Von Matthias Kremp
Im ersten Schritt soll Googles Betriebssystem ausschließlich auf kleinen, leichten und billigen Mobilcomputern der Netbook-Klasse laufen. Eine Unterstützung von Standard-PC ist - zumindest vorerst - nicht geplant. Das heißt aber nicht, dass es das überhaupt nicht geben wird. Google schließt zumindest nicht aus, dass es ein solches Desktop-Chrome-OS später geben könne. Vorerst will man aber alle Kräfte auf Netbooks konzentrieren.
Wirklich nur für Netbooks?
Indem Google den Chrome-Quellcode für jedermann freigibt, öffnet es auch Enthusiasten die Tür, welche das System an andere Hardware als die von Google geplante anpassen könnten. Beobachter gehen davon aus, dass sich um das Chrome OS herum eine Hackerszene bilden wird, die das System an offiziell nicht unterstützte Hardware anpasst. Der Vergleich zur Hackintosh-Szene, die Apples Mac OS X auf Standard-PC zum Laufen bringt, ist denkbar. Wer weiß, vielleicht gibt es dann auch Chrome-OS-Fans, die das Google-System auf Mac-Notebooks übertragen.
Die Hardware wird billiger
Chrome-Netbooks brauchen keine Festplatte, zumindest keine gewöhnliche. Das bisschen Software, das auf dem Rechner installiert sein muss, soll auf sogenannten Flash-Festplatten, also Massenspeichern ähnlich USB-Sticks, abgelegt werden. Grundsätzlich sind solche Speicher zwar teurer als herkömmliche Festplatten, da aber nur ein kleiner Speicher benötigt wird, könnte der Verzicht auf eine Festplatte trotzdem Einsparungen mit sich bringen, die sich in Form eines günstigen Preises des Gesamtgeräts niederschlagen.
Die Laptops werden leichter
Der Verzicht auf eine Festplatte bringt außer dem Preis noch einige weitere Vorteile mit sich: Ein solches Netbook wird leichter, schlanker und muss weniger gekühlt werden als aktuelle Modelle. Zudem sinkt der Stromverbrauch, da die als Festplattenersatz genutzten Flash-Speicher weniger Energie benötigen als die Motoren einer rotierenden Festplatte.
Millionen Programme
Eine Besonderheit von Chrome OS wird es sein, dass man auf dem Betriebssystem keine Programme installieren kann. Alle Software muss aus dem Netz geladen werden. Angebote wie Googles "Text und Tabellen" sind hier natürlich - welch Zufall - perfekt geeignet. Außerdem aber wird man auch so ziemlich jede andere Online-Software nutzen können, die von alternativen Anbietern offeriert wird. Chromes Unterstützung von Adobes Flash-Technologie ist hier eine Kernkomponente, die sicherstellen wird, dass wirklich viele Angebote zu Chrome OS kompatibel sein werden. Ob das System auch Microsofts Silverlight unterstützen wird, ist noch lange nicht sicher. Trotzdem haben Googles Manager bei der Vorstellung von Chrome OS selbstbewusst kundgetan, dass es für ihr System vom Start weg Millionen Anwendungen geben wird, eben weil es kompatibel zu etablierten Netzstandards sein soll.
Alles in die Wolke?
Grundsätzlich setzt Google bei Chrome OS darauf, sämtliche Anwendungen und Daten in einer Datenwolke zu speichern. Ebenso grundsätzlich soll der lokale Speicher von Chrome-Netbooks eigentlich nur dazu dienen, kleinere Datenmengen zwischenzuspeichern, bevor sie ins Netz hochgeladen werden. Trotzdem sollte es für die Hersteller solcher Laptops möglich sein, den integrierten Speicher so groß zu wählen, dass man darin beispielsweise auch seine Musiksammlung unterbringen, also Musik hören kann, ohne mit dem Netz verbunden zu sein. Außerdem könnten per USB externe Speichersticks oder über einen Kartenleser beispielsweise SD-Speicherkarten als Massenspeicher genutzt werden.
Immer online
Programme kommen aus dem Internet, Daten werden in der Wolke gespeichert: Bei Chrome OS setzt Google voll darauf, dass man immer und überall mit dem Internet verbunden ist. Damit das funktioniert, werden Chrome-OS-Netbooks mit W-Lan, Bluetooth und UMTS-Modems ausgestattet sein müssen. Ob es trotzdem möglich sein wird, damit zu arbeiten, wenn einmal das Netz ausfällt oder wenn man sich außerhalb der Grenzen drahtloser und verdrahteter Netze aufhält, ist unklar. Laut Google wird das System den HTML-5-Standard unterstützen, der einige Offline-Funktionen enthält. Außerdem verfügt Google mit "Gears" über eine Technik, die ebenfalls geeignet ist, Online-Programme ohne Netzanbindung zu nutzen. Genaues hat das Unternehmen hierzu aber noch nicht gesagt.
Fernzugriff per Browser?
Eine Einschränkung, die Googles Fixierung auf Cloud Computing mit sich bringt, ist es, dass man keinen anderen Browser als Google Chrome verwenden kann. Herkömmliche Software, und dazu zählen Browser, lassen sich in Chrome OS ja nicht installieren. Und die Idee, einen Browser in einem Browser-basierten Betriebssystem laufen zu lassen, mutet ein wenig verschroben an. Umgekehrt wäre es allerdings denkbar, via Browser auf Chrome OS zuzugreifen. Da das System ohnehin in der Datenwolke wohnt, dürfte es kein Problem sein, eine Möglichkeit zu schaffen, auf System und Programme via Web-Browser, beispielsweise mit Googles Chrome, zuzugreifen. Das würde die Möglichkeit schaffen, vom PC oder Mac aus mit denselben Daten und Programmen zu arbeiten, die man unterwegs am Chrome-Netbook verwendet hat.
Problem Peripherie
Ein Schwachpunkt von Chrome OS könnte die Unterstützung externer Geräte sein. Ein Computer braucht Treibersoftware, um mit Digitalkameras, MP3-Playern, Smartphones, Druckern und Scannern kommunizieren zu können. Diese Software wird normalerweise von den Herstellern solcher Geräte entwickelt. Google arbeitet nach eigenen Angaben mit einigen Hardware-Firmen zusammen, um deren Chrome-OS-Unterstützung zu sichern. Trotzdem ist davon auszugehen, dass nicht jedes Gerät, das jetzt mit Windows oder Mac zusammenarbeitet, auch unter Chrome OS funktionieren wird, eher im Gegenteil.
Einführung in ferner Zukunft, von wem auch immer
Auch wenn Google sein Chrome OS jetzt schon ankündigt, fertig ist es noch lange nicht. Erst in etwa einem Jahr dürften die ersten Chrome-OS-Netbooks auf den Markt kommen. Angesichts der Tatsache, dass Google ausdrücklich darauf hinweist, dass alle, aber auch wirklich alle Funktionen und Details sich noch ändern können, bis das System in die freie Wildbahn entlassen wird, sollte man nicht auf einen Frühstart spekulieren. Auch bei Googles Handy-Betriebssystem Android hat es weit länger als zunächst angekündigt gedauert, bevor tatsächlich das erste Handy auf den Markt kam.
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