Netzwelt-Ticker: Verlag verbietet unbegrenzte E-Book-Ausleihe

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Ein US-Verlag versieht seine E-Books für Büchereien mit Verfallsdatum - nach 26 Ausleihen muss die Lizenz erneuert werden. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Apple könnte bald seinen Chefdesigner verlieren, WikiLeaks bekommt eine Öko-Schwester. Das und mehr im Überblick.

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Corbis

E-Book mit Lizenzverfall: Bibliotheken müssen digitale Bücher reaktivieren

HarperCollins, einer der großen US-Verlage, ist schon seit längerem im E-Book-Geschäft unterwegs. Zu den Abnehmern gehören auch Büchereien, die elektronischen Titel ähnlich wie gedruckte Bücher an ihre Kunden verleihen. Die Bibliothek kauft eine Lizenz, die Nutzer können die E-Books ausleihen und zwei Wochen lang nutzen, danach steht der Titel wieder für alle zur Entleihe bereit. Während die Zahl der Ausleihen der Papierwerke durch den Verschleiß begrenzt ist, können E-Books unendlich oft ausgegeben werden. Warum eigentlich, fragten sich die Verantwortlichen bei HarperCollins und setzten nun ein Limit: Ab dem 7. März hat es mit der unendlichen Ausleihe ein Ende. Nach der 26. Ausleihe ist dann Schluss, die Bibliothek muss das Buch erneut kaufen.

Während der Verlag den Schritt mit dem "Schutz unserer Autoren" begründete, gibt es bei den Büchereien lange Gesichter. "In Zukunft werden es sich die Bibliotheken zweimal überlegen, welche E-Books sie kaufen", zitiert die "New York Times" eine Bibliothekarin aus Chicago. Auch sonst ist der Unmut groß, in Zeiten von Budgetkürzungen sei es schwerlich möglich, noch mehr Finanzmittel als bisher für den Buchkauf aufzubringen, so die Klage.

Noch steht HarperCollins mit seiner Initiative allein da. Aber es ist zu erwarten, dass bald auch andere Verlage nachziehen und ihre E-Books ebenfalls mit einem Verfallsdatum ausstatten. Und was sich in den USA als erfolgreiches Verdienstmodell durchgesetzt hat, könnte mit ein oder zwei Jahren Verspätung auch deutschen Büchereien blühen.

Verliert Apple sein Design?

Jonathan Ive verlässt möglicherweise demnächst Apple. Jonathan wer?, wird jetzt mancher fragen. Neben Steve Jobs, der Hauptfigur im Unternehmen, fallen andere wichtige Mitarbeiter nicht sonderlich auf. Und wenn es der Chefdesigner ist, der für die Gestaltung von zum Kult avancierten Geräten wie dem iPod, iPhone oder dem iPad verantwortlich zeichnet. Doch diese Erfolgsstory könnte an ihr Ende gekommen sein. Unter Berufung auf die "Times" meldet "Mashable", Ive sei mit den Apple-Bossen wegen seiner häufigen Aufenthalte in seiner Heimat England überkreuz geraten.

Dort wolle sich Ive um seine schulpflichtigen Kinder kümmern. Ein Abgang könnte sich für Ive auf alle Fälle lohnen. Angeblich hat der 44-Jährige 2008 Aktien-Optionen erhalten, die jetzt an die 30 Millionen Dollar wert sind. Zusammen mit seinem sonstigen Vermögen würde er an die 130 Millionen mitnehmen. Für Apple jedoch wäre diese Personalie ein ernstzunehmender Verlust, zumal in einer Zeit, in welcher der alles bestimmende Firmenchef krankheitsbedingt auszufallen droht. Ive selbst scheint bereits seit längerem in einer Art innerer Kündigung zu verharren. So jedenfalls könnte seine Feststellung gedeutet werden, die er bereits im Mai traf: " Apple stand für etwas und hatte einen Beweggrund, der nicht nur im Geldmachen bestand."

Musik-Labels verdienen Millionen mit YouTube

Jahrelang haben die Manager der großen Musik-Labels über Video-Plattformen wie YouTube geklagt, dort fände ständig Piraterie statt und ihnen, den Labels, entginge jede Menge Geld. Etwas Geld fließt aber doch, seitdem Sony, Warner, Universal und EMI Partnerschaften mit YouTube eingegangen sind und auf eigenen Kanälen Musikvideos hochladen.

Diese Label-Kanäle sind ein begehrtes Werbeumfeld, inzwischen wird mit Anzeigen neben den Clips Millionen verdient, wie der "New Zealand Herald" berichtet. Vor allem im vergangenen Jahr seien die Gewinne förmlich explodiert. Die Werbeerlöse hätten sich 2010 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, bei manchen Angeboten sogar verdreifacht. Bei YouTube sieht man noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, schließlich könnten noch weitere Partnerschaften geschlossen werden. Außerdem gibt es noch ein Reihe von Ländern, die es zu erobern gilt.

WikiLeaks bekommt Öko-Schwester

Mittlerweile schießen die Informanten-Plattformen geradezu ins Kraut, nach WikiLeaks und OpenLeaks ging nun ein Portal für Öko-Belange an die Öffentlichkeit. Unter dem Namen Greenleaks soll interessierten Lesern der unzensierte Zugang zu Dokumenten aus dem Bereich Industrie und Umweltschutz geboten werden. Diese Informationen richten sich genauso an den privaten Leser wie Journalisten oder auch Aktionäre, die sich detaillierter über das Umweltverhalten "ihres" Unternehmens informieren wollen. "Wir sind nicht nur daran interessiert, Informationen um ihrer selbst willen zu veröffentlichen, sondern es Betroffenen zu erleichtern, durch Informationen Unternehmen und die Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, um damit die öffentliche Gesundheit und den Umweltschutz zu verbessern", erklären die Macher ihre Mission.

"Monkey Island 3" im 2-D-Retrolook

Inzwischen ist 3-D-Animation bei Computerspielen nicht mehr wegzudenken, aber so mancher hat beim Anblick der guten alten 2-D-Grafiken nostalgische Seh-Süchte. Die ergriffen auch den Programmierer Josh Harris. Er nimmt sich "Curse of Monkey Island" vor, das dritte Spiel der Affeninsel-Reihe (und das erste mit dem der sehr umstrittenen 3-D-Grafik). Harris will da Abhilfe schaffen und dem 3-D-Monkey-Island die alte 8-Bit-Grafik verpassen, natürlich mit schmeichelnden Midi-Klängen garniert. Auf die Frage, warum er sich überhaupt dieser Arbeit unterzogen habe, aus dem Spiel eine grobgepixelte Version zu machen, erklärte Harris: "Ich liebe alles, das mich an die Zeit erinnert, als ich ein Kind war; außerdem wollte ich ein Teil der 8-Bit 'Kunstszene' sein."


Auch das noch:

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Monkey Island 3
mghurt 28.02.2011
Der dritte "Monkey Island"-Teil hat keine 3D-Grafik. Erst der vierte benutzt die leicht aufpolierte 3D-Engine von "Grim Fandango". Im Unterschied zu den ersten beiden "Monkey Island"-Titeln, die einen stärker realitätsbezogenen Grafikstil aufweisen, schaut der dritte Teil sehr viel absurder aus. Genau diese verschlimmbessernde Änderung in der "art direction" bewog Josh Harris dazu "Curse of Monkey Island" im Stil der ersten beiden Titel neu zu kreieren.
2. Heißt das, ...
DerJohnny 28.02.2011
Zitat von sysopEin US-Verlag versieht seine E-Books für Büchereien mit Verfallsdatum*- nach 26 Ausleihen muss de Lizenz erneuert werden. Außerdem im Nachrichten-Überblick:*Apple könnte bald seinen Chefdesigner verlieren, WikiLeaks bekommt eine Öko-Schwester. Das und mehr im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,748081,00.html
...dass ich ein gekauftes E-Book dann auch wieder verkaufen kann? Ist ja mit einem normalen Buch auch möglich. Oder wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen?
3. <->
silenced 28.02.2011
Zitat von DerJohnny...dass ich ein gekauftes E-Book dann auch wieder verkaufen kann? Ist ja mit einem normalen Buch auch möglich. Oder wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen?
Es ist gut für den Verlag = es wird so gemacht. Es ist gut für den Verbraucher = es wird untersagt. Ganz einfach.
4. eBook, nein danke.
Zyklotron 01.03.2011
Ich bleibe sowieso lieber beim alten Papierbuch. Das hält unter Umständen mehr als 1000 Jahre und der Verlag kann es mir nicht mehr wegnehmen. Deshalb kaufe ich auch weiter CDs, statt MP3s. eBooks sind höchstens was für Servicetechniker, die alles auf ihrem Laptop oder Reader haben sollten. Der Genießer blättert lieber manuell um.
5. Chefdesigner geht
Meckermann 01.03.2011
Darf man denn bei Apple einfach so austreten oder wird man dann exkommuniziert und auf den Scheiterhaufen gebracht?
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Zum Autor
Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

Soziale Netzwerke
Facebook
DPA
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
DPA
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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