Technik à la "Star Trek" Gadget mit Durchblick

Ein Start-up aus Israel hat ein Gerät gebaut, das an den Tricorder aus "Star Trek" erinnert. Es soll feste oder flüssige Stoffe in Sekundenschnelle analysieren - und das klappt verblüffend gut.

SPIEGEL ONLINE

Aus Barcelona berichtet


Wer das Raumschiff Enterprise aus der Fernsehserie "Star Trek" kennt, kennt auch den Tricorder. Wissenschaftsoffizier Spock benutzt das Messinstrument, um fremde Planeten zu analysieren. Schiffsarzt "Pille" findet damit blitzschnell heraus, was einem Patienten fehlt.

Ein Start-up aus Tel Aviv will nun mit dem Scio ein Gerät erfunden haben, das dem Vorbild aus der Science-Fiction-Serie zumindest nahekommt. Das Versprechen: Wenn man damit Materialien scannt, werden in Sekundenschnelle Informationen dazu auf dem Smartphone angezeigt. Nahrungsmittel, Pflanzen, Medikamente und Werkstoffe sollen sich damit analysieren lassen.

Eine Kickstarter-Kampagne, die das Projekt finanzieren sollte, war ausgesprochen erfolgreich. Sie spülte 2,7 Millionen Dollar in die Kasse der Entwickler. Mittlerweile ist das Gerät ein fertiges Produkt. Man kann es online für 249 Dollar plus Transportkosten und Einfuhrumsatzsteuer bestellen. Viel hat man davon in Deutschland bisher nicht mitbekommen.

Zumindest nicht, bis der Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges das Gerät am Montag auf der Telekom-Pressekonferenz auf dem Mobile World Congress in Barcelona in die Kameras gehalten und als Tricorder bezeichnet hat.

Es geht ums Licht

Ganz recht hat Höttges damit zwar nicht. Denn das Gerät, so groß wie eine Streichholzschachtel, hat nicht dieselbe Funktionalität wie das Gadget aus "Star Trek". Trotzdem ist das Scio eine erstaunliche kleine Box, die viel über ihre Umgebung herausfinden kann.

Sie kann die chemische Zusammensetzung von Gegenständen und Flüssigkeiten analysieren, per Knopfdruck. Der vermeintliche Tricorder ist im Grunde ein Lichtspektrometer, also ein Gerät, das das Farbspektrum von Licht auswerten kann.

Die Technik wird in der Wissenschaft häufig angewendet. Das Prinzip: Jeder Stoff, jede chemische Verbindung reflektiert ein spezifisches Lichtspektrum, wenn er angestrahlt wird. Anhand der Intensität bestimmter Lichtanteile kann man deshalb feststellen, um welchen Stoff es sich handelt.

Wir haben das Gerät ausprobiert

Genau das passiert auch beim Scio. Drückt man auf dem Knopf am Gerät, geht eine kleine Lampe an, die den anvisierten Gegenstand kurz anleuchtet. Ein Sensor nimmt dabei das vom Gegenstand reflektierte Licht auf und sendet seine Messdaten über ein Smartphone an einen Server. Dort wird die Messung ausgewertet und das Ergebnis ans Smartphone zurückgeschickt.

Wir haben es auf dem Mobile World Congress ausprobiert. Hält man das Scio an eine beliebige Fläche oder in eine Flüssigkeit, liefert es Sekunden später Informationen darüber, was man da vor sich hat. Auf dem Messegelände haben wir Äpfel und Tomaten, Kunststoffe und Limonade, aber auch Schmerzmittel damit analysiert (siehe Bilderstrecke).

Die Ergebnisse sind verblüffend. Auf dem Smartphone zeigte die zum Gerät gehörende App Daten zu den jeweiligen Stoffen an. Bei Apfel, Käse und Tomate wurden Nährwerte, Fett- und Wassergehalt angegeben, bei der Limonade der Zuckeranteil. Zu Kunststoff lieferte die App nicht nur den Namen der Verbindung, sondern auch noch die entsprechende Strukturformel (siehe Bilderstrecke). Bei der Analyse von Schmerztabletten erkannte es, um welchen Wirkstoff es sich handelt. Auf die Haut aufgesetzt ermittelte das Gerät den Körperfettanteil des Probanden.

Zugegeben, das ist beeindruckend und macht Spaß - eine wissenschaftliche Anwendung ist es aber nicht. Vielmehr kann man gespannt sein, welche Anwendungen Drittanbieter nun für das Scio entwickeln werden. Eine denkbare wäre, das Gerät an die Apps gängiger Fitnesstracker zu koppeln. Deren Problem ist, dass sie zwar allerlei körperliche Aktivitäten, nicht aber die Nahrungsaufnahme protokollieren können.

In diese Lücke könnte das Scio stoßen und es ermöglichen, genau das auf einfache Weise zu machen. Eine entsprechende App, Diet Sensor genannt, befindet sich gerade in der Entwicklung und soll in Kürze fertig werden.

Mehr zum Thema
Newsletter
Games und Gadgets: Die Welt digital


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
andreas.s 23.02.2016
1. Sensorfläche
Interessant wäre eine Anwendung, die Allergene bestimmt und warnen kann. Dafür müsste aber eine Fläche so gross wie ein Teller überprüft werden können (und idealerweise auch Allergene die sich unter oder in den Lebensmitteln "verstecken" finden).
themistokles 23.02.2016
2. Scannt das Gerät wirklich?
Hm. Fraglich bleibt, ob das Gerät wirklich scannt, d.h. die Zusammensetzung des Gegenstandes bzw. des Stoffs vor sich wirklich analysiert. Oder nur einen entsprechend spezifischen Lichtcode eines Gegenstandes erkennt und den Gegenstand anschließend anhand einer zentralseitigen Datenbank ermittelt und auf das Smartphone übermittelt. D.h. der "Scanner" erkennt aufgrund des Lichtcodes "Aspirin", die Datenbank spuckt auch "Aspirin" aus (inkl. eines Bildes der chemischen Zusammensetzung), aber kann die eigentliche Dosierung nicht analysieren. So wie sich das anhört, glaube ich eher letzteres.
abc. 23.02.2016
3. Gene Roddenberrys Zukunftstechnologien
Headsets sind längst etabliert bzw. schon wieder veraltet, 3D Druck dürfte die Vorstufe zur Replikatortechnik sein, Quanten-Teleportation könnte zum "Beamen" führen, und jetzt also ein Lichtsensor der verdächtig nach einem Trikorder aussieht. Fehlt nur noch die "Warp-Technologie" bzw. eine adäquate Antriebstechnik, und die unendlichen Weiten werden erreichbar.
themistokles 23.02.2016
4.
Zitat von andreas.sInteressant wäre eine Anwendung, die Allergene bestimmt und warnen kann. Dafür müsste aber eine Fläche so gross wie ein Teller überprüft werden können (und idealerweise auch Allergene die sich unter oder in den Lebensmitteln "verstecken" finden).
Sie haben recht. Ich glaube aber nicht, dass das Gerät so arbeitet. Vielmehr kann das Gerät wohl "nur" einen Gegenstand aufgrund eines Lichtcodes idenifizieren und nicht wirklich analysieren. D.h. es erkennt den Gegenstand an sich (über eine Datenbank), nicht aber dessen eigentliche Zusammensetzung bzw. darin "versteckte" Stoffe.
themistokles 23.02.2016
5.
Zitat von themistoklesHm. Fraglich bleibt, ob das Gerät wirklich scannt, d.h. die Zusammensetzung des Gegenstandes bzw. des Stoffs vor sich wirklich analysiert. Oder nur einen entsprechend spezifischen Lichtcode eines Gegenstandes erkennt und den Gegenstand anschließend anhand einer zentralseitigen Datenbank ermittelt und auf das Smartphone übermittelt. D.h. der "Scanner" erkennt aufgrund des Lichtcodes "Aspirin", die Datenbank spuckt auch "Aspirin" aus (inkl. eines Bildes der chemischen Zusammensetzung), aber kann die eigentliche Dosierung nicht analysieren. So wie sich das anhört, glaube ich eher letzteres.
Nachtrag: Der erste Satz muss natürlich lauten "Fraglich bleibt, ob das Gerät wirklich analysiert..." Sorry.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.