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Mobile World Congress: Diese Ladestation funktioniert ohne Kabel

Aus Barcelona berichtet

Samsung Galaxy S6 Edge auf drahtlosem Ladegerät: Künftiger Standard? Zur Großansicht
DPA

Samsung Galaxy S6 Edge auf drahtlosem Ladegerät: Künftiger Standard?

Bisher haben sich wenige Firmen getraut, ihre Handys mit einer schnurlosen Ladefunktion auszustatten. Das dürfte sich jetzt ändern: Samsung baut die Technik Qi ein - und Ikea versteckt sie in seinen Möbeln.

Am Pressetag der wichtigsten Handymesse der Welt, des Mobile World Congress in Barcelona, überbieten sich die großen Hersteller mit spektakulären Ankündigungen und Produktpräsentationen. Im Grunde war das auch am vergangenen Sonntag nicht anders. Nur gab es dieses Mal einen feinen Unterschied: Das eigentliche Highlight wurde nicht auf einer Pressekonferenz verkündet und es gab dazu auch keine spezielle Pressemitteilung. Stattdessen schummelte sich der erste Sieger des Kongresses quasi durch den Seiteneingang in den Fokus der Beobachter: die drahtlose Ladetechnik Qi.

Qi verspricht schon lange, wovon viele Anwender träumen: Statt ständig nach Netzteilen, Steckdosen und Kabeln suchen zu müssen, werden Geräte mit Qi-Technik einfach dadurch aufgeladen, dass man sie auf eine Fläche legt, in der die Qi-Ladetechnik eingebaut ist. Das kann ein spezielles Ladegerät sein, das beispielsweise tellerförmig aussieht, aber auch eine Tischplatte sein kann, in die diese Technik integriert ist.

Wer das einmal ausprobiert hat, mag nicht mehr davon lassen. Kommt man nach Hause oder ins Büro, legt man sein Handy auf die entsprechende Ladefläche, und der Akku wird automatisch aufgefüllt. Das typische Problem, dass man mal wieder vergessen hat, das Handy abends ans Ladegerät anzuschließen und deshalb morgens mit leerem Akku dasteht, ist damit so gut wie gelöst.

Kleingärtner nutzten die Technik schon früher

Neu ist diese Technik nicht. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts nutzten einige Berliner Kleingärtner die Sendeenergie einer nahegelegenen Rundfunkstation, um sich den Strom für ihre Hüttenbeleuchtung quasi aus der Luft zu fischen. Statt eines Radios haben sie angeblich Glühbirnen mit den Anschlusskabeln ihrer Antennen verbunden. Ähnlich funktioniert auch die Qi-Technik, die Strom per Induktion von einem Sender zu einem Empfänger überträgt.

Es hat schon mehrere Versuche gegeben, eine solche Technik kommerziell zu nutzen. Der längst untergegangene Smartphone-Hersteller Palm lieferte zu seinen Geräten schon 2009 drahtlose Ladetechnik. Intel forscht eine gefühlte Ewigkeit daran, und etliche Kleinhersteller bieten mehr oder weniger klobige Handyhüllen, mit denen man die Schnurlos-Technik nachrüsten kann. Einzig Nokia bestückt viele seiner mittlerweile zum Microsoft-Konzern gehörenden Lumia-Smartphones ab Werk mit Qi-Technik.

Jetzt wird Qi in Ikea-Möbel eingebaut

Dass sich die eigentlich recht simple und sehr komfortable Technik bisher nicht durchsetzen konnte, hat zwei Gründe: Zum einen braucht Qi länger zum Aufladen und verbraucht dabei mehr Strom als drahtgebundene Ladegeräte.

Zum anderen gibt es neben Qi noch zwei konkurrierende Techniken, Power Mats und Rezence. Die Unsicherheit, welche Technik sich durchsetzen wird, hat viele Hersteller davon abgehalten, sich für das eine oder andere zu entscheiden.

Diese Unsicherheit dürfte mit dem Mobile World Congress vorbei sein. Denn nun haben sich zwei große Konzerne zum Qi-Standard bekannt und könnten der Drahtlos-Technik damit zum Durchbruch verhelfen.

Das eine Unternehmen ist Ikea. Der schwedische Möbelkonzern gab bekannt, einige neue Möbel mit integrierter Qi-Ladefunktion bestücken zu wollen. Verschiedene Nachttische, Tische und Lampen sollen demnach künftig Qi-kompatible Geräte kabellos mit Strom betanken können.

Zig Millionen potenzielle Anwender

Angesichts der Größe und Präsenz des Unternehmens ist das ein großer Erfolg für Qi. Zumal es viel eleganter ist, wenn die Technik bereits ins Mobiliar eingebaut ist.

Der zweite große Konzern ist Samsung. Das Unternehmen kündigte an, seine neuen Smartphones Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge ebenfalls mit Qi-Technik auszustatten. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die neuen Samsung-Handys zig-millionenfach verkauft werden. Damit schafft der koreanische Konzern auf einen Schlag eine gewaltige neue Zielgruppe für Anbieter entsprechender Ladeschalen und anderen Qi-Zubehörs.

Sind Kabel bald von gestern?

Zwar ist auch das bisher nur ein Anfang, aber doch ein großer Schritt in Richtung drahtloser Ladetechnik als Standardfunktion. Nachdem mit Samsung und Ikea die ersten Big Player das Wireless Charging für sich entdeckt haben, dürfte es nicht lange dauern, bis zuerst etliche Zubehöranbieter und schließlich weitere Handy-Produzenten und Möbelbauer Qi für sich entdecken.

Wenn dann alles gut geht und die Technik noch verbessert wird, werden wir uns vielleicht schon in wenigen Jahren verdutzt fragen, wie wir es früher ausgehalten haben, mit all den verschiedenen Ladekabeln und Netzteilen, an die wir immer denken mussten, damit dem Handy nicht der Saft ausgeht.

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insgesamt 44 Beiträge
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1. aha
CHANGE-WECHSEL 02.03.2015
Und zum eigentlichen Ladegerät führt also kein Kabel mehr? Und wie ist das mit der Entsorgung? Möbel sind Sperrmüll und Ladegeräte/Ladestationen sind Elektroschrott! Was sind dann Möbel mit fest eingebauten Ladegeräten?
2. Problem gelöst, Problem erzeugt
noalk 02.03.2015
"Kommt man nach Hause oder ins Büro, legt man sein Handy auf die entsprechende Ladefläche, und der Akku wird automatisch aufgefüllt. Das typische Problem, dass man mal wieder vergessen hat, das Handy abends ans Ladegerät anzuschließen und deshalb morgens mit leerem Akku dasteht, ist damit so gut wie gelöst." --- Dafür wird man dann vergessen, das Handy auf die Ladefläche zu legen - et voilà: morgens ist der Akku leer.
3.
OneTwoThree 02.03.2015
Tja, so neu ist diese Technik ja wirklich nicht. Schwer zu bewältigen eigentlich auch nicht. Das gibt es in jeder elektrischen 20€-Zahnbürste. Das Problem ist schlicht und einfach, dass man für eine relativ stromsparende Variante eben wieder einen fest definierten "Berührungspunkt" schaffen muss, damit die Entfernung Sender/Empfänger möglichst gering ist. Und da macht es dann praktisch keinen Unterschied mehr, ob man den Akku nicht gleich per Kabel auflädt.
4. Bisher
stinkfisch1000 02.03.2015
haben die Handyhersteller mit schöner Regelmäßigkeit neue Stecker an ihre Ladegeräte gemacht, damit man auch sicher die alten nicht weiterwenden kann. Die werden es auch in Zukunft schaffen, durch abweichende Standards den Absatz ihrer jeweils eigenen Zubehörprogramme zu befördern. Da ich meine Möbel länger nurtze als meine handys, werde ich mir wohl kaum einen schreibtisch mit so einer Ladestation drin kaufen.
5.
bernd.stromberg 02.03.2015
Zitat von noalk"Kommt man nach Hause oder ins Büro, legt man sein Handy auf die entsprechende Ladefläche, und der Akku wird automatisch aufgefüllt. Das typische Problem, dass man mal wieder vergessen hat, das Handy abends ans Ladegerät anzuschließen und deshalb morgens mit leerem Akku dasteht, ist damit so gut wie gelöst." --- Dafür wird man dann vergessen, das Handy auf die Ladefläche zu legen - et voilà: morgens ist der Akku leer.
Gut, wer das vergisst hat dann Pech gehabt. Die meisten Leute die ich kenne, inklusiver meiner Person haben zu Hause feste Plätze, wo sie ihr Mobiltelefon in aller Regel wenn sie zu Hause sind bzw. sobald sie nach Hause kommen ablegen. Ich finde diese Erfindung daher sehr nützlich. Das ständige Ladegerät an- und abstöpseln usw. finde ich persönlich einfach nur nervig.
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