Lenovo IdeaPad Yoga im Test: Ein Notebook dreht durch

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Lenovo macht es einem nicht leicht: Ist das neue Yoga nun ein riesengroßer Tablet-Rechner mit Tastatur? Oder ein Notebook mit einem extrem drehbaren Touchscreen? Eines ist sicher: Das Windows-8-Gerät ist sehr flexibel. Wenn da nur nicht das Gewicht wäre.

Ein total verdrehter Computer: Lenovo IdeaPad Yoga im Test Fotos
SPIEGEL ONLINE

Alles dreht sich, alles bewegt sich - nach diesem Prinzip funktioniert Lenovos Chart zeigen IdeaPad Yoga. Der Hersteller selbst spricht von einem Multi-Mode-Ultrabook und liegt damit ziemlich richtig. Denn das mit Windows 8 bestückte Yoga kann man nicht nur als Notebook benutzen. Spezielle Scharniere ermöglichen es, den Bildschirm in nahezu alle beliebigen Positionen zu bewegen, bis hin zu einem komplett umgedrehten Zustand. Dann wird das Notebook zum Tablet.

Das funktioniert richtig gut. Im Test haben wir alle nur erdenklichen Positionen ausprobiert. Dabei machte das Konstrukt nie einen instabilen Eindruck, wirkte stets robust und standfest. Interessant ist dabei die zweiteilige Funktion der Scharniere: Bis zu einem Anstellwinkel von 180 Grad funktionieren sie genau so wie normale Display-Scharniere auch. Dreht man den Bildschirm weiter, werden die Scharniere selbst mitgedreht, bis der Bildschirm schließlich hinter der Tastatur aufliegt.

Die Möglichkeiten, die das im Zusammenspiel mit Windows 8 eröffnet, sind vielfältig. Im einfachsten Fall benutzt man das Yoga einfach als Notebook, mit Tastatur und Touchpad. Sinnvoll ist das beispielsweise bei Textverarbeitung und beim Verfassen von E-Mails oder wenn man den Desktop des neuen Windows verwendet, der sich dann fast wie Windows 7 anfühlt. In diesem Modus kann man den Touchscreen komplett vergessen, was Umsteigern von älteren Windows-Versionen so etwas wie ein Gefühl von Heimeligkeit gibt (siehe Fotostrecke).

Schönes Tablet - für zu Hause

Um 270 Grad gedreht und auf der Tastatur abgelegt, taugt das Yoga dagegen prima als YouTube-Bildschirm. In Kombination mit einem USB-TV-Tuner könnte man es auch als Fernseher oder zum Vorführen von Powerpoint-Präsentationen benutzen. Dasselbe kann man auch erreichen, wenn man das Gerät statt auf der Tastatur auf den Längskanten von Bildschirm und Tastatur abstellt. Dann sieht es ein wenig wie ein Zelt aus und machte sich während des Tests beispielsweise in der Küche nützlich, indem es Kochrezepte aus dem Netz anzeigte.

Am häufigsten aber haben wir das Yoga als Tablet verwendet, also mit komplett umgeklapptem Display und automatisch deaktivierter Tastatur. Dafür taugt es - zumindest in der getesteten 13,3-Zoll-Version - allerdings nur für den Einsatz zu Hause, wo man es beispielsweise auf den Knien oder einem Tisch abstützen kann. Um es, wie ein Nexus 7 oder (mit etwas Mühe) ein iPad einhändig zu nutzen, ist es viel zu schwer. Gut 1,5 Kilogramm bringt das Yoga auf die Waage. Das kleinere 11-Zoll-Modell dürfte sich da kaum besser schlagen. Zwar ist es kompakter, aber mit knapp 1,3 Kilogramm kaum leichter als sein großes Gegenstück.

Reichlich Platz

Abgesehen davon ist es überraschend, wie viel Spaß ein Tablet im ungewohnt großen 13,3-Zoll-Format machen kann. Websurfen, Videos ansehen oder lesen - der Medienkonsum funktioniert einwandfrei. Letzteres macht das Yoga in Kombination mit der Kindle-Reader-App zu einem zu einem XXL-E-Reader. Im Querformat gehalten, bekommt man den Text zweispaltig angezeigt, im Hochformat einspaltig. Die Umschaltung zwischen hoch und quer erledigt der Rechner automatisch. Mit einem Taster an der Seite kann man die Bildschirmausrichtung anpassen.

Auffällig ist dabei, dass der Bildschirm im 16:9 Format so viel Platz bietet, dass man bei fast allen Tätigkeiten dieser Art den Bildschirm teilen kann, so dass beispielsweise im rechten Viertel die Eingangsbox des E-Mail-Programms angezeigt wird. Mit seinen 1600 mal 900 Pixel liefert der Rechner zudem ausreichend Bildschirmfläche, die man im Windows-Desktop braucht, um die Menüleisten und Funktionsboxen von Programmen wie Word oder Photoshop unterzubringen.

Aufpreis für Early Adopter

Die Geschwindigkeit unseres Testgeräts reichte dabei für alle alltäglichen Anwendungen aus. Nur das Umschalten vom Hoch- ins Querformat dauert gefühlt zu lange. Das könnte schneller gehen. Dazu ist allerdings anzumerken, dass uns zum Test ein Vorseriengerät zur Verfügung stand, das noch von einem Intel-Core-i3-Prozessor angetrieben wurde, dem nur zwei Gigabyte Speicher zur Verfügung standen.

Im Serienmodell wird dagegen ein i5-Prozessor werkeln, dem acht Gigabyte zur Seite stehen. Außerdem wird es eine 128 Gigabyte SSD und Windows 8 in der Standardversion enthalten.

Stolze 1299 Euro will der chinesische Computerhersteller dafür haben, wenn das Yoga 13 Anfang November in den Handel kommt. Ein Samsung-Serie-5-Ultrabook mit ähnlicher Ausstattung, aber einem nicht rundum drehbaren Touchscreen, gibt es für 300 Euro weniger (Stand 19. Oktober 2012). Für Gelegenheitskäufer und Sparfüchse ist das Yoga 13 also kein akzeptables Angebot. Aber wer vom Start weg voll auf Windows 8 und all seine neuen Funktionen einsteigen will - und das nötige Kleingeld hat - bekommt mit dem neuen IdeaPad genau die richtige Hardware.

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insgesamt 36 Beiträge
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1.
Thom-d 23.10.2012
Zitat von sysopLenovo macht es einem nicht leicht: Ist das neue Yoga nun ein riesengroßer Tablet-Rechner mit Tastatur? Oder ein Notebook mit einem extrem drehbaren Touchscreen? Eines ist sicher: Das Windows-8-Gerät ist sehr flexibel. Wenn da nur nicht das Gewicht wäre. Neues Notebook: Lenovo IdeaPad Yoga im Test - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/neues-notebook-lenovo-ideapad-yoga-im-test-a-862251.html)
Oh, das ist ja kein Apple-Produkt. Da kann es ja laut Matthias Kremp nichts besonderes sein ;-)
2. Noch nie eine Torx-Schraube gesehen?
solar22 23.10.2012
An diversen Power- bzw Macbooks hab ich die schon vor 10 Jahren gesehen. Und wer sich zutraut, einen mobilen Computer aufzuschrauben, der hat normalerweise auch das erforderliche Werkzeug.
3. Ein Flop?
MiniDragon 23.10.2012
Zitat von Thom-dOh, das ist ja kein Apple-Produkt. Da kann es ja laut Matthias Kremp nichts besonderes sein ;-)
Dann kann das wohl auch niemand gebrauchen ?
4.
themistokles 23.10.2012
Zitat von sysopLenovo macht es einem nicht leicht: Ist das neue Yoga nun ein riesengroßer Tablet-Rechner mit Tastatur? Oder ein Notebook mit einem extrem drehbaren Touchscreen? Eines ist sicher: Das Windows-8-Gerät ist sehr flexibel. Wenn da nur nicht das Gewicht wäre. Neues Notebook: Lenovo IdeaPad Yoga im Test - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/neues-notebook-lenovo-ideapad-yoga-im-test-a-862251.html)
Sehe ich das richtig, dass auf Bild 3 das Lenovo auf der Tastatur steht bzw. die Tasten der Tastatur die Auflagefläche bilden? Werden die Tasten dann deaktiviert? Ist das auf Dauer gut für die Tasten? Nicht falsch verstehen, das Produkt scheint wirklich innovativ zu sein aber das ist wohl erher etwas fehl konstruiert, oder?
5. Oh je!
mikesch0815 23.10.2012
..welch eine phänomenale Feststellung: Man hat auf einem 13" Display mehr Platz! Donnerlütt! Potzblitz! Alte Waldfee! Und ein Touchpad und eine Tastatur ist vielleicht manchmal besser - ja Sachen gibts! Aber immerhin wurde mal aufs nötige Kleingeld verwiesen - sowas wird bei dem Fallobst ja immer galant als Nebensächlichkeit abgetan.
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