Neue Lomo-Kamera Filmchemie im Panoramaformat

Doppelt so breit und gerne auch mal doppelt belichtet: Die neue Lomo-Kamera Sprocket Rocket fotografiert im Ultraweitwinkel-Format und nutzt jeden Millimeter des Films aus.

Von Carolin Neumann

Carolin Neumann

Selten war der Überraschungseffekt beim Abholen von Fotoabzügen größer als mit der Sprocket Rocket. Die neue Analogkamera der Wiener Lomographischen AG fotografiert im Panorama-Format und erleichtert bewusste Mehrfachbelichtungen - viele Möglichkeiten also zur Bildgestaltung.

Mit ihrem 30mm-Objektiv ermöglicht die Sprocket Rocket standardmäßig Weitwinkelaufnahmen. Was genau man fotografiert hat? Erfährt man erst nach der Entwicklung. Wie gewohnt ist das eine Sache des Ausprobierens und der halbe Spaß beim Lomografieren ( mehr über die Geschichte der Kompaktkamera Lomo LC-A und der Lomographischen AG). Man sollte seinem Motiv beim Blick durch den Sucher einfach etwas mehr Raum lassen als ästhetisch scheint. Ein kleiner Bonus des Weitwinkels: Zum Rand hin haben die Bilder mitunter Verkrümmungen, als fotografiere man mit einer Fischaugenlinse. Nicht zu vergessen eine manchmal starke Vignettierung - in Kombination mit dem Fisheye-Effekt garantiert das exotische Ergebnisse.

Ein Vorzeigemerkmal laut Hersteller trägt die Kamera bereits im Namen: Sprocket holes sind die Perforationslöcher des Films. Die Kamera belichtet die standardmäßig mit. Bei den meisten Kameras der Lomographischen AG bedarf es dazu erst eines speziellen Einsatzes; bei der Sprocket Rocket ist das umgekehrt: Der mitgelieferte Rahmen ist für Spielverderber gedacht, die lieber ohne Perforation arbeiten.

Auch ihre dritte wesentliche Eigenschaft hat die Sprocket Rocket anderen Modellen wie der Diana F+ voraus: Der Rückspulmechanismus ist oben auf der Kamera anstatt am Boden angebracht und ist nicht mehr vorrangig dafür gedacht, nach der Fototour den Film entfernen zu können. Man kann das Rad nach Belieben vor- oder zurückdrehen. Bilder halb, doppelt oder mehrfach zu belichten, wird dadurch technisch unterstützt. Ein Fenster mit einem kleinen weißen Punkt dient als Orientierung, wann man sich wieder ungefähr im Bildrahmen befindet - oder eben nicht.

Zu cool für den Alltag

Der Hersteller betont die Mehrfachbelichtungen derart, er scheint es geradezu darauf anzulegen, dass wir mit einem gewöhnlichen Kleinbildfilm besonders lange auskommen. 36 Fotos ergeben, da sie das Format 72 x 35 mm haben, allerdings nur etwa 18 Bilder. Wer glaubt, dass die Entwicklung deswegen günstiger sei, irrt allerdings. Panorama-Abzüge gehen ins Geld, und wer nicht selbst entwickelt, kommt wegen der Perforation nicht am Fotolabor vorbei, bei den Supermarkt-Fotoangeboten sind solche Extras nicht vorgesehen. Wer einen guten Scanner mit Durchlichteinheit hat, kann zumindest auf Abzüge verzichten und die entwickelten Negative samt löchrigem Rand selbst einscannen.

So oder so: Man muss schon etwas tiefer in den Geldbeutel greifen, will man die Sprocket Rocket nicht nur ins Regal stellen - wobei es dank der wie immer hübschen Lomography-Verpackung Schlimmeres gäbe. Eine solche Panoramakamera bekommt man sonst in dieser Preisklasse eher nicht. Manchem mögen allerdings rund 80 Euro schon zu viel erscheinen angesichts der doch recht limitierten Einstellungsmöglichkeiten: Es gibt zwei Verschlusszeiten, zwei Blendenalternativen, und zwei Varianten der Fokussierung.

Bis zu 0,6 Meter kann man sich mit der Sprocket Rocket seinem Motiv nähern und sich selbst damit in Panoramen verewigen - theoretisch. Praktisch liegt die Kamera zwar beim normalen Fotografieren recht gut in der Hand, Selbstaufnahmen gestalten sich aber etwas schwierig. Was nicht heißt, dass man es nicht ausprobieren sollte. Die Sprocket Rocket schreit förmlich nach Experimenten; Langzeitaufnahmen, Lichtmalerei und verrückten Mehrfachbelichtungen.

Die charmanten Ergebnisse wiegen die wenigen Features auf und dürften echten Lomo-Fans auch die kostspielige Handhabung wert sein. Für den alltäglichen analogen Gebrauch ist die Sprocket Rocket zwar nichts, will sie aber auch gar nicht sein, wie schon der Blick auf das elegante Oldschool-Gehäuse verrät. Eher eine schicke, analoge Zweitkamera für besondere Anlässe. Mit garantierten "Was zur Hölle ist das?"-Reaktionen auf der ersten Fototour.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
herkurius 26.12.2010
1. Auf Thema antworten
Zitat von sysopDoppelt so breit und gerne auch mal doppelt belichtet: Die neue Lomo-Kamera Sprocket Rocket fotografiert im Ultraweitwinkel-Format und nutzt jeden Millimeter des Films aus. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,734330,00.html
Bedauernswert die jungen Leute, die sich sowas andrehen lassen, wenn sie cooles Analog-Fotografie-Feeling mit russischen Kameras erleben wollen. Für 80 Ocken, leicht auch für die Hälfte, kriegt man selbst heute noch z.B. eine Quelle Revue 4, eine Kamera russischer Herkunft ("Zorki 4"), Messsucher und Wechseloptik mit dem Leica-Gewinde 39 Millimeter. Teleobjektiv wie das renommierte russische Jupiter, Stereo- oder z.B. Panoramazubehör für's Stativ, damit ist alles machbar, und zwar in authentischer Super-Qualität. (Qualität und Leica-Gewinde sind kein Zufall, weil es sich um eine Fortentwicklung derselben handelt...).
ornis 26.12.2010
2. charmante Ergebnisse?
Ich sehe da lediglich eine saumiese Bildqualität, offensichtlich aufgenommen mit einer Kamera, deren Fähigkeiten mit 80 Euro weit überteuert bezahlt werden.
mkalus 27.12.2010
3. Naja
Zitat von herkuriusBedauernswert die jungen Leute, die sich sowas andrehen lassen, wenn sie cooles Analog-Fotografie-Feeling mit russischen Kameras erleben wollen. Für 80 Ocken, leicht auch für die Hälfte, kriegt man selbst heute noch z.B. eine Quelle Revue 4, eine Kamera russischer Herkunft ("Zorki 4"), Messsucher und Wechseloptik mit dem Leica-Gewinde 39 Millimeter. Teleobjektiv wie das renommierte russische Jupiter, Stereo- oder z.B. Panoramazubehör für's Stativ, damit ist alles machbar, und zwar in authentischer Super-Qualität. (Qualität und Leica-Gewinde sind kein Zufall, weil es sich um eine Fortentwicklung derselben handelt...).
Ich mag die alten Kameras und habe einige Russische, aber die sind sehr viel schneller kaputt zu kriegen wie man glaubt, vor allem der Verschluss geht ja gerne drauf (von wegen Verschlusszeit Einstellen und so). Auch das Glass kann etwas hit & miss sein. Das was damals fuer den Export gemacht wurde war gut (und ist es wohl auch heute noch), aber was so im Inland verkloppt wurde ist schon teilweise erbaermlich (hab einige gesehen). Ansonsten aber: Ja, da gibt es bessere moeglichkeiten technisch bessere Fotos aufzunehmen, aber darum geht es "Lomografen" ja nicht.
herkurius 27.12.2010
4. Auf Thema antworten
Zitat von mkalusIch mag die alten Kameras und habe einige Russische, aber die sind sehr viel schneller kaputt zu kriegen wie man glaubt, vor allem der Verschluss geht ja gerne drauf (von wegen Verschlusszeit Einstellen und so). Auch das Glass kann etwas hit & miss sein. Das was damals fuer den Export gemacht wurde war gut (und ist es wohl auch heute noch), aber was so im Inland verkloppt wurde ist schon teilweise erbaermlich (hab einige gesehen). Ansonsten aber: Ja, da gibt es bessere moeglichkeiten technisch bessere Fotos aufzunehmen, aber darum geht es "Lomografen" ja nicht.
Alle russischen Schlitzverschlusskameras, die ich gesehen habe (viele), waren unkaputtbar. Die ganzen kostbaren Computer-Verschlüsse der 50er Jahre sind heute unbrauchbar geworden, Schlitzverschlüsse auch der 30er Jahre gehen noch. Kein Wunder, sie sind ja in West wie Ost gebaut wie Kalaschnikows. Ob sie ihre Zeiten noch einhalten oder z.B. mit gleichmäßiger Geschwindigkeit ablaufen, weiss ich nicht. Bzw. meine Revue4 gingen vor zehn Jahren noch hervorragend. Zugegeben hat die Einheitskonstruktion ihre Tücken. Man kann mühelos einen solchen Schlitzverschluß durch Fehlbedienung zum Klemmen bringen. Mit viel Geduld und Versuchen habe ich solche aber auch wieder gängig gemacht. Optiken auf Exportkameras sind hervorragend (also von der unsäglichen Lubitel wollen wir mal absehen...). Bei sehr schön aussehenden Optiken mit russischer Aufschrift sind auch meine Erfahrungen enttäuschend gewesen, ob sie nun dem Ur-Elmar glichen oder eine beeindruckende Lichtstärke von 1:2 und entsprechend geiles Aussehen hatten. Und wenn ein "Lomograf" sich darüber im Klaren ist, dass er eine überteuerte Schickimicki-Kamera kauft, um einem Trend nachzurennen oder eben die angeblichen Eigenschaften früherer Analogkameras wie Vignettierung nachzuahmen (die nicht mal bei einer einfachen Agfa Click so vorhanden waren), ist ja nichts dagegen zu sagen. Die Lomo werden aber den Unerfahrenen als die Essenz der Analogfotografie verkauft und da ist halt jede alte, sagen wir mal, Agfa Isoly oder unter den Spitzenkameras eben die russische Technik oder etwas wie eine Yashicamat 124G viel schöner in Handhabung und Bildresultaten. ... Auch wenn es mich, trotz 50 Jahren qualifizierter Fotografier-Erfahrung, heute sauer ankommt, eine Analogkamera zur Hand zu nehmen, gar eine antike ohne jede Automatik, und das mit der Entfernung, Belichtung usw. hinkriegen zu müssen, ohne mal eben abzudrücken und das Resultat schon mal auf dem Display zu begutachten ;-).
herkurius 28.12.2010
5.
(Seufz) Freud' sche Fehlleistung. Ich meinte natürlich nicht "Computer-Verschlüsse" aus den 50er Jahren, sondern Compur-Verschlüsse - die mit den vielen kleinen Lamellen und Hebelchen, die mittlerweile alle verharzt sind und zumindest bei niedrigen Temperaturen steckenbleiben.
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