Moto X Motorola stellt sein Google-Handy vor

Mit dem Moto X hat Motorola am Donnerstagabend das erste Smartphone vorgestellt, das komplett nach Googles Wünschen und mit Googles Unterstützung gebaut wurde. Kein anderes Smartphone wird so genau an die Wünsche des Kunden angepasst - und keines ist so amerikanisch.

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AP/dpa

Motorola lässt es nicht an großen Worten mangeln. Im offiziellen Firmen-Blog tönt der Konzern ganz amerikanisch: "Jedes Moto X, das in den USA verkauft wird, wird auch hier in den USA zusammengebaut." Tatsächlich hat der Konzern für die Fertigung des amerikanischen Modells extra eine ehemalige Handy-Fabrik von Nokia im Bundesstaat Texas übernommen.

Geld genug für solche Unternehmungen hat Motorolas neue Konzernmutter Google. Immerhin hat sich der Internetkonzern die vor zwei Jahren angekündigte Übernahme der Motorola-Mobilfunksparte 8,8 Milliarden Euro kosten lassen. Viel Geld, doch damit hat Google jetzt das Know-how, die Menschen und die Anlagen, um endlich echte Google-Handys zu bauen.

Denn genau darum handelt es sich beim Moto X ganz offenbar: Es ist das erste Handy, das ganz nach Googles Vorstellungen gebaut und nun verkauft wird. Und dabei macht das neue Duo aus Motorola und Google einiges anders als andere Hersteller von Google-Smartphones. Der Preis dafür wurde auf 199 Dollar (150 Euro) inklusive Mobilfunkvertrag festgelegt, ab Ende August, Anfang September soll es in den USA, Kanada und Lateinamerika lieferbar sein.

Das Handy hört immer zu

Besonders bemerkenswert ist dabei die immer aktive Sprachsteuerung. Selbst wenn das Handy sich im Ruhemodus befindet, reagiert es auf gesprochene Befehle. Diese müssen stets mit der Phrase "Okay, Google now" beginnen und entsprechen damit der Logik, die mit der Datenbrille Google Glass eingeführt wurde, bei der man Befehle mit "Okay, Glass" einleitet.

Die per Sprachsteuerung nutzbaren Funktionen erinnern dabei sehr an Apples Siri. So kann man das Handy genau wie ein iPhone fragen: "Brauche ich heute einen Regenschirm?" Als Antwort liefert das Mobiltelefon daraufhin je nach Wetterlage die passende Antwort. Oft aber soll es nicht einmal notwendig sein, das Handy anzusprechen. Automatisch sei es in der Lage, die Uhrzeit und neue Nachrichten auf dem Display einzublenden, ohne dabei zu stören. Kein Ton und kein Brummen soll nerven, doch wenn man auf den Bildschirm schaut, weiß man sofort Bescheid.

Neuland betritt Motorola mit dem Angebot, dass jeder Kunde sein Handy selbst gestalten kann. Über einen Online-Konfigurator, wie man ihn von Autoherstellern kennt, soll man aus 16 Gehäusen und sieben Akzentfarben wählen können. Außerdem stehen verschiedene Speicherkapazitäten, Bildschirmhintergründe und Wecktöne zur Wahl. Mehr als 2000 unterschiedliche Kombinationen seien so realisierbar, rechnet Motorola vor und verspricht, ein so modifiziertes Handy werde binnen maximal vier Tagen geliefert, dazu hat man ja die Fabrik in Texas. Die allerdings schränkt das Angebot sogleich auf US-Kunden ein.

Spezialchips

Kanadier und Bewohner Lateinamerikas müssen vorerst mit der Standardversion vorliebnehmen, die in Schwarz oder Weiß geliefert und mit 16 GB nicht erweiterbarem Speicher bestückt ist. Als Antrieb dient dem Gerät ein Satz von Chips, wie sie Motorola bereits für seine Droid-Smartphones entwickelt hat. Die Grundlage bilden ein Dualcore-Prozessor mit 1,7 GHZ und 2 GB Speicher sowie ein Quadcore-Grafikchip.

Zusätzlich aber sind zwei weitere Prozessoren in das System integriert, die auf das Abarbeiten bestimmter Aufgaben spezialisiert sind. So ist ein Prozessor dafür abgestellt, die jederzeit möglichen Spracheingaben umzusetzen. Der zweite wird als kontextabhängiger Prozessor bezeichnet und ist dafür zuständig, die Daten der ins Handy integrierten Sensoren auszuwerten und den Datenverkehr im Stromsparmodus des Handys zu steuern.

Eine weitere Besonderheit ist die Kamera. Mit 10,5 Megapixeln bietet sie eine gute Auflösung, soll aber durch Nutzung einer als Clear Pixel bezeichneten Technik mehr Licht einfangen können als herkömmliche Handy-Kameras und dadurch vor allem bei schlechten Lichtsituationen bessere Ergebnisse liefern.

Mit dem Moto X liefern Motorola und Google ein Smartphone, das vielen gefallen und der Konkurrenz Kopfschmerzen bereiten dürfte. Einen solchen Mix aus Technik, Design und Personalisierung hat es noch nicht gegeben. Abzuwarten bleibt, wie die Konkurrenz reagiert. Klassische Hersteller von Android-Handys könnten ihre Befürchtungen bestätigt sehen, dass Motorola nach der Übernahme durch Google Vorteile bei der Entwicklung seiner Mobiltelefone nutzen kann.

Abzuwarten bleibt aber auch, ob Motorola ein ähnliches Angebot auch für Europa bereithält. Das Moto X jedenfalls soll es nur in Amerika geben. Zu Plänen für eine Einführung in anderen Teilen der Welt hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung dieses Textes hatten wir versäumt, darauf hinzuweisen, dass der Preis für das Moto X inklusive Mobilfunkvertrag gilt. Wir haben das ergänzt und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 132 Beiträge
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Seite 1
Prof. Dr. Dr. Dr. 01.08.2013
1. $199 mit 24 Monaten VERTRAG!
Das wurde jetzt nicht gerade verschwiegen! Spiegel? Hallo?
sponer59 01.08.2013
2. So so
es hört also immer mit. Wer sich solch ein Spyphone kauft, ist selbst Schuld. Google is evil!
centralin77 01.08.2013
3.
Wie war das gleich nochmal mit 'das' und 'dass'...
yoschka 01.08.2013
4.
Doof nur, dass es das Moto X nur mit Vertrag für 199$ gibt. Wie das ohne Vertrag aussieht, weiß noch keiner.
tuscreen 02.08.2013
5. optional
Irgendetwas sagt mir, dass die Stimmung heute bei Nokia und Microsoft nicht allzu gut sein wird..... ;) Aus Kundensicht weiß ich allerdings nicht, ob es mich freuen soll, das Google seine "All your data are belong to us!!!111!!"Strategie jetzt auch auf eigenen Mobiltelefonen fortführt.
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