Motorola-Tablet im Kurztest Und es hat Xoom gemacht

Am Mittwochabend kommt das iPad 2 - doch schon jetzt ist in den USA der erste direkte Konkurrent für Apples Tablet auf dem Markt. Das Xoom von Motorola kann Android, hat einen Zweikernprozessor, mehr Arbeitsspeicher und einen größeren Bildschirm. SPIEGEL ONLINE hat es ausprobiert.

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Da ist er also, der erste echte iPad-Herausforderer, den es auch zu kaufen gibt: Motorolas Xoom, ein Tablet mit dem Android-Betriebssystem 3.0, Spitzname Honeycomb. Schwer liegt es in der Hand und macht mit seinem schwarz-matten Gehäuse auch einen soliden Eindruck. Das 10,1 Zoll große Display könnte im ausgeschalteten Zustand als Spiegelersatz dienen, wären da nicht die vielen Schlieren. Über einen Knopf an der Rückseite lässt sich das Gerät starten oder aus dem Ruhezustand wecken. Los geht der Vergleich Xoom vs. iPad.

Natürlich muss sich das Motorola-Produkt an Apples Gerät messen lassen. Seit einem Jahr ist Apples Tablet nun schon auf dem Markt, bisher tat sich die Konkurrenz schwer, eine ernsthafte Alternative zu präsentieren. Das soll sich jetzt mit Android-Geräten endlich ändern. Den Anfang macht Motorolas Xoom, Geräte von LG Electronics, HP und HTC sollen folgen. Samsungs Galaxy Tab ist deutlich kleiner, ebenso wie Dells Streak.

Der erste Eindruck ist gut: Das Xoom bringt satte Farben auf das im Vergleich zum iPad um 0,4 Zoll Diagonale größere Display, Android reagiert schnell und ohne Aussetzer. Das Tippen auf der Bildschirm-Tastatur ist ein wenig mühsam, letztlich aber Gewöhnungssache und ein Problem aller Tablets. Der Wechsel zwischen geöffneten Programmen geschieht fast ohne jeden Zeitverlust.

Websites öffnen sich in der Mobilversion

Was das iPad erst in einer nächsten Version kriegen soll, die wohl am Mittwochabend vorgestellt werden wird, ist beim Xoom schon Standard: Zwei Kameras auf Vorder- und Rückseite ermöglichen Schnappschüsse und Videochats. Für viel mehr reicht die Qualität der verbauten Linsen allerdings auch nicht aus. Trotz LED-Blitz verwackelten Testbilder bei Tageslicht im Büro.

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Motorolas Xoom: Schnelles Tablet mit großem Display
Google-Anwendungen wie Mail, Kalender, Maps oder Talk wurden bereits für die neuen Honeycomb-Tablets angepasst. Sie nutzen die Größe des Displays aus und sind sorgsam auf die Benutzeroberfläche abgestimmt. Bei anderen Apps sieht es hingegen oft mau aus: Noch sind die meisten der im Android-Market erhältlichen Programme auf die Bildschirmgröße von Smartphones abgestimmt.

Statt der offiziellen Facebook-App für Android empfiehlt sich deswegen einstweilen der Umstieg auf die Website. Der eingebaute Browser ist schnell und lässt sich gut bedienen - nur merken einige Websites, dass ein Android-Nutzer bei ihnen vorbeischaut und liefern eine Mobilversion ihrer Seite aus. Die sieht auf dem großen Display des Xoom arg verloren aus.

Flash ist vorgesehen, funktioniert aber noch nicht

Flash-Inhalte soll das Xoom auch anzeigen können, jedenfalls später mal: Bislang fehlt die Unterstützung für das von Apple geschmähte Multimedia-Format. Ein HTC-Handy mit Android 2.2.1 kann hingegen schon jetzt Flash-Inhalte abspielen, ganz ohne Update. Für Android-Neulinge etwas gewöhnungsbedürftig: Der Browser tauscht die Schriftarten auf Websites aus. Die Android-Schrift soll besser lesbar sein. Jedenfalls sehen bekannte Seiten so erst einmal anders aus.

Im Gegensatz zum iPad ist man beim Xoom beim Synchronisieren mit dem Computer nicht auf die Hersteller-Software angewiesen. Das iPad synchronisiert Filme, Musikdateien und Fotos nur über die Apple-Software iTunes mit einem Computer oder Mac. Beim Xoom genügt es, das Tablet mit dem USB-Kabel an einen Rechner anzuschließen, das Tablet taucht dann als Laufwerk am Rechner auf, und Filme, Musikdateien und Bilder lassen sich einfach auf das Tablet und wieder zurück kopieren - ganz ohne Zusatzprogramme und Synchronisierung. Das ist bei Android-Geräten so üblich.

Während sich das Xoom in unserem Kurztest technisch überhaupt nicht vor dem iPad verstecken muss, gibt es noch eine tiefe Baugrube: die fehlenden Inhalte. Der Android Market ist bei weitem noch nicht so gut gefüllt wie das Apple-Angebot. Apple hat ein beeindruckendes Sortiment aufgereiht, von Musik, Büchern, Filmen bis hin zu Anwendungen und Spielen bietet der Shop alles aus einer Hand. Auf dem iPad beliebte Anwendungen wie das Tablet-Magazin "Wired" oder das Spiel "World of Goo" gibt es für Android - noch - nicht. Das dürfte sich aber bald ändern - Anbieter wie Dropbox, Evernote und Plaxo bieten längst Android-Anwendungen.

Und natürlich kann man auf dem Xoom-Tablet mit Anwendungen wie Amazon MP3, Spotify, Simfy oder Kindle auch Musik und E-Books der entsprechenden Anbieter laden - da braucht man dann aber noch ein zweites Login, es ist also nicht ganz so einfach wie bei Apple. Aber auch nicht wirklich schwierig.

Das bedeutet aber auch: Noch gibt es nicht viele deutschsprachige Angebote für Android-Tablets wie das Xoom. Die Telekom, die das Xoom mit UMTS-Empfangsteil ab Ende April für drei Monate exklusiv in Deutschland anbieten will, hat gerade einen eigenen Online-Kiosk gestartet. Die passende App, damit sich über PagePlace gekaufte Bücher und Zeitungen auch auf Android-Geräten ansehen lassen, fehlt allerdings noch.

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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
Spacemop 02.03.2011
1. Aha!
Das ist also jetzt die erste ernstzunehmende Konkurrenz des iPad. Das, nach knapp einem Jahr! Glückwunsch!!!
wanderprediger, 02.03.2011
2. Hat es wirklich Xoom gemacht?
Zitat von sysopAm Mittwochabend kommt das iPad 2 - doch schon jetzt ist in den USA der erste direkte Konkurrent für Apples Tablet auf dem Markt. Das Xoom von Motorola kann Android, hat einen Zweikernprozessor, mehr Arbeitsspeicher und einen größeren Bildschirm. SPIEGEL ONLINE hat es ausprobiert. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,748569,00.html
Nett, aber wahrlich keine ernst zu nehmende Konkurrenz für das iPad 2. Wo ist die Innovation? Das BESSER als das iPad sein?
Albedo4k8, 02.03.2011
3. Traue lieber Profis
Ich wuerde eher den Review von Anandtech trauen: http://www.anandtech.com/show/4191/motorola-xoom-review-first-honeycomb-tablet-arrives/ Und das sieht nicht so rosig aus! Besonders Android-OS scheint eher Mau
frysee 02.03.2011
4. Der Preis der Innovation oder die Gier der Hersteller?
Schön zu sehen, dass die Android-Tablets dank Tegra2 und Honeycomb endlich am Markt angekommen sind. Glücklicherweise sind für das kommende Jahr noch viele weitere Slates angekündigt, denn der Preis von $800 dürfte den meisten Gadget-Liebhabern den Aufsprung auf den Tablet-Zug (bzw. den Umstieg von der fruchtigen Konkurrenz) schwerer machen, als nötig - dagegen erscheint selbst der Preis des Samsung Galaxy Tabs zu seiner Einführung vor einem halben Jahr als Schnäppchen.
reep8ano 02.03.2011
5. Motorola Update Policy
"..gibt es noch eine tiefe Baugrube" wohl wahr, und im Hinblick auf Motorola's Update Politik beim Mobiltelefon "Milestone" (Anm: ein Update des Android Gerätes auf die Version 2.2 aka Froyo wurde mehrfach verschoben und bisher nicht geliefert) steht zu befürchen, dass es lange eine Baugrube bleibt.
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