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Hightech-Armband Dial: Telekom und will.i.am machen auf dickes Handgelenk

Aus Barcelona berichtet

Computer am Handgelenk: Dial kommt ohne Smartphone aus Fotos
SPIEGEL ONLINE

Popstar will.i.am hat sich mit der Telekom zusammengetan. Eine Firma des Künstlers hat ein Computerarmband entwickelt, das per Spracheingabe bedient wird. Nur Smartwatch will man es nicht nennen.

Alle paar Jahre schmückt sich die Telekom mit einem Hightech-Gadget, das sie sich exklusiv sichert. Am liebsten in Kombination mit einer berühmten Persönlichkeit. 2007 war es Apples iPhone, zu dessen Einführung in Deutschland Steve Jobs nach Berlin kam.

Auf der Handymesse Mobile World Congress hat sich das Unternehmen nun wieder prominente Unterstützung besorgt. Musiker will.i.am, bekannt als Mitglied der Black Eyed Peas und seit Jahren im Hightech-Bereich aktiv, kündigte in Barcelona eine Kooperation mit der Telekom an. Der Konzern soll sein neuestes Gadget auf den Markt bringen, ein Computerarmband mit Sprachsteuerung, Dial genannt (zu Deutsch "Zifferblatt" aber auch "Wählscheibe").

"Nennen Sie es bloß nicht Smartwatch, dann dreht er durch", scherzt ein Telekom-Sprecher zu Beginn der Veranstaltung. Und tatsächlich bemühen sich die Beteiligten in der folgenden halben Stunde redlich, diesen Begriff zu vermeiden. Dabei erinnert doch vieles von dem, was das Gerät ausmacht, an Smartwatches.

Armband oder Fußfessel?

Da wäre zum Ersten der Formfaktor: Dial trägt man am Handgelenk, wie eine Uhr. Und wie eine Smartwatch hat das Dial auch einen Bildschirm, einen kleinen, mit zwei Zoll Diagonale. Ansonsten aber wirkt am Dial nichts klein. Ein Teilnehmer der Veranstaltung in Barcelona assoziiert das dicke Armband spontan mit einer Fußfessel.

Das mag auch daran liegen, dass es einen sehr steifen Eindruck macht. Der untere Teil, in dem sich der Akku befindet, ist abnehmbar. Ein wenig erinnert es damit an das Fuelband, einen Fitnesstracker von Nike. Ob es das Dial in verschiedenen Größen geben wird, für unterschiedlich dicke Handgelenke, bleibt unklar.

Als er das Dial in Barcelona vorführt, zeigt will.i.am vor allem zwei Dinge: Wie umfangreich die Musikfunktionen sind und wie man das Gerät nur per Sprache steuern kann. Seine Firma i.am+ hat dafür ein komplett neues Betriebssystem entwickelt, Aneeda. Die Spezialität dieser Software ist ihre Fähigkeit, fast wie eine natürlich Person mit dem Anwender zu interagieren. "Wir möchten, dass Aneeda das erste Voice OS ist", sagt will.i.am.

Der Umgang mit Ameeda erinnert an Apples Siri. Man spricht mit dem Armbandcomputer wie mit einem Menschen, muss sich keine Kommandos merken, sondern plappert einfach drauf los. Schnell wird klar: Aneeda ist humorvoll programmiert, liefert manchmal schnippische oder lustige Antworten. Bei der Entwicklung der Spracherkennung hat sich i.am+ von der Firma Nuance helfen lassen, die seit vielen Jahren auf diesem Gebiet tätig ist.

Ein Smartphone braucht man dafür nicht

Bei seiner Präsentation zeigt will.i.am vor allem Aneedas Fähigkeiten, mit Musik umzugehen. So kann man beispielsweise nach Künstlern und Titeln suchen, und, während man sich einen Song anhört, nach ähnlicher Musik fragen. Ebenso kann man weitergehende Informationen und aktuelle Nachrichten zu dem jeweiligen Interpreten einholen, oder andere Musik derselben Künstler abspielen lassen. Wie das genau funktioniert und auf welche Dienste Aneeda dabei zugreift, wurde nicht verraten. Wohl aber, dass das Dial mit 32 Gigabyte Speicher ausgeliefert wird, die man mit Musik, Fotos und Videos füllen kann.

Auch eine 2-Megapixel-Kamera ist eingebaut, für Selfies zum Beispiel. Ein GPS-Empfänger soll dafür sorgen, dass das Dial immer weiß, wo es ist. Ohnehin sind auch alle in Fitnessarmbändern üblichen Sensoren eingebaut, sodass man mit dem Gerät etwa Schritte zählen kann. Es soll dabei selbst erkennen, was für Sport man treibt, eine manuelle Einstellung sei dafür nicht notwendig, sagt will.i.am. Die Verbindung zu einem Headset, das mitgeliefert werden soll, erfolgt per Bluetooth.

Die eine Besonderheit, die das Dial aber von den meisten Smartwatches abhebt, ist, dass es vollkommen unabhängig vom Smartphone funktioniert. Eine Verbindung zum Handy ist nicht einmal vorgesehen. Stattdessen steckt man eine Sim-Karte ein, über die sich das Armband ins Mobilfunknetz einbucht. Eben das dürfte auch der Grund sein, weshalb das Dial für die Telekom interessant ist, könnte man damit doch neue Kunden zum Abschluss von Mobilfunkverträgen gewinnen.

Ein konkretes Startdatum dafür nennt die Telekom aber nicht. "Im Laufe des Jahres" werde Dial "in ersten europäischen Telekom-Märkten erhältlich sein", lässt das Unternehmen wissen. Was es dann kosten wird, bleibt vorerst ein Geheimnis.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Matthias Kremp ist Redakteur im Ressort Netzwelt, Autor der Technik-Test-Kolumne "Angefasst" und oberster Gadget-Experte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Matthias_Kremp@spiegel.de

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Wow
Flying Rain 23.02.2016
Wow das hört sich spannend an. Auf das minimale heruntergebrochen und auch noch ohne Abhängigkeit vom Smartphone. Wenn es noch den Bluetooth Codec aptX unterstützt und über eine taugliche Akkulaufzeit verfügt wäre es ein gute Begleiter für meine Earins.
2.
das-joe 23.02.2016
Wenn das Gerät so funktioniert, wie will.i.ams Musikproduktionen, dann gute Nacht!
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