Minutenprotokoll: iPad wird dicker und schärfer

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Apple-Chef Tim Cook präsentiert das iPad 3. Das Tablet hat beim Gewicht ein bisschen zugelegt, der Bildschirm bekommt eine erheblich höhere Auflösung, der Preis bleibt gleich. Die Präsentation im Minutenprotokoll.

Neues iPad: Schneller, dicker, detaillierter Fotos
AP

Apple hat mit dem iPad vor zwei Jahren einen völlig neuen Markt geschaffen: Auf einmal kaufen Millionen Menschen Tablets. Von diesem Boom profitiert inzwischen aber auch die Konkurrenz. Im letzten Quartal 2011 verkaufte Apple 15 Millionen iPads weltweit. Im selben Zeitraum wurden aber auch mehr als 11 Millionen Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android abgesetzt - das sind fast vierzig Prozent Marktanteil.

Auf die erstarkende Konkurrenz hat Apple am Mittwochabend wie erwartet reagiert: Es gibt ein neues iPad mit verbesserter Technik (erheblich höhere Bildschirmauflösung, schnellerer Prozessor, neue Mobilfunkstandards wie LTE) zum Preis der Vorgängermodelle. Das iPad 2 bleibt als günstiges Einstiegsmodell im Angebot: 399 Dollar soll das günstigste Modell kosten.

Lesen Sie im Minutenprotokoll nach, wie Apples iPad-Präsentation verlief:

[20.25 Uhr] One more thing? Vertagt.

Nein, nicht heute. Tim Cook verabschiedet sich, verspricht "Innovationen" in diesem Jahr. Im Hintergrund taucht dieser Spruch auf: "2012, man kann auf vieles gespannt sein."

[20.20 Uhr] iPad 2 wird zum Günstig-Tablet

Apple wird das iPad 2 weiterhin verkaufen - 399 Dollar soll das günstigste Modell kosten. So könnte Apple preiswerten Android-Tablets Konkurrenz machen. Tim Cook betritt wieder die Bühne und spricht vom "verblüffenden neuen iPad". Er sagt zum Abschied ziemlich oft "verblüffend" ("amazing"): "Verblüffend" sei auch das iPad 2, vor allem zum neuen Preis, "verblüffend" sei auch iPhoto.

[20.19 Uhr] Die dritte Generation

Nun läuft ein Werbevideo für das neue iPad - darin heißt es "das iPad der dritten Generation". Warum diese Geheimniskrämerei bei der Namensgebung?

[20.05 Uhr] Bildbearbeitung fürs iPad

Phil Schiller zeigt neue Versionen bekannter Apple-Apps fürs iPad (iMovie, Garageband, iWork). Ganz neu ist iPhoto - Bildbearbeitung am Tablet mit Filtereffekten, Pinseln und einigen Präsentationsvorlagen. Man kann mit Fingergesten einzelne Bildbereiche aufhellen oder abdunkeln, indem man darüber streicht. Das Programm richtet sich augenscheinlich an Einsteiger - offenbar kann man nur Aufnahmen im JPG-Format importieren. Immerhin: iPhoto auf dem neuen iPad soll Fotos mit einer Auflösung von bis zu 19 Megapixeln bearbeiten können. Das ist eine Menge, aber für neue Kameras wie die Sony Nex-7 mit ihren 24,3 Megapixeln zu wenig.

[19.55 Uhr] Seitenhieb auf Spielkonsolen

Mike Capps vom Spieleentwickler Epic Games soll vorführen, was das neue iPad kann: Er spielt ein wenig mit der neuen Version des Action-Rollenspiels "Infinity Blade" und lobt die Hardware - die Bildschirmauflösung sei höher als bei der Xbox 360 und der PS3, außerdem habe das iPad mehr Arbeitsspeicher als die Konsolen.

[19.45 Uhr] Der Preis bleibt gleich

In den Vereinigten Staaten ist das neue iPad Mitte März erhältlich. Das günstigste Modell (16 GB Speicherplatz, W-Lan) soll 499 Dollar kosten - so viel wie die günstigsten Vorgängermodelle. Die Preise in Deutschland sind noch nicht bekannt, allerdings kostete das günstigste iPad 2 beim Verkaufsstart hierzulande 479 Euro. Zeitgleich zum US-Verkaufsstart soll das neue iPad auch in Deutschland erhältlich sein - am 16. März. Um den Namen des neuen Tablets haben die Apple-Manager sich bisher gedrückt. Sie sprechen nur vom "neuen" iPad. Wird es iPad 3 heißen? iPad HD? iPad Retina?

[19.42 Uhr] Etwas dicker, gleiche Akkulaufzeit

Das iPad hat etwas zugelegt - 9,4 Millimeter soll es dick sein, beim iPad 2 waren es nun 8,8. Etwas schwerer wird es auch, dafür verspricht Apple dieselbe Akkulaufzeit wie bei den Vorgängern: Zehn Stunden soll das neue iPad durchhalten, bei Mobilfunknutzung neun.

[19.35 Uhr] Neue Kamera, neuer Prozessor, LTE

Nun zu Technik-Details: Die Kamera im neuen iPad nimmt Fotos mit fünf Megapixeln Auflösung auf, der neue Chip heißt A5X und soll viermal schneller sein als der Vorgänger A5. Außerdem kann das Mobilfunkmodul im neuen Apple-Tablet erheblich schneller Daten übertragen - vorausgesetzt man ist in einer Gegend, wo die Sendemasten mit dem neuen LTE-Standard ausgerüstet sind. Auch die in Europa verbreiteten schnellen Funkstandards HSPA+ und DC-HSPA+ unterstützt das iPad 3.

[19.26 Uhr] Das neue iPad!

Wie erwartet: Das neue Apple-Tablet hat eine erheblich höhere Auflösung als der Vorgänger. 2048 x 1536 Bildpunkte zeigt der Bildschirm - beim Vorgängermodell waren es 1024 x 768 Pixel. Apple-Manager Phil Schiller löst Tim Cook auf der Bühne ab, er preist die Auflösung des neuen iPad: Aus etwa 40 Zentimetern Abstand könne man nicht einzelne Pixel ausmachen.

[19.20 Uhr] Ein neues iPad?

Nun zum Selbstlob: Tim Cook feiert Apples Erfolg mit dem iPad. Man habe "das beste Gerät" geschaffen für Dinge, die Menschen am häufigsten mit Rechnern machen: E-Mail, Spiele, E-Books. Bei so viel Lob stellt Cook wohl bald das neue Apple-Tablet vor.

[19.14 Uhr] Filme aus der Cloud, neues Apple TV

Kein Fernseher, aber eine neue Settop-Box mit höherer Auflösung: Das neue Apple TV zeigt Videos in Full HD (1080p). Das kleine schwarze Kästchen stöpselt man weiterhin an seinen Fernseher. In den USA wird es so viel kosten wie das Vorgängermodell: 99 Dollar. In Zukunft soll man einmal gekaufte Filme von Apples Servern direkt auf die Endgeräte streamen können.

[19.09 Uhr] Siri spricht Japanisch

Ganz langsam kommt Cook zur Sache. Die erste Produktankündigung ist allerdings wenig überraschend: Apple sprachgesteuerter iPhone-Assistent Siri sprich von nun auch Japanisch.

[19.05 Uhr] Das Zeitalter des PC ist vorbei

Es geht heute Abend wohl um Tablets. Tim Cook spricht vom Ende der PC-Ära. Apple habe im vergangenen Jahr 76 Prozent seines Umsatzes mit "Nach-PC-Geräten" verdient, sprich: iPads, iPhones und iPods. 172 Millionen dieser Geräte habe Apple 2011 verkauft.

[19.00 Uhr] Tim Cook betritt die Bühne

Im Yerba Buena Center in San Francisco hatte Apple-Mitgründer Steve Jobs im Januar 2010 das iPad vorgestellt. Nun betritt sein Nachfolger Tim Cook die Bühne - in dunklem Hemd und Jeans.

[18.55 Uhr] Kleiner Kreis bei Apple in London

Von der europäischen Apple-Präsentation in London berichtet Matthias Kremp, auf Twitter und in diesem kontinuierlich aktualisiertem Artikel. Die Vorstellung von Apple-Chef Tim Cook wird aus San Francisco per Satellit nach London übertragen, 150 europäische Journalisten wurden als Gäste für diese Live-Übertragung zugelassen.

[18.45 Uhr] Android holt auf, Apple braucht ein neues iPad

Apple muss darauf reagieren, dass Android-Tablets langsam aufholen. Der Tabletmarkt, den Apple 2010 mit dem iPad überhaupt erst schuf, hat sich in den vergangenen Monaten sehr verändert:

  • Ende 2011 hatte Apple insgesamt 55 Millionen iPads verkauft, davon allein 15 Millionen im letzten Quartal 2011.
  • Der Tablet-Markt wächst rasant, davon profitieren aber auch mehr und mehr auch Apples Konkurrenten. Mehr 11 Millionen Tablet mit dem Google-Betriebssystem Android wurden im letzten Quartal 2011 weltweit verkauft - das sind fast vierzig Prozent Marktanteil.

Apple muss diesem Angebote an neuen, zum Teil erheblich preiswerteren Geräten etwas entgegensetzen. Günstigere Modelle vielleicht? Oder neue Technik zum selben Preis? Im Vorfeld der Produktvorstellung haben einige IT-Branchendienste berichtet, das neue iPad werde eine höhere Bildschirmauflösung bieten und den schnellen Mobilfunk-Übertragungsstandard LTE integrieren. Wenn das so kommt, werden viele Beobachter mit Sicherheit enttäuscht reagieren. Bloß ein neuer Bildschirm? Langweilig! Langeweile bei einigen führt aber nicht zum Misserfolg: Auch das iPad 2 unterschied sich nicht fundamental vom Vorgänger, verkauft sich aber erheblich besser.

Google ahmt Apples iTunes-Komplettpaket nach

Das liegt nicht allein an der Hardware. Apple bietet für seine iPads und iPhones ein sehr umfangreiches und vielfältiges Angebot an Spielen, Büchern, Filmen und Musikstücken - alles digital mit einem iTunes-Account käuflich. Google bessert sein Unterhaltungs-Angebot für Android-Tablet und Mobiltelefone nach: Am gestrigen Dienstag kündigte Google einen neuen, umfassenden Dienst namens "Google Play" an, der - wie iTunes - Spiele, Anwendungen, E-Books und Musik bieten soll (vorerst nur für US-Kunden). Irgendwann wird Apple in dem Bereich nachbessern müssen, um den Vorsprung zu behalten.

Im Vergleich zu den Hardware-Umsätzen sind die iTunes-Verkäufe für Apple rein rechnerisch wohl nicht besonders groß. Der Konzern listet nicht klar auf, wie viel er an Apps, Digitalmusik und anderen Downloads verdient. Die Umsätze weist Apple nur gebündelt aus - zusammen mit denen, die bei iPod-Dienstleistungen und Zubehör anfallen. Die Summen sind aber vergleichsweise gering: Zwei Milliarden Dollar Umsatz machte Apple im vergangen Quartal mit allen Download-Angeboten (iTunes Store, App Store, iBookstore) - im selben Zeitraum setzte der Konzern mit 24 Milliarden Dollar mit iPhones und 9 Milliarden mit iPads um.

Mit Apps hat Apple bisher nur 1,7 Milliarden Dollar umgesetzt

Mit dem Verkauf von Apps allein dürfte der Konzern im gesamten Zeitraum von 2008 bis heute nicht einmal 1,7 Milliarden Dollar eingenommen haben. Am Montag veröffentlichte Apple Zahlen zum App Store: Seit dem Start im Juli 2008 habe man mehr als vier Milliarden Dollar an Entwickler ausgeschüttet. Geht man davon aus, dass Apple 30 Prozent vom Verkaufspreis für sich behält, kommt man auf die 1,7 Milliarden Dollar App-Umsatzanteil für Apple.

Apple verdient vor allem mit Hardware, deshalb hat der Konzern ein neues iPad-Modell dringend nötig.

Statista

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iPad-Modelle im Vergleich
Produkt iPad 1 iPad 2 iPad 3
Gewicht
(Gramm)
680 (W-Lan) / 730 (3G) 601 (W-Lan) / 613 (3G) 652 (W-Lan) / 662 (4G)
Bildschirm 9,7 Zoll 9,7 Zoll 9,7 Zoll
Auflösung 1024 × 768 px 132 PPI 1024 × 768 px 132 PPI 2048 x 1536 px 264 PPI
Dicke (ca.) 1,3 cm 0,88 cm 0,94 cm
Akkulaufzeit 10 h 10 h 10 h
Arbeits-
speicher
256 MB 512 MB derzeit unbekannt
Prozessor 1 GHz Apple A4 1 GHz Apple A5 Apple A5X
Speicher 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB
Kameras - 2 Video-
kameras
2 Video-
kameras
Markt-
einführung
10.5.2010 (D) 25.3.2011 (Europa) 16.3.2012 (D)
Preis 16 GB WiFi (zum Verkaufsstart) 499 Euro 479 Euro 479 Euro

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