Neue Tablets: Mit 3D, Doppelherz und gespaltener Persönlichkeit

Von

Die nächste Tablet-Generation ist da: Mit schnelleren Chips, besseren Bildschirmen und eingebauten 3-D-Kameras bringen die Neulinge Bewegung in einen Markt, der lange auf der Stelle zu treten schien.

Anders als das iPad: Die Tablet-Highlights von der Handymesse Fotos

Barcelona - Jetzt geht die Tablet-Party richtig los: Nachdem schon auf der Unterhaltungselektronikmesse CES im Januar Dutzende Flach-Computer vorgestellt und angekündigt worden sind, legt die Branche jetzt im großen Stil nach. Schon am ersten Tag des Mobile World Congress in Barcelona, der weltgrößten Handymesse, wurden mehrere spannende neue Geräte gezeigt. Einige davon sind Mitläuferprodukte ohne echten Mehrwert gegenüber der Konkurrenz. Doch ein paar Hersteller gehen eigene Wege und zeigen, dass man interessante Produkte entwickeln kann, ohne einfach nur bekannten Vorbildern nachzueifern.

Einer dieser Hersteller ist Samsung. Der koreanische Großkonzern präsentiert in Barcelona erstmals sein Galaxy Tab 10.1, eine vergrößerte und gleichzeitig abgespeckte Version des ersten Samsung-Tablet-PC, den das Unternehmen 2010 auf der Ifa in Berlin vorstellte.

Der Name ist dabei Programm, der Bildschirm misst exakt 10.1 Zoll in der Diagonalen. Damit überholt Samsung Chart zeigen Apples iPad, das mit 9,7 Zoll allerdings nur unmerklich weniger Bildfläche bietet. Dafür ist das Galaxy Tab 10.1 mit 10,9 Millimetern Dicke auch noch einen Hauch flacher und mit 599 Gramm substanziell leichter als das Tablet von Apple Chart zeigen.

Mehr noch: Der verwendete Prozessor ist zwar genau wie bei Apple mit einem Gigahertz getaktet, dank zweier Kerne dürfte er aber mehr Leistung bieten. Samsung setzt hier auf nVidias Tegra-2-Chips, die neben reichlich Prozessor-Power auch die nötigte Grafikleistung für Spiele und Videos liefern. Das ist auch nötig, weil das Display nicht nur mehr Fläche, sondern auch mehr Pixel als der des Apple-Tablets aufbietet. 1280 x 800 Bildpunkte reichen aus, um HD-Videos in 720p-Auflösung abspielen zu können. Die eingebauten Digitalkameras verfügen über insgesamt zehn Megapixel, acht davon für Schnappschüsse und zwei in der zum Anwender gerichteten Webcam für Videochats.

Samsung will als erster liefern

Ein solches Kameradoppel hat bisher kaum ein Tablet zu bieten. Samsung will das neue Tablet mit Android 3.0 bestücken, einer Neuauflage des Google-Betriebssystems, bei der unter anderem die Kamerafunktionen stark verbessert wurden. Wer das wirklich ausnutzen will, wird sich umso mehr über jedes Gramm freuen, das Samsung beim Tablet eingespart hat. Außer Fotos kann das Tablet aber auch HD-Videos aufzeichnen und ruckelfrei mit 30 Bildern pro Sekunden abspielen.

Nach aktuellem Stand der Dinge könnte das Galaxy Tab 10.1 das erste Android-3.0-Tablet werden, das hierzulande auf den Markt kommt. Zwar wird Motorolas Xoom möglicherweise früher ausgeliefert, wohl aber vorerst nur in den USA. Das Samsung-Tablet soll dagegen zeitgleich in 20 Ländern von Vodafone angeboten werden, irgendwann im Frühjahr, zu einem bisher nicht genannten Preis.

Das Doppelauge von LG

Das sieht beim V900 Optimus Pad von Samsungs Erzrivale LG Electronics anders aus. Ab April soll das Gerät, das in den USA G-Slate heißen wird, in den Handel kommen, 999 Euro kosten, teilte der Konzern am Montag in Barcelona mit. Das dürfte auch die Preisregion sein, in die Samsung vorstoßen möchte. Technisch macht das LG-Tablet dabei erst einmal einen ganz ähnlichen Eindruck wie das Galaxy Tab 10.1. Als Antrieb kommt derselbe Tegra-2-Prozessor zum Einsatz, der Bildschirm bietet mit 1280 x 768 Bildpunkten fast dieselbe Auflösung, ist aber mit 8,9 Zoll deutlich kleiner. Logisch auch, dass LGs Optimus Pad ebenfalls HD-Video ruckelfrei abspielen kann und mit Android 3.0 bestückt ist. Und auch dass LG ebenfalls Kameras einbaut, wundert nicht - außer man schaut sie sich an.

Denn auf der Rückseite des Optimus Pad prangen zwei 5-Megapixel-Kameras. Damit, so verspricht es der Hersteller, sollen sich 3-D-Videos in HD-Auflösung drehen lassen. Anschauen kann man solche Filmchen allerdings nur mit einer zusätzlich zu erwerbenden Brille am Gerät selbst oder auf einem 3-D-Fernseher, an den das Tablet per HDMI angeschlossen wird. Wer mag, kann seine 3-D-Videos auch in den 3-D-Bereich von YouTube hochladen.

Die gespaltene Persönlichkeit von Viewsonic

Mit den Features der Android-3.0-Vorbilder von Samsung, Motorola und LG kann Viewsonic nicht mithalten. Technisch ist deren neues ViewPad 10Pro eher Graubrot, auch wenn es alles andere als hässlich ist. Doch mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln, einem 10-Zoll-Bildschirm, ohne GPS und mit dem bei Tablets bisher unbeliebten Oak-Trail-Prozessor von Intel, hat es eigentlich keine Chance, sich von der Konkurrenz der großen Konzerne abzusetzen.

Aber eben nur eigentlich. Denn mit einem feinen kleinen Trick will sich Viewsonic dann doch seinen Platz in einer Nische sichern. Neben dem bei vielen Tablets üblichen Android-Betriebssystem kann das Viewpad nämlich auch noch Windows 7 nutzen und sich damit in Büroumgebungen einfügen, in denen das Microsoft-System unverzichtbar ist. Dabei soll man ohne Neustart zwischen den beiden Systemen umschalten können.

Und das dürfte eine Möglichkeit sein, auf die einige Anwender gewartet haben: Android für alles was schön ist oder schnell gehen muss, Windows für den Bürokram. Ein riesiger Markt wird das nicht sein, der sich da auftut, aber eine Lücke, um die sich die anderen nicht kümmern und in der man es sich bequem machen kann.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. 999,99€ Juppie!
wuestefeld 14.02.2011
Das sind ja mal endlich günstige Preise, ohne diesen iAppel-aufschlag von 30%. Sofort kaufen!
2. ..
felisconcolor 14.02.2011
Alles ganz nett anzuschauen. Aber das Tablett ohne OS, welches ich mir dann aussuchen kann wird wohl weiter ein Wunschtraum bleiben. Oder?
3.
meinungsherrscher 14.02.2011
Zitat von sysopDie nächste Tablet-Generation ist da: Mit schnelleren Chips, besseren Bildschirmen und eingebauten 3-D-Kameras bringen die Neulinge Bewegung in einen Markt, der lange auf der Stelle zu treten schien. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,745458,00.html
Wer zum Teufel nutzt ein Tablet um 3D HD Filme zu drehen? Ein Tablet wird nicht davon besser, dass man allen möglichen Schnickschnack einbaut. Besser wären Funktionen, die einem auch Nutzen und zwar in den Situationen, in denen man das Tablet verwendet.
4. Hallo !???
skrebok 14.02.2011
Zitat von wuestefeldDas sind ja mal endlich günstige Preise, ohne diesen iAppel-aufschlag von 30%. Sofort kaufen!
Ist wohl eher ein Scherz, oder ? 999,99€ für ein Tablet ist wohl weit über Schmerzgrenze. Nut so einem Preis lockt man niemand weg von Apple
5. 1000,- €
bluemetal 14.02.2011
Aha. 1000,- Euro für eine Replika. Also nur doppelt (!) so teuer wie ein original iPad. Na da würd ich auch das Samsung Dingsbums kaufen Auch wenn da nur neueste Technik verbaut ist ist der nächste Flop schon wieder vorprogrammiert. Zumal nächsten Monat das ipad2 ebenfalls mit Kameras und dual Core kommt. Allerdings für 499.- Euro. Erschreckende Realitätsferne aus Japan.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Cebit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 37 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Xperia Play, Neo und Pro: Sony Ericssons Neuvorstellungen

Fotostrecke
Android 3.0: Googles Tablet-Betriebssystem
Fotostrecke
Die neuen von HP Palm: Mit webOS statt Windows

Fotostrecke
Doppelschlag: Kyoceras Dual-Display-Handy

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.