Neues Huawei-Smartphone Das Mate X kannste knicken

Nach Samsung hat nun auch Huawei ein faltbares Smartphone vorgestellt. Das chinesische Gadget wirkt elegant, muss aber noch ein bisschen reifen, bevor es auf den Markt kommt.

Huawei Mate X
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Huawei Mate X

Aus Barcelona berichtet


Zwar hat Samsung schon mit dem Galaxy Fold vergangene Woche vorgelegt, doch Huawei brauchte nur zwei Detailangaben, um den Koreanern den Wind aus den Segeln zu nehmen: 5,4 Millimeter und 11 Millimeter. Die beiden Maße geben an, wie dick - oder vielmehr dünn - das Falt-Smartphone Mate X ist, das der chinesische Konzern in Barcelona präsentiert hat.

Die kleinere Zahl zeigt an, wie dick das neuartige Gerät in aufgeklappten Zustand ist, die größere, wie es es ist, wenn man die beiden Hälften zusammenklappt. Zum Vergleich: Apples iPhone XS liegt mit 7,7 Millimetern genau dazwischen.

Dass Huawei dieses ungewöhnliche Gerät in der katalanischen Hauptstadt präsentierte, hat einen pragmatischen Grund: Am Montag beginnt dort auf dem Messegelände die Mobilfunkmesse Mobile World Congress. Mehr als 100.000 Fachbesucher und Journalisten reisen dazu aus der ganzen Welt an. Es ist die perfekte Gelegenheit, um ein neues Produkt wie das Mate X möglichst vielen Menschen auf einmal vorzustellen.

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Und eine Chance, dabei mit den Mobilfunkbetreibern zu besprechen, welche Funktionen und Fähigkeiten sie sich von den neuen Geräten wünschen. Schließlich sind sie es, mit deren Netzen diese Geräte später zusammenarbeiten sollen. Und sie sind es auch, die Smartphones wie das faltbare Mate X - nach dem Willen der Hersteller - mit fetten Rabatten subventionieren sollen, damit sie von möglichst vielen Kunden gekauft werden.

Das wird bei einem Produkt wie dem Mate X besonders wichtig. Das Gerät soll dem Unternehmen zufolge 2299 Euro kosten und Mitte des Jahres auf den Markt kommen. Samsung hat für sein Falt-Handy Galaxy Fold einen Listenpreis von fast 2000 Dollar angekündigt. Es handelt sich um eine neue Technik, und neue Technik wird anfangs stets mit satten Aufschlägen bepreist.

Ein Bildschirm, drei Möglichkeiten

Dafür wird man mit dem Huawei-Gerät allerdings auch etwas in vielerlei Hinsicht besonderes bekommen. Das fängt schon beim Design an. Ein neuartiges Scharnier, die Firma nennt es Falkenflügel-Scharnier, sorgt dafür, dass die beiden Hälften des Handys nahtlos aneinander liegen, wenn man sie zusammenklappt. Auch deshalb sieht das Mate X schlanker und eleganter aus als Samsungs Galaxy Fold. Konkrete Maße für dieses Gerät hat Samsung zwar noch nicht genannt, dem äußeren Anschein nach dürfte es aber deutlich dicker sein. Damit hat Huawei einen Design-Vorsprung.

Aber auch technisch wirkt das Mate X durchdacht. Während Samsung beim Fold einen kleinen Außenbildschirm mit einem großen Innenbildschirm kombiniert, hat Huawei ein anderes Konzept. Das Mate X hat im Grunde nur einen Bildschirm, der gefaltet wie zwei Bildschirme genutzt wird, einer vorne, einer hinten am Gerät.

Huawei Mate X: zusammengeklappt ein normales Smartphone
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Huawei Mate X: zusammengeklappt ein normales Smartphone

Deshalb kann man das Huawei-Handy, wenn es zusammengeklappt ist, wie ein normales Smartphone nutzen. Der vordere Bildschirm ist 6,6 Zoll groß, funktioniert in diesem Modus wie bei einem normalen, nicht faltbaren Handy. Die andere Hälfte des Displays liegt dann auf der Rückseite und ist mit 6,38 Zoll auch noch recht groß. Klappt man das Handy auf, entfalten sich die beiden Displays zu einem fast quadratischen, insgesamt 8 Zoll großen Bildschirm.

Die Nutzungsmöglichkeiten für diese Kombi sind vielfältig. Das aufgeklappte Display lässt sich einerseits wie ein Tablet verwenden. Das Seitenverhältnis von 8:7,1 bietet viel Platz für Fotos oder Filme, die bei üblichen Formaten wie 16:9 allerdings mit dicken Rändern oben und unten angezeigt werden. Alternativ kann man auch Multitasking betreiben, indem man den Bildschirm virtuell halbiert, um eine App links und eine rechts anzuzeigen.

Für 5G vorbereitet

Huawei hat das Gerät dabei mit einem dicken Knebel an der rechten Seite konstruiert, der die vier Kameras und wohl auch Prozessor und Speicher enthält. Nebenbei soll er, wie bei einem Fotoapparat, als Griff dienen, um das Mate X mit einer Hand halten zu können.

Dünnes Gerät, dicker Knebel
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Dünnes Gerät, dicker Knebel

Der Charme dieser Konstruktion: Zusammengeklappt kommt der kleinere Teil des Bildschirms neben den vier Kameras zu liegen. So kann man die Hauptkameras auch für Selfies benutzen, was gute Qualität verspricht. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit: Will man einen anderen Menschen fotografieren, kann man das Kamerabild auf beiden Bildschirmen anzeigen lassen. So sieht der oder die Fotografierte sich selbst und kann besser einschätzen, ob die jeweilige Pose vorteilhaft ist.

Als Antrieb bestückt Huawei das Mate X mit dem gleichen Prozessor, der auch im erfolgreichen Mate 20 Pro steckt. Ihm zur Seite steht allerdings ein neuer Modemchip für 5G-Netze. Dessen Leistungsdaten sind - zumindest in der Theorie - beeindruckend. In entsprechenden 5G-Netzen, kann er Downloadraten von 4,6 Gigabit pro Sekunde erreichen. Das wäre schnell genug, um einen 1 Gigabyte großen Film von Netflix in drei Sekunden aufs Handy zu laden.

Bis es derart leistungsfähige 5G-Mobilfunknetze in Deutschland geben wird, dürfte es allerdings noch lange dauern. Das ist freilich verschmerzbar, da Huawei-Chef Yu sich noch nicht auf einen Termin zur Markteinführung des Mate X festgelegt hat. Die funktionierenden Testgeräte in Barcelona sind offenbar noch handgefertigte Einzelstücke.

Bis daraus ein Produkt geworden ist, das sich in Massen fertigen lässt, werden noch einige Monate vergehen. Realistisch wäre ein Termin im Spätsommer, so wie etwa die Ifa in Berlin. Die Präsentation in Barcelona war bisher vor allem eine Show, um zu zeigen, was man technisch machen kann. Die Umsetzung dürfte dem Konzern noch einiges abverlangen.



insgesamt 22 Beiträge
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mickt 24.02.2019
1. Weitaus überzeugenderes Konzept
als Samsung. Apple ist in Sachen Innovation mE damit abgeschlagen. Das Samsung Teil hatte mich nicht überzeugt, zu klobig, der Vorderbildschirm zu klein (mit fetten Rändern). Hier sieht man ein wirklich gut und klug durchdachtes, am Nutzer orientiertes Konzept (was mal Apples Stärke war, Nuzerfreundlichkeit).
walter_zobernig 24.02.2019
2. Hülle für das Faltphone
Interessant wird die Schutzhülle für dieses Faltphones... Oder geht man davon aus, dass einem dieses Faltphone nie aus der Hand fällt?
weed 24.02.2019
3. 4,6 GBit
Prima. Dann kann ich ja mein Monatskontingent zukünftig in nur 3 Sekunden verbrauchen und dann mich über gedrosselte 4,6 GBit 29 Tage lang freuen ... Einfach toll!
dasfred 24.02.2019
4. Die Idee überzeugt mich
Der Preis schreckt mich ab. Also werde ich noch ein paar Jahre warten. Ging bisher ja auch. Smartphone für draußen und Tablet für drinnen im Sessel. Ich vertraue mal darauf, dass beim heutigen Fortschritt irgendeiner so ein Klapp-Teil schon in absehbarer Zeit (in meinem Alter rennt die sowieso) zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt bringt.
ursusbernensis 24.02.2019
5. teurer spass
?2k für eine faltbare kachel? ein paar proflierungsneurotiker und zwerge, die ihre eltern für diese dringend benötigte, auf dem pausenplatz profilierende weichnachtsgeschenk terrorisieren, wird's freuen. alle anderen begnügen sich mit handy und tablet.
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