Mobiles Bezahlen: Smartphones werden Kreditkarten-Terminals

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Niedrige Gebühren und kostenlose Hardware: Kreditkartenzahlungen sollen bald auch für Kleinunternehmen und Selbständige Alltag sein, versprechen Start-ups aus Deutschland. Drei Firmen rangeln darum, wer zuerst bei Pizzaboten, Bäckern und Imbissbetreibern das Plastikgeld einführen kann.

Mobiles Bezahlen: Das Lesegerät wird auf den Kopfhöreranschluss aufgesteckt Zur Großansicht
Sumup

Mobiles Bezahlen: Das Lesegerät wird auf den Kopfhöreranschluss aufgesteckt

Mehr als 125 Millionen EC- und Kreditkarten sind in Deutschland im Umlauf, dennoch akzeptieren viele kleine Geschäfte, Dienstleister und Restaurants nur Bargeld. Für sie kommen EC- und Kreditkartenterminals wegen der Kosten oft nicht in Frage. Neben einem Anteil von mehreren Prozent der abgerechneten Summen verlangen deren Betreiber meist auch noch Monats- und Transaktionsgebühren. Mit alternativen Angeboten und niedrigen Gebühren wollen mehrere Firmen das Plastikgeld jetzt doch auch für Kiosksbetreiber, Bäcker oder Kurierfahrer attraktiv machen.

Das günstigste Angebot legt Sumup mit 2,75 Prozent Transaktionsgebühr vor. Nur wenig teurer ist Payleven, die neue Firma der Samwer-Brüder, die amerikanische Geschäftsmodelle in Europa adaptieren. Payleven verlangt allerdings neben 2,95 Prozent Transaktionsgebühr noch weitere neun Cent pro Zahlung. Die Kosten bei Streetpay liegen dazwischen, betragen 19 Cent plus 2,75 Prozent vom Rechnungsbetrag. Allen drei Angeboten gemein ist, dass sie ganz auf Grundgebühren verzichten und keine teuren Zahlungsterminals benötigen. Stattdessen setzen sie ein Smartphone voraus, auf dem eine App die Zahlungsabwicklung übernimmt.

Kurios: Sowohl Payleven als auch Sumup scheinen einen Frühstart hingelegt zu haben, nachdem sich Gerüchte breit gemacht hatten, einer von beiden werde sein Angebot am Donnerstag publik machen. Beide wollten für sich reklamieren können, der Erste gewesen zu sein. Dabei ist der bereits vergeben: Schon im Juni kündigte der Zahlungsdienstleister Masterpayment mit Streetpay ein vergleichbares Angebot an.

Auffällig ist, dass alle drei Unternehmen auf den britischen Inseln beheimatet und dort als sogenannte Limiteds registriert sind. Streetpay und Payleven weisen für ihre Firmensitze Adressen in London aus, Sumup ist in Dublin zu Hause - hat aber eine Berliner Telefonnummer.

Unterschreiben mit dem Finger

Technisch sollen alle drei Systeme nach demselben Prinzip funktionieren: Zur Zahlungsabwicklung wollen die Dienstleister kostenlose Apps für iOS und Android zur Verfügung stellen. Um Kredit- und EC-Karten einlesen zu können wird außerdem ein Kartenlesegerät benötigt, das auf den Kopfhöreranschluss des Handys oder Tablets aufgesteckt wird. Die Unternehmen schicken ihren Kunden einen solchen Kartenleser kostenlos zu, sobald man sich registriert hat und die Bankverbindung verifiziert wurde.

Die Bezahlung selbst läuft dann so ab, dass der Händler den Rechnungsbetrag in der App eingibt oder aus einer selbst hinterlegten Liste von Produkten auswählt und die Kredit- oder EC-Karte des Kunden in das Lesegerät einsteckt oder durch das Lesegerät hindurchzieht. Der Kunde wiederum muss zunächst den Betrag auf dem Smartphone bestätigen und die Zahlung dann mit seiner Unterschrift autorisieren. Dieser Schritt dürfte vielen Menschen schwer fallen, da die Unterschrift auf den meisten Smartphones und Tablets mit einem Finger aufs Display gekritzelt werden muss.

Es geht auch ohne Gerät

Streetpay bietet zusätzlich die Option, den Kunden ganz ohne Kartenlesegerät zahlen zu lassen. Über die App wird dann lediglich die Rechnung erstellt. Der Kunde bekommt eine SMS mit einem Link, über den er zu einer Abrechnungsseite geleitet wird. Auf der wiederum muss er selbst, am eigenen Smartphone, seine Kreditkartendaten eingeben und die Zahlung bestätigen. Das ist ungefähr so komfortabel wie eine Autowäsche mit einer Schuhputzbürste, gibt dem Kunden aber das gute Gefühl, seine Karte und damit seine Daten nicht aus der Hand zu geben.

Alle drei Dienstleister geben allerdings an, den sogenannten PCI-DSS Level 1 (Payment Card Industry Data Security Standard) zu unterstützen, ein ohnehin verbindliches Regularium für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen, das unter anderem so simple Dinge wie "Einsatz und regelmäßige Updates von Virenschutzprogrammen" festlegt.

Nur eine App ist erst erhältlich

Außerdem versuche man die Händler bestmöglich vor Betrug und Zahlungsrückgaben zu schützen, erklärte ein Sumup-Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Das Unternehmen komme "für den Schaden auf, der dem Händler entsteht", sofern sichergestellt ist, "dass es sich nicht um einen Betrugsversuch seitens des Händlers handelt und dass die Anzahl der Rückbuchungen im vergleichbaren Rahmen für einen Händler dieser Art liegt."

Payleven will bei Tests mit etwa tausend Händlern im Bereich Berlin keine Sicherheitsprobleme registriert haben. "In den Tests gab es kaum Leute, die eine Transaktion abgebrochen haben, weil der Händler die Karte durch ein iPhone ziehen wollte", sagte Payleven-Mitgründer und -Geschäftsführer Alexander Zumdieck der Nachrichtenagentur dpa. "Ich kann guten Gewissens behaupten, dass Payleven sicher ist und dass sich da keiner Sorgen machen muss."

Sofort loslegen können interessierte Händler trotz der Ankündigungen der drei Firmen noch nicht. Streetpay befindet sich noch in einer Beta-Phase, nimmt lediglich Reservierungen entgegen. Payleven verweist drauf, dass seine Apps "in Kürze" verfügbar sein werden. Lediglich die Android-App von Sumup ist bereits bei Google Play erhältlich, die iOS-Software soll nach Auskunft eines Unternehmenssprechers noch vor dem Wochenende bereitstehen.

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
funnyone2007 23.08.2012
Zitat von sysopSumupNiedrige Gebühren und kostenlose Hardware: Kreditkartenzahlungen sollen bald auch für Kleinunternehmen und Selbstständige Alltag sein, versprechen Startups aus Deutschland. Drei Firmen rangeln darum, wer zuerst bei Pizzaboten, Bäckern und Imbissbetreibern das Plastikgeld einführen kann. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,851700,00.html
und dann werden noch mehr menschen heulen wenn sie nen trojaner oder virus haben, durch den sie dann viel geld verlieren.
2. Mit Sicherheit nicht
spon_2114428 23.08.2012
"Kreditkartenzahlungen sollen bald auch für Kleinunternehmen und Selbstständige Alltag sein, versprechen Startups aus Deutschland." Mit Sicherheit werde ich in den nächsten 20 Jahren mit meinem Smartphone oder wie dieser Barren in 20 Jahren heissen wird, keinerlei Rechnung bezahlen, bzw. dieses für Kriminelle offene Scheunentor als Kredit, EC-Karte o.ä. nutzen. Ganz im Gegenteil, ich sehe alle online Techniken mit großer Skepsis entgegen und denke das eine effektive und produktive Weiterentwicklung von einer Sicherheit abhängig ist, die bis dato kein Unternehmen weltweit garantieren kann. Banken und Kreditkarten Unterehmen wissen das und übernehmen heute zwngsläufig "als Kulanz" von Betrügern abgefischte Beträge. Täten sie das nicht und die Kunden müssten alles selber bezahlen, wäre eine Kredit/ECkartennutzung für die breite Masse undenkbar.
3. Typisch Samwer
MaxMütze 23.08.2012
Sogar das Design der Startseite ist "inspiriert" vom Original, Square.
4. Das kann schon eine Erleichterung sein
fump 23.08.2012
Wenn ich bedenke, wie lange ich als Freiberufler oft auf offenen Posten herumsitze, ist das doch eine echte Alternative. Dienstleistung geliefert, bezahlt, Geld auf dem Konto. Bislang waren alle Kartenterminals einfach zu teuer für solche Transaktionen. So kann es gehen.
5. einfach & schnell klingt das nicht...
marcus06667 23.08.2012
ich möchte mal sehen, wie viele der "technikbegeisterten" deutschen das nutzen. ich würde keinen wackeligen plastikaufsatz auf mein iPhone stecken. und in der zeit, in der ich den anbringe und die karte durchziehe, habe ich ein herkömliches ec/kreditkarten-terminal benutzt. machts doch einfach wie in den usa oder teilweise auch schon im europäischen ausland oft gesehen.. beträge und nem gewissen betrag (etwa 20 euro) ohne abfrage von unterschrift und pin... das spart auch ne menge zeit...
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