IC-Prototyp Historischer Mikrochip findet keinen Käufer

Der Prototyp des ersten integrierten Schaltkreises aus dem Jahr 1958 blieb bei einer Auktion in New York ein Ladenhüter. Niemand wollte für den von Nobelpreisträger Jack Kilby entwickelten Ur-Prozessoren den geforderten Millionen-Preis zahlen.

Elf Millimeter Germanium, Kleinteile und Drähte: Jack Kilbys IC-Prototyp
DPA

Elf Millimeter Germanium, Kleinteile und Drähte: Jack Kilbys IC-Prototyp


New York - Ein mehr als 50 Jahre alter Mikrochip-Prototyp hat bei einer Versteigerung in New York keinen Käufer gefunden. Das Minimalgebot sei nicht erreicht worden, teilte Christie's in New York mit. Das Auktionshaus hatte mit einem Erlös zwischen einer und zwei Millionen Dollar (bis 1,5 Millionen Euro) gerechnet. Das höchste Gebot lag aber bei nur 850.000 Dollar und verfehlte damit den geforderten Mindestpreis, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Der Mikrochip werde nun möglicherweise bei einer weiteren Auktion versteigert oder privat verkauft, hieß es in der Nacht zum Freitag.

Der 1958 hergestellte Prototyp stammt von dem US-Ingenieur Jack Kilby (1923-2005). Das insgesamt rund 50 mal 50 Millimeter große Stück besteht aus einem Germanium-Mikroplättchen und einigen Kabeln, die auf zwei Glasplatten montiert sind, und gilt als erster integrierter Schaltkreis (IC). Auch wenn einige andere Ingenieure ebenfalls an ähnlicher Technik gearbeitet hatten, gilt Kilby heute als "Vater des Mikrochips". Heute sind moderne PC-Chips allerdings um ein Vielfaches kleiner - und beherbergen viele Milliarden Transistoren.

Der in Jefferson City im Bundesstaat Missouri geborene Elektrotechniker arbeitete zur Zeit der Erfindung bei Texas Instruments. Später ließ er sich den Schaltkreis patentieren. Aber erst zusammen mit einer Reihe weiterer Erfindungen entstand einige Jahre später der erste kommerzielle Mikrochip, der den Grundstein für das heutige Computerzeitalter legte. So gilt auch Robert Noyce, Mitbegründer des heute weltweit größten Chipherstellers Intel, als Co-Erfinder des integrierten Schaltkreises. Kilby erhielt für seine Erfindung im Jahr 2000 den Nobelpreis.

Dass das Germanium-Plättchen nun bei Christie's zum Ladenhüter wurde, dürfte nach Einschätzung von Experten am sehr hoch angesetzten Minimalgebot liegen. "Dieser Preis liegt in der Stratosphäre", sagte Dag Spicer, Kurator am Computer History Museum im kalifornischen Mountain View Bloomberg.

"Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, wer ein potenzieller Käufer sein könnte", sagte Spicer. Der Kreis finanzkräftiger Interessenten sei äußerst klein. Und für die meisten Museen, die ein Interesse an diesem Meilenstein des modernen Computerzeitalters haben könnten, liege der Preis weit außerhalb ihrer Möglichkeiten.

mak/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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aha47 20.06.2014
1. Traurig...
Vor ein paar Tagen wird ein alter Fetzen Papier für 9,5 Mio $ versteigert, für einen Meilenstein der Technikgeschichte und der unserer aktuellen Zivilisation findet sich kein Käufer. Ein Trauerspiel.
schmusel 20.06.2014
2.
Zitat von aha47Vor ein paar Tagen wird ein alter Fetzen Papier für 9,5 Mio $ versteigert, für einen Meilenstein der Technikgeschichte und der unserer aktuellen Zivilisation findet sich kein Käufer. Ein Trauerspiel.
Kein Trauerspiel, sondern individuelle Wertschätzung von ansich wertlosen Objekten.
curiosus_ 20.06.2014
3. Es gibt keine ...
Zitat von schmuselKein Trauerspiel, sondern individuelle Wertschätzung von ansich wertlosen Objekten.
...."an sich" wertlose Objekte. Genauso wie es keine "an sich" wertvollen Objekte gibt. Ein Objekt ist immer so viel wert, wie einer bereit ist dafür zu zahlen.
wolfi7777 20.06.2014
4. Was hat Kilby von diesem Geld?
We würde dieses Geld denn einsacken - Kilby ist ja schon tot. Seine Erben sicher nicht! Wenigstens hat man seine Leistung geehrt. Wie bei Künstlern kommt das dicke Geld ja meist, wenn die Schöpfer nichts mehr davon haben.
wavuu 20.06.2014
5.
Zitat von sysopDPADer Prototyp des ersten integrierten Schaltkreises aus dem Jahr 1958 blieb bei einer Auktion in New York ein Ladenhüter. Niemand wollte für den von Nobelpreisträger Jack Kilby entwickelten Ur-Prozessoren den geforderten Millionen-Preis zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/mikrochip-prototyp-findet-bei-christies-auktion-keinen-kaeufer-a-976476.html
Der erste IC war mit Sicherheit kein Prozessor, sondern ein analoger Sinus-Generator wenn ich mich nicht täusche. Prozessoren gab es übrigens schon lange vor dem IC. Wenn ich naturwissenschaftliche oder technische Artikel bei SPON lese kann ich meistens nur mit dem Kopf schütteln. Keine Ahnung von den Grundlegendsten Dingen, zu faul einfachste Sachen mal kurz nachzulesen. Erbärmlich, leider.
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