Von Matthias Kremp
Das "i" macht den Unterschied. Mit diesem Buchstaben kennzeichnet Handy-Hersteller Motorola, dass sein neues Android-Smartphone Razr-i von einem Intel-Prozessor angetrieben wird. Damit ist es zwar kein Unikat, aber doch etwas Besonderes. Obwohl der weltgrößte Chip-Hersteller seit Jahren versucht, im boomenden Handymarkt Fuß zu fassen, gibt es erst rund ein halbes Dutzend Mobiltelefone mit Intel-Antrieb. Zuletzt wurde in Indien ein Smartphone mit Intel Inside angeboten. Das Razr-i ist eine Chance für den Chip-Konzern, zu zeigen, ob seine Technik es wirklich mit den Konkurrenzmodellen von Qualcomm, Texas Instruments oder Samsung aufnehmen kann.
Motorola baut in das Razr-i einen Atom-Z-Prozessor mit zwei Gigahertz (GHz) Taktfrequenz, einem Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und nur einem Rechenkern ein. Diese Daten verheißen mäßige Leistungswerte. Das Testprogramm Geekbench 2 bestätigt das und bewertet das Motorola-Handy mit nur knapp 1000 Punkten. Zum Vergleich: Ein iPhone 5 kommt mit 1,3 GHz auf 1538 Punkte, Googles Nexus 4 schafft rund 2000 Punkte.
Eine lahme Krücke ist das Intel-Telefon trotzdem nicht. Alle von uns getesteten Apps liefen geschmeidig. Im Browser kann man schnell durch große Seiten scrollen, ohne dass es ruckelt, Spiele funktionieren problemlos. Die geringe Leistung hat allerdings auch einen moderaten Strombedarf zur Folge. Immerhin eineinhalb Tage hält das Razr-i bei normaler Nutzung auf Akkustrom durch. Hält man sich ein wenig zurück, schafft es auch zwei Tage. Die meisten anderen Smartphones machen früher schlapp.
Wenig Speicher, viel Bildschirm
Was es dagegen nicht schafft ist, eine umfangreiche Musiksammlung, viele Fotos oder gar Videos unterzubringen. Laut Hersteller soll das Gerät 4,9 GB frei verfügbaren Speichers aufweisen - beim Testgerät waren es 5,1 GB. Ausgesprochen wenig für ein Smartphone. Gut, dass man per microSD-Karte aufrüsten kann. Schade aber, dass das Handy laut Motorola maximal 32-GB-Karten akzeptiert.
Obwohl das Razr-i kaum größer ist als ein iPhone, bietet es einen 4,3-Zoll-Bildschirm, wo Apple nur 4 Zoll liefert. Allerdings ist die Auflösung des Apple-Handys mit 1136 x 640 Pixeln trotzdem besser als die 960 x 540 Bildpunkte des Motorola-Modells. Im Ergebnis liefert das iPhone 5 ein schärferes Schriftbild, etwas mehr Details. Weil das Display des Razr-i aber in ein so kleines Gehäuse verbaut wurde, muss man seine Finger zwar sehr strecken, um als Rechtshänder mit dem Daumen die linke obere Ecke des Displays zu erreichen, schafft das aber sehr viel leichter als bei anderen 4,3-Zoll-Handys.
Kevlar statt Plastik
Eine gute Idee ist der Rückdeckel aus Kevlar. Das Material hat Motorola 2011 eingeführt, mittlerweile gehört es zum typischen Motorola-Stil. Das Material wird auch für beschusshemmende Westen genutzt. Es ist stabil, leicht, bietet ein angenehmes Anfassgefühl und ist auch noch in Maßen rutschfest. Ähnlich wie das Razr von 2011 wird das Intel-Handy von Motorola als von einer wasserabweisenden Beschichtung geschützt beworben. Die, so heißt es in der Werbung, "schützt rundum vor Feuchtigkeit - sogar die Platinen im Inneren".
Bei einem Test 2011 funktionierte das auch prima, wir konnten unser Testgerät sogar unterm Wasserhahn abspülen, ohne dass es funktionelle Einbußen erlitt. Abtrocknen reichte. Beim Razr-i scheint dieser Schutz nicht ganz so gelungen zu sein. Nach dem Wasserhahn-Test versagte es den Dienst. Derzeit warten wir ab, ob es sich von dem Feuchteschock erholt und wieder benutzbar wird. Es ist aber nun schon seit fünf Tage im Koma.
Der Versuch, um einen Intel-Prozessor herum ein Android-Smartphone zu bauen, ist gelungen. Der Chip ist zwar keine Rennmaschine, aber gute Mittelklasse und der Akku relativ ausdauernd. Der Bildschirm ist gut, wenn auch nicht überragend, die 8-Megapixel-Kamera eine gute Grundlage für Schnappschüsse.
relativ lange Akkulaufzeit
recht schlankes Gehäuse
Speicherplatz erweiterbar
Gut brauchbare Kamera
langsamer Prozessor
wenig Speicherplatz
alte Android-Version
FazitOhne Vertrag kostet Das Razr-i rund 430 Euro. Für etwa zehn Euro mehr bekommt man bei Online-Händlern HTCs One X, das mit 32 GB Speicher und Quadcore-Prozessor besser ausgestattet ist und zudem mit Android 4.1 ausgeliefert wird. Das Razr-i kommt dagegen noch mit Android 4.0, ein Update auf Android 4.1 ist allerdings angekündigt. Ob es irgendwann auch auf das aktuelle Android 4.2 aktualisiert werden kann, ist derzeit unklar.
Für das Razr-i sprechen sein Design, die gute Ausdauer und seine trotz des großen Bildschirms schlanken Abmessungen. Es ist der Beweis, dass man auch mit Intel-Technik gute Smartphones bauen kann, aber keine herausragenden. Zumindest noch nicht.
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