Von Matthias Kremp
Barcelona - Jetzt geht die Tablet-Party richtig los: Nachdem schon auf der Unterhaltungselektronikmesse CES im Januar Dutzende Flach-Computer vorgestellt und angekündigt worden sind, legt die Branche jetzt im großen Stil nach. Schon am ersten Tag des Mobile World Congress in Barcelona, der weltgrößten Handymesse, wurden mehrere spannende neue Geräte gezeigt. Einige davon sind Mitläuferprodukte ohne echten Mehrwert gegenüber der Konkurrenz. Doch ein paar Hersteller gehen eigene Wege und zeigen, dass man interessante Produkte entwickeln kann, ohne einfach nur bekannten Vorbildern nachzueifern.
Einer dieser Hersteller ist Samsung. Der koreanische Großkonzern präsentiert in Barcelona erstmals sein Galaxy Tab 10.1, eine vergrößerte und gleichzeitig abgespeckte Version des ersten Samsung-Tablet-PC, den das Unternehmen 2010 auf der Ifa in Berlin vorstellte.
Der Name ist dabei Programm, der Bildschirm misst exakt 10.1 Zoll in der Diagonalen. Damit überholt Samsung
Apples iPad, das mit 9,7 Zoll allerdings nur unmerklich weniger Bildfläche bietet. Dafür ist das Galaxy Tab 10.1 mit 10,9 Millimetern Dicke auch noch einen Hauch flacher und mit 599 Gramm substanziell leichter als das Tablet von Apple
.
Mehr noch: Der verwendete Prozessor ist zwar genau wie bei Apple mit einem Gigahertz getaktet, dank zweier Kerne dürfte er aber mehr Leistung bieten. Samsung setzt hier auf nVidias Tegra-2-Chips, die neben reichlich Prozessor-Power auch die nötigte Grafikleistung für Spiele und Videos liefern. Das ist auch nötig, weil das Display nicht nur mehr Fläche, sondern auch mehr Pixel als der des Apple-Tablets aufbietet. 1280 x 800 Bildpunkte reichen aus, um HD-Videos in 720p-Auflösung abspielen zu können. Die eingebauten Digitalkameras verfügen über insgesamt zehn Megapixel, acht davon für Schnappschüsse und zwei in der zum Anwender gerichteten Webcam für Videochats.
Samsung will als erster liefern
Ein solches Kameradoppel hat bisher kaum ein Tablet zu bieten. Samsung will das neue Tablet mit Android 3.0 bestücken, einer Neuauflage des Google-Betriebssystems, bei der unter anderem die Kamerafunktionen stark verbessert wurden. Wer das wirklich ausnutzen will, wird sich umso mehr über jedes Gramm freuen, das Samsung beim Tablet eingespart hat. Außer Fotos kann das Tablet aber auch HD-Videos aufzeichnen und ruckelfrei mit 30 Bildern pro Sekunden abspielen.
Nach aktuellem Stand der Dinge könnte das Galaxy Tab 10.1 das erste Android-3.0-Tablet werden, das hierzulande auf den Markt kommt. Zwar wird Motorolas Xoom möglicherweise früher ausgeliefert, wohl aber vorerst nur in den USA. Das Samsung-Tablet soll dagegen zeitgleich in 20 Ländern von Vodafone angeboten werden, irgendwann im Frühjahr, zu einem bisher nicht genannten Preis.
Das Doppelauge von LG
Das sieht beim V900 Optimus Pad von Samsungs Erzrivale LG Electronics anders aus. Ab April soll das Gerät, das in den USA G-Slate heißen wird, in den Handel kommen, 999 Euro kosten, teilte der Konzern am Montag in Barcelona mit. Das dürfte auch die Preisregion sein, in die Samsung vorstoßen möchte. Technisch macht das LG-Tablet dabei erst einmal einen ganz ähnlichen Eindruck wie das Galaxy Tab 10.1. Als Antrieb kommt derselbe Tegra-2-Prozessor zum Einsatz, der Bildschirm bietet mit 1280 x 768 Bildpunkten fast dieselbe Auflösung, ist aber mit 8,9 Zoll deutlich kleiner. Logisch auch, dass LGs Optimus Pad ebenfalls HD-Video ruckelfrei abspielen kann und mit Android 3.0 bestückt ist. Und auch dass LG ebenfalls Kameras einbaut, wundert nicht - außer man schaut sie sich an.
Denn auf der Rückseite des Optimus Pad prangen zwei 5-Megapixel-Kameras. Damit, so verspricht es der Hersteller, sollen sich 3-D-Videos in HD-Auflösung drehen lassen. Anschauen kann man solche Filmchen allerdings nur mit einer zusätzlich zu erwerbenden Brille am Gerät selbst oder auf einem 3-D-Fernseher, an den das Tablet per HDMI angeschlossen wird. Wer mag, kann seine 3-D-Videos auch in den 3-D-Bereich von YouTube hochladen.
Die gespaltene Persönlichkeit von Viewsonic
Mit den Features der Android-3.0-Vorbilder von Samsung, Motorola und LG kann Viewsonic nicht mithalten. Technisch ist deren neues ViewPad 10Pro eher Graubrot, auch wenn es alles andere als hässlich ist. Doch mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln, einem 10-Zoll-Bildschirm, ohne GPS und mit dem bei Tablets bisher unbeliebten Oak-Trail-Prozessor von Intel, hat es eigentlich keine Chance, sich von der Konkurrenz der großen Konzerne abzusetzen.
Aber eben nur eigentlich. Denn mit einem feinen kleinen Trick will sich Viewsonic dann doch seinen Platz in einer Nische sichern. Neben dem bei vielen Tablets üblichen Android-Betriebssystem kann das Viewpad nämlich auch noch Windows 7 nutzen und sich damit in Büroumgebungen einfügen, in denen das Microsoft-System unverzichtbar ist. Dabei soll man ohne Neustart zwischen den beiden Systemen umschalten können.
Und das dürfte eine Möglichkeit sein, auf die einige Anwender gewartet haben: Android für alles was schön ist oder schnell gehen muss, Windows für den Bürokram. Ein riesiger Markt wird das nicht sein, der sich da auftut, aber eine Lücke, um die sich die anderen nicht kümmern und in der man es sich bequem machen kann.
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