Neue Gadgets: Das Highspeed-Fahrrad aus dem Computer

Von Frank Müller und Jan Tißler

Das windschnittige Zipcycle soll weniger als ein Viertel des Luftwiderstands normaler Fahrräder aufweisen - und sich deshalb doppelt so schnell fahren lassen. Außerdem in der Gadget-Schau von neuerdings.com: Ein Kopfhörer, der viel durchlässt und ein 3-D-Drucker, der wenig kosten soll.

Zipcycle: Ein Drahtesel mit Zukunft? Zur Großansicht

Zipcycle: Ein Drahtesel mit Zukunft?

Gut 40 Kilometer legt Designer Eric Birkhauser täglich zurück, wenn er mit dem Rad ins Büro und zurück fährt. Während dieser Fahrten hat er sich offenbar irgendwann die Frage gestellt, warum ein Fahrrad heute grundsätzlich noch fast genauso konstruiert wird wie vor hundert Jahren, während sich Autos enorm verändert haben. Könnte man Erkenntnisse aus der Aerodynamik und neue Materialien nicht mit einem neuen Designansatz kombinieren, um das Fahrrad effektiver und praktischer zu machen? Das soll Birkhausers Entwurf leisten, den er auf den Namen Zipcycle getauft hat. Jetzt sucht er auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo nach Unterstützern, die an seine Idee glauben. Er braucht 18.000 Dollar, um einen funktionsfähigen Prototypen zu bauen.

Sofort fällt beim Zipcycle die Karosserie auf, die vor allem den Luftwiderstand reduzieren soll. Während ein heutiger Radler einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,8 habe, könne er mit dem Zipcycle auf 0,14 sinken, erklärt der Designer. Dafür sorge nicht nur die Vollverkleidung, sondern auch die Position des Radlers, die eher der eines Liegerads entspricht. Konkret würde diese Verringerung bedeuten, dass man 40 Prozent weniger Energie braucht, um eine Geschwindigkeit von 32 Stundenkilometern beizubehalten. Im Schnitt sei ein radelnder Pendler mit etwa 20 Stundenkilometern unterwegs. Mit dem Zipcycle ließe sich das auf 40 Stundenkilometer verdoppeln, erklärt Eric Birkhauser auf der Indiegogo-Projektseite.

Neben der verbesserten Aerodynamik hat die Karosserie einen weiteren Vorteil: Unter dem Sitz hat Eric Birkhauser einen Stauraum vorgesehen. Zudem könnte er sich für künftige Entwürfe eine Vollverkleidung vorstellen, damit man gegen Wind und Wetter geschützt ist.

Bislang nur ein Entwurf im Computer

Bislang existiert das Zipcycle nur als Entwurf im Computer. Nun möchte der Designer einen Prototypen bauen, um die Idee zu verfeinern und eine Vorlage für die Produktion zu haben.

Ob sein Plan aufgeht, ist noch nicht klar. Es ist nur noch etwas über eine Woche Zeit, bis das Indiegogo-Projekt abläuft und bislang ist es weit vom Ziel entfernt. Auch wenn die geplante Summe nicht erreicht wird, geht das Geld an den Designer. Ob er seinen Traum dann aus der eigenen Tasche finanziert, bleibt offen.

Offen bleiben zugleich einige Fragen mit Blick auf die Projektseite. So ist nicht klar, wie bequem es wohl sein mag, mit dem Zipcycle zu fahren. Wie richtet man es eigentlich auf unterschiedliche Körpergrößen ein? Wie pumpt man die Reifen auf? Und wo ist die Beleuchtung geblieben?

Das sind alles Fragen, mit denen sich Eric Birkhauser auseinandersetzen würde - wenn sich denn genug Unterstützer finden. (Jan Tißler)

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EarHero Sport In-Ohr-Kopfhörer

EarHero Pro: Musik hören und anderen zuhören Zur Großansicht
earHero

EarHero Pro: Musik hören und anderen zuhören

Manche Kopfhörer sind so auffällig gestaltet, dass man sie sofort bemerkt, andere - wie die earHero Pro - sollen eben gerade nicht auf den ersten Blick entdeckt werden.

Die earHero Pro sind für Sicherheitspersonal entwickelt worden. Klar, dass man Wert auf Diskretion legt. Und darauf, dass der Knopf im Ohr das Hören von Außengeräuschen nicht blockiert. Bei den earHero Pro liegt der Schwerpunkt auf der Kommunikation mit Kollegen, nicht auf Musikhören. Anders bei den earHero Sport.

Denn nicht nur Sicherheitspersonal ist darauf angewiesen, Außengeräusche mitzubekommen, auch für Läufer und andere Sportler, die unterwegs Musik hören, ist es deutlich sicherer, wenn sie den Wagen hinter sich trotz des Trainings-Soundtracks hören können.

Ich habe schon verschiedene In-Ohr-Kopfhörer getragen, kann mir aber nicht recht vorstellen, dass die earHero so klein sein sollen, dass sie den Ohrkanal nicht blockieren. Laut Hersteller soll man sogar mit den Kopfhörern im Ohr über einen anderen Telefonhörer ein Gespräch führen können.

Mehr Infos über die Kopfhörer, die Umgebungsgeräusche nicht aussperren, gibt es auf der Website von earHero. (Frank Müller)

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Pirate3D Buccaneer

Pirate3D Buccaneer: 3-D-Drucker für jedermann? Zur Großansicht

Pirate3D Buccaneer: 3-D-Drucker für jedermann?

Wer sich für einen 3-D-Drucker interessiert und nicht tausende Euro ausgeben will, wird bislang vielfach auf Bausätze verwiesen. Dazu braucht man nicht nur handwerkliches Talent, die Maschinen versprühen zugleich den spröden Charme eines Techniklabors. So manchen erinnert das an die Anfangszeit der Mikrocomputer, als Bausätze ebenfalls stark verbreitet waren. Mit dem Apple II brachte damals ein heute bestens bekannter Hersteller einen Rechner auf den Markt, der nicht nur vollständig zusammengebaut und einsatzbereit war, sondern auch noch gut aussah. In diese Richtung denken offenbar die Macher des Pirate3D Buccaneer. Er erinnert dabei nicht zufällig an den PowerMac G4 Cube von Apple.

Der Buccaneer soll mit schönem Design und kleiner Stellfläche auch jene ansprechen, die ihren 3-D-Drucker nicht im Hobbykeller, sondern im Büro oder Wohnzimmer stehen haben möchten. Ein Filter soll dafür sorgen, dass er beim Drucken keine Gerüche verbreitet.

Das Äußere ist dabei nicht nur als Lockmittel für Ästheten gedacht, sondern soll zugleich Technik-Laien die Angst vor dem 3-D-Druck nehmen. Ganz nach Apples Motto geht es dabei um Reduktion: So gibt es am Gehäuse keinen einzigen Knopf und angeschlossen wird der Buccaneer drahtlos. Das Druckmaterial befindet sich in einem Extragehäuse aus Aluminium und Acryl.

In einem Punkt nehmen sich die 3-D-Piraten aber den Elektronik-Hersteller aus dem kalifornischen Cupertino nicht zum Vorbild: beim Preis. Während Apple bekanntlich das Premiumsegment abgrast, soll der Buccaneer umgerechnet nur 270 Euro kosten. Im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Makerbot Replicator wäre er damit knapp 1300 Euro günstiger. Sicher ein Preis, bei dem sich so mancher zu einem Spontankauf hinreißen lassen würde.

Der Buccaneer soll mit 100 Microns dieselbe Auflösung wie der Replicator haben. Mit 150 x 100 x 120 Millimeter ist die maximale Objektgröße allerdings erheblich geringer. Und letztlich sagt die Auflösung selbst erst nicht viel aus, denn nur Praxistests können zeigen, wie gut der Buccaneer wirklich funktioniert.

Manche, wie die Kollegen von "TechCrunch", haben erhebliche Zweifel, dass der Pirate3D Buccaneer die Erwartungen erfüllen kann. Angesichts des günstigen Preises und des zugleich aufwendigen Gehäuses müsse schließlich an irgendeiner Stelle gespart werden. Eine Logik, der man sich nur schwer entziehen kann.

Aktuell bewirbt sich Pirate3D darum, das Projekt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorfinanzieren zu lassen. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann hier seine E-Mail-Adresse hinterlassen. (Jan Tißler)

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1. Der deutsch Zoll spielt nicht mit!
hzj 25.05.2013
Leider spielt der deutsche Zoll bei solchen innovativen Dingen wie dem 3D Drucker meist nicht mit. Ich hatte Anfang 2012 in einer anderen Kickstarter Aktion für 650US$ einen 3D Drucker gekauft. Als der dann geliefert wurde, hat der deutsche Zoll ihn einkassiert und vernichtet. Begründung: Die Motoren und die Elektronik-Einzelteile hatten keine CE Kennzeichnung, es fehlte eine deutsche Bedienungsanleitung, ein USB Kabel hatte keine Abschirmung, der Import war daher illegal. Dabei gibt es baugleiche Teile in jedem Elektronikhandel. Vernichtet wurden nicht nur die "verbotenen" Teile, sondern gleich der ganze Bausatz mit Lagern, Schrauben, Zahnrädern, ...... Die Behördenmitarbeiter entscheiden völlig willkürlich und denken nicht daran, ihre Spielräume bei der Bewertung der Importteile für solche Privateinkäufe auszunutzen.
2.
Reg Schuh 25.05.2013
Zitat von sysopDas windschnittige Zipcycle soll weniger als ein Viertel des Luftwiderstands normaler Fahrräder haben - und sich deshalb doppelt so schnell fahren lassen. Außerdem in der Gadget-Schau von neuerdings.com: Ein Kopfhörer, der viel durchlässt und ein 3-D-Drucker, der wenig kosten soll. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/neue-gadgets-von-neuerdings-com-liegerad-kopfhoerer-3-d-drucker-a-901470.html
Mit dem Fahrrad will man nur keinen Seitenwind haben, besondern keine Böen. Und keinen PKW-Verkehr, der über einen selbst hinwegsieht. (Das ist bei normalen Liegerädern im Straßenbverkehr schon echt problematisch!) Und keine Bordsteine. Äste auf dem Radweg? Wie schwer wird dieses Ding - kann man das auch ein paar Meter durch die Fußgängerzone schieben? Beleuchtung usw. wurde in dem Artikel ja schon angesprochen. An einem Fahradständer kann man das Ding auch nur anschließen, wenn er unter der Verkleidung einen "Kensington-Lock" anbringt.... Oder ist das ganz vielleicht nur ein "Gadget", das man manchmal auf der Hallen-Rennbahn ausprobieren kann?
3. Lautlose Nackenbrecher
telltaleheart 25.05.2013
Zitat von sysopDas windschnittige Zipcycle soll weniger als ein Viertel des Luftwiderstands normaler Fahrräder haben - und sich deshalb doppelt so schnell fahren lassen. Außerdem in der Gadget-Schau von neuerdings.com: Ein Kopfhörer, der viel durchlässt und ein 3-D-Drucker, der wenig kosten soll. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/neue-gadgets-von-neuerdings-com-liegerad-kopfhoerer-3-d-drucker-a-901470.html
Dieses Fahrrad wirkt auf mich zunächst mal vielversprechend. Ich sehe nur zwei große Probleme. Zum ersten die Aerodynamik der Fahrradfahrer selbst. Und zweitens das Angebot an Wegen und Straßen. Vom erwartbaren Preis mal abgesehen. Als passionierter Fußgänger gerate ich fast täglich in Beinaheunfälle mit Radfahrern die irgendwie zu schüchtern oder zu cool zu sein scheinen rechtzeitig auf sich aufmerksam zu machen, bevor sie an einem vorbei oder in einen hinein brettern, was auf schmalen Wegen, die von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam benutzt werden, oft nur sehr schwer zu vermeiden ist. Man müsste sich praktisch minütlich umsehen um ihnen nicht ins Gehege zu kommen. Oder, falls möglich, neben dem Weg laufen, was natürlich anstrengend und kaum einzusehen wäre. Einmal ist eine Radfahrerin sogar auf dem Grünstreifen an mir vorbei gerattert und dabei fast gestürzt. Einfach mal rechtzeitig klingeln wäre zweifellos weit weniger peinlich gewesen. Und wenn die dann erst mit Tempo 40 unterwegs wären...
4.
barlog 25.05.2013
Zitat von Reg SchuhMit dem Fahrrad will man nur keinen Seitenwind haben, besondern keine Böen. Und keinen PKW-Verkehr, der über einen selbst hinwegsieht. (Das ist bei normalen Liegerädern im Straßenbverkehr schon echt problematisch!) Und keine Bordsteine. Äste auf dem Radweg? Wie schwer wird dieses Ding - kann man das auch ein paar Meter durch die Fußgängerzone schieben? Beleuchtung usw. wurde in dem Artikel ja schon angesprochen. An einem Fahradständer kann man das Ding auch nur anschließen, wenn er unter der Verkleidung einen "Kensington-Lock" anbringt.... Oder ist das ganz vielleicht nur ein "Gadget", das man manchmal auf der Hallen-Rennbahn ausprobieren kann?
Tja, das sind eigentlich auch die wesentlichen Gründe, weshalb ein Fahrrad heute noch fast genauso wie vor hundert Jahren aussieht. Aus physikalischer Sicht ist klar, daß ein Fahrrad viel effektiver konstruiert sein könnte, was die Kraftumsetzung betrifft. Leider sind solche Konstruktionen aber nicht praxistauglich in einer Welt, in der man mit so einem filigranen Gerät von rasenden 1,5-Tonnern umgeben entweder am Fahrbahnrand heumbalancieren oder auf einem sogen. Radweg zwischen Fußgängern manövrieren muss. Gerade auf Letzterem sind die mit dem vollverkleideten Vehikel erreichbaren Geschwindigkeiten sowieso hochgefährlich und daher unrealistisch. Es bleiben tatsächlich nur spezielle Fahrradreisewege und eben Rennbahnen für das sicherlich kostspielige Teil als Biotop übrig, auf denen einsame Peter-Lustig-Typen damit ihre Runden drehen.
5. Gute Idee
Ursprung 25.05.2013
Zitat von Reg SchuhMit dem Fahrrad will man nur keinen Seitenwind haben, besondern keine Böen. Und keinen PKW-Verkehr, der über einen selbst hinwegsieht. (Das ist bei normalen Liegerädern im Straßenbverkehr schon echt problematisch!) Und keine Bordsteine. Äste auf dem Radweg? Wie schwer wird dieses Ding - kann man das auch ein paar Meter durch die Fußgängerzone schieben? Beleuchtung usw. wurde in dem Artikel ja schon angesprochen. An einem Fahradständer kann man das Ding auch nur anschließen, wenn er unter der Verkleidung einen "Kensington-Lock" anbringt.... Oder ist das ganz vielleicht nur ein "Gadget", das man manchmal auf der Hallen-Rennbahn ausprobieren kann?
Ist zwar richtig so bislang, was Sie hier zu bedenken geben aber prinzipiell ist viel dran, das hundertjaehrige Grundmodell mal zu ueberdenken. Als Liegerad mit dem tiefen Schwerpunkt und niedrig placierter Seitenflaeche ist die Seitenboenanfaelligkeit wohl weniger ein Problem. Besonders interessant werden koennte der Regenschutz in Planung bei vergleichsweise niedrigem Luftwiderstandswert. Sichtbarkeit, Beleuchtung, Diebstahlsicherung sind innovativ wohl schon mit bisherigen Techniken zu loesen.
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