Radio-Digitalisierung in Europa Langsamer Abschied von UKW

Beim Antennen-TV ist der Digitalumstieg in Deutschland längst erledigt. Radiosender hingegen strahlen weiter überwiegend analog aus. Wie sieht es mit der Rundfunk-Digitalisierung in anderen Ländern aus?

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Norwegen hat mit dem Ausstieg aus der analogen Radiotechnik UKW begonnen. In der Region Nordland nutzen landesweite Sender den UKW-Standard seit Mitte vergangener Woche nicht mehr. Nach und nach sollen, von einigen Ausnahmen abgesehen, bis Ende des Jahres auch die UKW-Radios in den anderen Landesteilen verstummen.

Das zuständige norwegische Ministerium hatte den Zeitplan für den Umstieg 2015 festgelegt, das Land ist damit Vorreiter. Die meisten anderen Länder in Europa, inklusive Deutschland, sind noch nicht so weit. Zwar wird in Deutschland ebenfalls intensiv über den Umstieg auf das Digitalradio DAB+ diskutiert. Ein schnelles Aus für den analogen Sendebetrieb ist aber nicht abzusehen.

Nach Daten aus dem vergangenen Herbst gibt es bundesweit nur in knapp fünf Millionen Haushalten ein Radiogerät, mit dem man den digitalen Radiostandard DAB+ empfangen kann. Immerhin: Zwei Jahre zuvor waren es erst knapp drei Millionen.

So sieht es in anderen Ländern der Welt aus:

  • In Dänemark ist Digitalradio schon weit verbreitet. Statistisch gesehen wird es bereits von jedem dritten Dänen genutzt. Politisch ist vereinbart, dass eine Entscheidung über ein Datum für das Ende der UKW-Ära getroffen wird, wenn 50 Prozent aller Radioübertragungen digital empfangen werden. Doch auch dann sollen bis zum endgültigen Ende der UKW-Ausstrahlungen noch mindestens zwei Jahre vergehen.
  • Auch in Großbritannien soll erst dann ein Zeitplan für die Analogabschaltung erstellt werden, wenn die Hälfte aller Hörer auf digitalen Empfang umgestiegen und wenn 90 Prozent aller Haushalte abgedeckt sind. Letzteres ist bereits der Fall.
  • In den Niederlanden will das Wirtschaftsministerium frühestens 2022 ein Datum für den Umstieg festlegen. Die Zahl der DAB-tauglichen Geräte liegt bei nur rund sechs Prozent der Haushalte.
  • In der Schweiz ist der UKW-Ausstieg absehbar: Bis 2019 sollen zunächst alle UKW-Programme auch digital verbreitet werden. Das Ende für UKW ist für 2024 geplant.
  • In Österreich dagegen sieht es noch nicht danach aus. Der Marktführer ORF beabsichtigt nicht, auf DAB+ umzusteigen und hält eine Parallelausstrahlung nicht für sinnvoll.
  • In Spanien gibt es noch keine Pläne, die UKW-Sender verstummen zu lassen. Das Land testet DAB seit mehr als 15 Jahren. In Madrid und Katalonien hat ein großer Teil der Bevölkerung sicheren Digitalempfang, in anderen Teilen des Landes gibt es häufig überhaupt kein DAB-Radio. Nach einem Regierungsbeschluss von 2002 soll eine Umstellung auf DAB+ erfolgen. Ein Zeitpunkt dafür wurde nicht festgelegt.
  • In Polen wird es noch einige Zeit dauern, bis Digitalradio zum Standard wird. Bislang gibt es keinen flächendeckenden Empfang. Er beschränkt sich nach Angaben des polnischen Rundfunks auf größere Städte und deren Umgebung. Während Sender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Digitalradio umsteigen, senden kommerzielle Stationen weiter über UKW.
  • In Tschechien sieht es ähnlich aus: Einen Zeitplan für die Abschaltung der Ultrakurzwelle gibt es noch nicht. Den Ausbau des Digitalradios DAB treibt der öffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk voran. Mittlerweile wird gut die Hälfte der Bevölkerung erreicht, die DAB+-Abdeckung erstreckt sich aber nur auf die wichtigsten Ballungszentren. Die Privatsender sind mehrheitlich gegen die neue Verbreitungstechnologie.
  • In der Slowakei herrscht ebenfalls keine Eile. Zwar wird digitales Radio seit 2011 getestet. Doch erst am 11. Januar 2017 beschloss die Regierung ein vom Ministerium für Telekommunikation ausgearbeitetes Strategiepapier. Es enthält keinen verbindlichen Zeitplan für die Umstellung.
  • In Ungarn ist Digitalradio nur minimal verbreitet. Die rechtskonservative Regierung von Viktor Orbán zeigt kein Interesse daran, das zu ändern. Die Vergabe der Lizenzen durch die regierungsabhängige Medienaufsichtsbehörde NMHH ist für sie ein wichtiges Instrument der politischen Steuerung.
  • In Lettland sind seit Ende 2016 alle öffentlich-rechtlichen Radioprogramme des lettischen Rundfunks im Großraum Riga vorerst für ein Jahr digital empfangbar. Private Radiobetreiber sehen die Entscheidung kritisch. Wie der Streit ausgeht, ist offen.
  • In Estland steht der Abschied vom UKW-Radio nicht zur Debatte.
  • In Litauen wurde DAB bereits 2001 getestet. Die Nachfrage war gering. Derzeit gibt es keine Pläne für einen Wechsel von UKW auf digitales Radio.
  • In Russland wurde DAB+ seit 2014 in und um Moskau getestet. Die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend. Deshalb gibt es keinen Termin für eine Umstellung. Der Übergang von analoger auf digitale Fernsehausstrahlung hat für den staatlichen Antennenbetreiber RTRS Vorrang.
  • In Griechenland ist ebenfalls kein Aus für UKW in Sicht. Nach einer Reihe von Tests privater Radiosender im Raum Athen im Jahr 2006 gibt es noch keine einzige DAB-Sendung. Es gibt auch keinen Plan, Digitalradio einzuführen. DAB-Radios sind im Handel kaum erhältlich.
  • In Rumänien ist zur flächendeckenden Einführung des Digitalradios noch keine Entscheidung gefallen. Der Staatsrundfunk und etliche Privatsender sind per UKW und als Online-Livestream zu empfangen.
  • In Bulgarien soll das Digitalradio 2020 eingeführt werden. Der Umstieg auf DAB+ dürfte in dem ärmsten EU-Land schleppend vorankommen. In ländlichen Gebieten sind seit Jahrzehnten analoge Rundfunkgeräte der Standard. Der Kauf von DAB-Empfängern wäre für die arme Landbevölkerung eine zusätzliche Belastung.
  • Für Deutschland war die Umstellung ursprünglich für 2010 geplant, der Termin wurde jedoch nicht eingehalten. Ein neues Datum steht noch nicht fest. Zwar ist DAB+ fast flächendeckend empfangbar, doch laut Digitalisierungsbericht 2016 verfügen bisher nur 13,8 Prozent der Deutschen über ein Digitalradio.

mak/dpa



insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
tschoe 18.01.2017
1. DAB+ oder eher DAB-
Zitat:...Zwar ist DAB+ fast flächendeckend empfangbar.../Zitat. Ich habe mir ein analoges Radio geholt, welches zufällig auch DAB+ an Bord hatte. Im Haus habe ich keine Sender über DAB empfangen können und ich lebe nicht im Niemandsland. Wie man da von flächendeckend oder gar qualitativ sprechen kann, ist mir ein Rätsel. Daher verwundert mich der niedrige Verbreitungsgrad nicht.
ted211 18.01.2017
2. Volksempfänger
Das Bild des Volksempfängers passt ausgezeichnet zum Thema UKW-Rundfunk!
senfwasser 18.01.2017
3. Ich überlege gerade..
... mir so ein digitales Radio fürs Büro zuzulegen. Der UKW-Empfang hier im Stahlbetonbau ist recht mäßig. Wenn ich aber den Kommentar von tschoe lese bin ich schon wieder skeptisch, ob es mit DAB+ besser ist. Also bei Amazon bestellen und im Zweifelsfall zurückschicken.. Auch wenn ich neuem recht aufgeschlossen gegenüber stehe, fände ich es doch etwas schade, wenn das analoge Signal irgendwann abgeschaltet würde. Ich erinnere mich daran, dass es für mich als Kind ein großes Erfolgserlebnis war, als ich mein erstes eigenes Transistorradio gebastelt habe und damit tatsächlich Radio hören konnte.
exHotelmanager 18.01.2017
4. Am Problem vorbei
Das Problem sind doch nicht die in den Haushalten vorhandenen oder nicht vorhandenen Gerät. Da wird ohnehin eher TV geschaut. Das Problem sind 99,96% aller Kraftfahrzeuge, die kein DAB+-taugliches Empfangsgerät an Bord haben und wegen proprietärer Einbaugeräte auch nicht nachgerüstet werden können. Die Hersteller verlangen für DAB+ absurde Preise und die, die schon früh eines gekauft haben, stehen jetzt mit einem nach dem Wechsel des Standards unbrauchbaren Gerät da.
DonCarlos 18.01.2017
5. Wie viele Autoradios können DAB empfangen?
Für viele Automodelle bekommt man auch schlicht keine alternativen Autoradios, weil die vorhandenen Funktionen im Auto übernehmen.
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