denkbar wäre ein Word für Tablets.

Diese Anpassung an Arm-Prozessoren in Kombination mit der Vereinheitlichung der Benutzeroberflächen von Windows 8 und Windows Phone 7 brächte Microsoft etliche neue Möglichkeiten. Vor allem würde sie Nutzern eine einheitliche Windows-Optik bieten, egal ob sie gerade einen Desktop-Rechner, ein Windows-Tablet oder ein Windows-Handy bedienen. Mit diesem Vereinheitlichungstrick binden Konzerne Anwender an sich und ihr Ökosystem - das hat Apple vorgemacht.

Für die Entwickler, die an Microsofts Build-Konferenz teilnehmen, ist womöglich eine ganz andere Frage ebenso wichtig: Was verschenkt Microsoft dieses Mal? Vor der Veröffentlichung von Windows 7 verteilte der Konzern auf einer solchen Konferenz Laptops, auf denen einen Vorabversion der neuen Software lief. In diesem Jahr - so orakelt das IT-Blog "All Thing D" - könnte Microsoft Teilnehmern ein Tablet mit einer Vorabversion von Windows 8 geben. Die passende Hardware könnte Samsung liefern.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 125 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kleinzack 13.09.2011
1. das schnellste Windows wäre ein Windows, das
nicht alle zuladbaren Programme beim Start aufmacht, sondern diese nur dann zulädt, wenn sie benötigt werden. Das würde aber Schnittstellen auch für andere Anbieter öffnen und das will Bill G. wohl nicht.
Knarzi 13.09.2011
2. Ist es denn...
... nicht einmal Möglich einen Artikel in Netzwelt ohne Bezug auf Apple zu schreiben?
Segantini 13.09.2011
3. Alles wie immer
»In mancher Hinsicht werden sich Mac-Anwender beim neuen Windows an Apples aktuelles Mac OS X 10.7 Lion erinnert fühlen.« Das war schon beim allerersten Windows so, und das wird wohl auch immer so sein. Wo stünde Microsoft, wäre da nicht jene andere Firma, die immer wieder den Weg aufzeigt? Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als Maussteuerung und Symbole auf dem Bildschirm als unprofessionell belächelt wurden.
XRay23 13.09.2011
4. ???
Zitat von kleinzacknicht alle zuladbaren Programme beim Start aufmacht, sondern diese nur dann zulädt, wenn sie benötigt werden. Das würde aber Schnittstellen auch für andere Anbieter öffnen und das will Bill G. wohl nicht.
Verstehe ich nicht, man kann doch den Autostart beinflussen? Bei mir wird das geladen was geladen werden soll. Falls es hilft: http://www.dirks-computerecke.de/pc-probleme/winxp_autostart.htm Schnittstellen für andere Programmierer wurden massig geöffnet. Microsoft unterstützt ferner die Entwicklung von Linux. Für den 3.0er Kernel wurden fast 350 Änderungen eingereicht. Bereits seit Jahren unterstützt MS die Open source und Linux Community hinsichtlich Schnittstellen für Treiber etc. . Das "böse Image" ist irgendwie nicht mehr vorhanden. Ich war nie großer Freund von Microsoft, aber da hat sich in den letzten Jahren so einiges verändert...
ismirschlecht 13.09.2011
5. Alle Jahre wieder ...
Ich arbeite mit Windows seit der Version 3. Und jedesmal wird uns die *selbe* Story aufgetischt: Windows wird schneller. Es ist die reine Lachnummer. Wen interessiert in der tgl. Arbeit, wie schnell man Windows auf einem Rechner installiert? Das interessiert Redakteure und Admins. Sonst ist es bedeutungslos. Wimndows startet schnell? Sicher ab Version 8 wird das Versprechen seit der Version 3 endlich eingelöst. Wann war Win 3: 1990? :) Win 7 habe ich auf einem Netbook. Wenn ich "mal schnell" was surfen will, dann ist das Ding erstmal zwischen 30 und 60 min beschäftigt, Patches und haste nicht gesehen zu installieren. Am besten man startet fas Teil, geht duschen, frühstücken, aber zwischendrin immer mal schauen - um irgendwelche Bestätigungen zu klicken. Bei dem Vorgang gehen schon mal schnell ein paar 100 MB von meiner Vodafone 5GB "Flatrate" ab. Auf dem Rest meiner Rechner läuft noch Windows 95. Ich muss arbeiten mit dem Zeug, nicht testen. Ja, ja, mit Win 8 wird das alles super. Garantiert!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.