Motorola Razr: Der Nassrasierer
Mit einem superflachen Smartphone will Motorola einen neuen Kult erschaffen, wie einst mit dem Klapphandy. Was kann das neue Razr? Es erledigt vollautomatisch Alltagsjobs, ein Update auf Android 4.0 ist versprochen. Im Härtetest hat Matthias Kremp das Telefon sogar unter Wasser gesetzt.
Motorolas Razr war ein Kulthandy. Allein vom ersten Modell, dem Razr V3, sollen in den zwei Jahren nach der Einführung 2004 rund 50 Millionen Stück an die Kunden gegangen sein. Dann kam das iPhone und der US-Konzern konnte von solchen Erfolgen nur noch träumen. Jetzt versucht Motorola den Razr-Kult wiederzubeleben - mit einem neuen Razr, das ganz anders ist als sein Urahn.
Denn während das Razr V3 fast schon synonym für Klapphandys stand, eine Metallfolientastatur hatte und so kompakt war, dass es auch zu kleinen Händen passte, besteht sein moderner Nachfolger fast nur noch aus einem Touchscreen. Und der ist so groß, dass man sogar mit langen Fingern Mühe hat, alle Ecken des Bildschirms zu erreichen.
Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Das erste Razr wurde nach Rasierklingen (auf Englisch razor blades) benannt, weil es für seine Zeit extrem dünn war, eben rasiermesserscharf. Dasselbe gilt für das neue Razr: Mit 7,1 Millimeter ist es so dünn wie wohl kein anderes Smartphone.
Klein ist es deshalb aber nicht. Der Bildschirm nämlich misst 4,3 Zoll in der Diagonale, gehört damit zu den größeren Vertretern seiner Art. Mit 960 x 540 Pixeln hat es eine sehr beachtliche Auflösung. Die sorgt dafür, dass viel Text auf den Bildschirm passt, der zudem schön scharf geschnitten erscheint. Die Hoffnung, das Display würde aufgrund der verwendeten Super-Amoled-Advanced-Technologie besonders brillant scheinen, wird aber nicht erfüllt. Der Bildschirm ist gut, kontrastreich und zeigt satte Farben, herausragend ist er nicht.
Moderate Eigenständigkeit, beschränkte Intelligenz
Ähnliches gilt für die Fotokamera. Mit ihrer Acht-Megapixel-Auflösung macht sie gute Bilder, hat aber Probleme bei schlechter Beleuchtung, die sie mit deutlich sichtbarem Rauschen quittiert. Glänzen kann sie bei HD-Videoaufnahmen, die knackig und scharf aufgezeichnet werden. Die Zoomfunktion nervt allerdings, weil sie nicht stufenlos arbeitet. Will man ein Detail vergrößern, ruckelt das Bild stufenweise an die gewünschte Zoomstufe heran.
Wie viele andere Hersteller hat auch Motorola dem installierten Android-2.3.5-System einen moderat modifizierten eigenen Look übergezogen. Dabei sind die Designer aber so behutsam vorgegangen, dass die Ergänzungen nicht stören. In erster Linie handelt es sich um ein paar grafische Effekte, die etwa beim Blättern zwischen den Homescreens kurz aufleuchten.
Besser versteckt und gleichzeitig nützlicher ist eine Motorola-App namens "Intelligente Aktion". Dabei handelt es sich um ein System, mit dem sich wiederkehrende Abläufe auf dem Telefon automatisieren lassen. Einige Beispiele, was man damit anstellen kann, liefert Motorola mit. Eine Aktion beispielsweise, die morgens automatisch Wettervorhersage und Nachrichten abruft. Eine andere, die den Klingelton stummschaltet und den Vibrationsalarm aktiviert, sobald man das Büro betritt, außerdem eine SMS nach Hause sendet, wenn man das Büro wieder verlässt. Eigene Aktionen lassen sich aus vorgefertigten Modulen leicht zusammentippen. Hat man sich einmal daran gewöhnt, mag man nicht mehr darauf verzichten.
Motorola verspricht Android-4.0-Update
Ganz fehlerfrei scheint die Aktionsautomatik aber nicht zu sein. In Web-Foren finden sich etliche Berichte von Anwendern, deren Razr sich mit der Fehlermeldung, ein Prozess namens com.android.phone sei abgestürzt, aus dem Mobilfunknetz abmelden. Auch unser Testgerät zeigte diese Meldung mehrmals, aber nicht nachvollziehbar, an. Einige Nutzer berichten, der Fehler trete nicht mehr auf, wenn man die W-Lan-Funktion abschaltet, andere, er verschwinde, wenn man die Automatik-Aktionen deaktiviert. Motorola selbst hat noch keine Abhilfe in Aussicht gestellt. Ein Software-Update dürfte das Problem beheben.
Bleibt zu hoffen, dass ein solches Zwischen-Update bald kommt und der Fehler nicht erst korrigiert wird, wenn Motorola das Update auf Android 4.0 ausliefert. Dass es ein solches geben wird, hat der Konzern bereits versprochen, Anfang 2012 soll die neue Software kommen. Damit hat das Unternehmen ein gewichtiges Argument für das neue Razr geliefert. Mit der Update-Ankündigung kann man es als zukunftskompatibel bezeichnen. Ein Prädikat, das angesichts der schleppenden Update-Politik vieler Hersteller bisher viel zu wenigen Android-Handys zugeschrieben werden kann.
Auch unter Wasser gut
Eine Garantie, dass das Razr ein Erfolg wird, ist das Update-Versprechen nicht. Sicher ist das neue Motorola ein besonderes Handy, weil es so superflach ist, weil es so viel im Automatik-Modus erledigen kann und weil es nicht wasserscheu ist. Motorola gibt an, das Gerät - und seine Innereien - seien von einer "wasser- und schmutzabweisenden Beschichtung" geschützt. Davon, das Gerät in Wasser zu tauchen, rät das Unternehmen trotzdem ab. Unser Testgerät haben wir trotzdem ausführlich unter einem Wasserhahn abgespült (siehe Fotostrecke) - ohne Folgen. Nachdem wir es ausführlich getrocknet hatten, funktionierte es wieder problemlos.
Ein Einzelstück ist es trotzdem nicht. Starke Konkurrenten sind Samsungs Galaxy S II und das HTC Sensation XE. Wenn man nicht auf Android fixiert ist, außerdem Nokias Lumia 800 und das iPhone 4S. Leicht wird es für Motorola also nicht, den Razr-Kult wiederzubeleben.
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- Donnerstag, 08.12.2011 – 11:30 Uhr
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