Mobilfunk der Zukunft Nokia startet Aufholjagd gegen Apple

Wer die schlauesten Handy-Anwendungen anbietet, wird den Mobilfunkmarkt der Zukunft beherrschen. Momentan hat Apple die Nase vorn - jetzt versucht Nokia, mit neuen Angeboten zu kontern. In Testlaboren bastelt der Telefonriese Applikationen, die die Realität erweitern sollen.

REUTERS

Aus Espoo berichtet


Stellen Sie sich eine Handy-Anwendung vor, die über einen Tastsensor Ihren Stresslevel misst und die zu ihrem Gemütszustand passende Musik abspielt. Dass Sie die Nummer des Notrufs wählen und ein Arzt, der sich zufällig in einem benachbarten Gebäude aufhält, automatisch darüber informiert wird. Oder dass Sie Ihr Smartphone in der Stadt auf Gebäude richten und das Telefon ihnen anzeigt, wie ihre Umgebung vor 50 oder 100 Jahren ausgesehen haben dürfte.

Augmented Reality, erweiterte Realität, heißt das Schlagwort für solche Tech-Visionen, die Wissenschaftlern zufolge in den kommenden Jahren die Mobilfunkbranche durcheinanderwirbeln könnten. Es geht um Bilder und Videos, um Informationsschilder und Töne, die das Smartphone dem Nutzer an Ort und Stelle aus dem Internet saugt und auf dem Display mit dem Abbild der Wirklichkeit kombiniert. Das Handy wird so zu einer Art Sinneserweiterung.

Die großen Player im Handy-Markt, aber auch Forschungsinstitute wie das MIT oder SRI International erforschen solche Technologien bereits jetzt in ihren Laboratorien. Ein Unternehmen, das sich derzeit intensiv damit beschäftigt, wie Smartphones unsere Realität erweitern können, ist auch Nokia. SPIEGEL ONLINE hat sich auf der Veranstaltung The Way We Live Next, auf der der finnische Handy-Riese alljährlich neue Produkte vorstellt, nach der Zukunftstechnologie umgesehen.

Eine der Trumpfkarten

"Die Möglichkeit, per Handy ortsbezogene Informationen abzurufen, ist bereits jetzt ein bedeutsames Wettbewerbsmerkmal", sagt dazu Entwicklungschefin Mary McDowell. Die direkte Einblendung dieser Informationen an Ort und Stelle sei die logische Weiterentwicklung dieser Dienste.

Marktexperten halten Augmented Reality ebenfalls für einen der Hebel, die die Nutzung des Mobilfunks der vierten Generation befördern. Ein Grund dafür sei, dass die Marktteilnehmer viel dafür tun dürften, die nächste Mobilfunk-Runde nicht von Anfang an zum Gegenstand von Preiskämpfen werden zu lassen und sich stärker über neue Funktionalitäten und Inhalte von der Konkurrenz abzuheben, sagt Kai Bender, IT-Experte und Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Diese Entwicklung deutet sich bereits an. Die Macht auf dem Mobilfunkmarkt wird zusehends darüber definiert, wie schlau die Handy-Anwendungen sind, die ein Konzern anbietet. Je stärker und vielfältiger die Dienste, die auf einem Smartphone verfügbar sind, desto größer werden die Verkaufschancen.

Die "Business Week" sieht wegen dieser Entwicklung sogar schon das Zeitalter der "App Economy" anbrechen. Den weltweiten Branchenführer Nokia aber stellt diese Entwicklung vor beträchtliche Probleme. Denn in punkto Handy-Software hat sich der Konkurrent Apple mittlerweile einen deutlichen Vorsprung erarbeitet.

Gut hunderttausend Programme bieten die Amerikaner mittlerweile für ihr iPhone an. Nokia hat gerade mal einige tausend Anwendungen in seinem Ovi Store. Das schlägt sich offenbar auch auf die Smartphone-Verkäufe nieder: In diesem Segment hat Nokia gegenüber der Konkurrenz deutlich Anteile verloren.



insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Stankus 11.11.2009
1. Nokia träumt anscheinend...
Ich selbst bin leidgeplagter Besitzer eines Nokia N97, welches 2 mal in Reparatur war und einmal getauscht wurde. Wenn Nokia glaubt, Apple ein- oder überholen zu können, dann ist dies wohl nur ein Wunschtraum. Die Bedienung des Telefons (zu mehr ist es kaum zu gebrauchen) ist, verglichen mit dem iPhone, wirklich grauenhaft. Das besondere Feature, die externe Tastatur, ist oft unbenutzbar - sofern man ein weißes Exemplar besitzt. Trotz ausreichender Umgebungshelligkeit schaltet sich bei den weißen Tasten die weiße Hintergrundbeleuchtung ein, was zu Folge hat dass auf den Tasten nichts mehr zu erkennen ist und man daher nicht mehr schreiben kann. Der Nokia Service-Point rät zum kostenpflichtigen(!) Tausch der Tastatur gegen ein schwarzes Pendant - ein Armutszeugnis für Nokia. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich sofort zum iPhone greifen.
mrmartin19 11.11.2009
2. fehlender Nokia Smartphone Support
als N958GB Besitzer der seit 1994 ununterbrochen Nokia Mobiltelefone verwendet hat wird das N958GB das letzte Nokia Telefon sein. Hauptgrund ist der fehlende Smartphone Support. Nokia versteht es einfach nicht, dass der Supportlevel für ein mehrere Hundert Euro teures Telefon ein anderer sein muß wie für ein 1 Euro Telefon. Die N958GB Hardware ist genial und kann auch nach 2 Jahren noch mithalten, aber die Software ist grauenhaft. Nokia hat 1 Jahr gebraucht um den Bewegungssensor dazu zu verwenden den Bildschirm automatisch zu kippen und dann kommt lange nichts mehr. Ich habe das Telefon seit fast 2 Jahren bin aber eher selten im Internet unterwegs weil es mit dem N95 einfach keinen Spaß macht. Die ganze Navigation etc. ist mäßig. Dann die PC Software, teilweise grauenhaft. Da könnte ich hier Seiten füllen. Wenn ich z.B. Karten laden will dann ist die PC Software nicht in der Lage zu erkennen was schon geladen ist um einen Delta-Update zu machen. D.h. alle Karten müssen gelöscht werden und ich muß die ganzen Karten + die neue Karte neu laden, unglaublich. Wenn der Spassfaktor dann wenigstens da wäre, aber im Gegenteil. Meine Kollegen mit Blackberrys können auf mehr "Fun-apps" zugreifen als ich auf meinem N95. Dann gibt es für die N-Serie noch nicht mal einen Blackberry Client den es für andere Nokia Modelle gibt. Das könnte ich jetzt noch beliebig weiterführen. Schade, Nokia hat mal die besten Telefone gebaut die es gab, aber bei den Smartphones einfach den Zug verpasst.
acitapple 11.11.2009
3. schon lustig...
als das iphone vorgestellt wurde, kommentierte nokia das mit sprüchen wie "keine konkurrenz" u.ä. auf einmal wollen sie aber aufholen. das kommt davon, wenn so eine firma von buchhaltern regiert wird...
lassehoffe, 11.11.2009
4. viel zu spät
Zitat von sysop"Such ein Restaurant, reserviere einen Tisch und trag den Termin in die Kalender meiner Freunde ein": Wer die schlausten Handy-Anwendungen anbietet, wird den Mobilfunkmarkt der Zukunft beherrschen. Momentan hat Apple die Nase vorn - jetzt versucht Nokia mit neuen Angeboten zu kontern. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,660663,00.html
Keine Chance mehr, der Zug ist abgefahren. Der bessere hat gewonnen.
mime 12.11.2009
5. Belangloser Artikel...
...der einfach auf der iPhone-Welle mitschwimmen will. Augmented Reality Apps wird es wohl für alle möglichen Smartphones geben, das ist absolut unabhängig von Apple oder Nokia und liegt ganz allein an den Entwicklern dieser Programme. Und somit wird das noch ein flächendeckender Markt für alle möglichen Betriebssysteme. Ich selbst habe alle Augmented Reality Apps auf meinem iPhone, da mich das Thema sehr interessiert. Aber bis jetzt gibt es nur Spielerei und Müll, da es erst dann interessant wird, wenn die Applikationen Motive über die Kamera erkennen und mit Informationen erweitern. Bisher arbeiten nur GPS und Kompass und somit ist der genaue Standort eigentlich egal, da komme ich mit "Karten" mitsamt Navigation weiter als mit jeder billigen AR App, die mir einen Batzen Informationen, die genau in der gleichen Richtung liegen, so übereinander stapelt, dass ich nix mehr lesen oder klicken kann. Ich warte auf die App, die ein Gebäude erkennt und dann fein daneben die dazugehörigen Informationen aus Wikipedia oder woher auch immer anführt. Dann können wir von Augmented Reality sprechen. Bis dahin scheint noch ein kleiner Weg. Und ich teste weiter fleißig jede App.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.