Motorola Atrix Dieses Handy will ein Notebook sein

Motorolas Über-Smartphone Atrix soll Handy, Mobilcomputer und Multimedia-Player zugleich sein. Matthias Kremp hat das vermeintliche Wunderding getestet. Ist es wirklich eine digitale Mehrzweckwaffe?

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Ein Smartphone, das auf Wunsch zum Notebook wird: Hat man davon nicht schon lange geträumt? Versucht wurde es schon oft, aber alle wiederholten Nokias Communicator-Konzept. Sie kombinierten ein Mobiltelefon mit einem Querformat-Bildschirm und einer Aufschiebetastatur. Das Resultat waren klobige Interimslösungen - zu schwer für die Jackentasche, zu klein für echte Schreibarbeit. Beim Atrix soll das anders sein, verspricht Motorola, bewirbt das High-End-Handy als "eins für alles".

Mit entsprechendem Zubehör soll sich das schmucke Smartphone in einen Laptop, einen Desktop-PC, einen Multimedia-Player oder ein Auto-Navi verwandeln lassen. Gegen Aufpreis natürlich. Motorola verlangt für das Atrix 500 Euro, noch mal 400 Euro für das LapDock und 90 Euro für eine Docking-Station.

Edel sieht es trotzdem nicht aus, unterhalb des Bildschirms gibt es reichlich Plastik. Aber schließlich kommt es auf die inneren Werte an - die sich unaufregend lesen: Der Prozessor hat zwei Rechnerkerne (Dualcore) und ist mit einem Gigahertz getaktet, der Arbeitsspeicher mit einem Gigabyte geräumig. Für Apps und Medien sind 16 Gigabyte eingebaut, von denen knapp elf frei nutzbar sind. Per Speicherkarte lassen sich bis zu 32 Gigabyte zusätzlich einsetzen, reichlich Platz für Musik, Fotos und Videos.

Ein Vorteil beispielsweise gegenüber dem iPhone: Auf dem Atrix läuft Adobes Multimedia-Software Flash, man kann also viele Web-Angebote anschauen, die Apples Smartphones nicht zugänglich sind. Verwunderlich ist dagegen, dass Motorola noch die veraltete Android-Version 2.2 installiert. Aktuell ist Version 2.3.6. In den USA verteilt AT&T bereits ein Atrix-Update für die Android-Version 2.3, während unser Testgerät noch kein Update finden konnte. Immerhin: Angekündigt ist es.

Aber auch mit Android 2.2 lässt das Atrix kaum etwas vermissen. Sein Bildschirm liefert knackige Kontraste, CPU und Grafik-Chip haben keine Mühe, Inhalte und Apps ruckelfrei darzustellen. Websurfen, mailen und Filme gucken machen darauf richtig Spaß, weil der Bildschirm auf vier Zoll Diagonale 540 x 960 Bildpunkte unterbringt, fast so viele wie das iPhone 4 mit seinem Retina-Display also - und das sieht gut aus.

Fingerzeig statt Zahlencode

Spannend wird das Atrix durch die vielen kleinen und großen Extras, die es mitbringt und mit denen man es aufwerten kann. Das ist zum einen der in den Ein/Ausschalter integrierte Fingerabdruckleser, über den man das Handy per Fingerstrich statt per Zahlenkombination freischalten kann. Eine tolle Nerd-Spielerei mit Notausgang: Sollte man seine Zeigefinger verlieren, lässt sich das Atrix auch per Zahlencode entsperren.

Interessanter ist das LapDock, ein bisher einzigartiges Zubehörteil, mit dem das Atrix zu einem superflachen, leichten Laptop wird. Eine ausklappbare Halterung im Rücken des gut DIN A4 großen LapDock nimmt das Handy auf, das fortan als Rechnerherz und Speicherplatz des ansonsten geistlosen Mobilcomputers dient. Klappt man den 11,6-Zoll-Bildschirm auf, startet auf dem Handy eine an den größeren Bildschirm angepasste Benutzeroberfläche.

Während die LapDock-Oberfläche mit transparenten Menüs und animierten Icons manche Anleihe bei Mac OS X erkennen lässt, bietet sie ansonsten wenig Eigenes. Nur das sogenannte Entertainment Center, in dem Filme, Musik und Fotos abgespielt werden können, und der Firefox-Browser sind an den größeren Bildschirm angepasst. Ansonsten muss man Smartphone-Apps verwenden, die in der Regel nur in Smartphone-Auflösung laufen, viel Bildschirmplatz ungenutzt lassen. Motorola bietet deshalb eine Auswahl an Web-Apps an, die sich mit dem Firefox-Browser des LapDock nutzen lassen.

Und das geht mehr oder weniger gut, setzt aber fast immer eine Online-Verbindung voraus, so wie es auch bei den Chromebooks ist. Derart gefordert, kommt dann auch der Prozessor an seine Grenzen. Sind mehrere Tabs oder Fenster gleichzeitig geöffnet, gerät die Arbeit merklich ins Stocken. Dasselbe gilt, wenn man das Atrix statt als Mobilcomputer als Desktop-PC benutzt, was mit zwei verschiedenen Docking-Lösungen möglich ist. Texte schreiben, E-Mailen, Websurfen, das alles geht damit prima, nur eben nicht so richtig gut gleichzeitig.

Notstrom aus dem LapDock

Dafür ist das HD Multimedia Dock klasse, wenn man das Atrix als Zuspieler für den HD-Fernseher im Wohnzimmer benutzen will. Platz genug für Filme in HD-Auflösung bietet es ja. Mit dem Dock kann man es außerdem per Fernbedienung vom Sofa aus steuern und gleichzeitig den Akku laden.

Wobei der Akku eines der Highlights des Atrix ist. Bei moderater Nutzung meldete sich der Stromspeicher im Test selbst nach 24 Stunden noch als halbvoll. Einen hektischen Messetag mit Telefonaten, E-Mails und Websurfen schaffte er ebenfalls ohne Probleme. An solchen Tagen wird das LapDock zum echten Highlight. Nicht nur, weil man auf seiner Tastatur E-Mails viel schneller tippen kann als auf der virtuellen Handy-Tastatur. Es hat auch einen eigenen Akku, der das Handy unterwegs mit frischer Energie versorgen kann. Und derweil der Akku geladen wird, schaut man sich auf dem großen Bildschirm einen Film an, während der Zug gen Heimat durch die Nacht zuckelt.

Eine gute Idee ist Motorolas Kombi-Konzept allemal, nur ist es noch nicht perfekt umgesetzt. Während das Atrix als Smartphone eine gute Figur und als Multimedia-Player Spaß macht, ist es als Arbeitsnotebook nur bedingt geeignet. Die Beschränkung auf winzige Handy-Apps und Online-Anwendungen machen ihm zu schaffen. Wenn Google im Herbst das für Handys und Tablets vereinheitlichte Android-Update "Ice Cream Sandwich" veröffentlicht, könnte sich das ändern. Die neue Software könnte Apps ermöglichen, die sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem LapDock-Display gut nutzbar sind.

Aber bis es so weit ist, kann die Atrix-Kombi gegenüber einer Kombination aus Netbook und Handy weder mit einem geringeren Gewicht noch mit einem günstigeren Preis punkten. Es ist ein Spaß, nur eben ein teurer.



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
spatenheimer 12.09.2011
1. hm
Typisch Spon. Es vergeht kein Tag ohne Android- oder Motorolawerbung. Bitte die Artikel entsprechend kennzeichnen.
scionescio 12.09.2011
2. Immer noch nicht...
Zitat von sysopMotorolas Über-Smartphone Atrix soll Handy, Mobilcomputer und Multimedia-Player zugleich sein. Matthias Kremp hat das vermeintliche Wunderding getestet. Ist es wirklich eine digitale Mehrzweckwaffe? http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,784717,00.html
Da ich auf so eine Kombination seit Jahren warte, werde ich noch ein wenig länger warten, bis es hierzu Konkurrenten gibt.
obacht! 12.09.2011
3. .
Zitat von spatenheimerTypisch Spon. Es vergeht kein Tag ohne Android- oder Motorolawerbung. Bitte die Artikel entsprechend kennzeichnen.
Nur an jedem zweite Tag, an den anderen Tagen gibt es Apfel "Werbung" Mein Gott, immer diese geistlosen Kommentare. In Ihren Augen ist eine Test-Zeitschrift also ein Werbeblättchen?
cor 12.09.2011
4. Das erste mal
Zitat von spatenheimerTypisch Spon. Es vergeht kein Tag ohne Android- oder Motorolawerbung. Bitte die Artikel entsprechend kennzeichnen.
Jetzt lese ich zum ersten mal, dass sogar für Android Werbung gemacht wird. Bisher war's doch immer nur der angebissene Apfel. Letztens habe ich einen Bericht über den Leopard 2 gelesen hier auf SPON. Macht dann SPON Ihrer Meinung nach auch Werbung für Panzer?
seduro34 12.09.2011
5. Werbung
Muß Werbung nicht gekennzeichnet werden? Und so ganz nebenbei finde ich die beschriebenen "Innovationen" nicht gerade bahnbrechend. Der Prozessor ist gut und man kann HD auf den Fernseher übertragen. Dafür ist der Preis incl. Zubehör ja wohl völlig überzogen. Aber bitte, jeder so wie er es mag.
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