Neuer Intel-Chip: Spar-Sprinter fürs Handy

Jetzt soll es endlich klappen: Chip-Hersteller Intel will seine Prozessoren auch in Handys unterbringen. Ein neuer Atom-Prozessor soll Mobiltelefone schneller, sparsamer und Desktop-Rechnern ähnlicher machen.

Intel Atom Z6: Spar-Sprinter fürs Handy Fotos

Intel inside, der berühmte Werbespruch des kalifornischen Chip-Herstellers, soll bald auch auf Mobiltelefonen prangen, wünschen sich Intels Manager. Möglich machen soll es der Atom Processor Z6xx, den der Konzern am Dienstagabend offiziell vorstellte. Handys, die diesen Chip benutzen, bräuchten weniger Strom als vergleichbare Geräte, sollen aber trotzdem schnell genug für HD-Videos, 3-D-Spiele und Multitasking sein, verspricht das Unternehmen.

Mit Prozessoren für Desktop-PC, Server und Mobilcomputer hat Intel im letzten Quartal knapp 2,3 Milliarden Dollar Gewinn gemacht, ist der weltweit größte Hersteller von Mikrochips, hat Fabriken und Entwicklungslabors auf der ganzen Welt. Die kleinen Atom-Prozessoren stecken in fast allen Netbooks, jenen billigen Mini-Notebooks, die seit einigen Jahren den Markt dominieren. Das boomende Geschäft mit Handys und hippen Tablet-Rechnern wie dem iPad, geht an der Firma bislang jedoch weitgehend vorbei. Er wird von Firmen wie Texas Instruments und Qualcomm beherrscht, die sich auf Mobil-Prozessoren spezialisiert haben.

Mit dem neuen Atom-Chip will Intel diesen Konkurrenten offenbar Marktanteile abnehmen und stellt vor allem die Stromsparfunktionen in den Vordergrund. Zwei besonders genügsame Stromsparmodi sollen den Verbrauch des Chips auf 100 Milliwatt herunterfahren. Im Vergleich zu Intels bisherigen Mobilprozessor mit Codenamen Menlow sollen die neuen Stromsparfunktionen dafür sorgen, dass Handys mit dem neuen Chip beim Webbrowsen zwei- bis dreimal weniger Strom verbrauchen als Vorgängermodelle, sich beim Abspielen vom Musik gar 20-mal genügsamer geben.

Zehn Tage Standby

In einem typischen Smartphone mit 1500 Milliamperestunden-Akku, also beispielsweise dem Xperia X10 von Sony Ericsson, soll diese neue Technik außerordentliche respektable Akkulaufzeiten ermöglichen. So gibt Intel eine Standby-Zeit von mehr als zehn Tagen an, verspricht zwei Tage kontinuierliches Musikabspielen und vier bis fünf Stunden Video-Laufzeit. Trotzdem soll die Leistung im Vergleich zum Vorgänger erhöht worden sein und ausreichen, um Videos im HD-Format 720p aufzuzeichnen und im Full-HD-Format 1080p abzuspielen.

Wohl auch aufgrund dieser Fähigkeiten soll der Atom Z6 nicht nur für den Einsatz in Handys, sondern auch in Tablet-PC taugen. Dabei soll er mit bis zu 1,9 Gigahertz getaktet werden. In Smartphones ist die Taktfrequenz auf 1,5 Gigahertz begrenzt. Als Betriebssystem sollen Googles Android, das von Intel unterstützte Moblin-Linux und das von Intel und Nokia gemeinsam entwickelte Meego genutzt werden können.

Wann kommen die Intel-Handys?

Laut Intel ist der neue Chip, der alle wichtigen Handyfunktionen in sich vereint, ab sofort lieferbar. Einen namhaften Hersteller, der die Chips verwendet oder verwenden wird, konnte das Unternehmen bislang allerdings nicht nennen. Intel-Manager Anand Chandrasekher begründete das mit der Geheimniskrämerei, die in der Branche herrscht. Man habe aber bereits eine Menge Kunden für den neuen Chip, sagte Chandrasekher.

Einer davon dürfte Nokia sein. Die Finnen haben ein berechtigtes Interesse daran, sich mit neuer Technik und dem Betriebssystem Meego als Technologieführer zu profilieren. In letzter Zeit sind sie meist nur noch durch Mitläuferprodukte aufgefallen. Ein nennenswerter Vorstoß war nur das N900, ein innovatives, Linux-basiertes und klobiges Smartphone, in dessen Fußstapfen ein Meego-Handy mit Atom-Chip bestens passen würde.

Bis die ersten Atom-Handys tatsächlich auf den Markt kommen, wird es dem Intel-Mann zufolge aber noch eine Weile dauern. Obwohl die Chips bereist ausgeliefert werden, ist nach seinen Worten erst in der zweiten Jahreshälfte mit ersten Mobiltelefonen zu rechnen, auf denen dann vielleicht wirklich ein Aufkleber erklärt: "Intel inside".

mak

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